Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: MAJESTY – Legends (2019)

Alben-Titel: Legends
Band: Majesty (mehr)
Veröffentlichung: 28. Juni 2019
Land: Deutschland
Spielart / Stil: Heavy / Power Metal
Label: Napalm Records

Lineup:

Emanuel Knorr – Guitars
Tarek „Metal Son“ Maghary – Vocals, Keyboards
Jan Raddatz – Drums
Robin Hadamovsky – Guitars
Arthur Gauglitz – Bass

Track-Liste:

1. The Will to Believe (01:31)
2. Rizing Home (05:19)
3. Burn the Bridges (04:48)
4. We Are Legends (05:25)
5. Wasteland Outlaw (04:10)
6. Church of Glory (04:30)
7. Mavericks Supreme (05:05)
8. Words of Silence (05:18)
9. Last Brigade (05:19)
10. Blood of the Titans (04:11)
11. Stand as One (03:38)

Von Legenden und solchen, die es gerne wären.

Ja, es gibt sie auch im Bereich des Power Metals: Bands, die man einfach nur lieben oder hassen kann. Und das aus höchst unterschiedlichen Gründen. Vielleicht ja, da sie sich – wie etwa die Kollegen von POWERWOLF oder ALESTORM – auf ein ganz bestimmtes Image versteift haben, und dies natürlich auch in musikalischer Hinsicht ausleben. Vielleicht ja auch, da sie – wie die Recken von TWILIGHT FORCE oder GLORYHAMMER – eine ganz eigene Interpretation des Power Metals gefunden haben, und alles was anderswo als Klischee verschrien wird erst Recht in ihre Kompositionen einbauen. Vielleicht, und das ist das vorerst letzte Beispiel; sind es aber auch Bands wie MANOWAR oder SABATON, die einigen nicht mehr als ein ungläubiges Kopfschütteln verursachen – aber anderswo schier unendliche Begeisterungsstürme auslösen. Wie genau da nun die deutschen Heavy- und Power Metaller von MAJESTY (die immerhin schon seit 1997 unterwegs sind) ins Spiel kommen, bleibt in Anbetracht ihres neuesten Studioalbums LEGENDS auch nicht lange ein Geheimnis.

Anders gesagt: was genau mit MAJESTY – deren Bandname sicherlich schon immer diskutabel war – geschehen ist, vermag man nicht genau zu sagen. Natürlich; grundsätzlich handelte es sich noch nie um eine Band, die mit den ganz Großen des Genres mithalten konnte – oder die überhaupt einen nennenswerten Anspruch hatte, zumindest nicht außerhalb einiger selbst auferlegter Grenzen. Dennoch, und bei aller Einfachheit auch von neueren Alben wie THUNDER RIDER (siehe Review) oder REBELS (Review) konnte man sich eines gewissen, von der Band ausgehenden Spaß- und Unterhaltungsfaktors einfach nicht erwehren. Faktoren, die immer auch unterschwellig darauf hingewiesen hatten, dass die Mitglieder von MAJESTY wissen was sie da tun – und dass sie ihr Handwerk durchaus beherrschen. Grundsätzlich gesprochen versteht sich, und ohne näher auf Faktoren wie den vorhandenen Ideenreichtum oder die Qualität des Songwritings einzugehen. Eben deshalb – und um auf die weiter oben erwähnten Beispiele zurückzukommen – wäre es nur mehr als verständlich, wenn man bei der Beurteilung einer Band wie MAJESTY von einer Art Hassliebe sprechen würde.

Doch nun kommt LEGENDS als mittlerweile neuntes offizielles Studioalbum der Band daher – welches die Grenzen zwischen einer gewollten Überreizung diverser Klischees und einem doch einigermaßen ehrlichen und bodenständigen Sound nicht mehr – und wie bisher – auf eine bestimmte Art und Weise neu auslotet, sondern sich ganz und gar einer Seite hingibt. Wobei es immer schwerer fällt zu sagen, was MAJESTY nun ernst meinen und was nicht – beziehungsweise ob ihnen einige der auf LEGENDS dargebotenen Titel nicht auch selbst peinlich sind. Immerhin, und das ist wohl der mitunter einzige Vorteil des Albums; macht man erst gar keinen großen Hehl aus der eher kruden Gestaltung des Albums. So weist schon das Intro auf das eventuell oder eher sicher zu erwartende hin – wobei man kaum weiß ob es nun die nervige Erzählstimme selbst, der Inhalt oder die im weiteren Verlauf eingestreuten Pop-Elemente sind; welche den entscheidenden Ausschlag geben.

Aber erst danach geht es so richtig los. Während der Opener RIZING HOME trotz des gesanglich nicht unbedingt starken Auftritts von Tarek „Metal Son“ Maghary und den merkwürdigen Background-Shouts noch zu den stärkeren Titeln des Albums gehört, sollte man sich spätestens ab dem dritten Titel des Albums warm anziehen. Seien es explizit an SABATON erinnernde, dabei aber zigmal plumper ausfallende Keyboard-Elemente (BURNING BRIDGES, CHURCH OF GLORY), allzu simple und extrem poppig angehauchte Refrains (nochmal BURNING BRIDGES), seltsame und einfach nicht mit dem Genre zu vereinbarende Gesangseinlagen respektive Experimente (WASTELAND OUTLAW) oder schlicht und ergreifend wahre Alptraum-Nummern wie WORDS OF SILENCE – was hier in MAJESTY gefahren ist, lässt sich kaum erahnen. Und: in Anbetracht einer Nummer wie dieser will man es eigentlich auch gar nicht wissen.

Dass mit LAST BRIGADE eine typische, im Grunde aber recht annehmbare Power Metal-Hymne folgt; spielt dann leider auch keine allzu große Rolle mehr. Analog zum enorm simplen und höchstwahrscheinlich nur in gewissen Rauschzuständen funktionierenden Songwriting bleiben dem Album so nur zwei wirkliche Vorteile: zum einen eine extrem kleine handvoll solider Nummern, sowie zum anderen eine vergleichsweise solide Abmischung und Produktion – was sich für ein Release eines Major Labels aber natürlich auch exakt so gehört. Kurzum: wer schon immer wissen wollte, wie sehr ein Spagat zwischen einer testosterongesteuerten True Metal-Attitüde a’la MANOWAR und den absichtlich in Richtung einer gewissen Einfachheit oder Übertreibung stilisierten Ausflügen anderer Kollegen schiefgehen kann, der sollte sich ein Album wie LEGENDS dringend zulegen.

Anspieltipps: RIZING HOME, LAST BRIGADE


„Ein Album, welches tatsächlich legendär erscheinen mag – aber nur aus ganz bestimmten und wohl eher nicht beabsichtigten Blickwinkeln.“

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