Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Das Belko Experiment“ (2017)

Filmtyp: Spielfilm
Basierend Auf: Originaldrehbuch
Regie: Greg McLean
Mit: John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 88 Minuten
FSK: ab 18 freigegeben
Genre: Thriller / Action
Tags: Experiment | Ausnahmesituation | Kein Entkommen | Big Brother

Es melde sich, wer mal wieder aus seinem tristen Büroalltag ausbrechen möchte.

Inhalt: Morgenstund hat Gold im Mund – und wohl auch die gute alte Routine, die die Mitarbeiter der Non-Profit-Organisation Belko Corp. tagtäglich in das hochmoderne Bürogebäude irgendwo in einem Randbezirk der Kolumbianischen Hauptstadt Bogotá treibt. Dementsprechend hat wohl auch niemand damit gerechnet, dass es doch einmal ganz anders laufen könnte. Während man bei der urplötzlich stattfindenden hermetischen Abriegelung des Gebäudes noch an einen technischen Defekt oder ein Versehen denkt, sich dazu noch auf ein wenig zusätzliche Freizeit am Arbeitsplatz freut – weicht die allgemeine Unsicherheit alsbald einer waschechten Panik. Schließlich wird den Mitarbeiten über die Lautsprecheranlage mitgeteilt, dass es sich eben nicht um ein Versehen handelt – sondern dass sie für ein ganz besonders perfides Experiment auserkoren wurden. Ein Experiment, welches sie nicht ablehnen können – und dessen erste Aufgabe bereits unmöglich zu lösen scheint, zumindest bei klarem Verstand. So werden die Mitarbeiter aufgefordert, 30 beliebige Angestellte zu töten. Weigern sie sich, so droht ihnen noch schlimmeres – das behauptet zumindest die mysteriöse Stimme. Trotz dessen, dass sie im schlimmsten Fall nicht mehr allzu viel Zeit haben; setzten die Mitarbeiter alles daran aus dem Gebäude zu entkommen – und herauszufinden, wer für das tödliche Spiel verantwortlich ist.

Kritik: Nein, und auch wenn es im ersten Moment danach klingt – das Wörtchen Belko im Film DAS BELKO EXPERIMENT bezieht sich weder auf einen putzigen Hundenamen, noch zitiert es den Namen eines so tatsächlich stattgefundenen Experiments oder Wissenschaftlers. Vielmehr handelt es sich um einen geschickt gewählten Titel des für das Drehbuch und die Produktion des Films hauptverantwortlichen Multitalents James Gunn, der sich trotz seines Erfolges mit groß angelegten Holywood-Blockbustern (GUARDIANS OF THE GALAXY) hie und da noch an kleinere Projekte wagt. Und damit auch Projekte wie DAS BELKO EXPERIMENT – die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken, und sich dabei weder durch ein schwindelerregendes Budget noch den Auftritt zahlreicher möglichst bekannter Top-Stars auszeichnen. Als den Zuschauer zusätzlich herausfordernde Maßnahme kommt hinzu, dass sich der Titel-gebende Schauplatz des Films innerhalb eines fiktiven Büro-Gebäudes als recht übersichtlich erweist – und DAS BELKO EXPERIMENT so von vorne herein mehr von einem kammerspielartigen Psycho-Thriller als von einem typischen Schauermärchen der Marke Hollywood hat. Ein Psycho-Thriller, dessen Grundgedanke zwar alles andere als neu ist und so auch schon in Genre-Filmen wie BATTLE ROYALE oder etwa der CUBE-Reihe behandelt wurde – der aber dennoch mit einem vergleichsweise starken Fokus auf die Charaktere sowie der Darstellung einer sich jenseits von gut und böse bewegenden Ausnahmesituation überzeugt.

Eine Situation, die durch die vorliegende Art der Inszenierung mindestens zweierlei Blickwinkel zulässt. Wobei, und das ist das besondere; es gar keine allzu große Rolle spielt ob man den Film nun eher oberflächlich betrachtet oder sich auf sein nicht zu knappes Interpretationsangebot stürzt. Beiden Varianten gemein ist schließlich, dass DAS BELKO EXPERIMENT dem Zuschauer einige durchaus markante Charaktere präsentiert – die von ihrem Wesen her nicht unterschiedlicher hätten sein könnten, und sich in der Interaktion entsprechend interessant verhalten. Gut ist auch, dass deren Gebaren nur selten allzu übertrieben wirkt – zumindest nicht so übertrieben oder weltfremd wie in etwaigen vergleichbaren Filmen, welche eine ähnliche Ausnahmesituation in den Fokus rücken. Analog zu den entstehenden Möglichkeiten einer Identifikation gesellt sich so auch ein nicht zu verachtender Spannungsbogen, der sich bis kurz vor das große und leider nicht mehr ganz so überzeugende Finale erstreckt. Selbst die teils heftigen Gewaltszenen verfehlen ihre Wirkung nicht, auch wenn man sie absichtlich mit einer gewissen Form der Überzeichnung versehen hat – was auch für den hie und da zwischengeschobenen, recht makaberen Witz gilt. Stellenweise könnte man so meinen, man müsste sich in einem x-beliebigen Splatter- respektive Trashfilm befinden – doch glücklicherweise ist DAS BELKO EXPERIMENT weit mehr als das.

Schließlich – und wenn man so will – könnte man den Film problemlos als ebenso zwischenmenschliches wie auf die Gesellschaft übertragbares Drama betrachten. Ein Drama über die Natur des vermeintlich zivilisierten Menschen – was hier auch als Metapher bestens funktioniert, sogar im Hinblick auf einen größeren Zusammenhang. Offenbar war dies auch genau so von den Machern beabsichtigt – denn sonst hätte man sich wohl kaum eines recht offensichtlichen Gesellschafts-Querschnitts bedient, welcher direkt auf die beteiligte Charakter-Riege übertragen wurde. Doch wie man es auch dreht und wendet und betrachtet: DAS BELKO EXPERIMENT bleibt ein überzeugender Psycho-Thriller mit dem gewissen Etwas, der nicht nur mit seinem überraschend effektiven Schauspiel und der handwerklich ansprechenden Inszenierung punkten kann – sondern auch mit seinen ungeschönt dargestellten Inhalten. James Gunn holt hier klar das Maximum aus der bereits bekannten Grundidee und dem vergleichsweise eingeschränkten Setting heraus – und vermag es dabei tatsächlich, den Zuschauer in der ein oder anderen Form aufzurütteln.

Bilder / Promofotos / Screenshots: © Kinostar Filmverleih GmbH

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„Die Idee ist nicht neu und das Setting auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig – umso überraschender ist, was letztendlich aus DAS BELKO EXPERIMENT geworden ist.“

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