Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: SKYWINGS – Wings Wind (2016)

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Alben-Titel: Wings Wind
Künstler / Band: Skywings (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. November 2016
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Studio Medras

Alben-Lineup:

Senoh – Bass
Yuki – Drums
I-La – Guitars, Vocals
Takashi – Keyboards

Track-Liste:

1. Wings Wind~羽衣の音色~ (09:25)
2. Ray (05:33)
3. God Cross Chases Chaos (06:26)
4. Blink of Emerald (04:45)
5. Together (04:44)
6. Separated Tears (07:19)
7. Destruction Messiah (05:43)
8. Ever Scent Scene (06:01)
9. A Fantastic Son (05:32)
10. Tonight (08:02)

Von der Macht eines einzelnen Flügelschlages.

Eines scheint sicher: für den geneigten Power Metal-Enthusiasten ist 2016 nicht nur ein spannendes, sondern auch ein relativ erfüllendes Jahr. Zum einen, da es weit mehr als eine handvoll herausragende Releases zu verköstigen gilt – und zum anderen, da sich einige beliebte Bands nach kürzerer oder längerer Abstinenz zurückmelden. Mit in diesem Bunde sind sicher auch die SKYWINGS – als keineswegs übermäßig bekannte, sich aber gerade deshalb als Geheimtipp eignende Genre-Combo aus Japan. Im Gepäck haben sie ihr mittlerweile viertes Studioalbum WINGS WIND – und damit einen weiteren potentiell hochkarätigen Kandidaten für das beste Genre-Album des Jahres. Oder ist das etwa ein dezent zu hoch gestochener Anspruch ? Schließlich legt man bei SKYWINGS nicht unbedingt einen großen Wert auf eine internationale Fangemeinde, agiert somit recht Japan-Exklusiv – und der überraschende Weggang des eigentlichen Leadsängers Takuya im Jahre 2014 war ebenfalls eine Herausforderung. Interessanterweise war das jedoch nicht das Aus für die Band – ganz im Gegenteil. Mit dem durchaus bemerkenswerten Engagement des Gitarristen I-La, der kurzerhand (oder eher notgedrungen) auch noch den Leadgesangsposten übernahm; bewiesen SKYWINGS auf dem rundum gelungenen VICE VERSA (Review), dass sie auch als Quartett einiges lostreten können.

Und nun kommt (das zugegeben etwas ungünstig betitelte) WINGS WIND daher – bei dem japanische Lyrics abermals mit englischen und nicht immer gänzlich sinnigen Textfetzen garniert werden, was vor allem in den ersten Momenten gerade für Neueinsteiger etwas irritierend wirken könnte. Aber: mindestens ebenso schnell wird klar, dass SKYWINGS ihren Stil und ihre Identität mittlerweile gefunden haben. Mit ihrer eher gradlinigen Spielart und dem Verzicht auf allzu wilde Experimente haben sie auch außerhalb von Japan gute Voraussetzungen – sicher auch aufgrund ihrer auffällig starken instrumentalen Komponente. Eine, die auch dank der hervorragenden Produktion gut zur Geltung kommt – und im Zusammenspiel mit der zunächst zwar relativ gewöhnungsbedürftig erscheinenden, letztendlich aber doch passigen und durch und durch sympathischen Leistung von Leadsänger I-La ein rundes Ganzes ergibt. Das Drumming klingt lebendig und variabel, der Bass bekommt die nötige Aufmerksamkeit, das Keyboard kommt oft aber nur selten allzu penetrant zum Einsatz; und gerade die Gitarren bilden eine kräftige und dabei gleichermaßen virtuose wie verspielte Klangkulisse.

Was bleibt, ist weniger die Frage nach den behandelten Inhalten – zumal sich WINGS WIND in internationalen Ohren ohnehin einen anderen Weg suchen wird als über das sprachliche Verständnis – als vielmehr die Frage nach der Gesamtwirkung des Albums. Sich ein diesbezügliches Urteil zu bilden, fällt indes nicht ganz leicht. Generell festzustellen ist aber, dass WINGS WIND deutlich besser abschneidet wenn die Japaner das Tempo anziehen. Schon der Opener und Titeltrack WINGS WIND macht so gesehen vieles richtig, und weiß auch sonst als mittlerweile typisch starke SKYWINGS-Nummer vom Schlag eines I FASCINATE oder GLORIA zu gefallen. Solange den Japanern einige griffige Melodien im Kopf herumschwirren, das Tempo nicht allzu sehr gedrosselt wird und die Gitarren weiterhin ausreichend Raum erhalten; klappt es dann auch mal mit einem dezent balladesken Einschlag wie in RAY – oder über die nicht ganz so spektakuläre Schiene wie im gut ins Ohr gehenden GOD CROSS CHASES CHAOS.

Und doch müssen die Japaner vorsichtig sein, denn nicht alle Wagnisse gehen auf. BLINK OF EMERALD klingt trotz der starken Instrumentalkulisse erstaunlich belanglos – der leicht übertriebene Keyboardeinsatz, einige verzerrende Effekte und eine gewisse weder-noch Stimmung verhindern weiteres. Mit dem kitschig-süßen, insgesamt aber trotzdem angenehmen und auflockernden TOGETHER stößt man auf eine weitere potentielle Schwäche der Band, zumindest sofern man daraus aus ist. Denn: Leadsänger I-LA hat keine Hemmungen, auch mal lauthals in einem teils heftig akzentuierten Englisch (oder eher einer Sprachmischung aus Japanisch und Englisch) zu singen. Das macht er allerdings des öfteren, und alleine ist er damit auch nicht – wobei die Gründe nicht ganz offenbar werden. Immerhin, im Gegensatz zur Konkurrenz klingt er dabei niemals lächerlich – man nimmt ihm einfach ab, was er da macht.

In der zweiten Alben-Hälfte bleibt es solide, wenn auch mit Ausnahmen. SEPARATED TEARS beispielsweise ist ein relativer Langweiler, und noch dazu in gesanglicher Hinsicht problematisch – I-La’s Stärken liegen ganz offensichtlich nicht in den höheren Gesangslagen, sondern eher im gemäßigteren Bereich. DESTRUCTION MESSIAH ist als brachiale Uptempo-Nummer a’la SKYWINGS grundsätzlich ansprechend, eine frappierende Ähnlichkeit zu GLORIA ist aber ebenfalls nicht zu verhehlen. Und der spätere Soli-Part fällt zumindest gewöhnungsbedürftig aus – am besten wirken die furiosen Gitarren- und Keyboardintermezzi, wenn sie eben nicht zu abgedreht inszeniert werden. Gut also, dass man es in dem festlichen TONIGHT noch einmal ordentlich krachen lässt. Hier agieren die SKYWINGS weder zu plump noch zu prätentiös – sie befinden sich hörbar in der goldenen Mitte, was auch für die Mischung aus brachialem Tempo und einer glaubwürdigen Portion Emotionalität gilt. Eines scheint jedenfalls klar: die Band ist auf dem absolut richtigen Weg. WINGS WIND ist trotz kleinerer Schwächen und zwei oder drei zu vernachlässigender Titel rundum gelungen. Zudem klingt es dank der typischen SYKWINGS-Trademarks relativ einzigartig – sodass man definitiv einen intensiveren Blick riskieren sollte, gerade als Freund der japanischen Power Metal-Szene.

Absolute Anspieltipps: WINGS WIND, RAY, GOD CROSS CHASES CHAOS, DESTRUCTION MESSIAH, TONIGHT


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おめでとうございます, oder: das bisher beste SKYWINGS-Album.“

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