Rezensionen: Sonstige Musik

CD-Review: SANTIANO – Von Liebe, Tod Und Freiheit (2015)

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Alben-Titel: Von Liebe, Tod Und Freiheit
Künstler / Band: Santiano (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 29. Mai 2015
Land: Deutschland
Stil / Genre: Pop, Irish Folk, Shanty
Label: Universal Music

Alben-Lineup:

Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug – Hans-Timm „Timsen“ Hinrichsen
Gesang, Mundharmonika, Perkussion – Axel Stosberg
Gesang, Gitarre, Bass – Björn Both
Gesang, Gitarre – Andreas Fahnert
Geige, Mandoline, Gesang, Akkordeon, Bouzouki, Perkussion, Tin Whistle – Peter David Sage

Track-Liste:

1. Lieder der Freiheit (3:39)
2. Rolling the Woodpile (3:12)
3. Die letzte Fahrt (4:11)
4. Johnny Boy (3:32)
5. Seine Heimat war die See (4:14)
6. Fresenhof (2:53)
7. Joho und ne Buddel voll Rum (3:01)
8. Under Jolly Roger (3:31)
9. Der Alte und das Meer (3:43)
10. Sturmgeboren (3:24)
11. Richtung Freiheit (3:38)
12. Rungholt (3:44)
13. Kinder des Kolumbus (3:33)

Echte Seebären werden niemals müde. Oder ?

Analog zu den ersten beiden Alben der raubeinig-charmanten Seebären von SANTIANO (BIS ANS ENDE DER WELT und MIT DEN GEZEITEN) soll nun auch ein Blick auf das neueste Werk der deutschen Erfolgsband geworfen werden. Dieses hört auf den klangvollen Namen VON LIEBE, TOD UND FREIHEIT und wurde am 29. Mai 2015 veröffentlicht – und stieg; wobei das nicht weiter verwunderlich ist, direkt auf Platz 1 der deutschen Charts ein. Tatsächlich scheint sich das Konzept SANTIANO noch immer bestens zu verkaufen – die Hörerschaft steht auf das einerseits poppig und zugänglich, andererseits aber doch etwas anders anmutende Liedgut der Marke gesangsstarke Seemänner. Hinzu kommen das nicht unerhebliche Marketing, die Unterstützung eines der größten deutschen Musiklabels und die vielen Konzerte – die jung und alt begeistern und wohl auch in Zukunft gut besucht sein werden.

Sicher kann man nach wie vor darüber streiten wie authentisch SANTIANO als Band – sowie natürlich auch ihre Lieder im einzelnen – sind und wirken. Eines der markantesten, alles andere als unbegründeten Vorurteile ist schließlich, dass es noch weitaus mehr Künstler gibt die eine ganz ähnliche Sparte bedienen – nur eben nicht in einem derart großen Format, und für eine weitaus kleinere Zielgruppe. Ganz so innovativ, wie es von manchen behauptet wird; ist die Musik SANTIANO’s also keinesfalls – und dennoch kommt kaum jemand an der Combo vorbei. Sicher auch, da die Mitglieder (ganz unabhängig von der dahinterstehenden Marketing-Maschine) sehr sympathisch sind und ihr Handwerk selbstverständlich auch beherrschen. So sind SANTIANO schon längst nicht mehr nur für die gleichermaßen rauen wie sanften Männergesänge (ob einzeln oder im Chor), sondern eben auch das markante Instrumentenspiel bekannt und beliebt.

Auch VON LIEBE, TOD UND FREIHEIT lässt es dann schnell wieder entstehen; das gute alte Gefühl der Sehnsucht – nach Abenteuern, fernen Ländern und einer derzeit möglicherweise unerreichbaren Liebe. Die insgesamt 13 Titel bieten dabei wieder eine bunte Ansammlung von verschiedenen Titeln – die sich mal mehr, mal weniger auf bestimmte Vorlagen beziehen. So kommt es, dass man viele der angestimmten Melodien schnell mitsummen kann – und eine interessante Soundkulisse aus traditionellen und modernen Stimmungen entsteht. Jene Modernisierung respektive Aufbereitung des Liedguts für die aktuelle SANTIANO-Hörerschaft gelingt dabei wieder recht angenehm. Das ist vor allem auf die eher traditionellen Titel zu beziehen, in denen Bandmitglied Peter David „Pete“ Sage ordentlich zu tun hat – oder anders gesagt, wenn Atmosphäre eindeutig irisch wird. Schade nur, dass es dieser Titel nur zwei sind: ROLLING THE WOODPILE und UNDER JOLLY ROGER. Neben den anderen, deutsch eingesungenen und eher typischen SANTIANO-Nummern bietet dann lediglich ein Stück wie FRESENHOF etwas Abwechslung – ein plattdeutscher Titel, an den man sich erst gewöhnen muss.

Das Stichwort typisch SANTIANO ist es dann auch, welches VON LIEBE, TOD UND FREIHEIT zum Verhängnis wird – zumindest teilweise. Denn Titel wie LIEDER DER FREIHEIT, DIE LETZTE FAHRT, SEINE HEIMAT WAR DIE SEE, DER ALTE UND DAS MEER, STURMGEBOREN oder RICHTUNG FREIHEIT bieten einfach nicht mehr viel neues, aufregendes. Nicht nur, dass die zuckersüßen Refrains sich so gut wie immer zum Mitsingen eignen und ins Ohr gehen; auch die Strukturen der Titel ähneln sich einstweilen stark. Und wenn es mal keine direkte Vergleichsmöglichkeit im Alben-Kontext gibt; dann doch zumindest in Bezug auf die beiden Vorgänger – die eine ganz ähnliche Marschrichtung vorgaben. Hinzu kommt, dass Titel wie diese alle etwas vermissen lassen; jetzt vielleicht noch etwas mehr als auf den Vorgängern: mehr Ecken und Kanten. Das klingt schlicht, und das ist es auch.

Fazit: So sympathisch die Band auch ist, so verbindend die musikalische Kräfte des Liedguts a’la SANTIANO auch sind – VON LIEBE, TOD UND FREIHEIT klingt insgesamt deutlich zu gleichförmig, harmlos und unspektakulär. Eben so, als wollte man um jeden Preis auf Nummer sicher gehen und die bereits gewonnenen Fans nicht wieder verschrecken. Das ist schade, zumal SANTIANO theoretisch zu viel mehr imstande wären. So bleibt es beinahe allein an den bereits erwähnten irischen Titeln, sowie dem spaßigen JOHO UND NE BUDDEL VOLL RUM und dem deutlich atmosphärischeren RUNGHOLT, das Ganze etwas aufzulockern. Erfolgreich werden SANTIANO zwar auch in Zukunft sein, und der musikalische Output vergleichsweise qualitativ – doch irgendwann nutzt sich jedes Konzept ab. Sollten die Seebären also noch weitere Alben planen, so wäre es zumindest wünschenswert dass sie ab und an auch mal etwas neues ausprobieren und von den altbekannten Pfaden abweichen. So angenehm (und lukrativ) es auch sein mag, weiterhin auf diesen zu wandeln…

Absolute Anspieltipps: Rolling The Woodpile, Joho Und Ne Buddel Voll Rum, Under Jolly Roger, Rungholt


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„Das Album ist solide – fügt den Vorgängern aber nichts mehr hinzu und klingt deutlich zu glattgeschliffen.“

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