Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: FALCONER – From A Dying Ember (2020)

Alben-Titel: From A Dying Ember
Band: Falconer (mehr)
Veröffentlichung: 26. Juni 2020
Land: Schweden
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Metal Blade Records

Lineup:

Stefan Weinerhall – Guitars
Karsten Larsson – Drums
Mathias Blad – Vocals
Magnus Linhardt – Bass
Jimmy Hedlund – Guitars

Track-Liste:

1. Kings and Queens (04:40)
2. Desert Dreams (03:58)
3. Redeem and Repent (04:21)
4. Bland sump och dy (03:13)
5. Fool’s Crusade (05:25)
6. Garnets and a Gilded Rose (02:32)
7. In Regal Attire (03:53)
8. Rejoice the Adorned (03:41)
9. Testify (04:18)
10. Thrust the Dagger Deep (03:39)
11. Rapture (06:37)

Von einer Glut, die niemals vollständig verglimmt.

Fans der bekannten schwedischen Power Metal-Formation FALCONER werden es bereits gehört haben, für alle anderen sei es an dieser Stelle noch einmal erwähnt: ja, es ist leider wahr. FALCONER werden nach nunmehr 21 Jahren ihre musikalische Laufbahn respektive Karriere beenden – und mit dem heute zu Rezensionszwecken vorliegenden neunten Studioalbum FROM A DYING EMBER ihr letztes Studiowerk vorlegen. Zweifelsohne kommt diese Mitteilung ebenso unerwartet wie schockierend – und sollte die meisten Kenner der Band mit einem weinenden, aber eben auch einem lachenden Auge zurücklassen. Weinend deshalb, da FALCONER einen alles andere als unerheblichen Beitrag zum Power Metal-Genre geleistet haben – und man fortan auf weitere wahrhaft exzellente Werke wie das Debütalbum FALCONER (2001, siehe Review), CHAPTERS FROM A VALE FORLORN (2002, Review) oder NORTHWIND (2006, Review) verzichten muss. Lachend zurückgelassen wird man dagegen deshalb, da die Schweden eben nicht sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden wie so viele andere – und gegenüber ihren Fans eine klare Linie fahren. Und vielleicht ja auch, da sie im berühmt-berüchtigten schönsten Moment aufhören ? Dafür müsste FROM A DYING EMBER allerdings nochmal richtig einen raushauen – zumindest mehr, als das zuletzt erschienene BLACK MOON RISING (2014, Review) oder der komplett in der Landessprache der Schweden eingesungene Vorgänger ARMOD (2011, Review).

Die Chancen dafür sollten grundsätzlich gut stehen – denn wo sonst findet man schon eine derart erfahrene Band wie FALCONER, die selbst eine ihrer wohl größten Bewährungsproben (das war der Moment, in dem Leadsänger Mathias Blad die Band kurzzeitig respektive für immerhin 2 Alben verließ) doch noch mit Bravour bestand ? Fraglich ist demnach wohl nur, ob und wie sich das Wissen um den Status von FROM A DYING EMBER als letztes FALCONER-Album auf den Schöpfungsprozess ausgewirkt hat. Oder anders gefragt: haben FALCONER wirklich noch einmal alles gegeben, und ihrer Hörerschaft ein allerletztes Meisterwerk kredenzt ? Oder haben sie sich doch eher auf vergangene Erfolge besonnen, und es eher ruhig angehen lassen ? Um diese Frage möglichst treffend zu beantworten, könnte es ausnahmsweise einmal hilfreich sein sie eben nicht allzu angestrengt zu forcieren – sondern FROM A DYING EMBER stattdessen möglichst vorurteilsfrei und so gesehen auch als weiteres handelsübliches FALCONER-Album zu betrachten.

Das Album wird von KINGS AND QUEENS eröffnet – einer nicht besonders schnellen, aber gewissermaßen typischen FALCONER-Nummer mit prägnanten Riffs, interessanten Breaks und selbstverständlich auch dem – man kann es ruhig sagen – traumhaften Leadgesang von Mathias Blad. Entsprechend schnell ist man auch drin im Kosmos von FROM A DYING EMBER, das eindeutig als FALCONER-Album – und damit jener Band, die viele im Laufe der Jahre und Jahrzehnte kennen und lieben gelernt haben – zu identifizieren ist. Streiten könnte man sich wohl nur darüber, ob es sich bei dieser Nummer wirklich um einen treffenden Opener handelt – und ob nicht das folgende DESERT DREAMS besser geeignet gewesen wäre. Hier ziehen FALCONER schließlich noch einmal deutlich an, nicht nur was das Tempo betrifft – auch der geniale Refrain lässt Erinnerungen an die ganz großen Band-Momente wach werden. Hier ist eben überall ein wenig mehr drin, auch in den Strophen und dem Soli-Part – es handelt sich klar um das erste waschechte Highlight des Albums. Doch es geht weiter – auch mit REDEEM AND REPENT gibt man sich nicht die Blöße, und serviert dem Hörer viele der typischen (und eben auch: typisch-genialen) FALCONER-Trademarks. Denn seien es das hervorragende Songwriting, die Vielfalt und Wandelbarkeit innerhalb einzelner Titel, der allgemeine lyrische Tiefgang oder die perfekte Symbiose aus schön knackig klingenden Gitarren und dem weichen Leadgesang von Mathias Blad – so, und nicht anders macht ein FALCONER-Album wirklich Spaß.

