Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Attack On Titan Part 2 – The End Of The World“ (2015)

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Originaltitel: Shingeki No Kyojin: Endo Obu Za Wârudo
Regie: Shinji Higuchi
Mit: Haruma Miura, Hiroki Hasegawa, Kiko Mizuhara u.a.
Land: Japan
Laufzeit: ca. 87 Minuten
FSK: noch nicht geprüft
Genre: Fantasy, Action
Tags: Titanen | Riesen | Überlebende | Apokalypse | Mauern

So kann man es natürlich auch machen.

Kurzinhalt: Noch immer ist die große, von drei riesigen Mauern umgebene Festungsstadt in Gefahr – die nach Menschenfleisch gierenden Titanen lassen einfach nicht von ihr ab. Doch nach einem Zwischenfall der eher besonderen Art ist es nun auch der junge Eren Jäger (Haruma Miura), auf den allerlei skeptische Blicke gerichtet sind. Schließlich hatte sich der im Eifer des Gefechts, und nach einigen schwerwiegenden Verletzungen selbst in einen Titanen verwandelt – und so das Leben seiner Freunde gerettet. Doch davon will die Obrigkeit offenbar wenig wissen. Sie verhören den nunmehr zurückverwandelten, gefesselten Eren – und verurteilen ihn zum Tode; und sei es aus Angst ihn nicht kontrollieren zu können. Dann aber taucht ein weiterer ungewöhnlicher Titan auf – und rettet Eren. Für den jungen Kämpfer beginnt eine Odyssee der Fragen – aber auch Antworten, denn sein Entführer entpuppt sich eine der wenigen Personen, die mehr über den Hintergrund der Titanen wissen. Werden die Menschen am Ende doch siegreich sein können, wenn sie Eren als wohl mächtigste Waffe kontrollieren könnten ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Bereits wenige Wochen nach dem ersten Teil der groß angelegten Realverfilmung zu ATTACK ON TITAN (siehe Review zu Part 1 hier) folgte auch schon das direkte Sequel ATTACK ON TITAN – THE END OF THE WORLD. Zumindest in den japanischen Kinos, internationale Fans werden sich noch etwas länger gedulden müssen. Auch wenn es sich hierbei um eine eher ungewöhnliche Veröffentlichungsstrategie handelt, scheint sie in diesem Fall berechtigt: das Material war zu umfangreich, um es in einem einzelnen Film zu verpacken – doch allzu lange warten lassen wollte man die Fans auch nicht. So zumindest lautet die Theorie, die im Endeffekt aber mindestens ein dezentes Stirnrunzeln nach sich zieht. Schließlich veranschlagt der zweite Teil nicht mehr als eine Laufzeit von gerade einmal 80 Minuten, und weist dabei sogar einige Längen auf – vor allem zu Beginn. Die Frage, warum man das Material nicht doch in einem einzigen Film kumulierte; ist also keineswegs von der Hand zu weisen.

Doch erweist sich der zweite Teil der Verfilmung ohnehin als Problemkind einer gänzlich anderen Sorte. Wenngleich viele Fans des Mangas und der TV-Serie bereits in Anbetracht des ersten Teils enttäuscht waren; so ließ er zumindest ein Fünkchen Resthoffnung aufkeimen – vor allem in Bezug darauf, dass sich die Macher im zweiten Teil noch markant steigern würden. Interessanterweise ist aber das Gegenteil der Fall. THE END OF THE WORLD weist dieselben Fehler und Unstimmigkeiten auf wie der erste Teil, mit dem Unterschied dass sie dieses Mal noch vervielfacht werden – was auf so gut wie alle Bereiche zu beziehen ist. So avanciert die im ersten Teil noch als charmant zu bezeichnende optische Gestaltungsarbeit endgültig zu einem Fiasko – einem vor schrecklich künstlicher, eintöniger und plumper CGI nur so triefendem. Auch wenn der zweite Teil eher ruhig beginnt, nehmen die späteren Kämpfe einen erheblichen Raum ein – und da sie dieses Mal fast ausschließlich zwischen Titanen stattfinden, kann man sich die anberaumte Materialschlacht in etwa ausmalen.

