Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: A HERO FOR THE WORLD – West To East Pt. I – Frontier Vigilante (2017)

Alben-Titel: West To East Pt. I – Frontier Vigilante
Künstler / Band: A Hero For The World (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Mai 2017
Land: Philippinen
Stil / Genre: Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Jacob Kaasgaard – All Instruments, Vocals
Louie Ryan – Female Vocals

Track-Liste POWER VERSION:

1. A Hero Returns (04:44)
2. Gold of Klondike (05:30)
3. San Fernando (05:39)
4. Out Where the West Begins (01:56)
5. Cheyenne (04:21)
6. Eldorado (04:17)
7. Outlaw in the Wild West (07:24)
8. One, Two, Ready, Kill! (03:33)
9. Unforgiven in Rio Bravo (03:36)
10. The Other Side (05:16)
11. Champion (05:04)
12. Into the Fire (06:24)
13. Somewhere out There (05:48)

Helden braucht die Welt. Wirkliche Helden.

Nachdem die philippinischen Power Metaller von A HERO FOR THE WORLD gleich nach ihrer Bandgründung im Jahre 2012 mit den ersten Releases um die Ecke kam, war sie sofort da – die Hoffnung auf einen gleichermaßen guten wie exotischen Genre-Vertreter. Und tatsächlich: auch wenn das hiesige Debütalbum A HERO FOR THE WORLD (siehe Review) längst nicht perfekt war, zeigten vor allem die solide Nachfolge-EP ON FIRE (Review) und das ganz und gar herausragende Weihnachts-Album WINTER IS COMING (Review) auf; dass mit Frontmann Jacob Kaasgard allemal zu rechnen war. Sicher auch, da A HERO FOR THE WORLD seit jeher relativ frei und unabhängig agierten – ein Label haben sie bis heute nicht, und großartig in ihre kreativen Prozesse reinreden wird ihnen wohl auch sonst niemand. Nach einer gleichermaßen kurzen wie unerwarteten Pause und der Rückkehr mit zwei Singles im Jahre 2016 aber stellte sich langsam aber sicher ein eher ernüchterndes Gefühl ein: sind A HERO FOR THE WORLD wirklich die, für die sie sich ausgeben – oder sind sie doch nur eine weitere Power Metal-Combo, die sich im Laufe der Jahre immer mehr verzetteln würde ?

Immerhin: mit ihrem neuen Album WEST TO EAST PT. I geben sich A HERO FOR THE WORLD nun endlich wieder auf einem komplett selbst geschriebenen Langspieler die Ehre, sodass Anhaltspunkte für ein entsprechendes Urteil in die ein oder andere Richtung definitiv vorhanden sein sollten. Und das sind sie auch, sogar alles andere als knapp – auch wenn man es sich vielleicht anders gewünscht hätte. Denn: trotz der guten Grundidee und des erfrischend erscheinenden Konzeptes eines regelrechten Wildwest-Albums mit teils nacherzählten wahren Geschichten versagt WEST TO EAST auf zu vielen Ebenen. Und das nicht nur als allgemeines Power Metal-Album mit einer entsprechend starken Konkurrenz, die über die nunmehr aufgefahrenen Spielzeugrevolver von A HERO FOR THE WORLD nur müde lächeln können – sondern vor allem als absolut enttäuschendes Album einer einst vielversprechenden Nachwuchs-Band. Schließlich beginnen die Probleme schon vor dem eigentlichen Hörgenuss. Denn: WEST TO EAST wurde in sage und schreibe drei unterschiedlichen Editionen veröffentlicht. Wie man es von der Band gewohnt ist, über ihren offiziellen Bandcamp-Account – wobei es schon etwas frech erscheint, für jede Version den vollen Preis zu verlangen.

