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(Power-) Metal Special: Geht Der Sänger, Stirbt Die Band ?

Christian Eriksson, Szymon Kostro & Fabio Lione (© jeweilige Rechteinhaber)

Wenn Metal-Bands gewisse Formen der Kontinuität an den Tag legen, ist das meist eine schöne Sache. Manchmal aber bleibt es einfach nicht aus, dass neue Konzepte erstellt oder auch neue Mitglieder rekrutiert werden müssen – was häufig in einer mehr oder minder markanten Herausforderung mündet. Schließlich müssen sich nicht nur die entsprechenden Bands gewissermaßen neu erfinden, zumindest wenn es um einen vergleichsweise markanten Posten wie etwa den des Leadsängers geht – auch die Fans werden mitunter auf eine entscheidende Probe gestellt. Wird die einst heiß geliebte Band noch als solche zu erkennen sein ? Wird der neue Leadsänger zu ihr passen ? Wird er versuchen neue Eindrücke und seine eigene Identität einzubringen, oder aber scheitert er am schlichten Versuch seinen Vorgänger zu imitieren ?

Immerhin – und glücklicherweise – aber belegen die meisten Fälle, dass ein Großteil der betroffenen Bands etwaige potentiell einschneidende Lineup-Wechsel durchaus überstehen. Oder dass sie gar an ihnen wachsen; was wohl den besten aller möglichen Fälle beschreibt. Doch Ausnahmen gibt es bekanntlich immer wieder, gerade im aktuellen Zeitraum des späten Metal-Jahres 2017 – weshalb auch der vorliegende Beitrag ins Leben gerufen wurde. Im folgenden soll daher nicht nur darauf eingegangen werden, wie genau sich ein größerer Lineup-Wechsel auf eine Band auswirken kann – es werden auch einige brandaktuelle Beispiele mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen vorgestellt. Dabei gibt es eigentlich nur drei Möglichkeiten, wenn eine Band einen neuen Leadsänger rekrutiert:

Man versucht, möglichst nahe bei der ursprünglich eingeschlagenen Marschrichtung zu bleiben – und nimmt sich den bisherigen Leadgesang eher als Vorbild anstatt ihn als abgeschlossenes Kapitel zu betrachten.

Hierbei handelt es sich um eine des Öfteren angestrebte, grundsätzlich aber recht problembehaftete Variante mit teils kritischen Nachteilen. So ist es zwar theoretisch angenehm, dass sich eine Band trotz eines potentiell einschneidenden Lineup-Wechsels im weitesten Sinne treu bleibt – und sich so gesehen auch nicht allzu viel verändert. Schwierig aber wird es spätestens, wenn man es wie nicht wenige Bands dezent zu übertreiben scheint. Beispielsweise, indem der neue Leadsänger nicht viel mehr macht als den ursprünglichen zu imitieren. Heraus kommt dabei entweder eine bloße, seelenlose Direktkopie – oder aber eine Darbietung, die der ursprünglichen schlicht zu keinem Zeitpunkt das Wasser reichen kann.

Man versucht, das bisherige (Gesangs-)Kapitel weitestgehend abzuschließen und neue Ufer anzusteuern.

Für eine auf den ersten Blick höchst vernünftig erscheinende Variante wie diese gehört vor allem eines: Mut. Und sicher auch die Risikobereitschaft, einige der bis dato etablierten Fans zu vergrämen. Wenn es allerdings gut läuft und das Experiment aufgeht, so können sowohl die Band als auch die alten und neuen Fans stark von einem Konzept wie diesem profitieren. Der einig fade Beigeschmack besteht wohl darin, dass man in manchen Fällen genauso gut eine komplett neue Band hätte gründen können. Aber wie es eben so ist: mit der Aufgabe einer Band gibt man auch deren Namen (und damit auch deren Bekanntheitsgrad) auf – was niemand wirklich wollen kann.

Man kombiniert beide Varianten.

Bei der wohl am häufigsten in der Realität anzutreffenden Option handelt es sich um die grundsätzlich einfachste und beste. Wenn, ja wenn man es denn nur richtig angeht und eine gute Balance aus alten und neuen Konzepten findet, die Leistung des ursprünglichen Leadsängers weiterhin hochhält (also keinesfalls totschweigt) – und dem neuen eine Chance gibt, sich entsprechend zu entfalten.

Das Problem: nicht gerade wenige Bands scheitern an eben jenen Herausforderungen, sodass es durchaus einige Negativbeispiele gibt. Zunächst aber soll ein Blick auf all jene geworfen werden, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft haben einen oder mehrere markante Mitglieder-Wechsel zu stemmen. Wenn man ein diesbezügliches Paradebeispiel nennen müsste, so würde die Wahl wohl auf den folgenden Kandidaten fallen:

DREAMTALE.

Und das vornehmlich, da es die Finnen relativ problemlos – und trotz zahlreicher Mitgliedswechsel – geschafft haben, sich über all die Jahre musikalisch treu zu bleiben. Und: die dabei auch noch die Vergangenheit sinnig mit dem aktuellen Status Quo verbinden konnten. Ein Album wie SEVENTHIAN… MEMORIES AUF TIME (siehe Rezension) zeigt diesbezüglich mit Nachdruck auf, wie sympathisch man in der Verbindung von der jeweiligen Band-Historie und aktuelleren Ambitionen umgehen kann – schlicht und beispielsweise, in dem man einige ältere Titel neu verpackt auf eine Bonus-CD verfrachtet. Und eben nicht als alleinstehendes Album veröffentlicht… doch natürlich gibt es viele weitere Genre-Bands, die einen oder sogar mehrere Wechsel in Bezug auf ihren Leadgesangs-Posten erfolgreich überstanden haben – wie etwa…

  • BLOODBOUND
  • CELESTY
  • CRYONIC TEMPLE
  • CRYSTAL EYES
  • DERDIAN
  • DRAGONFORCE
  • HELLOWEEN
  • KALEDON
  • KAMELOT
  • POWER QUEST
  • SALAMANDRA
  • SKYWINGS
  • STRATOVARIUS, sowie auch…
  • … FALCONER. Aber auch nur, weil Mathias Blad letztendlich doch noch zur Band zurückgekehrt ist.

