Rezensionen: Games & Apps

PC-Spieletest / Game-Review: FAR CRY 5 (2018)

Originaltitel: Far Cry 5
Veröffentlichungsdatum: 27. März 2018 (PC)
Entwickler: Ubisoft
Publisher: Ubisoft
USK: Ab 18 freigegeben
Genre: Ego-Shooter / Action

Wehe dem, der ein Sünder ist.

Inhalt: Was wäre (das fiktive) Hope County inmitten der USA doch ein beschauliches Fleckchen Erde… wenn, ja wenn da nicht ein gewisser Joseph Seed wäre, der die Gegend kurzerhand zum Sektengebiet erklärt – und alle bekämpft, die sich ihm in den Weg stellen. So wie etwa die Spielerfigur, die als Deputy Sheriff den Auftrag hat Seed festzunehmen – was natürlich gnadenlos scheitert und zu schweren Verlusten führt. Fortan hat man als Spieler nicht nur die Aufgabe, zu überleben – sondern auch, die insgesamt 3 großen von der Sekte kontrollierten Areale nach und nach zu befreien. Dabei stehen ihm glücklicherweise all jene zur Seite, die sich klar gegen die Sekte aussprechen – und fortan selbst zu den Waffen greifen, um ihre Heimat zu verteidigen. Doch was genau will der hiesige Sekten-Guru Joseph Seed wirklich ? Und: ist an seinen Botschaften – die er der Bevölkerung mit wahrlich skrupellosen Mitteln näherzubringen versucht – vielleicht doch etwas dran ?

Was macht man mit einer Spiele-Reihe, die sich schon seit Jahren kontinuierlicher Erfolge und, man kann es ruhig sagen; Gewinne erfreut ? Richtig, man führt sie weiter. Im Falle des FAR CRY-Franchise ist man dabei bereits beim fünften Teil angekommen – kleinere Ableger (wie PRIMAL) nicht mit eingerechnet. Eine Frage, die man sich dabei stellt – und auch zwangsläufig stellen muss – ist die nach dem Fortschritt. Sicher, es geht nicht darum das Franchise mit jedem weiteren Teil neu zu erfinden – eher im Gegenteil. Schließlich will man auch am bereits etablierten, erwiesenermaßen spaßigen Spielgefühl der Vergangenheit festhalten. Ein paar neue Elemente dürften es natürlich dennoch gerne sein, geht es um die grundsätzliche Anreize für Fans der Reihe sich auch die neuen FAR CRY-Teile zuzulegen – und wenn man gleichzeitig auch noch aus den Fehlern der Vergangenheit lernt, umso besser. Wie also schneidet FAR CRY 5 im Vergleich mit seinen Vorgängern ab – und lohnt es sich wirklich, erneut in die bestimmt auch dieses Mal von irgendeinem verrückten angeführten Spielwelten einzutauchen ?

Grundsätzlich muss man sagen: ja, absolut. Und das allein aus dem eben angedeuteten Grund, denn: auch dieses Mal ist es vor allem der Haupt-Widersacher des Spiels, der begeistert. Oder sollte man eher sagen, die insgesamt vier Hauptwidersacher ? Schließlich gibt es in FAR CRY 5 gleich drei große Gebiete, die von unterschiedlichen, sich in Sachen Besessenheit aber dennoch irgendwie gleichenden Anführern besetzt wurden – und einen Oberboss, der seine Fäden zunächst noch aus dem Hintergrund heraus zieht. Sicher, die Figuren sind nicht wirklich vielschichtig dargestellt – und doch zieht FAR CRY 5 seinen größten Reiz aus eben jenem Jagd- und Gerechtigkeitsgefühl, das man als Spieler auf der Hatz nach den Fieslingen automatisch etabliert. Anders gesagt: man will einfach möglichst schnell vorankommen, und die Dinge möglichst bald in Ordnung bringen. Für sich – aber auch die zahlreichen Nebenfiguren, die alle ihre ganz eigenen Sorgen und Nöte haben – und die dem Spieler teilweise auch zur Seite stehen. Analog zur dieses Mal wirklich sehr guten KI entsteht so durchaus ein Gefühl des Zusammenhalts, des unbedingt notwendigen Widerstands – was natürlich umso mehr Spaß macht, je mehr Möglichkeiten man zur Verfügung hat.

