Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: CARDIANT – Mirrors (2017)

Alben-Titel: Mirrors
Künstler / Band: Cardiant (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 24. November 2017
Land: Finnland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Inverse Records

Alben-Lineup:

Mikko Mänttäri – Bass, Vocals
Lauri Hänninen – Drums
Antti Hänninen – Guitars
Marko Lindroos – Keyboards
Erik Karhatsu – Vocals
Outi Jokinen – Vocals

Track-Liste:

1. Mirrors and Me (04:00)
2. Riot Rising (05:04)
3. Soul (03:27)
4. A Quiet One (02:22)
5. Blank Star (04:09)
6. His Supremacy (03:44)
7. Shooting Star (04:18)
8. Absolute Power (04:40)
9. My Delusion (06:50)
10. Life Has Just Begun (06:42)
11. Another Time Another Place (05:02)

Vorsicht, ein Cover kann täuschen.

Ja, es ist schon wieder soweit – ein weiteres (Power) Metal-Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein weiteres Jahr der versierten Rückkehrer und hoffnungsvollen Newcomer, wobei sich fast alle – und das muss man ihnen allemal zugute halten – gleichermaßen ins Zeug gelegt haben. Noch ist das Jahr aber nicht ganz um – sodass sich noch einige weitere Genre-Werke im Sinne der langsam aber sicher von einer vorweihnachtlichen Stimmung geprägten Wertungsurteile profilieren müssen. Und tatsächlich: auch die Finnen von CARDIANT schicken einen diesbezüglich mehr als nur interessanten Kandidaten ins Rennen. Selbiger horcht auf den Titel MIRRORS, ist das vierte offizielle Studioalbum der bereits im Jahre 2000 gegründeten Band – und sollte für die meisten eher überraschend daherkommen. Und das trotz oder gerade wegen der bereits Ende 2015 veröffentlichten Single ABSOLUTE POWER. Schließlich konnte die zwar allemal als wichtiges Lebenszeichen interpretiert werden – doch wirklich sicher erschien im weiteren Verlauf nur wenig, erst Recht in Bezug auf ein potentielles neues Album. Und so sollten ganze weitere 2 Jahre vergehen, bis endlich die zweite Single LIFE HAS JUST BEGUN präsentiert wurde. Dann aber – und glücklicherweise – schon mit dem Wissen im Gepäck, dass das dazugehörige Album MIRRORS bald über Inverse Records folgen würde.

Dabei rückt MIRROS nicht nur deswegen in einen vergleichsweise expliziten Fokus, da es als vielversprechendes Power Metal-Werk offenbar einige Zeit hatte reifen müssen bis es endlich das Licht der Welt erblickt. Auch die Tatsache, dass CARDIANT eine vergleichsweise interessante Diskografie in Petto haben; spricht hier grundsätzlich eher für die Finnen. Sicher, dass die Band nur 4 Studioalben in satten 17 Jahren veröffentlicht hat; wirkt auf den ersten Blick etwas ernüchternd – doch immerhin kredenzten sie der Power Metal-Welt einst eines der vielleicht hochkarätigsten Alben aller Zeiten, das 2005’er MIDDAY MOON (Review). Und auch die vielen kleineren Veröffentlichungen, die Mitgliederwechsel und so gesehen auch das Fehlen einer wirklich klaren Linie sorgten stets für eine gewisse Form der Spannung, die den geneigten Genre-Konsumenten ein jedes einzelnes Release der Finnen geradezu verschlingen ließ. Wobei speziell das letztaktuelle, etwas düsterere VERGE die Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte (siehe Review) – und das trotz der ebenso einmaligen wie genial umgesetzten Single HEAVEN’S CALLING. Im besten Fall also geht MIRROS nun den umgekehrten Weg – indem es neben seinen beiden guten, aber eben auch nicht hervorragenden Vorab-Singles ABSOLUTE POWER und LIFE HAS JUST BEGUN noch eine echte Breitseite erstklassiger Nummern bereithält.

Allzu lange muss man dann auch gar nicht erst auf eine entsprechende Möglichkeit zur Meinungsbildung warten, denn: schon der Opener MIRRORS AND ME offenbart grundsätzlich freudiges. Offenbar haben sich CARDIANT die hie und da geäußerten Meinungen zu Herzen genommen, und sich wieder mehr an ihrer eigenen musikalischen Vergangenheit orientiert. Die Folge ist ein Sound, der direkt als typisch CARDIANT wahrgenommen werden kann – und der stellenweise wohlig an den einst auf MIDDAY MOON etablierten Sound inklusive einiger für Band so wichtiger Alleinstellungsmerkmale (wie etwa einen ganz speziellen Keyboardsound) erinnert. Doch natürlich wiederholen sich die Finnen nicht bloß nur, auch wenn sich das so mancher unter Umständen sogar explizit gewünscht hätte. Vielmehr scheinen sie langsam aber sicher die perfekte Symbiose aus alten und neuen Soundelementen gefunden zu haben. Anders gesagt: der wunderbar griffige und einzigartige Eindruck eines MIDDAY MOON wird hier mit einigen der für die Band vergleichsweise neuen, schon auf VERGE hoch gehaltenen Elementen vermengt – wie einer recht bombastischen Soundkulisse mit vielen symphonischen Einschüben, stimmigen Frauen- und Männerchören sowie dem Bestreben, möglichst viel Abwechslung zu bieten.

