Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Singham“ (2011)

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Originaltitel: Singham
Regie: Rohit Shetty
Mit: Ajay Devgn, Kajal Agarwal, Prakash Raj
Land: Indien (Hindi)
Laufzeit: ca. 143 Minuten
FSK: unbekannt / nicht geprüft
Genre: Action / Komödie
Tags: Indien | Dorf | Polizist | Kampf | Verbrecher

Der berüchtigte Wiederholungseffekt.

Kurzinhalt: Eigentlich hatte der gesetzestreue und aufstrebende Polizist Bajirao M. Singham (Ajay Devgn) gehofft, dass seine Versetzung in eine größere Stadt eine willkommene Herausforderung an ihn stellen würde. Was er nicht ahnen konnte ist indes, dass einer der hiesigen Gamgsterbosse (Prakash Raj) für seine Versetzung verantwortlich ist – um ihn in der von ihm kontrollierten Stadt besser drangsalieren zu können. Schließlich hatte Singham dafür gesorgt, dass der Mafioso auf ihn und sein Bestreben das marode Polizeisystem aufzumöbeln aufmerksam geworden ist. Dabei scheint es, als käme keiner gegen den etablierten, offenbar allerlei Verbrechen begehenden Gangster an – der Polizeiapparat zeigt sich machtlos, die richtigen Politiker wurden bereits bestochen. Nur Singham will noch immer nicht aufgeben – und beginnt alsbald festzustellen, dass man den Kriminellen am besten mit seinen eigenen Methoden schlagen könnte…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Nein, es handelt sich weder um eine doppelte Filmrezension noch um einen unbeabsichtigten Schreibfehler – SINGHAM ist der Titel einer indischen Action-Komödie aus dem Jahr 2011, die sich durchaus explizit auf das gerade einmal ein Jahr ältere Original SINGAM (Review) bezieht. Sicher werden in einem Fall wie diesem die Alarmglocken läuten, oder zumindest ein Interesse hinsichtlich eines derart schnell auf das Original folgenden Remakes generiert werden; ebenso wie sich die Frage stellt wie sinnvoll Remakes im allgemeinen sind – doch herrschen in diesem speziellen Fall etwas andere Umstände vor. Schließlich ist auch die indische Filmindustrie eine mit diversen Eigenarten – die sich nicht nur in des öfteren anberaumten musikalischen Tanzeinlagen äußern, sondern auch in Bezug auf regionale Umstände in einem vergleichsweise riesigen Land mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. So wurde der 2010’er SINGAM als tamilische Version gedreht – und damit auf eine Bevölkerungsgruppe zugeschnitten, deren Zahl in etwa mit der Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland zu vergleichen ist. SINGHAM dagegen entstammt dem Hindi-Film, den man gemeinhin als Bollywood bezeichnet – und hat damit fast automatisch eine größere Reichweite. Dennoch sind die Chancen, dass man Filme wie SINGAM oder SINGHAM auch einmal in deutschsprachigen Fassungen zu sehen bekommen wird, gering – wenn man Glück hat gelangt man an Versionen mit englischen Untertiteln; wie auch im Falle des Materials welches dieser Rezension zugrunde liegt.

Eines sollte man jedoch bereits vor der eigentlichen Kritik klarstellen: wer Remakes generell eher skeptisch gegenübersteht und stets die Version sehen möchte, die dem Original am nächsten kommt – der kann getrost einen Bogen um SINGHAM machen, dessen Inhalt und Storyline fast deckungsgleich mit denen aus SINGAM sind. Das kommt natürlich nicht von ungefähr, schließlich arbeiten die hiesigen Filmindustrien auch gerne mal zusammen. Wie in diesem Fall; denn die Story stammt in beidem Fällen von einem gewissen Hari. Der führte in SINGAM auch Regie – während man sein Drehbuch für den Nachfolger / die Alternativ-Version SINGHAM umschrieb und den Regieposten an Rohit Shetty übergab. Im folgenden geht es also weniger darum, wie SINGHAM als alleinstehendes Werk zu betrachten ist – sondern vielmehr um die Unterschiede zwischen den beiden Filmversionen. Und natürlich um die alles entscheidende Frage, welcher am ehesten zu empfehlen ist. Gesetzt dem Fall, man ist Remakes (und im besten Fall dem Genre des indischen Actionfilms) gegenüber offen und gibt einem Film wie SINGHAM überhaupt erst eine Chance.

