Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: DAWN OF DESTINY – F.E.A.R. (2014)

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Alben-Titel: F.E.A.R.
Künstler / Band: Dawn Of Destiny (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 07. März 2014
Land: Deutschland
Stil / Genre: Power Metal
Label: Phonotraxx Publishing

Alben-Lineup:

Jeanette Scherff – Vocals
Veith Offenbächer – Guitars
Dirk Raczkiewicz – Keyboards
Jens Faber – Bass, Vocals, Piano, Orchestration

Track-Liste:

1. And with Silence Comes the Fear (05:37)
2. Waiting for a Sign (03:22)
3. My Memories (04:28)
4. Innocence Killed (05:36)
5. End This Nightmare (03:50)
6. No Hope for the Healing (06:18)
7. Rising Angel (04:32)
8. Finally (04:34)
9. Prayers (03:58)
10. Then I Found You (04:13)
11. One Last Time (09:57)
12. Dying in Your Arms (03:40)
13. To Live Is to Suffer (03:49)

Gefangen im Wechselbad der Gefühle.

Die deutschen Power Metaller von DAWN OF DESTINY sind schon eine Nummer für sich. Mit ihren bisherigen Alben gaben sie sich jedenfalls zu keinem Zeitpunkt die Blöße – und sollten schon seit dem gelungenen 2007’er Debüt BEGINS (Review) auf so mancher Beobachtungsliste stehen. Was danach folgte, sollte das Ganze sogar noch einmal deutlich toppen – REBELLION IN HEAVEN (Review) ist bis heute ein Ausnahme-Album im positiven Sinne, und auch HUMAN FRAGILITY (Review) und PRAYING TO THE WORLD (Review) kratzten mit ihrer nun noch breiter gefächerten musikalischen Bandbreite nah am Genre-Thron. Dem allgemeinen – und natürlich dem der sogenannten Female-Fronted Metalbands. Dabei aber vornehmlich solchen, und das sollte man hervorheben; die mit weniger Bombast und ohne allzu Diven-hafte respektive Operreten-artige Attitüden daherkommen. DAWN OF DESTINY setzen seit jeher auf eine eher klassische Interpretation des Power Metal, und legen dabei einen besonderen Wert auf eine ganz spezielle, einstweilen gar ergreifende Form des lautmalerischen Geschichten-erzählens.

Das letztaktuelle Album PRAYING TO THE WORLD, welches 2012 erschien und diese Marschrichtung noch einmal explizit unterstrich; war dabei auch das erste Album nach einem markanten Lineup-Wechsel. Eventuell werden den einige schwer verkraftet haben, doch Fakt ist: für die einstige Galionsfigur Tanja Maul kam Jeanatte Scherff. Die konnte der eingeschworenen DAWN OF DESTINY-Hörerschaft erstmals zeigen was in ihr steckt, und wie gut ihre Stimme mit der instrumentellen Bandbreite der Band harmonieren würde. Markante Besetzungswechsel sind immer so eine Sache – doch in diesem Fall zeigten sich keinerlei Probleme, sodass sie (glücklicherweise) auch auf dem aktuellen Album wieder mit von der Partie ist. Wie natürlich auch Band-Mastermind Jens Faber, der sich für das Konzept und die teils schwergewichtigen Lyrics von F.E.A.R. verantwortlich zeichnet.

F.E.A.R. – oder ausgeschrieben auch FORGOTTEN, ENSLAVED, ADMIRED, RELEASED – ist das fünfte Studioalbum der deutschen Combo, die auch dieses Mal auf ein möglichst spannendes, unterhaltsames und nicht zuletzt wohlklingendes Wechselbad der Gefühle aus ist. Schlicht, weil dies eines der Markenzeichen der Band ist – und weil sie es besonders gut beherrscht. So weisen bereits das Artwork und der Opener AND WITH SILENCE COMES THE FEAR dezent darauf hin, dass es wie schon zuvor auf PRAYING TO THE WORLD einige Momente geben würde in denen man geneigt ist innezuhalten und sich von der einstweilen düsteren Atmosphäre gefangennehmen zu lassen. Der anfängliche Sprech-Part unterstützt diesen Eindruck – und die darauf folgende volle Schlagseite des DAWN OF DESTINY-Repertoires ebenfalls. Auffallend ist das schön schroffe Riffing, sowie natürlich der zweistimmige Leadgesang. Hierbei handelt es sich um eine Entscheidung, die vergleichsweise spät getroffen wurde; der Band aber in jedem Fall zugute kam. Zwar hätte auch Jeanette Scherff allein das Zeug dazu, das Album zu tragen – doch passen die gesanglichen Einschübe von Kollege Jens Faber perfekt zum spätestens mit HUMAN FRAGILITY gefestigten, erwachsenen Konzept der Band.

