Rezensionen: Games & Apps

PC-Spieletest / Game-Review: LUCIUS 2 – THE PROPHECY (2015)

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Originaltitel: Lucius 2: The Prophecy
Veröffentlichungsdatum: 13. Februar 2015
Entwickler: Shiver Games
Publisher: /
USK: Keine Angabe
Genre: Adventure / Rollenspiel / Action
Tags: Third Person | Lucius | Damien | Teufel | Telekinese

Glücklich ist, wer LUCIUS nicht in die Quere kommt.

Inhalt: Nachdem der Satansbraten LUCIUS sein Elternhaus Dante Manor mit einer Feuersbrunst niedermähte und seinem neuen Herren Luzifer so manches Opfer brachte, wurde er aufgegriffen und in eine Heilanstalt für psychisch kranke Kinder gesteckt. Doch lässt sich der passenderweise am 6.6.1966 geborene Sohn des Teufels nicht so leicht bändigen – weshalb er sich auf seine übernatürlichen Kräfte beruft, um der Klinik und den behandelnden Ärzten mit ihren dubiosen Methoden zu entkommen. Erneut pflastert dabei wieder so manches Opfer seinen Weg; schließlich dürfen nur die am Leben bleiben die für LUCIUS noch nützlich sein könnten. Mit einem aber hat er dabei nicht gerechnet: dass eines Tages ein Widersacher auftauchen würde, der ihm seinen Posten als wahrer Sohn des Teufels streitig macht.

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Ob man es nun gutheißen möchte oder nicht – Satansbraten LUCIUS ist zurück. Im Sequel zum gleichnamigen, 2012 veröffentlichten und nunmehr indizierten Spiel von Shiver Games darf man als Spieler abermals in die Rolle des teuflischen, sichtlich minderjährigen Handlangers schlüpfen. In erster Linie, um seinen Mitmenschen das Leben schwer zu machen – aber auch, um eine furchterregende Prophezeiung zu erfüllen. Soweit das dezent an Filmreihen wie DAS OMEN erinnernde Spielprinzip, mit dem man sich bei Shiver Games einer interessanten Herausforderung näherte. Schließlich erschien die Grundidee weitestgehend unverbraucht, die dämonische Komponente des Spiels angenehm unbequem. Probleme gab es allerdings dennoch – und das nicht zu knapp. Selbst als ambitioniertes und wenig Massen-konformes Spiel eines kleineren Indie-Entwicklers hatte es deutliche Schwächen. Und zwar in einem solchen Ausmaß, dass das eigentliche Spiel bei weitem nicht das makabere Vergnügen bot das es versprach; auch nicht zu einem Budget-Preis.

Dennoch kam das Spiel vergleichsweise gut an – sodass sich die Entwickler mit LUCIUS 2 anschicken konnten, Fehler der Vergangenheit auszumerzen und das Spielerleben weiter zu verbessern. Tatsächlich wurden einige Wünsche der Community erhört, die sich beispielsweise an den fest vorgegebenen Schlüsselszenen des Spiels sowie generell fehlenden Interaktionsmöglichkeiten störten. Der Wille der Entwickler, Veränderungen zuzulassen klingt dabei zunächst vielversprechend – und macht allemal Lust auf den Nachfolger. Das Problem: zwar hat sich etwas verändert, doch von spürbaren Verbesserungen kann kaum die Rede sein. Wäre man frech, so könnte man sogar sagen dass LUCIUS 2 eher auf vielerlei Art und Weise verschlimmbessert wurde – mit mehreren markanten Folgen.

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Die erste von ihnen ist, dass das im ersten Teil des Spiel anberaumte Spielgefühl und die spezielle, unter Umständen sogar einzigartige Atmosphäre völlig abhanden gekommen sind. Es mag paradox klingen, aber: ein Großteil der mit LUCIUS erzielten Wirkung ging von nichts anderem aus als der vergleichsweise strikten Inszenierung, die dem Spieler erst gar nicht allzu viele Möglichkeiten offen ließ. Entsprechende Ingame-Cutscenes und der eher beschränkte Schauplatz in einem großen Herrenhaus sorgten für eine zwar äußerst lineare, aber doch intensive Spielerfahrung. Eben so, wie man es von einer interaktiven Version von Filmen wie DAS OMEN erwarten würde: man darf den Film quasi selbst nachspielen; doch das Ende ist bereits vorgegeben.

