Rezensionen: Sonstige Musik

CD-Review: PROZZÄK – Forever 1999 (2017)

Alben-Titel: Forever 1999
Künstler / Band: Prozzäk (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 31. März 2017
Land: Kanada
Stil / Genre: Pop / Dance
Label: Lefthook / Tropicalista

Alben-Lineup:

Jay Levine – Vocals
James Bryan McCollum – Guitars, Vocals

Track-Liste:

1 – Love Me Tinder (3:34)
2 – All of the Feels (3:22)
3 – Love Fools Anonymous (feat. Wackyboyz) (3:29)
4 – If We Were in the Jungle (feat. Catey Shaw) (2:41)
5 – Forever 1999 (3:36)
6 – Pussy Cat Pussy Cat (3:34)
7 – Ooh La La (feat. Wackyboyz & Catey Shaw) (2:35)
8 – Hot (2:51)
9 – Can’t Lick This Love Thing (2:59)
10 – Adaptation (4:09)

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Die Geschichte des kanadischen Pop-Duos PROZZÄK ist eine eher ungewöhnliche. So liegt die eigentliche Blütezeit der ursprünglich aus zwei Mitgliedern der PHILOSOPHERS KINGS hervorgehenden Band schon eine gute Weile zurück – woraufhin es immer wieder verdächtig ruhig wurde um die beiden von der Band ins Leben gerufenen Charaktere Simon und Milo. Doch gerade die sollten sich rund um die Jahre der beiden ersten Studioalben HOT SHOW (siehe Review) und SATURDAY PEOPLE (Review) einer immensen Beliebtheit erfreuen – zumal sie durch die frühen Musikvideos der Band zu den eigentlichen Gesichtern von PROZZÄK wurden. Entsprechend nachhaltig haben sich die beiden sympathischen, höchst unterschiedlich auf die Herausforderungen des Lebens reagierenden Freunde in das Gedächtnis vieler Fans eingebrannt. Und das zu Recht: die witzig aufgemachten, aber eben nicht substanzlosen Darstellungen diverser Lebens-, Liebes- und Beziehungsfragen waren ebenso simpel wie erfrischend – und offenbarten gerade dadurch ein generationsübergreifendes Unterhaltungspotential. Das galt natürlich auch für die eigentliche Musik von PROZZÄK, die auf dem zweiten Studioalbum SATURDAY PEOPLE ihren qualitativen Höhepunkt fand. Denn: auch wenn PROZZÄK schon immer dem Genre des Pop zuzuordnen waren, hatte ihre Musik genug Eigenheiten um aus der Masse des radiotauglichen Einheitsbreis hervorzustechen.

Nach eben jener Blütephase, sowie analog dazu auch einigen Charterfolgen in Kanada wurde es allerdings verdächtig still um die Band – die erst Ende 2005 mit einem neuen Studioalbum zurückkehrte. Und dabei höchst gemischte Gefühle auslöste, denn: mit CRUEL CRUEL WORLD (Review) ging die Band in eine etwas andere, vielleicht erwachsenere Richtung als die zuvor etablierte. Anders gesagt: der Bandname, der sich auf die amerikanische Bezeichnung für ein Antidepressivum stützt; beinhaltete dieses Mal nur eine Problemanalyse – aber keine Lösung in Form einer musikalischen Aufbereitung vom Schlage eines SATURDAY PEOPLE. Das schreckte einige Fans ab, und auch die Band selbst schien sich nicht wirklich klar in ihrem Bestreben zu sein – was wohl auch die nachfolgende, lange Jahre währende Pause erklärt. So war es erst 2015 wieder an der Zeit für PROZZÄK, aus der Versenkung aufzutauchen. Und tatsächlich, nach den ersten Singles BABY I NEED YOUR LOVE, LOVE FOOLS ANONYMUS und MY LITTLE SNOWFLAKE schien eines schnell klar: es musste endlich ein neues, im besten Falle geniales PROZZÄK-Album her.

