Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: ALESTORM – Curse Of The Crystal Coconut (2020)

Alben-Titel: Curse Of The Crystal Coconut
Band: Alestorm (mehr)
Veröffentlichung: 29. Mai 2020
Land: Schottland / USA
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Christopher Bowes – Keyboards, Vocals
Gareth Murdock – Bass
Peter Alcorn – Drums
Elliot Vernon – Keyboards, Vocals
Máté Bodor – Guitars

Track-Liste:

1. Treasure Chest Party Quest (04:16)
2. Fannybaws (04:14)
3. Chomp Chomp (03:32)
4. Tortuga (03:22)
5. Zombies Ate My Pirate Ship (05:04)
6. Call of the Waves (05:05)
7. Pirate’s Scorn (Donkey Kong Country cover) (02:47)
8. Shit Boat (No Fans) (01:14)
9. Pirate Metal Drinking Crew (03:45)
10. Wooden Leg Part 2 (The Woodening) (08:06)
11. Henry Martin (02:29)

Irgendwer hat mir da doch schon wieder was ins Getränk gemischt.

Ja, es ist mal wieder so weit – ALESTORM sind zurück. Im Gepäck haben die Schotten (die sich mittlerweile gerne in den USA aufhalten und sicher auch den ein oder anderen Trip gen Mexiko wagen) ihr sechstes offizielles Studioalbum mit dem prächtigen Titel CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT. Der Silberling erscheint wie schon die Vorgänger über Napalm Records, beinhaltet 11 brandneue Tracks und wird – das kann man ruhig schon einmal im voraus festhalten – den typischen Spaßfaktor der Marke ALESTORM auch dieses Mal nicht zu kurz kommen lassen. Einen raubeinigen Spaßfaktor der – und das muss man der eigentlich schon seit 2004 aktiven Band in jedem Fall zugute halten – sich seit jeher auf ein höchst solides Handwerks-Fundament stützt. Die alles entscheidende Frage ist also – und das heute wie damals – in wie weit man generell geneigt ist, sich den illustren Seeräuber-Abenteuern rund um Kapitän Christopher Bowes hinzugeben. Denn eines steht mit Sicherheit fest: die Musik von ALESTORM, oder eher ihre ebenso eigentümliche wie spaßige Interpretation des Genres wird beileibe nicht jedermann gefallen. Aber vielleicht ist das ja auch ganz gut so.

In Richtung der langjährigen Fans kann man zumindest – und nach dem ersten tieferen Einstieg in die Welt von CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT – Entwarnung geben. Schließlich sind ALESTORM weder gealtert noch haben sie großartig an ihrer angepeilten Spielart geschraubt – womit sie ab den ersten Klängen des Openers TREASURE CHEST PARTY QUEST direkt als jene einzigartigen Schotten erkannt werden können, die sie nun einmal sind. Nur eine Sache könnte unter Umständen als dezent problematisch angesehen werden, auch wenn man die Musik von ALESTORM noch nie als anspruchsvoll bezeichnen konnte: im Vergleich mit den Vorgängern scheint CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT in Sachen Eingängigkeit, genereller Oberflächlichkeit und vor allem lyrischer Einfachheit noch einmal ein Portiönchen draufzusetzen. Das kann man mögen, wobei es in erster Linie dem raubeinig-authentischen Leadgesang von Christopher Bowes zu verdanken ist, dass das Konzept dennoch gut aufgeht – man muss es aber nicht. Anders gesagt: wem eine Nummer wie MEXIKO vom Vorgänger NO GRAVE BUT THE SEA (siehe Review) zwar spaßig, aber schlicht und ergreifend einfach deutlich zu platt daherkam; der wird vermutlich auch an CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT verzweifeln.

Immerhin, ALESTORM sind immer wieder bemüht für neue Eindrücke oder zumindest etwas Abwechslung zu sorgen – wobei man darüber streiten kann, ob ihnen das wirklich gelingt. Klar, an der Instrumental-Front gibt es wieder mal einiges zu entdecken – von der gelungenen Keyboard-Arbeit inklusive vieler kleiner Sound-Überraschungen über die recht stark im Fokus stehenden Folk-Elemente inklusive der von Ally Storch (SUBWAY TO SALLY) gespielten Violine bis hin zu den weit mehr als standardisierten Gitarren-Frickeleien gibt es diesbezüglich erst gar keine Verschnaufpause. Die neuen, hie und da eingeworfenen harschen Gesangspassagen dagegen sind Geschmackssache – wie sicher auch das insgesamt merkwürdige, passenderweise als Video-Single ausgekoppelte TORTUGA mit seinem quasi-Rap-Part von Kollege Luke Philp aka Captain Yarrface (RUMAHOY). Wirkliche Aha-Momente, die tatsächlich auch das Zeug dazu haben nachhaltig zu fesseln sucht man dagegen – und leider – vergebens.

Wobei, eine Ausnahme gibt es dann doch – und die heißt WOODEN LEG PART 2. Selbige Nummer ist nicht nur merklich anders als alle anderen Titel des Albums, sie weiß auch in vielerlei Hinsicht zu gefallen – etwa durch die insgesamt etwas epischer angelegte Herangehensweise. Hier fahren ALESTORM dann auch wirklich alles auf, was geht – wobei das verheißungsvolle Intro und der an diverse Folk Metal-Bands erinnernde Aufakt erst der Anfang sind. Ja, selbst die elektronischen Spielereien fügen sich nahtlos ein – und lyrisch geht es endlich mal etwas packender zu.  Davon abgesehen handelt es sich bei CURSE OF THE CRYSTAL COCONUT aber eher um eine Aneinanderreihung weder besonders schlechter noch besonders herausragender; also schlicht solider ALESTORM-Nummern – die hinsichtlich ihres Tempos und Spaßfaktors mal mehr (FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, PIRATE’S SCORN), mal weniger (ZOMBIES ATE MY PIRATE SHIP, SHIT BOAT NO FANS) anziehen.

Eines gilt es aber in jedem Fall festzuhalten: wer die Band, und selbstverständlich auch ihre ebenso raubeinige wie ureigene Interpretation eines europäischen Power Metals noch nicht kennt; der sollte dringend mal einen Blick riskieren – ob nun in Bezug auf das vorliegende neueste Album, oder aber einen früheren Zeitpunkt innerhalb der Diskografie. Schließlich steht so gut wie fest dass man etwas verpasst hat, wenn man ALESTORM nicht kennt. Ob diese Festellung aber auch immer mehr neue Alben rechtfertigt, vor allem im Blick auf die nächsten Jahre; ist eine ganz andere Frage – denn wenn sich eine Band zum vorschnellen satthören eignet, ist das ALESTORM. 

Anspieltipps: FANNYBAWS, CALL OF THE WAVES, WOODEN LEG PART 2


„Insgesamt hält sich der Spaß in Grenzen, für zwischendurch ist das Ganze aber allemal empfehlenswert – und eine Über-Nummer gibt es gratis dazu.“

Diese Wertung sorgt für einen Aufstieg von ALESTORM in der Liste der besten Power Metal-Bands aller Zeiten.

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