Nun aber krempelte Shiver Games das Spielprinzip dezent um – und löste LUCIUS 2 größtenteils aus seiner linearen Verankerung. Das erscheint zweifelsohne gewagt, und mag sich vielleicht noch auf dem Papier gut anhören – in der Realität schoss man sich damit aber nur ein Eigentor. Die Hauptfigur läuft nun zwar etwas freier, dafür aber umso planloser durch die Levelabschnitte – die vor allem zu Beginn des Spiel auffallend steril, langatmig und repetitiv sind. Sicher entspricht das in gewisser Weise auch dem anberaumten Schauplatz einer Klinik, doch fangen die Probleme von LUCIUS 2 hier erst an. So darf sich der kleine Lucius nun selbst aussuchen, auf welchem Wege er seine Widersacher (das entspricht einem Großteil der NPC’s) ausschaltet. Wieder einmal zeigt sich: es handelt sich um eine interessante Idee, doch die Umsetzung ist mau. Wenn nicht sogar grauenhaft: die dem Spieler an die Hand gegebenen Möglichkeiten sind nicht nur völlig abstrus und wiederholen sich spätestens nach einer handvoll hinterhältiger Morde – sie spielen sich auch schlecht. So schlecht, dass man bemüht ist stets die effektivste Methode zu wählen. Das groß angekündigte Herumprobieren und Experimentieren macht jedenfalls keinen Spaß – es endet eher in zahlreichen Frust-Momenten, beispielsweise wenn man nach einer gefühlt ewigen Fummelei wieder mal einen Gegner verfehlt (mit Gasflaschen, Holzstäben oder ähnlichem). Auch das Auskippen von Flüssigkeiten erweist sich nur allzu selten aus zufriedenstellend, wird aber manchmal benötigt um simple Tür-Rätsel zu lösen.

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Schuld an der Misere ist auch die fatale Bedienung und die anberaumte Physik des Spiels. Es beginnt damit, dass Lucius Gegenstände nur in einem hohen Bogen werfen kann, zieht sich über das Aufkommen vollkommen abstruser Ragdoll-Effekte in Bezug auf Rollwagen oder sogar Leichen; und mündet in zahlreichen sinnlosen und nervigen Interaktionsmöglichkeiten. So kann Lucius Gegenstände nicht wirklich anfassen – entsprechend seiner dämonischen Gabe schweben sie vor ihm her. Anstatt etwaige Hebel also zu bedienen, bewirft er sie kurzerhand mit einer Konservendose – warum auch nicht, wenn das Ergebnis das gleiche ist. Im Inventar sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. So haben die Entwickler die Möglichkeit eingebaut, Gegenstände zu kombinieren – mit hanebüchenen Ergebnissen; oder eher Einzelergebnissen. Schließlich sind die Möglichkeiten sehr schnell erschöpft, am Ende packt man eben doch nur immer wieder Pillen in irgendwelche Donuts – um sie Leuten vor die Füße zu werfen, wobei diese zu keinem Zeitpunkt etwas gegen einen kleinen Snack aus dem Nichts einzuwenden haben. Mit der vermeintlich größeren Entscheidungsfreiheit haben sich die Entwickler also selbst ein Bein gestellt – die Möglichkeiten sind überschaubar, oftmals völlig sinnlos und fühlen sich bei alledem noch verdächtig ineffektiv an.

Abgesehen von den Morden gibt es dann auch recht wenig zu tun in der sterilen Spielwelt, die erst mit einem späteren Abschnitt auf dem Land etwas weitläufiger wird – grundsätzlich gilt es immer wieder Schlüssel zu erlangen, mit denen man die nächste wichtige Tür aufsperren kann. Ob man sich dabei nun auf ein bereitgestelltes kleines Dreirad (wie stilecht) setzt oder nicht, spielt dann auch keine große Rolle mehr. Kurios: selbst im späteren Abschnitt auf dem Land beendet man das simple Prinzip der Schlüssel-Quests nicht: das erste was man zu sehen bekommt ist ein verschlossenes Haus. Sicher könnte man auch irgendwo hineinklettern, etwas aufbrechen oder jemanden zwingen, sie zu öffnen – doch derlei Möglichkeiten gibt es nicht in LUCIUS 2. Und so geht die muntere Schlüssel-Suche weiter – nur, dass sie später auch mal durch Schalter ersetzt werden.

Wer indes glaubt die fehlende Möglichkeiten, die unbefriedigenden Morde und peinliche Design-Schnitzer wie die Ragdoll-Effekte seien bereits das Ende vom Lied, hat sich geirrt. Denn fast noch schlimmer wiegt in diesem Fall die KI der NPC’s – die wahrlich mit kaum einer anderen zu vergleichen ist. Ob NPC’s den Spieler bei einem Mord oder beim Betreten eines Sperrgebiets entdecken spielt eigentlich keine Rolle – man rennt nur kurz zu Tür heraus und kommt als unbescholtenes Teufelskind wieder herein. Sicher ist das etwas überspitzt formuliert – doch genau so fühlt es sich leider an. Dass NPC’s alles aufsammeln und gegebenenfalls essen, was ihnen direkt vor die Füße geworfen wird macht das Ganze natürlich noch kurioser. Ach ja: wenn LUCIUS doch mal geschnappt wird (was selten geschehen sollte), mündet dies oftmals in recht merkwürdigen Cutscenes. In denen packen die energischen NPC’s das Teufelskind und ziehen es weg – wobei es so aussieht als ob sein Körper aus Gummi wäre.