Dieser Herausforderung stellt sich nun FOREVER 1999, das erste PROZZÄK-Album nach 12 Jahren – welches allein durch seinen Titel impliziert dass die Band wieder an ihre erfolgreichen Anfangszeiten anknüpfen, oder zumindest den Geist der alten Zeit noch einmal heraufbeschwören möchte. Ob ihnen das gelingt, oder ein Unterfangen wie dieses überhaupt gelingen kann; ist allerdings eine andere Frage – denn natürlich haben die enthaltenen 10 Titel einen deutlich moderneren Anstrich. Immerhin: es tauchen wieder einige der Elemente und Stilmittel auf, die die Band einst auf ihren beiden ersten Alben zelebrierte. Man beachte hierzu nur einmal den Titel HOT, in dem ein offenbar kaum gealterter Milo über die Frauenwelt sinniert – was doch sehr an FEED THE NIGHT von SATURDAY PEOPLE erinnert. Das Problem sind aber ohnehin nicht diese eher als Zwischenspiele zu betrachtenden, reichlich platten aber irgendwie doch amüsanten und sympathischen Momente – sondern vielmehr die Tatsache, dass wirklich nennenswertes Ausgleichsmaterial in Form von außergewöhnlichen Ohrwürmern ausbleibt. Das fällt besonders auf, wenn man an Titel wie PRETTY GIRLS, WWW.NEVERGETOVERYOU, BE AS oder MONDAY MORNING zurückdenkt – auf FOREVER 1999 findet sich einfach kein passendes Äquivalent.

Und das, obwohl sich gerade LOVE ME TINDER, LOVE FOOLS ANONYMUS oder PUSSY CAT verdächtig nah an eben jenen früheren Qualitäten bewegen. Letztendlich finden sich aber immer wieder störende Elemente. In LOVE ME TINDER beispielsweise sind es die enorm minimalistisch ausgestatteten, gesanglich und textlich unspektakulär vorgetragenen Strophen; in LOVE FOOLS ANONYMUS der etwas zu moderne Soundanstrich und der erschreckend schlechte Refrain, in PUSSY CAT der gute aber sich allzu oft wiederholende Refrain. Davon abgesehen sieht es sogar noch düsterer aus: IF WE WERE IN THE JUNGLE ist eine einzige Peinlichkeit und auch musikalisch eine Katastrophe, für das mit höchst nervigen Gesangsparts versehene OOH LA LA gilt dasselbe – wobei es unverständlich ist, warum Nummern wie diese überhaupt einen Weg auf das Album gefunden haben. Die eigentlich unnötigen Features anderer Künstler haben sich damit jedenfalls auch erledigt. Aber auch CAN’T LICK THIS LOVE THING präsentiert sich als relativer Langweiler mit einem stumpfen Beat, ADAPTION als etwas zu weinerlicher Rausschmeißer mit einem ebenfalls suboptimalen Refrain.

Eigentlich bleiben dem Album damit nur zwei wirklich gute oder zumindest grundsolide Nummern: das gleichermaßen frohgestimmte wie melancholische ALL OF THE FEELS, und das hymnische FOREVER 1999 als die Band wohl am besten beschreibende Momentaufnahme. Insgesamt aber gilt vornehmlich eines: so schön die Rückkehr von PROZZÄK generell betrachtet ist, so ernüchternd ist sie es in musikalischer Hinsicht. Es bleibt somit nur zu schauen, ob sich die Band erneut zurückzieht – oder ein weiteres, im besten Fall aussagekräftigeres Album an den Start bringt.

Absolute Anspieltipps: ALL OF THE FEELS, FOREVER 1999, PUSSY CAT PUSSY CAT


„Eine zumindest musikalisch nicht wirklich überzeugende Rückkehr.“

Kategorien:Rezensionen: Sonstige Musik

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