Und diesbezüglich geizt FAR CRY 5 – wie auch schon seine Vorgänger – nicht. Man kann grundsätzlich relativ frei wählen, was man als nächstes macht – und vor allem auch, wie man es angeht. Natürlich, letztendlich läuft es auch hier darauf hinaus die Hauptmissionen zu absolvieren – doch das Gefühl, zu einem linearen Verlauf gezwungen zu werden, entsteht nicht. Sicher auch, da man quasi selbst aussuchen kann wie man die Hauptgegner aus der Reserve lockt – wobei die Hauptmissionen natürlich die größten Fortschritte anbieten. Aber auch die zahlreichen Nebenmissionen oder kleinere Aktivitäten sind nicht vergebens – neben bestimmten Belohnungen winken auch hier sogenannte Widerstandspunkte, die den Fortschrittsbalken im jeweiligen Gebiet anschwellen lassen. Insgesamt gibt es jeweils vier Stufen, wobei die Auswirkungen beim Erreichen respektive Überschreiten derselben unterschiedlich sind. Allen gemein ist jedoch, dass sie quasi unausweichlich getriggert werden – ganz egal was man gerade macht, man kommt nicht umher das damit verbundene Ereignis durchleben zu müssen. Grundsätzlich macht das nichts, schließlich muss es irgendwie vorangehen – wobei der dann doch vorhandene Zwang noch besser hätte umgesetzt werden können. Oft sieht man beispielsweise gar nicht erst, dass man offenbar aus dem Hinterhalt betäubt wurde; oder kann nicht nachvollziehen warum man ausgerechnet jetzt in eine Art Drogenrausch (der dann entsprechende Zwischen- und Spielsequenzen einleitet) verfällt.

Sei es drum, und auch wenn der Weg des Spielers zumindest in diesen Momenten strikt vorgegeben ist – FAR CRY 5 macht schlicht einen Heidenspaß. Die zahlreichen Fahrzeuge (die man entweder in der Welt finden oder an Shops erwerben kann), die unterschiedlichen Waffen (von denen man mit freischaltbaren Perks etwas mehr tragen kann), die nützlichen Items und unterschiedlichen Granat-Typen, die in vielerlei Hinsicht abwechslungsreich wirkenden Gegenden – allzu schnell langweilig werden wird es einem hier eher nicht. Ein besonderes Augenmerk sollte hierbei auch auf die Möglichkeit gelegt werden, das Spiel im Co-Op mit einem Freund zu spielen – oder aber, und wenn man lieber Offline unterwegs ist; mit bis zu zwei freundlichen NPC’s. Hier offenbart FAR CRY 5 eine weitere, bisher so noch nicht dagewesene Stärke, denn: selbiges Konzept funktioniert schlicht außerordentlich gut. Zum einen gefällt die Vielfalt der möglichen Begleiter: relativ normale kann man überall auf den Straßen finden, während die speziellen nach bestimmten Missionen freigeschaltet werden. Die haben es dann auch wirklich in sich – wenn man will und kein Freund großer Worte ist, kann man auch mit einem Bär und einer Raubkatze umherziehen. Zum anderen aber, und das wäre wirklich ein möglicher Knackpunkt gewesen, funktioniert auch die Interaktion der NPC’s mit der Spielwelt. Sie melden sich immer wieder zu Wort (wenn man zwei dabei hat, kommt es teils zu amüsanten Gesprächen), können jegliche Fahrzeuge bedienen, verhalten sich auch in Kämpfen ordentlich. Einzig eine kleine Merkwürdigkeit gibt es: wenn man selbst unerkannt umher läuft bzw. sich irgendwo versteckt und die NPC-Kollegen vorschickt, verhalten sich die Gegner nicht immer so, wie man es sich gewünscht hätte. Offenbar zählt der Spieler selbst als größte Gefahr, und das immer – auch wenn er gerade nicht gesehen wird.