Betrachtet man den Film, ist zunächst eines deutlich festzustellen: die Ähnlichkeiten zum entsprechenden Original sind größtenteils frappierend. Und das nicht nur was die Story um einen aufstrebenden Polizisten als Einzel- und Draufgänger betrifft – sondern auch in Bezug auf die Besonderheiten der Charaktere, die Actionszenen und die Cinematographie im allgemeinen. Dennoch gibt es gerade diesbezüglich einige Unterschiede zu bemerken – SINGHAM wirkt insgesamt ein stückweit professioneller und glattgeschliffener inszeniert. Die Optik ist farbenfroher, die Szenenbilder aufwendiger – eben so, wie man es von einem satten Bollywoodfilm erwarten würde. Das macht ihn noch nicht unbedingt besser als das Original – die Frequenz und Qualität der verwendeten Effekte und technischen Kniffe schon eher. Schließlich sieht man im Remake von einer allzu schwindelerregenden Kameraführung, allzu hektischen Schnitten und auch der übermäßigen Verwendung von Zeitlupeneffekten ab. Zumindest größtenteils – aber natürlich darf SINGHAM auch hier geschmeidig und mit cooler Sonnenbrille in Richtung der Kamera stolzieren. Die Folge ist ein wesentlich stimmigeres, wenn man so will entspannteres Gesamtbild – zumal der allgemeine Trash-Faktor des Film so zusätzlich abgeschwächt wird und einem zumindest die Möglichkeit gegeben wird, ihn für Voll zu nehmen.

Das fällt natürlich weiterhin schwer, beziehungsweise soll es auch genau so sein – SINGHAM ist wie das Original ein spaßiger, rasanter Actioner mit einer gewissen Leichtigkeit und herrlich hanebüchenen Kampfszenen. Bemerkenswert ist indes, dass das Remake auch diesbezüglich eher einen Vorteil gegenüber dem Original hat. Es wird nicht mehr ganz soviel geblödelt, der platte Klamauk fällt größtenteils weg – und der grundsätzlich ernste Hintergrundgedanke um Korruption, Bestechlichkeit und politische Machtspielchen wird gestärkt respektive anschaulicher gemacht. Was nicht heißt, dass SINGHAM ein biernerster Film wäre, ganz im Gegenteil: anstatt den mehr oder weniger qualitativen Witz über den gesamten Film zu verteilen, kumuliert man ihn nun in einigen speziellen Momenten wie den Kampfszenen. Die wirken so noch ein stückweit kurioser als im Original und machen entsprechend Laune – während man jeweils davor oder danach wieder etwas ernstere Töne anschlägt. Diese Mischung funktioniert in SINGHAM außergewöhnlich gut – und garantiert im Zusammenspiel mit den ebenfalls etwas exklusiveren Gesangseinlagen ein Höchstmaß an Unterhaltung. Überhaupt wirkt gerade der Soundtrack von SINGHAM deutlich markanter, eingängiger; kurz spektakulärer – sodass sich das Remake auch in dieser Hinsicht gelohnt hat.

Zusammenfassend, und nur auf die technischen und inszenatorischen Aspekte bezogen vermag es das Remake also durchaus, das Original zu überholen. Nimmt man nun noch die Tatsache hinzu, dass der Titelheld im Remake wesentlich kerniger und in seinem Auftreten abgebrühter wirkt; und dass der Bösewicht mit einem Engagement bei der Sache ist dass es fast an Overacting grenzt – so müsste man eigentlich von einem nicht unbedingt besseren, aber doch wesentlich unterhaltsameren Remake ausgehen. Interessanterweise hat man dann aber doch noch einige inhaltliche Änderungen vorgenommen, die zumindest fraglich sind. Eher negativ auszulegen ist so beispielsweise, dass der Bösewicht in SINGHAM (trotz dessen, das hier der gleiche Darsteller am Werk ist) nicht mehr ganz so bedrohlich wirkt und man dem Zuschauer nicht wirklich klarmacht, mit was er sich den lieben Tag über beschäftigt – mit der Folge, dass der Wunsch nach Gerechtigkeit (und damit der nach dem Durchgreifen von SINGHAM) nicht mehr ganz so präsent ist. Auch die finale Mobilisierung der gesamten Polizei durch die Standhaftigkeit des Titelhelden findet im Remake in einer etwas anderen Form statt – einer, die ihre Wirkung zwar ebenfalls nicht verfehlt, aber nicht ganz so stimmig wirkt. Das gleiche gilt dann auch für das eigentliche Finale, dass im Remake und aufgrund der verschwörerischen Anwandlungen selbst von Männern der ‚guten‘ Seite einen faden Beigeschmack hinterlässt.

Fazit: SINGAM oder SINGHAM – für welchen der beiden Actionkomödien man sich auch entscheiden wird, ein vergleichsweiser hoher Unterhaltungsfaktor ist trotz der jeweiligen Spieldauer von über 2 Stunden garantiert. Es bleibt die jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden Fassungen gegeneinander antreten zu lassen – mit einem Ergebnis, welches dem Remake leicht zugute kommt. Die deutlich stimmigere Optik, der dezentere Einsatz von Effekten, der allgemein gedrosselte Trash-Faktor (der in den maßgebenden Kampfszenen dafür umso höher ist) sowie der markantere Soundtrack stehen hier lediglich einigen inhaltlichen Fehlentscheidungen gegenüber – und natürlich der Tatsache, dass es sich um die zweite Version eines bereits existierenden Films handelt.

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„Nicht zwangsläufig besser, aber doch in vielerlei Hinsicht wertiger und unterhaltsamer als die erste Fassung.“

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