Rezensionen: Games & Apps

PC-Spieletest / Game-Review: DEATH COME TRUE (2020)

Originaltitel: Far Cry 5
Veröffentlichungsdatum: 17. Juli 2020 (PC)
Entwickler: Too Kyo Games
Publisher: IzanagiGames
USK: /
Genre: FMV-Game / Horror / Thriller / Mystery

Manche Dinge sollten besser nicht wahr werden.


Als der junge Makoto Karaki (Kanata Hongō) in seinem Hotelzimmer erwacht, weiß er kaum wie ihm geschieht: ausgerechnet er soll ein gesuchter Serienmörder sein. Zumindest behauptet das ein Bericht im Fernsehen. Doch ganz egal wie sehr er sich auch anstrengt, er kann sich einfach nicht erinnern. Nicht daran, wie er überhaupt in dieses Hotelzimmer gekommen ist – und erst Recht nicht daran, dass er einen Menschen getötet hat. Dezent problematisch ist auch, dass er das Hotel offenbar nicht verlassen kann – und ihm augenscheinlich so gut wie alle Anwesenden feindlich gesinnt sind. Was es mit der betäubten und gefesselten Akane Sachimura (Chiaki Kuriyama) – die immerhin gleich im Badezimmer nebenan liegt – auf sich hat, weiß er ebenfalls nicht. Nur eines, das weiß er mit Sicherheit: er muss herausfinden, was all das zu bedeuten hat.

Man kann es drehen und wenden wie man will, doch eines scheint festzustehen: sogenannte FMV-Spiele (FMV steht für Full Motion Video) wie DEATH COME TRUE bringen des öfteren einen markanten Negativaspekt mit sich. Und der bezieht sich auf nicht weniger als auf die Bezeichnung des Produktes an sich – schließlich wird ganz grundsätzlich von Spielen gesprochen, und eher beiläufig von interaktiven Filmen. Doch genau das ist DEATH COME TRUE – ein Spielfilm mit einer eigentlich recht typischen Länge, einer durchdachten Story und natürlich auch echten Schauspielern. Und, das ist das eigentlich besondere: gewissen Twists oder eher Momenten der Pause, in denen der Zuschauer selbst angehalten wird, gewisse Entscheidungen zu treffen. Diese Entscheidungen sind – und das gilt insbesondere für DEATH COME TRUE – allerdings nicht wirklich frei, oder anders gesagt: kleinere Abweichungen oder besondere Szenen, die man sonst nicht gesehen hätte sind möglich – doch am Ende wird man immer auf den einen, so gesehen linearen Weg zurückgeführt. Immerhin, in diesem Fall gibt es gegen Ende noch eine besondere Wahlmöglichkeit, die 2 unterschiedliche Enden zur Folge hat – doch das war es dann auch schon gewesen. Ein wirklicher spielerischer Inhalt ist demnach gar nicht vorhanden – es sei denn natürlich, man bewertet ein oder zwei Mausklicks alle 5 Minuten (übertrieben gesagt) als eben solchen. Wenn überhaupt sollte man sich im Falle von DEATH COME TRUE – und das gilt sicher auch für einige andere FMV’s – eher zurücklehnen und genießen.

Denn das ist in diesem Fall – und trotz alledem – möglich. Und das sogar besser als gedacht. Vornehmlich liegt das an der tatsächlich höchst interessanten, sich nach und nach aufdröselnden Story – die vor allem in der ersten Hälfte unglaublich spannend und intensiv erzählt wird. Man fühlt recht bedingungslos mit dem (zunächst noch vollkommen ahnungslosen) Hauptcharakter mit – und malt sich aus, was es wohl mit dem seltsamen Hotel auf sich haben könnte. Die ersten Hinweise in Form von diversen Mystery-Elementen sowie auch das Durchbrechen von gängigen Perspektiven (der Hauptcharakter selbst merkt, dass die Zeit zurückgespult wird) passen hier ebenfalls perfekt ins Geschehen. Erst in der zweiten Hälfte dann verschenkt DEATH COME TRUE massiv Potential – leider. Die Gründe dafür liegen allerdings auf der Hand: der Hauptcharakter (und damit auch der Zuschauer) bekommt etwa zur Mitte hin überraschend großzügige Informationen zum Geschehen. Zu großzügige, muss man wohl sagen – schließlich weiß man ab diesem Zeitpunkt schon recht genau, welche Bedeutung das Hotel tatsächlich hat. Alle Enthüllungen die darauf folgen, sind längst nicht mehr so spannend oder haben einen ähnlichen Aha-Effekt.

Warum genau es zu einer solchen Entwicklung gekommen ist, bleibt natürlich fraglich – vielleicht sind den Machern die Ideen, das Budget oder schlicht und ergreifend auch einfach nur die Zeit ausgegangen. Das ist natürlich besonders ärgerlich, denn: man hätte DEATH COME TRUE auch bis zum absoluten Ende hin ähnlich spannend und intensiv gestalten können. Seien es noch ein paar mehr interessante Charaktere, der Einwurf eines noch komplexeren Zusammenhangs; oder vielleicht auch einfach nur ein erneutes in-Frage-stellen von all dem, was bis zu diesem Zeitpunkt passiert ist – der Möglichkeiten hätte es viele gegeben. Die beiden verfügbaren Enden die es in das Spiel geschafft haben, fühlen sich schließlich auch nicht mehr sonderlich rund respektive viel zu schnell abgehandelt an. Eine nachwirkende Beschäftigung mit dem Thema, oder auch nur ein bloßes Auseinandersetzen mit den gezeigten Inhalten über die Laufzeit hinaus wird so eher ausbleiben. Und gerade das ist eigentlich absolut untypisch für vergleichbare Genre-Filme aus Fernost.

Die viel zu kurze Gesamtlaufzeit, die enorme Qualitätsschwankung bei der Gegenüberstellung der ersten und zweiten Hälfte und das dementsprechend schwierige Preis-Leistungs-Verhältnis sollten demnach eher gegen DEATH COME TRUE sprechen. Dennoch kann man einen Blick riskieren – wenn einem der (sichtlich) betriebene Aufwand der Verantwortlichen, das gute Schauspiel und das nette Bonusmaterial als gute Verkaufsargumente reichen. Nur allzu viel erwarten sollte man wahrlich nicht – erst Recht nicht nach der wirklich grandiosen ersten Hälfte.

Bilder / Promofotos / Screenshots: Steam

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„Ganz nett, aber: hier wurde unglaublich viel Potential verschenkt.“

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