Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: VEONITY – Gladiators Tale (2015)

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Alben-Titel: Gladiators Tale
Künstler / Band: Veonity (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 25. Januar 2015
Land: Schweden
Stil / Genre: Power Metal
Label: Sliptrick Records

Alben-Lineup:

Kristoffer Lidre – Bass
Joel Kollberg – Drums
Samuel Lundström – Guitars (lead)
Anders Sköld – Vocals (lead), Guitars

Track-Liste:

1. Into Eternity (04:46)
2. Phoenix Arise (04:23)
3. Unity (04:41)
4. Let Me Die (03:45)
5. Slaves in a Holy War (04:46)
6. Chains of Blood (04:44)
7. For the Glory (03:50)
8. Gladiator’s Tale (04:39)
9. Warrior of Steel (05:20)
10. Born Out of Despair (04:33)
11. King of the Sky (05:18)
12. Farewell (04:59)

Altbekannte Geschichten außergewöhnlich packend erzählt.

Im Genre des Power Metal gibt es hauptsächlich zwei Möglichkeiten, um sich in der schieren Masse an Bands zu profilieren. Entweder, man erschafft etwas noch nie dagewesenes oder zumindest etwas vergleichsweise selten bedientes – oder man spielt altbekannte Variationen des Genres so gut und glaubhaft, dass man sich erst gar keine Veränderungen wünschen würde. Welche Sparte die aus Schweden stammenden VEONITY versuchen zu bedienen, bleibt dann auch nicht lange ein Geheimnis: ihr Debütalbum GLADIATORS TALE ist ein Power Metal-Abum der alten Schule; dass sich vor allem an eingefleischte Genrefans richtet. Die unausweichliche Folge: VEONITY erfinden das Rad beileibe nicht neu, doch haben allemal die Chance sich als neue Genreband zu beweisen, welche sich mehr oder weniger offensichtlich an großen Vorbildern orientiert.

Etwaige Parallelen lassen sich zunächst in Bezug auf den überraschend markanten und vergleichsweise ungewöhnlichen – da eher tiefen und kräftigen – Leadgesang von Anders Sköld entdecken. Der klingt auf GLADIATORS TALE wie eine Mischung aus Nils Patrik Johansson (WUTHERING HEIGHTS), Alessandro Mereu (HOLY MARTYR) und Johan Johansson (CRYONIC TEMPLE) – eine Gegenüberstellung die sicherlich etwas Fantasie benötigt, der relativen Außergewöhnlichkeit des Sängers aber einen berechtigten Tribut zollt. In Bezug auf die Instrumentalparts sieht es wiederum etwas anders aus – hier wären vornehmlich klassische Genrebands wie die ebenfalls aus Schweden stammenden STEEL ATTACK zu nennen; oder andere eher gradlinige Power Metal-Acts. Gradlinig, das bedeutet in diesem Fall beispielsweise dass kein Keyboard im Lineup vorgesehen ist – und man allgemein auf einen möglichst knackigen Gitarrensound aus ist.

Entsprechend bodenständig ist auch die etablierte Gesamtwirkung – VEONITY spielen einen typischen, aber dennoch angenehm druckvollen Power Metal ohne größere Schnörkel. An Stelle derer treten sowohl der satte Gitarrensound inklusive zahlreicher Soli, sowie eine generelle Vorliebe für eingängige Melodien. Melodien, die trotz dessen dass sie sofort ins Ohr gehen verdächtig unverbraucht klingen – und, die durch die zusätzliche Portion Härte in Form des rauen Leadgesangs und den omnipräsenten Gitarren niemals allzu kitschig wirken. Dieser Qualitäten sind sich offenbar auch die Jungs von VEONITY selbst bewusst – weshalb sie auf ein Intro, Outro oder etwaige Zwischenspiele gleich komplett verzichtet haben. Das ist einerseits angenehm (schließlich sind so satte 12 vollwertige Titel enthalten), andererseits aber auch etwas schade – zumal der Einstieg in das Album so etwas zu unvermittelt stattfindet.

