Rezensionen: Sonstige Musik

Metal-CD-Review: EQUILIBRIUM – Armageddon (2016)

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Alben-Titel: Armageddon
Künstler / Band: Equilibrium (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. August 2016
Land: Deutschland
Stil / Genre: Epic Folk / Viking Metal
Label: Nuclear Blast

Alben-Lineup:

René Berthiaume – Guitars, Keyboards
Hati – Drums
Robse – Vocals
Dom – Guitars
Makki – Bass

Track-Liste:

1. Sehnsucht (02:58)
2. Erwachen (04:33)
3. Katharsis (05:11)
4. Heimat (04:23)
5. Born to Be Epic (04:04)
6. Zum Horizont (04:12)
7. Rise Again (03:51)
8. Prey (04:53)
9. Helden (04:35)
10. Koyaaniskatsi (04:10)
11. Eternal Destination (07:21)

Zurück mit neuen Kampfansagen.

Ja, auch im Jahre 2016 ist fest mit den deutschen Folk- und Viking Metallern von EQUILIBRIUM zu rechnen. Aber vielleicht war das auch genau so zu erwarten – schließlich schien die sich seit jeher um Band-Mastermind René Berthiaume scharende Gesellschaft von hervorragenden Musikern schon immer zu Großem berufen. Fakt ist jedenfalls, dass sich die Band bisher noch keinen größeren Ausrutscher geleistet hat – und das trotz potentiell einschneidender Lineup-Wechsel, wie etwa dem umstrittenen Weggang des einstigen Leadsängers Helge Stang. Nachdem EQUILIBRIUM also schon früh Maßstäbe setzten (für sich selbst, aber auch das Genre – was speziell das Debütalbum TURIS FRATYR betrifft), mit SAGAS (Review) und REKREATUR (Review) weiterhin eine qualitativ beachtliche Linie fuhren und sich mit dem letztaktuellen Studiowerk ERDENTEMPEL (Review) auch mal deutlich experimentierfreudiger zeigten, ist es nun also an der Zeit für ein musikalisches ARMAGEDDON. Wobei zu hoffen bleibt, dass jenes Gefühl der Apokalypse hauptsächlich aus der inhaltlichen Gewichtung und unbedingt wünschenswerten atmosphärischen Schüben hervorgeht; und eben nicht aufgrund einer nachlassenden Leistung der einzelnen Mitglieder.

Doch lassen sich Bedenken wie diese glücklicherweise relativ leicht und schnell beiseite schieben. EQUILIBRIUM zeigen auf ihrem aktuellen Langspieler erneut auf, dass sie nichts von ihrer ursprünglichen Kraft und Ausdrucksstärke verloren haben – und sich den Spagat zwischen einem eher klassischen EQUILIBRIUM-Sound a’la TURIS FRATYR und kleineren Experimenten locker leisten können. Während sich jene Experimente auf dem Vorgänger ERDENTEMPEL aber eher auf teils extrem leichtgängige Nummern oder gar eine nicht bei jedem beliebte Feier-Hymne wie WIRTSHAUS GAUDI bezogen; sind es dieses mal wohl eher die drei englischen Titel welche etwas überraschend daherkommen. Und schon bei der Betrachtung jener drei Titel fällt eines direkt auf: EQUILIBRIUM können wirklich mal so und mal so. Anders gesagt: während BORN TO BE EPIC eher als Genre-Persiflage mit einer ordentlichen Portion Selbstironie inszeniert wird, avanciert speziell PREY zu einem kleinen Epos mit einem gewissen Anspruch. So oder so haben alle Nummern des Albums eines gemein: sie sorgen für einen recht hohen Unterhaltungswert.

Das ganz große Kunststück von ARMAGEDDON ist und bleibt aber das dem Album offenbar zugrundeliegende Konzept – welches einerseits auf die seit jeher etablierten Sound-Trademarks der Band setzt, und andererseits nicht mit Bezügen um aktuellen Zeitgeschehen geizt. Wenn man so will kann ARMAGEDDON so gleich in doppelter Hinsicht wirken: einmal als musikalisch ansprechendes, typisches EQUILIBRIUM-Album – und einmal als allgemeiner Denkanstoß in Bezug auf vieles, was die Menschen heute bewegt. Bleibt abzuwägen welche Titel wirklich herausragend sind, und welche nicht ganz so gut abschneiden – auch wenn das Album dieses Mal in sich stimmiger wirkt als der Vorgänger. Fest steht schon einmal, dass der Alben-Auftakt mit dem atmosphärischen Intro SEHNSUCHT und dem überaus wuchtigen Opener ERWACHEN nicht stärker hätte ausfallen können – und auch KATHARSIS lässt sich hören.

Im direkten Vergleich muss HEIMAT folglich klar hintenan stehen. Und das nicht nur, da es sich um eine eher leichtgängige Nummer handelt – man ist geneigt, doch lieber mit einem knackigen HEIMWÄRTS a’la SAGAS Vorlieb zu nehmen. Und auch wenn BORN TO BE EPIC die vermutlich absurdesten Textpassagen des Albums enthält, hat diese Nummer eher nicht das Potential die Gemüter zu spalten. Dafür sorgen eher das gerade im Refrain eher schwache und gewissermaßen durch die typischen EQUILIBRIUM-Synths überladene ZUM HORIZONT (zum Vergleich: der Spaßfaktor beim flotten RISE AGAIN ist wesentlich größer) sowie das kuriose HELDEN mit seinen auch Sound-technischen Videospiel-Bezügen. KOYAANISKATSI (was mit Q geschrieben der Titel eines bekannten Spielfilms aus dem Jahre 1982 ist) fungiert wiederum als Mittelding – die instrumentale Komposition verfehlt ihre Wirkung nicht, die gesprochenen Textelemente könnten hier aber schon ein wenig zu viel des guten sein. Mit ETERNAL DESTINATION hat man dagegen wieder alles richtig gemacht – auch wenn es merkwürdig erscheint, dass man hier eine englische Titelbezeichnung gewählt hat.

Alles in allem ist ARMAGEDDON ein starkes EQUILIBRIUM-Album geworden – eines, das locker mit dem Vorgänger ERDENTEMPEL mithalten kann. Sicher, es kann durchaus sein dass EQUILIBRIUM nicht mehr an die schiere Wucht ihrer vermutlich besten Alben (womit speziell TURIS FRATYR und SAGAS gemeint sind) anknüpfen können; wohl auch da es keinen vergleichbaren Überraschungseffekt mehr gibt – doch vorwerfen kann man der Band trotzdem nichts. Nichts, oder zumindest wenig. ARMAGEDDON ist ein vielfältiges, spaßiges, nachdenklich stimmendes Album mit ansprechenden instrumentalen Kompositionen, einem soliden Leadgesang und einer grandiosen Produktion – viel falsch machen kann man hier nicht.

Absolute Anspieltipps: SEHNSUCHT, ERWACHEN, KATHARSIS, RISE AGAIN, PREY, ETERNAL DESTINATION


80button

„Kein Meisterwerk und an manchen Stellen etwas zu prätentiös – aber ein höchst solides EQUILIBRIUM-Album mit einem immensen Unterhaltungswert.“

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