Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: KERION – CloudRiders Part 2: Technowars (2015)

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Alben-Titel: Cloudriders Part 2: Technowars
Künstler / Band: Kerion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Oktober 2015
Land: Frankreich
Stil / Genre: Power Metal
Label: Beyond The Storm Productions

Alben-Lineup:

Jean-Baptiste Pol – Drums
Sylvain Cohen – Guitars (rhythm)
Rémi Carrairou – Guitars
Flora Spinelli – Vocals
Antony Schutz – Bass

Track-Liste:

1. Riders Theme (Intro) (03:00)
2. The Legacy (04:14)
3. Take Me On! (04:14)
4. Rise of the Rebellion (05:35)
5. Iron Solider (06:16)
6. Heart of Steel (Metal Heart) (05:28)
7. Spirit of the Wood (06:19)
8. In Silence (04:15)
9. The Brotherhood (05:28)
10. Riding Clouds (04:49)
11. Children of Sky and Sea (04:28)
12. Technowars (09:50)
13. Riders Theme (Outro) (01:47)

Eine volle Breitseite aus Frankreich.

Dass irgendwann einmal ein zweiter Teil der CLOUDRIDERS-Saga aus dem Hause KERION erscheinen würde war abzusehen. Überhaupt wäre alles andere fatal – schließlich hat die französische Combo 2012 mit CLOUDRIDERS PART 1: ROAD TO SKYCITY (Review) den Grundstein für eine neue Band-Ära gelegt. Einen, der sich durchaus hören ließ – und den Reifeprozess der Band untermauerte. Nun also soll es mit dem neuesten Streich TECHNOWARS munter weitergehen; einem 13 Titel starken Konzeptalbum mit einem ansprechenden (und zudem dezent an BIOSHOCK INFINITE erinnernden) Artwork. Möglich ist, dass sich der geneigte Power Metal-Konsument schon einen Ersteindruck in Form des bereits vorab veröffentlichten Lyric-Videos zu RIDING CLOUDS geholt hat – der eine vortrefflichen Wahl für beide Seiten darstellte. KERION konnten aufzeigen, was sich in den 3 vergangenen Jahren der Wartezeit sound- und konzepttechnisch getan hat – und die Hörer erlebten gleich mehrere positive Déjà-vuEffekte.

Schließlich sind in der betreffenden Nummer nicht nur KERION zu hören, die weiterhin mit Philippe Giordana (FAIRYLAND) zusammenarbeiten und so besonders herausragende Chor-Elemente präsentieren – sondern auch Eliza C. Martin (Ex- FAIRYLAND, Ex-DARK MOOR, HAMKA). Die ist ihres Zeichens ein echtes Genre-Urgestein – und nach wie vor ein Geheimtipp, wenn es um markante weibliche Frontvocals geht. Dabei scheint es längst zu ihrem Markenzeichen zu gehören, sich bei der Aussprache der englischen Lyrics gewisse… Freiräume zuzugestehen – man erinnere sich nur an DARK MOOR’s THE GATES OF OBLIVION. Doch das spielt kaum eine Rolle – wer die Frau kennt und liebt, wird sich an diesem seltenen Gastauftritt mehr als nur erfreuen. Doch selbstverständlich geht es hier nicht nur um den einen Titel, auch wenn der besonders herausragend ist – TECHNOWARS hat auch noch 12 andere anzubieten.

Für böse Zungen und / oder skeptische wird dabei sicherlich weiterhin die Leistung der eigentlichen KERION-Frontfrau Flora Spinelli an vorderster Diskussionsfront stehen. Die wird beileibe nicht jeden direkt überzeugen – was auch schon auf den früheren KERION-Alben einer der größten Knackpunkte war. Interessanterweise wurde sie einstweilen gern als schwache Kopie von Eliza C. Martin bezeichnet – sodass es einer gewissen Ironie nicht entbehrt, dass die beiden nun gemeinsam auf einem Album zu hören sind. Und sogar im Duett – wie in RISE OF THE REBELLION; wobei sich speziell diese Darbietung etwas merkwürdig anhört und die KERION-Leadsängerin nur noch mehr in den Hintergrund rückt. Fakt ist, dass Flora Spinelli nicht zu den besten ihrer stetig wachsenden Zunft der weiblichen Power Metal-Frontfrauen gehört – und man sie entweder genau so akzeptiert, oder eben nicht. Im krassen Gegensatz zu dieser diskutablen Leistung stehen aber weiterhin die sehr guten instrumentalen Kompositionen, die sich aus der Zusammenarbeit einiger alter Hasen ergeben. Da wäre zum einen der bereits genannte Philippe Giordana, aber auch sein FAIRYLAND-Kollege Willdric Lievin (Producer, Mixing, Mastering) hat einen nicht unerheblichen Anteil daran, wie TECHNOWARS letztendlich klingt.