So startet der Opener INTO ETERNITY gleich voll durch – und zwar mit allem, was die Band hinsichtlich eines zünftigen, wenn nicht gar festlichen Power Metals anzubieten hat. Gleichzeitig handelt es sich um eine der hymnischeren Nummern, die mit ihrer verschwörerischen Schunkelwirkung im Refrain erneut Parallelen zu den bereits genannten WUTHERING HEIGHTS oder CRYONIC TEMPLE offenbart. Dennoch klingt das Ganze eigenständig genug – und ist handwerklich über beinahe jeden Zweifel erhaben. Das Gitarrenspiel ist markant und steht angenehm im Vordergrund, der Leadgesang ist erfrischend anders und eben nicht gerade Genre-typisch, verzierende Elemente wie die rauen Chorgesänge werden perfekt in Szene gesetzt.

Das, was darauf folgt ist hauptsächlich eines: eine wuchtige Ansammlung von gelungenen Genre-Nummern respektive -Hymnen. Sei es das flotte PHOENIX ARISE, das antreibende UNITY, das schön rockig-fetzige LET ME DIE oder das mächtige SLAVES IN A HOLY WAR – es ist schon bezeichnend, was für ein Fingerspitzengefühl VEONITY hier an den Tag legen. Dieses gilt vor allem klar strukturierter, sich aber dennoch nicht schnell abnutzender Songstrukturen, einem ungekünstelt-schwermetallischen Gesamteindruck, den immer wieder eingeschobenen Gitarrenintermezzi sowie den wahrlich kongenialen Refrains. Etwas Abwechslung kommt dann in Form von CHAINS OF BLOOD daher, einer vergleichsweise langsamen (aber sicher nicht ruhigen) Midtempo-Nummer mit einer herausragenden Gesangsleistung von Anders Sköld.

Im weiteren Albenverlauf droht das Niveau dann zwar nicht zu sinken, aber doch dezent zu schwanken: FOR THE GLORY klingt trotz seines episch-hymnischen Anspruchs etwas abgedroschen, während der Titeltrack GLADIATORS TALE wieder alle Register zieht. Die Ballade WARRIOR OF STEEL ist zumindest gewöhnungsbedürftig, BORN OUT OF DESPAIR klingt etwas halbherzig – bis die Rausschmeißer KING OF THE SKY und FAREWELL das Album wiederum grandios abschließen. Einen Innovations-Award sollten VEONITY mit ihrem GALDIATORS TALE zwar nicht gewinnen können – doch dafür brillieren die Schweden durch ihre überzeugende, energische und in ihrer Gesamtwirkung irgendwie doch erfrischende Spielart des Genres. Vor allem Liebhaber eines allgemein ungekünstelten Sounds, von perfekt in Szene gesetzten Gitarren und Soli sowie einem Leadgesang mit einem hohen Wiedererkennungswert sollten ihre wahre Freude mit dem Debütalbum von VEONITY haben. Wenn man so will könnte man sogar folgendes sagen: Anders Sköld vereint die unverwechselbaren Stärken von Leadsängern wie Alessandro Mereu und Nils Patrik Johansson zu einer neuen, noch variableren Urkraft der man sich kaum entziehen kann. Gepaart mit den schmackigen Melodien und der Tatsache, dass bestenfalls ein oder zwei der 12 Titel zu vernachlässigen sind kann das nur eine Folge haben: GLADIATORS TALE ist zweifelsohne eines der besten Power Metal-Alben des Jahres 2015. Eines, dass bei der alljährlichen Gegenüberstellung am Ende des Jahres eventuell sogar Chancen auf den Thron haben könnte…

Absolute Anspieltipps: INTO ETERNITY, PHOENIX ARISE, SLAVES IN A HOLY WAR, CHAINS OF BLOOD, FAREWELL


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„Ein 2015 veröffentlichtes Debütalbum – das so klingt, als wäre es ein altehrwürdiger Klassiker.“

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