Dies impliziert bereits, dass es auch im zweiten Teil nicht allzu weit her sein kann mit der Story und den Charakteren – obwohl man gerade jetzt die Schnitzer des ersten Teils hätte ausbügeln sollen. Oder müssen – doch diesbezüglich macht der zweite Teil sogar noch einen Schritt zurück, was eigentlich eine Unmöglichkeit beschreibt. Nicht nur dass die Charaktere mindestens ebenso verwechselbar agieren wie zuvor, kaum sinnige Dialoge vorgesehen sind und echte Sympathieträger nach wie vor ausbleiben – am ärgsten hat es dieses Mal die ohnehin schon auf der Kippe stehende Motivationsfrage getroffen. Sicher, dass hier einige Menschen um ihr Überleben kämpfen wird ersichtlich – wofür es verständlicherweise nicht einmal einen Grund braucht. Doch was genau in den Köpfen der wohl ungewöhnlichsten Antagonisten aller Zeiten vorgeht, bleibt ein Rätsel – erklärt oder wirklich nachvollziehbar dargelegt wird hier nichts. Gleichzeitig bleiben alle in der TV-Serie zumindest noch angeschnitten Elemente in Bezug auf die ‚Obrigkeit‘ und das vorherrschende Gesellschaftssystem aus, was unweigerlich das Gefühl entstehen lässt als müsste es sich hier um eine Angelegenheit handeln die nur eine handvoll Menschen betrifft. Und das, wo die Titanen doch nicht weniger als die Weltherrschaft für sich beanspruchen.

Analog dazu wirken die Schauplätze aus THE END OF THE WORLD arg beschränkt und übersichtlich. Zivilisten rennen keine mehr umher, als Hintergrund dienen oftmals per CGI eingefügte, zerstörte Gebäude – was ein generelles Gefühl der Lieblosigkeit entstehen lässt. Und die Vermutung nahelegt, das ein Großteil des Budgets bereits mit dem ersten Teil verpulvert wurde – und der zweite eher als notwendiges Übel fungiert, dass man schnell noch hat auf die Beine stellen müssen. Die Probleme hören hier indes nicht auf, denn ein spezieller Faktor könnte vor allem Fans der TV-Serie bitter aufstoßen: THE END OF THE WORLD etabliert die zeitlos-spannende Atmosphäre der Serie nicht einmal ansatzweise, ist deutlich weniger spannend  – und gerät zudem ärgerlich entmystifizierend. Will heißen: erstmals im ATTACK ON TITAN-Universum werden klare Worte über den Ursprung der Titanen anberaumt, sowie im gleichen Atemzug auch noch erklärt was es mit Eren und seiner Wandlungsfähigkeit auf sich hat. Da dies relativ früh geschieht, ist die heiße Luft im wahrsten Sinne des Wortes schnell raus. Fragen entstehen eigentlich keine mehr – weshalb man offenbar dazu geneigt war, die bereits erwähnten Bösewichte zu integrieren. So kann dann doch das ein oder andere völlig sinnlos wirkende Rachegelüst befriedigt; sowie natürlich die (extrem karge) Landschaft zerlegt werden. Die Tatsache, dass man plötzlich drei Protagonisten hat die sich in Titanen verwandeln können und dabei durchaus merkwürdige Ziele verfolgen; wirkt in diesem Fall sogar explizit lächerlich und nimmt dem Franchise einen jeglichen Reiz. Was bleibt, ist ein gelungener Soundtrack aus der Feder von Shiro Sagisu – der sein Talent lieber anderswo hätte einsetzen sollen.

Fazit: Sicher, Realverfilmungen zu etwaigen prestigeträchtigen Manga- oder Animereihen sind immer mit Vorsicht zu behandeln. Oftmals geht der Schuss nach hinten los, alle Seiten zufriedenstellend sind entspreche Werke höchst selten – wobei der erste Teil von ATTACK ON TITAN noch die Hoffnung weckte, zumindest besser als der Durchschnitt zu sein. Diese Hoffnung kann, respektive muss in Anbetracht des zweiten aber vollständig begraben werden. Grundsätzlich besteht das Sequel nur aus alles andere als ansehnlichen CGI-Elementen – die nicht einmal sonderlich geschickt inszeniert werden oder einen nennenswerten Unterhaltungswert generieren. Irgendwo dazwischen tummeln sich dann die wenigen Darsteller – die ihr bestes geben, dabei aber nicht selten an den Rand des Overactings gelangen. Alles, was auch nur ansatzweise den eigentlichen Inhalt oder die Erzählform betrifft muss dagegen direkt in die Kategorie einer absolut unterirdischen Filmkunst einsortiert werden. Der Film macht erst gar keinen Hehl aus seinen geistlosen Dialogen, den flachen Charakterporträts, seinem miserablen Spannungsbogen, den aufgesetzten komödiantischen Elementen sowie den generell völlig abstrusen Anwandlungen der Charaktere als eigentliches Negativ-Highlight. Und das mit einer solchen Vehemenz, dass man tatsächlich glaubt das Ende der Welt ist nah – zumindest das Ende der Kino-Welt…

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„Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten – dann doch lieber eine zweite Staffel der TV-Serie.“

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