Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: CRYONIC TEMPLE – Immortal (2008)

Alben-Titel: Immortal
Künstler / Band: Cryonic Temple (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 21. November 2008
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Metal Heaven

Alben-Lineup:

Esa Ahonen – Guitars
Björn Svensson – Bass
Hans Karlin – Drums
Leif Collin – Guitars
Magnus Thurin – Vocals

Track-Liste:

1. Immortal (05:52)
2. Standing Tall (04:36)
3. Where Sadness Never Rests (05:59)
4. Beg Me (04:54)
5. Freedom Calling (04:47)
6. Fear of the Rage (04:19)
7. Time (05:14)
8. Fight to Survive (04:27)
9. Train of Destruction (05:19)
10. As I Sleep (03:54)
11. Departure (02:00)

Unsterblich, aber nicht unangreifbar.

Die frühen 2000er Jahre waren eine gute Zeit für die schwedischen Power Metaller von CRYONIC TEMPLE – die mit ihren ersten drei Studioalben CHAPTER I (siehe Review), BLOOD, GUTS & GLORY (Review) und IN THY POWER (Review) mehr als ordentlich vorgelegt und sich dementsprechend auch einen stetig wachsenden Bekanntheitsgrad erarbeitet hatten. Das leider Gottes aber auch die schönste Erfolgsgeschichte nicht vor so mancher Schwankung oder gar einem expliziten Einbruch gefeit ist, bewiesen die Schweden spätestens mit der Präsentation ihres vierten Studioalbums IMMORTAL. Zwar ist selbiges Werk noch immer weit davon entfernt ein schlechtes oder komplett zu vernachlässigendes Genre-Album zu sein – und doch ist es durchaus dazu in der Lage, für einen dezent faden Beigeschmack zu sorgen. Erst Recht natürlich im Vergleich mit den drei grundsoliden bis hervorragenden Vorgängern – und in Anbetracht dessen, dass sich CRYONIC TEMPLE nach dem letztaktuellen IN THY POWER für den ein oder anderen markanten Lineup-Wechsel entschieden hatten oder vielleicht auch entscheiden mussten. Dass man dabei ausgerechnet auch den bis dato die Band vertretenen Leadsänger Johan Johansson durch den relativ unbekannten und unerfahrenen Magnus Thurin ersetzte, gehört dabei sicher nicht zu den besten jemals von der Band getroffenen Entscheidungen.

Schließlich waren es nicht zuletzt eben jene Lineup-Wechsel, die zu einem relativen Chaos innerhalb der Band (und letztendlich auch dem Stillstand bis zum erst 2017 erschienen Rückkehr-Album INTO THE GLORIOUS BATTLE) geführt hatten – so sehr man es CRYONIC TEMPLE auch gewünscht hätte, auch mit dem neuen Leadsänger noch die Kurve zu kriegen. Sicher, ins Zeug gelegt hatten sie sich durchaus – wofür das mit insgesamt 11 Titeln und einer Gesamtspielzeit von knapp 52 Minuten gespickte IMMORTAL ja gewissermaßen Pate steht, wenn auch nur auf den ersten Blick. Schließlich macht sich schon mit dem Opener und Titeltrack IMMORTAL bemerkbar, dass CRYONIC TEMPLE nicht nur ihren Leadsänger ausgetauscht sondern sich zwangsläufig auch stilistisch neu orientiert hatten. Dass die hier gefundene Alternative in Form einer vergleichsweise modernen und überraschend gleichförmigen Gangart so wenig überzeugt, hat dabei mindestens zwei Gründe: zum einen war sie kaum noch mit der bisher von der Band an den Tag gelegten Marschrichtung vereinbar, und zum anderen konnte IMMORTAL auch als unabhängig betrachtetes Genre-Album nur verdächtig wenig Staub aufwirbeln.

Anders gesagt: die Zeiten, in denen CRYONIC TEMPLE einen ebenso klassischen wie angenehm hymnischen und zeitlosen Power Metal inszenierten, waren mit IMMORTAL weitestgehend vorüber – und der neue Soundanstrich der Band sollte einigen gehörig vor den Kopf gestoßen haben. Dass IMMORTAL nicht wirklich konsequent klingt und wirkt, liegt aber nicht nur an der grundsätzlich soliden (aber eben nicht zu CRYONIC TEMPLE passenden) Gesangsdarbietung von Magnus Thurin – sondern auch am ständigen mäandern der Band zwischen verschiedenen Strömungen und Subgenres des Metal. Irgendwo zwischen dem Echo ihres alten Power Metals, einer am ehesten dem Thrash Metal zuzuordnenden Gangart, fragwürdigen Anleihen aus dem Bereich des Grooves und fast schon radiotauglich-rockigen Elementen (wofür es nicht erst die Ballade AS I SLEEP braucht) schienen CRYONIC TEMPLE dabei ganz offensichtliche Identitätsprobleme zu haben – was dazu führt, dass ein Großteil der Nummern einen ebenso schwachen wie schlicht extrem verwechselbaren Eindruck vermittelt und kaum im Gedächtnis bleibt.

Selbst eine der potentiellen Stärken von IMMORTAL – namentlich die Tatsache, dass es sich trotz allem um ein recht Gitarren-intensives Album handelt – fällt hier nicht wirklich ins Gewicht, da die Schweden zumeist auf ein eher simples und schnell repetitiv erscheinendes Riffing setzen. Von den Soli-Parts, für die die Band einst ebenso bekannt wie berüchtigt war; gar nicht erst zu sprechen. IMMORTAL markiert damit eines jener Power Metal-Alben, die sich für vieles eigneten – vor allem aber die Besiegelung einer einst vielversprechenden Genre-Karriere. Wie man heute weiß haben sich CRYONIC TEMPLE aber doch noch aus ihrem selbst geschaufelten Loch befreien können – auch wenn es bis zur Rückkehr mit INTO THE GLORIOUS BATTLE einige Jahre gedauert hat.

Absolute Anspieltipps: STANDING TALL, FEAR OF RAGE


„Der einzige Moment der CRYONIC TEMPLE-Diskografie, den man getrost vernachlässigen kann – und vielleicht auch sollte.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.