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Was bleibt ist ein sinnfreies, kaum motivierendes Level-System mit schlecht inszenierten Fähigkeiten (für jeden Mord erhält man XP, sowie auch für das Sammeln von bestimmten Figuren), eine enorm fummelige Menüführung und selbstverständlich auch eine großzügige handvoll Bugs. Diese wurden im Laufe der Zeit zwar mit Patches bearbeitet – aber eben auch nur teilweise. Nach wie vor markant sind beispielsweise grafische Aussetzer, die mit der Kollisionsabfrage und der Kamera zu tun haben. Zur grafischen Inszenierung selbst braucht man nicht mehr allzu viel zu sagen – allerdings war es auch anzunehmen, dass LUCIUS 2 kein Hingucker werden wird. Auffallend sind nur die vergleichsweise hohen Systemanforderungen sowie die schlechte Performance selbst bei höherwertigen Rechnern. Mit den Grafik-Einstellungen kann man diesbezüglich leider auch nicht viel nachbessern: stellt man die Detailstufe herunter, sind plötzlich ganze Schriftzüge auf Wänden oder in Zwischensequenzen nicht mehr zu erkennen. Selbst in Anbetracht dieses Pixel-Matsches kann es aber durchaus noch immer vorkommen, dass das Spiel mit zahlreichen Performance-Einbußen zu kämpfen hat.

Um eine bessere Übersicht über alle im Zuge dieses Reviews aufgefallen Stärken und Schwächen zu erhalten, empfiehlt sich ein Blick auf die folgende Tabelle:

Handlung und Präsentation
  • Interessante, makabere Grundidee
  • Stimmige Zwischensequenzen mit markanter Erzählstimme
  • Theoretisch einzigartiges Spielgefühl in der Rolle eines dämonischen Jungen…
  • … dass jedoch eher schlecht als recht transportiert wird
  • Schludrige Gesamtwirkung
  • Schwache, austauschbare Rahmenhandlung
  • Keine markanten Charaktere
  • Aufgesetzter Bossgegner und enttäuschendes Finale

3.5/10

Grafik und Design
  • Gut in Szene gesetzte Spielfigur
  • Teils gute Animation der NPC’s
  • Sich ständig wiederholende, schwache Texturen
  • Levelabschnitte und Spielwelt enorm repetitiv
  • Vieles ist nur Deko und lässt sich nicht verwenden
  • Maue Feuer- und Explosionseffekte
  • Keine Eyecatcher
  • Entweder unsichtbare oder zu plumpe Barrikaden (Levelgrenzen)
  • Sehr simpel wirkende Außenwelten im späteren Spielverlauf

2.5/10

Sound
  • Teils gute Sprachausgabe
  • Teils passiger Soundtrack
  • Kaum Umgebungsgeräusche
  • Stummer Hauptcharakter
  • Musik einstweilen zu aufdringlich

4.0/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Teils witzige Easter-Eggs
  • Kein ‚erhabenes‘, machtvolles Spielgefühl Sohn des Teufels
  • Sinnfreie, unnötig komplizierte Mordoptionen mit Frustpotential
  • Unendliche Inventar- und Gerätschafsfummeleien
  • Mordsituationen wirken enorm aufgesetzt
  • Keine sinnigen Interaktionsmöglichkeiten abseits des Mordens
  • In jeder Hinsicht furchtbare NPC’s
  • Spiel ist sehr kurz und wird künstlich in die Länge gezogen
  • Keinerlei Wiederspielwert

1.0/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Faires automatisches Speichern
  • Wenig hübsche Menüs, unschönes Inventar
  • Keine wählbaren Schwierigkeitsgrade
  • NPC’s sind keine Herausforderung
  • Steuerung enorm hakelig und unnötig kompliziert
  • Hohe Systemanforderungen
  • Enorme Performance- und Stabilitätsprobleme

1.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 8


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Fazit: Das war wohl nichts. Auch wenn sich die Entwickler bei Shiver Games möglicherweise vorgenommen haben ihr Teufelskind LUCIUS respektive ihr ungewöhnliches Spiel zu verbessern, ist ihnen genau das nicht gelungen. Vielmehr haben sie einen bedenklichen Schritt zurück gemacht. Die neuen Optionen der Freiheit gehen nach hinten los, die Morde selbst wirken noch immer aufgesetzt und sind schrecklich zu spielen, die Steuerung und das Feedback sind eine Katastrophe. Hinzu kommen eine schlechte Performance, allerlei Bugs und die geringe Spielzeit bei einem überhaupt nicht vorhandenen Wiederspielwert – sodass LUCIUS 2 selbst als absoluter Niedrigpreis-Titel keine Empfehlung wert ist.


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„So gut wie jedes Browser-Spiel macht mehr Spaß – und ist besser programmiert.“

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