Und überhaupt: für welche Variante sollte man sich entscheiden ? Relativ gut klingen sie ja alle, zumindest vom Titel her. Sollte es also die sicherlich kräftige POWER EDITION, die wahrscheinlich epische EPIC ACOUSTIC VERSION; oder doch lieber die ursprüngliche DELUXE ORIGINAL EDITION sein ? Zwar erscheint es interessant und gewagt, dass A HERO FOR THE WORLD ihren Fans ein derart breites Angebot unter die Nase reiben – doch eines gilt es in jedem Fall festzuhalten. Denn allen oberflächlichen Unterschieden und der etwas perfiden Spannungsmache zum Trotz – letztendlich enthalten alle drei Varianten dasselbe Material, zumindest im Kern. Es ist lediglich die etwas merkwürdige Strategie von A HERO FOR THE WORLD, die aus regulären 13 Titeln ganz und gar erstaunliche 78 macht – schlicht, indem man jeden einzelnen Titel in 6 verschiedenen Versionen präsentiert (drei reguläre, drei Instrumentalvarianten). Wer weiß schon, ob da vielleicht sogar noch mehr ginge – aber schon jetzt wirkt das Konzept dezent lächerlich und unentschlossen. Vor allem aber weist es auf ein gravierendes Problem hin, denn: eine ungewöhnliche Vorgehensweise wie diese wirkt sich natürlich auch auf die Musik aus.

Kurzum: es scheint, als hätten sich A HERO FOR THE WORLD zu einer regelrechten Baukasten-Metalband entwickelt. Das bedeutet beispielsweise, dass das aufgenommene Gesangsmaterial möglichst generisch gehalten ist – um später leicht mit allen möglichen Instrumentalvarianten abgemischt werden zu können. Die sicher nicht überraschende Folge ist, dass der ohnehin eher ungewöhnlich agierende Jacob Kaasgard alles andere als überzeugend abschneidet. Wie, ja wie kann ein Leadgesang noch authentisch klingen – wenn er nicht länger nur für einzelne Nummern konzipiert, hinsichtlich einer speziellen Rhythmik und einer einzigartigen Atmosphäre angepassst wurde ? Zu Rezensionszwecken liegt im übrigen die POWER EDITION des Albums vor, die weitere Unzulänglichkeiten offenbart – die sicher auch die anderen Versionen haben, nur in einer jeweils anderen Form. Denn: die vermeintlich zünftigen Power Metal-Instrumentierungen gehen absolut in Rauch auf. Auch sie klingen erschreckend generisch und stumpf, vor allem das Drumming (markant: UNFORGIVEN IN RIO BRAVO) – der bereits erwähnte Baukastenprinzip lässt grüßen. Anders gesagt: wenn man hie und da ein paar müde Riffs einspielt, davon abgesehen aber wenig ändert – sorgt das noch lange nicht für einen fulminanten Energieschub, der mit der Bezeichnung Power versehen werden kann. Da macht es auch schon (fast) nichts mehr, dass der Bass so gut wie überhaupt nicht zu hören ist und das Keyboard eher SKYLARK-Qualitäten offenbart denn für eine wirkliche Atmosphäre sorgt.

Sicher, hie und da gibt es Momente; die doch noch auf etwas größeren schließen oder eher hoffen lassen – doch es finden sich auch mindestens ebenso viele, die entsprechend dagegen steuern. So lehnt sich gerade Jacob Kaarsgard einstweilen etwas zu weit aus dem Fenster, und sorgt speziell mit seinen Screams und seinem schnellen Wechsel von tiefen und hohen Gesangslagen für ein ungläubiges Staunen – allerdings in eine eher negativ auszulegende Richtung. Man lauschen nur einmal dem späteren Verlauf vom Opener A HERO RETURNS, in dem er in bester PELLEK-Manier seine stimmliche Reichweite inszeniert – dabei aber reichlich blass bleibt, ja wenn nicht gar unfreiwillig komisch wirkt. Selbiges gilt im übrigen auch für seine Darbietung in gleich komplett verhunzten Nummern – wie etwa dem merkwürdigen ONE, TWO, READY, KILL. Schlussendlich lässt sicher leider nur eines feststellen: wer (noch immer) der Meinung ist, dass Bands wie SKYLARK oder WATERLAND einen guten Power Metal machen, der könnte auch Gefallen an der neuen A HERO FOR THE WORLD-Scheibe finden. Allen anderen bleibt nur die leider immer unwahrscheinlichere Hoffnung, dass die Philippiner irgendwann doch noch die Kurve kriegen.

Absolute Anspieltipps: /


„Unentschlossen, generisch, platt und mit unnötigen Song-Varianten schier um sich schmeissend – A HERO FOR THE WORLD sind zurück, bekleckern sich aber wahrlich nicht mit Ruhm.“

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