Ein besonderes Augenmerk soll an dieser Stelle aber ohnehin auf die nicht ganz so glücklich ausfallenden, mitunter gar katastrophalen Folgen von Lineup-Wechseln gelegt werden – wobei alle der folgenden Beispiele aus dem Jahre 2017 stammen respektive sich erst in diesem Jahr bemerkbar machten. Da wären etwa:

RHAPSODY OF FIRE…

… als klare Vorreiter der potentiell kritischen Lineup-Wechsel. In diesem Fall nimmt das Ganze sogar recht komische bis tragische Ausmaße an – denn wie man weiß verließen 2011 schon Luca Turilli und Patrice Guers die Band, um ihr eigenes Projekt LUCA TURILLI’S RHAPSODY auf die Beine zu stellen. Das mit dem Weggang von Oliver Holzwarth bald darauf auch schon der nächste Bassist, und mit seinem Bruder Alex Holzwarth auch der seit jeher zum Lineup gehörende Drummer das RHAPSODY-Schiff verließ; war aber erst der Anfang – denn Ende 2016 ging letztendlich auch Leadsänger Fabio Lione. In der aktuellen Besetzung der Band kann sich somit nur noch Alex Staropoli als eines der Gründungsmitglieder schimpfen – alle anderen kamen im Jahre 2011 oder später. Und das merkt (und hört) man der Band mittlerweile auch an: das 2017 erschienene Compilation-Album LEGENDARY YEARS (Rezension) mit dem neuen Leadsänger Giacomo Voli fiel bei vielen angestammten RHAPSODY-Hörern absolut durch. Sicher auch, da man schlicht einige der unveränderten alten Nummern verwendete – und Giacomo Voli unausweichlich mit seinem (eventuell unerreichbaren) Vorgänger verglichen wurde. Es bleibt abzuwarten, wie das neue Material abschneiden wird… was auch für die folgenden Kandidaten gilt:

PATHFINDER.

Glücklicherweise setzten die noch nicht auf ein ähnliches Comeback-Compilationalbum mit vom neuen Leadsänger veredelten alten Hits – sondern vorerst auf ein einzelnes Musikvideo zu einem entsprechend alten und bekannten Titel. Allein das hat allerdings schon komplett ausgereicht, um für ein mittelprächtiges Desaster zu sorgen. Nicht nur, dass das Video zum entsprechenden Titel FIFTH ELEMENT vom gleichnamigen 2012’er Album (Rezension) seit geraumer Zeit (das heißt eigentlich schon seit 5 Jahren) überfällig ist – viele den Weggang des einstigen Leadsängers Szymon Kostro schlicht nicht nachvollziehen können. Zumal er und seine relative Stimmakrobatik geradezu perfekt zur Band gepasst hatten, und sein Nachfolger nicht viel mehr macht als eben diese Ambitionen zu imitieren. Allerdings mit einem höchst mäßigen Erfolg – und im schlimmsten Fall sogar einer relativ lachhaften Gesamtwirkung. Auch hier gilt: alles weitere bleibt abzuwarten, ganz im Gegenteil zu…

TALES OF GAIA.

Die haben mit ihrem aktuellen Album HYPERNOVA (Rezension) schließlich schon bewiesen, dass sie mit ihrem neuen Leadsänger nicht wirklich etwas ernsthaftes vorhaben. Etwas derart verqueres, klägliches und schlicht lachhaftes hat man in den letzten Jahren noch nicht auf die Lauscher bekommen. Und wer oder was ist in diesem Falle wieder Schuld daran ? Exakt, ein (hier absolut unverständlicher) Lineup-Wechsel… doch der nächste Kandidat steht schon bereit, denn:

TWILIGHT FORCE…

… werden ab sofort ebenfalls ohne ihren angestammten Leadsänger Christian Eriksson alias Chrileon unterwegs sein, der zuletzt das kunterbunt-magische Epos HEROES OF MIGHTY MAGIC (Rezension) veredelte. Zwar sind die Folgen derzeit noch nicht wirklich abzuschätzen, doch dass das Ganze einen glücklichen Ausgang nimmt ist eher unwahrscheinlich. Schließlich gilt auch hier: eigentlich hatte man den perfekten Leadsänger bereits gefunden, wobei die Gründe für seinen plötzlichen Weggang abermals wenig nachvollziehbar erscheinen.

Was also wird die Zukunft noch an Mitgliederwechseln unserer allseits geliebten Power Metal-Bands bereithalten ? Man kann nur hoffen, dass die Liste nicht allzu lang wird. Und überhaupt gibt es sie tatsächlich noch – Bands, die seit ihrer mittlerweile viele Jahre zurückliegenden Gründung mit dem ursprünglichen Leadsänger am Start sind. es gilt demnach, einen Glückwunsch an die folgenden Bands zu richten:

  • AXXIS
  • BLIND GUARDIAN
  • GAMMA RAY
  • IRON SAVIOR
  • MAJESTY
  • MANOWAR
  • ORDEN OGAN
  • POWERWOLF
  • REINXEED
  • SABATON
  • SONATA ARCTICA
  • THE STORYTELLER
  • THEOCRACY
  • TIERRA SANTA
  • VHALDEMAR
  • WIZARD

… sowie an alle anderen, die an dieser Stelle vergessen wurden.

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