Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: CRYSTAL EYES – Vengeance Descending (2003)

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Alben-Titel: Vengeance Descending
Künstler / Band: Crystal Eyes (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 12. Mai 2003
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Heavy Fidelity

Alben-Lineup:

Jonathan Nyberg – Guitars
Stefan Svantesson – Drums
Claes Wikander – Bass
Mikael Dahl – Vocals, Guitars, Keyboards

Track-Liste:

1. Vengeance Descending (05:51)
2. Highland Revenge (05:01)
3. Child of Rock (06:17)
4. Mr. Failure (05:32)
5. Dream Chaser (06:43)
6. The Wizard’s Apprentice (07:10)
7. Metal Crusade (05:12)
8. The Beast in Velvet (05:28)
9. Heart of the Mountain (05:41)
10. Oblivion in the Visionary World (08:48)

Vergeltungsmaßnahmen in schön.

CRYSTAL EYES ist eine jener Bands, die zwar schon in den frühen 90ern gegründet wurden – ihre ersten greifbaren Erfolge aber erst um die Jahrtausendwende herum feiern konnten. Dafür aber gleich richtig – das Debütalbum WORLD OF BLACK AND SILVER (Review) ist ein zeitloser Klassiker mit einem unverwechselbaren Sound, der Nachfolger IN SILENCE THEY MARCH (Review) hat ebenfalls einiges in Petto. Auch auf ihrem dritten Langspieler VENGEANCE DESCENDING schickten sich die Schweden erneut an, eine möglichst authentische Symbiose aus Strömungen der New Wave Of British Heavy Metal, dem amerikanischen True Metal und einem etwas verspielteren europäischen Power Metal zu zelebrieren. Gleichzeitig handelte es sich um das vorerst letzte Album, in dem Multitalent Mikael Dahl als Leadsänger auftrat – nach VENGEANCE DESCENDING nahm er eine Art kreative Auszeit. Zwar blieb er der Band auch auf dem Nachfolger CONFESSIONS OF THE MAKER (Review) erhalten, doch überließ er das Gesangszepter seinem Kollegen Daniel Heiman. Umso spannender ist es, seinem vorerst letzten Auftritt auf VENGEANCE DESCENDING beizuwohnen – zumal es von einer wie auch immer gearteten Müdigkeit weder bei ihm noch dem Rest der Band keine Spur gab und das Album mit seinen beiden mehr als nur soliden Vorgängern eigentlich nur zünden konnte.

Tatsächlich war und ist auch genau das der Fall – erst Recht, wenn man die beiden Vorgänger noch im Ohr hat und die durchaus markante Entwicklung der Band innerhalb einer Zeitspanne von gerade einmal 4 Jahren beobachtet. Das Debüt hatte seine Stärken in einer spielfreudigen Auslegung des europäischen Power Metal und seiner einzigartigen Produktion, der Nachfolger beeindruckte durch etwas epischere Stimmungen und einem etwas härteren Gesamteindruck – und VENGEANCE DESCENDING setzte die Tradition der Überraschungen a’la CRYSTAL EYES konsequent fort. Denn: auch wenn bereits die Vorgänger einen gewissen Hang zur Retrospektive zur Schau stellten, aufgrund der schroffen Produktion und der schnörkellosen Spielart ein klassisches Heavy Metal-Gefühl entstehen ließen – setzte das dritte Album dem Ganzen nun die Krone auf. VENGEANCE DESCENDING klingt, als stammte es aus einer gänzlich anderen Dekade als der augenscheinlichen. Freunde etwaiger klassischer Bands, Wegbereiter des Genres und generell musikalischer Ergüsse der 80er-Jahre werden schnell aufhorchen und ihre wahre Freude an den 10 präsentierten Titeln haben.