Kleinere Abzüge in der B-Note gibt es auch, doch die sind je nach persönlicher Facón zu verschmerzen. So ist festzustellen – und wenn auch nur in einem höchst dezenten Maße – dass Mathias Blad möglicherweise nicht die beste Leistung seiner Karriere abruft. Sicher, grundsätzlich klingt er so markant und einzigartig wie eh und je, und damit auch gewissermaßen erhaben – doch ein kleiner Randeindruck, dass er auf früheren Alben für einen möglicherweise noch runderen Gesamteindruck gesorgt hat, lässt sich nicht gänzlich verdrängen. Ein Beispiel dafür findet sich etwa in FOOL’S CRUSADE – einer Nummer, bei der man das Gefühl bekommen könnte dass Blad der (wirklich starken) Instrumental-Front weniger entgegenzusetzen hat als zuvor. Das gilt natürlich nicht für die (gut platzierten) Momente, bei der sich die Instrumente auch mal etwas weiter zurückziehen – und Blad zu größeren gesanglichen Rundumschlägen ausholen kann – davon hätten es gerne noch etwas mehr sein dürfen. Ebenfalls fraglich respektive eine Geschmacksfrage ist, ob ein erneut auf schwedisch eingesungener Titel wie BLAND SUMP OCH DY etwas in der relativen Mitte des Albums zu suchen hat – und nicht besser am Ende oder als Bonustrack aufgehoben gewesen wäre.

Dann wird das Album aber noch einmal richtig stark: das mittelalterlich anmutende, später von satten Riffs durchzogene Instrumental GARNETS AND A GILDED ROSE bietet eine nette Abwechslung, und bietet den wohl perfekten Auftakt für das folgende IN REGAL ATTIRE. Selbige Nummer hat die wohl am stärksten voranpreschenden Strophen des Albums – schade nur, dass der eher entschleunigende Refrain diesbezüglich kaum mithalten kann und größeres verhindert. REJOICE THE ADORNED dagegen zeigt noch einmal auf, was Mathias Blad wirklich kann – und wirkt damit weniger wie eine typische Power Metal-Ballade, sondern vielmehr wie ein kleines Kunstwerk. Gänsehaut gibt es spätestens beim großen Finale, in dem auch noch ein kleiner Chor einsetzt – der Wahnsinn. Analog dazu ist es nur gut, dass FALCONER eines definitiv nicht können: kitschig klingen. TESTIFY wiederum passt inhaltlich perfekt zum Dasein des Albums als Abschluss-Werk – während TRUST THE DAGGER DEEP mit einigen Sound-Elementen aufwartet, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Auch hier gilt: es handelt sich um eine Geschmacksfrage. Aber: warum setzt man das Ganze nicht einfach an das Ende des Albums ? Immerhin, mit dem eigentlichen Rausschmeißer RAPTURE wartet noch einmal ein kleiner Hochkaräter auf den Hörer, der – gewissermaßen passend zu etwaigen Gedankenspielen über das Ende von FALCONER – ein kleines Gefühlschaos auszulösen vermag. Die Instrumentalstrecken und heftigen Tempoausbrüche gegen Ende, mit der FALCONER genialerweise sogar den Kreis zu ihrer Vergangenheit als MITHOTYN (das war lange her) schließen; sind jedenfalls höchst interessant.

Schlussendlich: FROM A DYING EMBER ist ein sehr gutes FALCONER-Album geworden. Vermutlich nicht ihr bestes – aber das war in Anbetracht der ruhmreichen Historie der Band auch nicht unbedingt zu erwarten. Fest steht nur, dass es ihr letztes ist – und in Anbetracht dessen ist den Schweden der Abschluss doch mehr als zufriedenstellend gelungen. Fans sollten ihre Sammlung also dringend vervollständigen – und fortan in (hoffentlich schönen) Erinnerungen über eine der besten Power Metal-Bands aller Zeiten schwelgen. Danke, FALCONER.

Anspieltipps: DESERT DREAMS, REDEEM AND REPENT, IN REGAL ATTIRE, REJOICE THE ADORNED, TESTIFY


„Ein würdiger Abschied einer großartigen Band.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von FALCONER in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

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