Dabei sieht es vor allem in gesanglicher Hinsicht extrem gut aus für MIRRORS. Sicher, die Zeiten in denen ein gewisser Janne Saksa das Gesangszepter komplett übernahm sind Geschichte – und doch ist es angenehm zu sehen, dass er hier gleich zwei Gastauftritte hat. HIS SUPREMACY wird durch ihn sogar zu einer regelrechten One-Man-Show, wobei es ebenso interessant wie dezent Gänsehautauslösend ist, ihn nach so vielen Jahren endlich einmal wieder bei CARDIANT zu hören. Sein Nachfolger, der mittlerweile angestammte Band-Frontmann Erik Karhatsu indes scheint in der Zwischenzeit ebenfalls zu einer neuen Höchstform aufgelaufen zu sein – man kann sich jedenfalls kaum an seiner Performance satthören. So gesehen war es eigentlich gar nicht erst nötig, dass man noch einige weitere Gastsänger wie Pasi Rantanen (u.a. THUNDERSTONE) oder Nitte Valo (BURNING POINT) ins Boot holte. Doch da auch die ihre Sache gut machen und das Album zusätzlich vielfältig gestalten, so nimmt man auch das gerne an – wie auch die allgemeine Abmischungs- und Produktionsqualität des Albums, die schier perfekt ausgefallen ist. So harmonisch, ausgewogen und doch einzigartig-prägnant klang vermutlich noch kein CARDIANT-Album – wobei man dafür erneut Janne Saksa danken muss, der sich mittlerweile hauptsächlich als Mann hinter den Kulissen verdingt.

Damit bleibt eigentlich nur eine Frage – die nach dem Abschneiden und der Qualität der einzelnen Nummern. Hier gilt es dann auch, die einzigen nötigen Abstriche zu machen. Das Konzept von RIOT RISING beispielsweise erscheint mindestens gewöhnungsbedürftig – vor allem zu Beginn und dank der überraschenderweise mal etwas härteren Gangart bezüglich des Gesangs und der geradezu schmetternden Chöre. Andererseits aber verfügt die Nummer über einen geradezu kongenialen Spannungsbogen, der seine Höhepunkte klar in den späteren Instrumentalpassagen findet. Auch für das ungewohnt akustische A QUIET ONE sieht es eher zwiespältig aus – schließlich wirkt es trotz der respektablen weiblichen Gesangsdarbietung eher deplatziert. Zumal es mit Nummern wie dem wesentlich interessanteren SHOOTING STAR oder dem ebenfalls eher ruhig aufgemachten SOUL bereits entsprechende balladesk angehauchte Momente gibt. Die sind zwar nicht schlecht oder uninteressant, vor allem dank der jeweiligen Darbietungen der Gastsänger – aber eben recht kurz, knackig und so gesehen typisch für das Genre.

Die verbleibenden Nummern haben es dann aber allesamt in sich, und das reichlich. Sei es der schier perfekte Opener MIRRORS AND ME, das vor allem im Refrain gnadenlos starke BLANK STAR (das lediglich mit etwas zu viel Verzerreffekten im Gesang daherkommt), das von Janne Saksa dominierte HIS SUPREMACY, das für die weibliche CARDIANT-Fraktion reichlich Raum bietende ABSOLUTE POWER, das variable LIFE HAS JUST BEGUN, der Rausschmeißer und Allstar-Track ANOTHER TIME ANOTHER PLACE; oder eben das etwas bedächtigere MY DELUSION – CARDIANT fakeln hier einiges ab, und lassen einen die etwas schwächeren Momente des Albums getrost vergessen. Fest steht: so darf es gerne weitergehen mit der Band. Vielleicht ja auch mit der Entscheidung Janne Saksa, Erik Karhatsu und in Zukunft als gleichberechtigte Frontsänger zu etablieren ? Sicher hätte das was… doch auch so sieht es recht gut aus für CARDIANT.

Absolute Anspieltipps: MIRRORS AND ME, BLANK STAR, HIS SUPREMACY, MY DELUSION


„Ein rundum gelungenes Release und eine weitere positive Überraschung zum Ende des Metal-Jahres 2017.“

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