Die verbleibenden 12 Titel bieten dann vor allem eines: viele weitere Eindrücke, die von einer gewissen musikalischen Komplexität und einer vergleichsweise dichten Atmosphäre charakterisiert werden. Allerdings ist man trotz des gehobenen Anspruches der Band geneigt, dezente Unterscheidungen vorzunehmen. So werden sich einige Nummern finden, die man schnell als absolut gelungen und zeitlos einstufen möchte – und andere, die sich eher experimentell oder sogar schwergängig anfühlen. Ein repräsentativer Kandidat für die erstere der beiden Kategorien wäre zweifelsohne WAITING FOR A SIGN – das aufzeigt wie variabel DAWN OF DESTINY mit Stimmungen umgehen können; und das gänzlich ohne dabei ziellos zu wirken. Auch das etwas experimentellere NO HOPE FOR THE HEALING weiß mit seinem Gastauftritt von Jon Oliva und der insgesamt deutlich aggressiveren Gangart zu glänzen, gar einen markanten Aha-Effekt zu erzeugen. Flottere Titel wie RISING ANGEL oder FINALLY beschwören dann auch wieder deutlicher Stimmungen der ‚alten‘ DAWN OF DESTINY herauf, und wissen durch eine perfekte Gewichtung der einzelnen Sound-Elemente (beispielsweise das präsente, aber niemals zu aufdringliche Piano) zu überzeugen.

Vertreter der zweiten, nicht mehr ganz so edlen Kategorie wären demnach Titel wie das dezent balladesk angehauchte MY MEMORIES – das nach dem starken Auftakt deutlich abfällt und speziell vom (männlichen) Gesang her dezent problematisch ist. Oder aber das letztendlich zu viel Potential verschenkende WAITING FOR A SIGN, das trotz seines ungewöhnlichen Auftakts und des greifbaren Refrains einfach nicht zünden will. PRAYERS glaubt man ebenfalls schon einmal gehört zu haben, und sei es in Form von Versatzstücken auf dem Vorgänger PRAYING TO THE WORLD – nur, dass das Experiment dieses Mal nicht wirklich aufgeht. Vor allem im späteren Verlauf finden sich dann auch immer wieder Entscheidungen – mal kleinere, mal größere – die man nicht immer nachvollziehen kann respektive den Wunsch nach Veränderung entstehen lassen. Sei es in Bezug auf die spezielle Rhythmik bei THEN I FOUND YOU oder den ausnahmsweise mal rein männlichen Gesang in ONE LAST TIME.

Sicher, F.E.A.R. setzt die rundum gelungene Diskografie von DAWN OF DESTINY fort – ist schlussendlich aber nicht das beste, was die deutschen Power Metaller bisher zustande gebracht haben. Schließlich findet sich nur eine handvoll Nummern, bei denen man wirklich das Gefühl hat die besondere Genre-Mixtur der Band, der besondere Anspruch des Songwritings gingen vollends auf. Dazwischen finden sich immer wieder Nummern, die alles andere als schlecht sind – aber zum einen viel Potential verschenken, und zum anderen den vergangenen Glanzleistungen der früheren Alben nichts entgegensetzen können. Von der Präsentation und den technischen Aspekten her gibt es aber nichts zu mäkeln; sowie in Bezug auf das rundum durchdachte Konzept des Albums. Fans der Band; und Freunde lyrischer Mammutwerke mit zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten werden nach wie vor auf ihre Kosten kommen.

Absolute Anspieltipps: WAITING FOR A SIGN, NO HOPE FOR THE HEALING, RISING ANGEL, FINALLY


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„Schwächer als die Vorgänger, die einem beim Hören von F.E.A.R. automatisch wieder ins Gedächtnis kommen werden – aber noch immer ein solides und abwechslungsreiches Genre-Album.“

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