Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: JUPITER – Zeus ~ Legends Never Die ~ (2019)

Alben-Titel: Zeus ~ Legends Never Die ~
Band: Jupiter (mehr)
Veröffentlichung: 3. April 2019
Land: Japan
Spielart / Stil: Power Metal
Label: Zeno Records Japan

Lineup:

Hizaki – Guitars, Bass
Teru – Guitars
Daisuke – Drums
Kuze – Vocals

Track-Liste:

1. New World Order (01:07)
2. Theory of Evolution (05:07)
3. Beyond the Horizon (04:56)
4. Drastic Night (04:08)
5. Show Must Go On (03:50)
6. Straight into the Fire (03:46)
7. Angel’s Wings (05:10)
8. No Cry No More (04:43)
9. Tempest (04:01)
10. The Spirit Within Me (04:49)
11. Tears of the Sun (04:31)
12. Memories of You (05:26)
13. Zeus: I. Legend Never Die / II. Conversations with God (11:51)

Von (hoffentlich) niemals sterbenden Legenden.

Wenn es einen Power Metal-Act aus Japan gibt, der gerne mal übersehen oder im allgemeinen eher unterbewertet wird; dann ist das JUPITER. Dabei sind die hiesigen Band-Mitglieder – speziell wenn es um eine etwaige Genre-Expertise geht – allesamt recht erfahren, was sich natürlich auch im Sound der Japaner widerspiegelt. Der Grund dafür ist leicht gefunden: JUPITER ging ursprünglich aus Mitgliedern von VERSAILLES hervor, und auch der aktuelle Frontmann Atsushi Kuze (ex-CONCERTO MOON – er stieß 2018 zu JUPITER) ist alles andere als ein unbekannter. Noch prägnanter als verhältnismäßig große Namen sind aber wohl stets die erbrachten Leistungen – die im Falle von JUPITER durchaus positiv ausfallen. Immerhin waren sowohl das Debütalbum CLASSICAL ELEMENT (siehe Review) als auch der Nachfolger THE HISTORY OF GENESIS (Review) zwei grundsätzlich hervorragende Werke – die im übrigen (und trotz einer gewissen Experimentierfreunde) größtenteils dem Genre des Power Metal zuzuordnen sind. Ob sie trotz des eher neoklassischen Anstrichs und der gerne mal japanischen Lyrics auch in einem internationalen Sinne konkurrenzfähig waren und sind, ist natürlich eine ganz andere Frage – die im Falle von JUPITER dann aber doch mit einem klaren ja beantwortet werden kann. Anders gesagt: Freunde eines sonst eher europäischen angehauchten Power Metals könnten – sofern sie keine Berührungsängste haben – durchaus auch mit einer Band wie dieser warm werden.

Lohnen dürfte es sich in jedem Fall – und insbesondere mit einem Blick auf das vorliegende ZEUS. Ein Album, das letztendlich mehr englischsprachige Passagen hat als erwartet – wobei Leadsänger Kuze den Spagat zwischen den Sprachen doch bemerkenswert ordentlich hinbekommt, erst Recht wenn man bedenkt dass einige Titel ein direktes Wechseln vorsehen. In Bezug auf den Alben-Titel selbst ist dann vornehmliches eines festzustellen: das Album hat weit weniger von einem Konzeptalbum über griechische Götterwelten als vielleicht erwartet. Vielmehr handelt es sich – zumindest gefühlt – um eine abermals recht vielfältige, abwechslungsreiche Ansammlung an Titeln, die sich in ihrer Ausrichtung und Wirkungskraft teils stark voneinander unterscheiden. Während der Opener THEORY OF EVOLUTION und das nachgeschobene BEYOND THE HORIZON also – und beispielsweise – zwei hochkarätige Power Metal-Nummern mit einem hymnischen, hier fast schon erhabenen Anstrich sind; wird es im weiteren Verlauf des Albums auch mal etwas experimenteller. DRASTIC NIGHT etwa klingt wie ein wildgewordenes Hardrock-Intermezzo – wie auch das folgende SHOW MUST GO ON, das zusätzlich mit einer auffälligen elektronischen Komponente und einigen aggressiven Growls daherkommt. Dafür muss man schon offen sein – wobei es verständlich wäre, wenn man geneigt ist Nummern wie diese eher zu überspringen. Denn, und das steht fest: JUPITER klingen einfach deutlich besser, wenn sie sich im Bereich des (teilweise auch mal leicht symphonisch angehauchten) Power Metals verdingen – wie etwa im gesanglich hervorragenden STRAIGHT INTO THE FIRE.

Analog dazu sind dann auch im weiteren Alben-Verlauf vornehmlich zwei Dinge festzustellen. Zum einen, dass JUPITER wie viele andere Power Metal-Bands auch JUPITER darauf aus sind, für Abwechslung zu sorgen (was prinzipiell eine gute Sache ist) – sowie zum anderen, dass die hier gefundenen Alternativen nicht immer gut ins Ohr gehen oder zumindest eher gewöhnungsbedürftig ausfallen. Immerhin: auf eine am ehesten als handelsüblich zu bezeichnende Ballade muss man lange warten: MEMORIES OF YOU ist der einzige Titel in diese Richtung. Doch ob man wirklich derart häufig in eine eher im Bereich des Melodeath zuzuordnende Trickkiste (ANGELS WINGS, TEMPEST) hätte greifen müssen, sei einmal dahingestellt. In jedem Fall macht es das Album vielfältiger und aggressiver – doch gerade in Bezug auf europäische Konsumenten sollte man durchaus auch von einem gewissen abschreckenden Effekt ausgehen. Dass sich Bands innerhalb ihrer Karriere, ja geschweige denn auf einem einzelnen Album mal eben eine Stilwende von 180 Grad erlauben; ist hier schließlich eher nicht der Regelfall – und das ist wohl auch gut so. Wer das Experiment dennoch wagt, den erwarten unter anderem eine großzügige handvoll exzellenter Power Metal-Nummern (in jeder Hinsicht genial ist etwa TEARS OF THE SUN), ein in vielerlei Hinsicht stimmiger Leadgesang, wahnwitzige (und wahnwitzig gute) Soli, eine angenehm druckvolle Produktion – und selbstverständlich der Eindruck, mal wieder etwas ganz anderes gehört zu haben.

Anspieltipps: THEORY OF EVOLUTION, BEYOND THE HORIZON, STRAIGHT INTO THE FIRE, THE SPIRIT WITHIN ME, TEARS OF THE SUN


„Ein ebenso ungewöhnliches wie interessantes Kleinod, welches sich kaum in einzelne Schublade stecken lässt.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.