Dies ist sicher auch ein guter Einstiegspunkt für eine Analyse der möglichen Negativaspekte von FAR CRY 5 – denn auch die gibt es. Eines fällt dabei ganz besonders auf, gerade im Vergleich mit den Vorgängern: trotz der starken Charaktere und dem aus den Hauptmissionen entstehenden Drive ist es den Machern dieses Mal nicht wirklich gelungen, eine halbwegs glaubwürdige oder wahlweise auch den Spieler ganz und gar fesselnde Spielwelt zu etablieren. Warum die Situation so ist wie sie ist, warum niemand eingreift, warum es gegen Ende sogar zu einer (atomaren) Bombardierung des Gebietes kommt bleibt ebenso abstrakt wie die feste Meinung der offensichtlichen allerlei schreckliches veranstaltenden Bösewichter, mit all ihren Taten stets nur gutes zu wollen. Dass die eigene Spielerfigur sich dieses Mal erst gar nicht zu Wort meldet (das ging schon einmal anders) macht es nicht besser – und Dinge wie ein wie-auch-immer geartetes Dialog-System in entsprechenden Schicksals-Momenten bleibt wohl nur ein Wunschtraum. Es folgt die Übersicht der markantesten Positiv- und Negativaspekte von FAR CRY 5:

 

Handlung und Präsentation
  • Gut inszeniertes, wahnsinniges Hauptgegner-Ensemble aus 4 Personen
  • Interessante bis dezent verrückte Nebencharaktere
  • Toll inszenierte, antreibende Hauptmissionen
  • Eigener Charakter bleibt zu 100% stumm
  • Gründe für den Status Quo der Welt / des Gebietes (wie konnte es so weit kommen) bleiben unklar
  • Apokalyptisches Geschehen gegen Ende leicht unklar…
  • … und wenn man nach dem Abspann weiterspielt, ist alles wie zuvor
  • Kein wirkliches großes Finale / Extrem offenes Ende

4.0/10

Grafik und Design
  • Riesige, hübsche Spielwelt mit Möglichkeiten zum Erkunden und Austoben
  • Abwechslungsreiche Gegenden
  • Tolle Feuer-, Wasser- und Explosionseffekte
  • Stimmiges Charakter-Design
  • Tag- und Nachtwechsel
  • Tolle, teils zerstörbare Vegetation
  • Noch zu wenig zerstörbare Umgebung
  • Keine markanten Wettereffekte

9.0/10

Sound
  • Hervorragend vertonte Figuren
  • Lebendige Umgebungsgeräusche
  • Viele kleinere, stimmige Soundelemente
  • Bombastische Explosionen
  • Knackiger Waffensound
  • Soundtrack teils etwas aufdringlich

9.5/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Grundsätzliches Gefühl von Freiheit
  • Viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen
  • Möglichkeit, im Co-Op sowie mit bis zu 2 NPC’s zu spielen
  • Spaßige, unterschiedliche Fortbewegungsmittel (Quads, Autos, Trucks, Traktoren, Flugzeuge, Helikopter)
  • Fortbewegung per Fallschirm oder Jumpsuit
  • Spaßige Clutch Nixon-Herausforderungen (Stunt-Fahrten)
  • Klettern mit Enterhaken
  • Ansehnliches Waffen- und Itemarsenal
  • Entspannte Schnellreise-Funktion
  • Nebenmissionen qualitativ stark schwankend
  • Keine wirklichen Mini-Spiele mehr
  • Eher schlicht gehaltenes Skillpunktesystem, minimalistisches Crafting

7.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Gute NPC- und Gegner-KI
  • Komfortables automatisches Fahren zum Wegpunkt
  • Intuitive, unkomplizierte Steuerung
  • Geniales Fahrzeug-Gefühl
  • Im Gegensatz zu den Vorgängern ist Geld (etwa, um sich alle Fahrzeuge zu kaufen) nun eher Mangelware
  • Freche Einzelmissionen (sammle alle Fässer vom Grund des Flusses)
  • Teils hakelige Steuerung (Fallschirm, Wingsuit)
  • Keine wirkliche Fortschrittsanzeige

7.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 20-40

Fazit: FAR CRY 5 ist von der Story und etablierten Atmosphäre her leider nicht mehr mit den – zumindest in dieser Hinsicht besseren – Vorgängern zu vergleichen. Was dem Spiel indes bleibt, sind der vergleichsweise hohe Spaßfaktor und die gut umgesetzten Neuerungen – von denen vor allen Dingen die neuen Möglichkeiten in Richtung Co-Op zu gefallen wissen.


„Ein bombastisch inszenierter, kurzweiliger Ballerspaß für Zwischendurch.“

Kategorien:Rezensionen: Games & Apps

Tagged as: ,

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.