Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: WINGS OF DESTINY – Butterfly Effect (2017)

Alben-Titel: Butterfly Effect
Künstler / Band: Wings Of Destiny (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 08. Dezember 2017
Land: Costa Rica
Stil / Genre: Power Metal
Label: Melodic Revolution Records

Alben-Lineup:

Edgardo Monge – Bass
Cristian Jiménez – Guitars
Allan – Guitars
Alejandro Amador – Keyboards
Anton Darusso – Vocals

Track-Liste:

1. Prelude: Garden of Eden 01:37
2. Say Goodbye to Heaven 04:36
3. Circle of Fire 03:45
4. Life Frequency 00:39
5. Butterfly Effect 04:12
6. From Shadows to the Light 06:31
7. Exodus 01:30
8. Brave New World 03:47
9. Outro: Time (Acoustic version) 04:12

Unverhofft kommt oft.

Nein, es ist keine Schande wenn man bis dato noch nichts von der aus Costa Rica stammenden Power Metal-Formation WINGS OF DESTINY gehört hat – schließlich kann man nicht gleich auf jede irgendwo auf der Welt gegründete Genre-Combo aufmerksam werden. Verpasst haben könnte man aber dennoch etwas – immerhin existiert die Band schon seit 2013, und das 2014 veröffentlichte Debütalbum TIME stellte sich als ebenso überraschend wie rundum zufriedenstellend heraus (siehe Review). Wohlgemerkt geschah das noch unter dem ursprünglichen Bandnamen DESTINY. Erst 2015 erfolgte die Umbenennung in WINGS OF DESTINY – wobei sich die Band analog zum nunmehr kaum noch zu verwechselnden Namen auch einen Vertrag bei Power Prog Records sichern konnte. Unter eben jenem Label erfolgte dann auch das offizielle Re-Release von TIME, sowie die Veröffentlichung des unter Umständen noch ein stückweit interessanteren Zweitwerks KINGS OF TERROR (Review) – das die Band von einer überraschend gut in Szene gesetzten progressiven Seite zeigte, wobei der Grundton insgesamt deutlich düsterer ausfiel als noch auf dem recht HELLOWEENesken Debütalbum. Im Endergebnis hat sich die Band damit einen der begehrten Posten innerhalb der Liste der besten Power Metal-Alben des Blogs gesichert – und steht seitdem unter besonderer Beobachtung.

Das bedeutet indes nicht, dass jedes der möglicherweise noch kommenden Alben automatisch in ebenso hohen Tönen gelobt werden wird wie die Vorgänger. Erst Recht nicht, wenn sich wie im Falle der WINGS OF DESTINY schon mit der im August veröffentlichten Single BRAVE NEW WORLD einige doch recht markante Veränderungen andeuteten – die sich nun auch auf BUTTERFLY EFFECT niederschlagen, dem dritten und zugegebenermaßen etwas merkwürdigen Studioalbum der Band. Merkwürdig ist es vor allem deshalb, da es mit 9 Titeln und einer Spielzeit von gut 30 Minuten an sich schon recht karg bestückt ist – die Band aber dennoch nicht davor zurückschreckte, gleich zwei Interludes einzubauen. Zwei Interludes, die man sich unbedingt hätte schenken sollen oder müssen – schließlich ergeben LIFE FREQUENCY als beliebiger Radiomitschnitt und EXODUS als leicht aus dem Kontext gerissener Filmsoundtrack inklusive THE SIXTH SENSE-Zitat hier nicht wirklich Sinn. Vor allem aber klingen sie nicht gut – was leider auch für das austauschbare, mehr als nur dezent an DRAGONLAND erinnernde Intro GARDEN OF EDEN gilt. Nimmt man nun noch die Akustik-Version von TIME hinzu – die recht nett ausfällt, aber eigentlich nichts im regulären Kontext eines derart knappen Albums zu suchen hat – so bleiben einem nur noch ganze 5 wirklich neue, vollwertige Nummern.

Sicher, selbst in Anbetracht dieser Voraussetzungen hätten die WINGS OF DESTINY vielleicht noch punkten können – hätten sie wirklich jeden der verbleibenden Momente so intensiv genutzt wie auf KINGS OF TERROR. Dass dem aber keineswegs so ist, hat man unter Umständen schon der vorab-Single BRAVE NEW WORLD entnehmen können – die nicht nur extrem plump und ernüchternd klingt, sondern auch eines der hauptsächlichen Probleme an BUTTERFLY EFFECT und den neuen WINGS OF DESTINY beschreibt. Kurzum: die Costa-Ricaner klingen hier schlicht wie eine ganz andere Band. Eine Band, die nur noch ansatzweise unter dem Oberbegriff des Power Metal geführt werden kann, und rein gar nichts mit der Größe der einstigen WINGS OF DESTINY am Hut zu haben scheint. Die dieses Mal recht übertriebenen, unnötig aggressiven und insgesamt einfach unstimmig wirkenden Ambitionen des Leadsängers Anton Darusso gehen jedenfalls auf keine Kuhaut – schon der Opener SAY GOODBYE TO HEAVEN oder eben die Single BRAVE NEW WORLD machen diesbezüglich vieles zunichte. Aber auch der extrem Keyboard-überladene Titeltrack BUTTERFLY EFFECT macht alles andere als eine gute Figur.

Einzig dass doch noch die alten WINGS OF DESTINY durchschimmern lassende, für das Genre typische CIRCLE OF FIRE sowie teilweise auch FROM SHADOWS TO THE LIGHT lassen vermuten, dass hier eine Band am Werk ist die ihr Handwerk grundsätzlich versteht – sich aber aus irgendeinem Grund einer schier katastrophalen stilistischen Verirrung hingegeben hat. Auch wenn sich jeder ein eigenes Bild der Entwicklung von WINGS OF DESTINY machen sollte, scheint eines damit festzustehen: mit BUTTERFLY EFFECT hat sich die Band keinen großen Gefallen getan.

Absolute Anspieltipps: CIRCLE OF FIRE


„Nach dem überzeugenden Vorgänger eine herbe Enttäuschung – gelinde gesagt.“

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