In Bezug auf die etablierte Atmosphäre näherte man sich zwar wieder dezent dem Debütalbum an; beispielsweise in Bezug auf die ungezwungene Spielart und die teils Party-taugliche Stimmung – doch die noch stärkere Fokussierung der klassischen Genre-Elemente und vor allem die nun endgültig in Stein gemeißelte Wandlungsfähigkeit von Leadsänger Mikael Dahl sorgen dafür, dass das Album zweifelsfrei als weiterer Meilenstein zu erkennen ist. So entwickelt VENGEANCE DESCENDING ebenfalls recht schnell einen gewissen Drive, eine enorme Anziehungskraft – klingt aber insgesamt deutlich weniger; man nenne es kitschig als das Debüt. Das war damals zwar kein Beinbruch und zeichnete das Album in gewisser Weise aus; doch ist die hier dargebotene Weiterentwicklung und die Enthüllung einer weiteren musikalischen Facette der CRYSTAL EYES mindestens ebenso angenehm. Wenn nicht gar noch mehr: die Riffs sind prägnanter denn je, der Leadgesang kräftiger und akzentuierter als jemals zuvor; und auch hinsichtlich der Produktion hatte man ordentlich angezogen. Die Zeiten des zwar speziellen, interessanten und irgendwie stimmigen Sounds des Debüts (der auf dem Nachfolger gerade noch als charmant durchging) waren nun vorbei – VENGEANCE DESCENDING klingt im Vergleich zu IN SILENCE THEY MARCH wie ein echtes Brett.

Was bleibt, ist vornehmlich das Songwriting – für das die CRYSTAL EYES schon früh ein gewisses Händchen hatten. Und so gibt man sich auch im vorliegenden Fall keinerlei Blöße – und inszeniert die 10 enthaltenen Titel mit einer Glaubwürdigkeit und Wirkungskraft, die ihresgleichen sucht. Sicher, die an das Genre gerichtete Hymne METAL CRUSADE schneidet im Vergleich nicht ganz so gut ab – vielleicht auch einfach nur, da sie etwas zu offensichtlich ist und deshalb etwas platt wirkt. Alle anderen Hymnen-tauglichen Stücke, wie etwa der Refrain-starke Titeltrack, das schön knackige HIGHLAND REVENGE oder das verdammt kultig kligende CHILD OF ROCK kann man dagegen problemlos zur imaginären Alltime-Playlist der besten Power Metal-Titel hinzufügen. Und das sind nur drei der Titel aus dem Alben-Auftakt. MR. FAILURE, DREAMCHASER und THE WIZARD’S APPRENTICE (übrigens mit Daniel Heiman an den Vocals, quasi als Vorbereitung auf kommendes) leben von ihrem energischen Riffing und der generell antreibenden Stimmung – und gehören ebenfalls zum Besten, was das Album zu bieten hat. Etwas merkwürdig erscheint dann nur THE BEAST IN VELVET, bei dem man einen weiteren Gastsänger hinzugeholt hat – Gerd Salewski (CHROMING ROSE). Auch wenn seine Gesangsleistung nicht schlecht ist, erschließt sich diese Maßnahme nicht wirklich. Und was steht am Ende eines jeden CRYSTAL EYES-Albums (zumindest bis dato) ? Richtig, eine Ballade. Auf dem Debüt fiel diese zugegebenermaßen noch recht unerträglich aus, auf dem Nachfolger schon deutlich besser – und nun wird eine gefühlte Schnittmenge erreicht. Wirklich stimmig erscheinen die akustischen Spielereien (sowie die allzu süßen Klänge des Keyboards) nicht, und vor allem passt der hier vermittelte Eindruck nicht so Recht zum vorangegangen, sehr guten Album. Erst Recht nicht, wenn man den Song bis zum Ende hört. Nach einer kurzen Stille folgt noch ein etwas anderer musikalischer Einschub in Form einer Art Spaß-Polka, der nicht viel mehr aufzeigt als dass die Band Humor hat. Das ist nur gut und richtig, doch kommt es eventuell an der falschen Stelle…

VENGEANCE DESCENDING markiert damit das dritte außergewöhnliche Album in einer außergewöhnlichen Diskografie. Einer abwechslungsreichen noch dazu – und das ganz ohne, dass die Glaubwürdigkeit und Ausdrucksstärke der Band geschmälert wurden. Die Anstrengungen haben sich in jedem Fall gelohnt. VENGEANCE DESCENDING ist sogar noch ein stückweit besser und prägnanter geworden als der Vorgänger IN SILENCE THEY MARCH; und kann sich verdient mit dem außergewöhnlichen Debüt auf eine Stufe stellen – gedanklich, und beinahe auch Wertungs-technisch.

Absolute Anspieltipps: VENGEANCE DESCENDING, HIGHLAND REVENGE, CHILD OF ROCK, DREAM CHASER


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„Kultige Riffs, ein starker Leadgesang, sofort ins Ohr gehende Melodien und ein angenehmer Retro-Touch bei minimalem Kitsch.“

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