Das würde indes nur wenig bringen, verstünden nicht auch die angestammten KERION-Mitglieder ihr Handwerk – was definitiv der Fall ist. Ob nun Rémi Carrairou und Sylvain Cohen an den Gitarren, Jean-Baptiste Pol am Schlagzeug oder Neuzugang Antony Schutz am Bass – die hier vertretene französische Power lässt sich wahrlich hören. Übrigens: wer in Anbetracht des Alben-Titels TECHNOWARS ein allzu experimentelles, futuristisch oder elektronisch klingendes Album erwartet; kann beruhigt werden. Letztendlich ist das hier dargebotene vergleichsweise bodenständig. Allerdings kann man hie und da doch noch gewisse Elemente entdecken, die die eigenwillige Atmosphäre des Albums unterstützen sollen – dabei aber nicht immer aufgehen. Die teils heftigen Stimm-Verzerrungen sowie Effekte, die dem Gesang unterlegt werden können einstweilen eher stören – wie im Opener THE LEGACY oder IRON SOLDIER. Auch am Keyboard wagt man dann und wann Spielereien – doch dadurch, dass Philippe Giordana hier das Zepter in der Hand hält; kann man von einem durchgehend stilsicheren Eindruck sprechen.

In Bezug auf die einzelnen Nummern gilt es dann festzuhalten, dass sie vor allem durchwachsen ausfallen. TECHNOWARS hat seine starken Momente – zu denen bereits das instrumentale Intro RIDERS THEME gehört. Auch TAKE ME ON wirkt durch den beigesteuerten männlichen Gesang, die dezenten elektronischen Elemente und die abwechslungsreiche Instrumentalstruktur schmackig – und IRON SOLDIER weiß durch seine etwas andere Herangehensweise (die dezent an das Genre der Filmmusik erinnert) zu gefallen. Das starke RIDING CLOUDS hat dann im weiteren Alben-Verlauf ohnehin die Nase vorn. Auf der Kehrseite finden sich dann Nummern wie der Opener THE LEGACY – der ein wenig zu lustlos daherkommt; was auch für RISE OF THE REBELLION gilt. HEART OF STEEL wirkt durch seine beigesteuerten Growls merkwürdig fremdartig, und SPIRIT OF THE WOOD kann sich nicht so recht entscheiden was er nun sein will. Die (obligatorische) Ballade IN SILENCE hat eigentlich nur ein Problem: Flora Spinelli kann in diesen vergleichsweise emotionalen Momenten einfach nicht überzeugen; was sich ebenfalls auf das später folgende CHILDREN OF SKY AND SEA auswirkt. Auch die verbleibenden Titel fühlen sich etwas wechselhaft an – was schon einmal dezent darauf hinweist, dass es sich bei TECHNOWARS zweifelsohne nicht um ein Meisterwerk handelt. Eines sollte man aber festhalten: es handelt sich in jedem Fall um ein Album, an welches man sich gewöhnen muss – hier sind mehrere Durchläufe von Nöten; die den Gesamteindruck dann doch wieder leicht nach oben heben.

Schlussendlich: ein wenig Elektronik hier, etwas mehr Bombast dort, eine Riesenportion Power Metal der Marke Frankreich und abwechslungsreiche Gesangsintermezzi der nicht immer stilsicheren Art – TECHNOWARS ist ein gutes und sehr unterhaltsames Genre-Album geworden. Eines, das nicht unbedingt leicht zu verdauen und vergleichsweise komplex ausgefallen ist – was man durchaus als Vorteil auffassen sollte. Dennoch, im Vergleich mit der Konkurrenz muss das neue KERION-Werk dezent hintenan stehen.

Absolute Anspieltipps: RIDERS THEME, TAKE ME ON, IRON SOLDIER, CLOUD RIDERS


70button

„Abwechslung ist in jedem Fall geboten – was allerdings auch bedeutet, dass sich markant-starke und deutlich schwächere Momente die Hand reichen.“

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