Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Mercy – Der Teufel Kennt Keine Gnade“ (2014)

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Originaltitel: Mercy
Regie: Peter Cornwell (II)
Mit: Chandler Riggs, Joel Courtney, Mark Duplass u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 80 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Horror
Tags: Geister | Dämonen | Besessen | Kinder | Enkel

Vor der Gnade Gottes komplett gefeit.

Kurzinhalt: Die beiden Brüder George (Chandler Riggs) und Buddy (Joel Courtney) sind zunächst wenig begeistert von der Idee ihrer Mutter (Frances O’Connor), auf die Farm ihrer Großmutter Mercy (Shirley Knight) zu ziehen um sie dort besser pflegen zu können. Und doch hatte vor allem George schon immer eine spezielle Bindung zu seiner Großmutter – die sich im Pflegeheim als besonders schwerer Fall erwies und seitdem häufig mit Beruhigungsmitteln versorgt werden muss. Doch ob das Zusammensein mit ihrer Familie ihrer Gesundheit förderlich sein würde, bleibt zunächst unklar – erst Recht, als sich allerlei merkwürdige Zwischenfälle häufen. Es scheint, als würde die Großmutter einstweilen nicht mehr sie selbst sein – ein Zustand, in dem sie sogar ihren geliebten Enkeln etwas antun könnte. Bald darauf wird klar, dass hier ein Dämon seine Finger im Spiel haben muss.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Dem allgemeinen Horrorfilm-Genre auch in der heutigen Zeit noch etwas nie dagewesenes hinzuzufügen, dürfte so gut wie unmöglich sein – oder zumindest zu einer schwierigen Angelegenheit avancieren. Dennoch sollte man sich durchaus bemühen, nicht unbedingt jedes gängige Klischee zu bedienen – und jedem neu erscheinenden Horrorfilm auch eine möglichst eigenständige Identität verpassen. Der Weg, den man in MERCY geht; löst diesbezüglich schnell gemischte Gefühle aus – denn größtenteils wirkt er eben doch wie ein schon zigmal gesehener Horrorfilm, der mit zusätzlichen Parallelen zum kürzlich erschienenen THE CONJURING (Review) aufwartet. Wobei der Begriff eines Conjuring Books sogar explizit im englischsprachigen Trailer erwähnt wird – und die ersten Aufnahmen des alten Landhauses als Hauptschauplatz, sowie der rauen Umgebung mit einigen besonders ominös anmutenden Bäumen keine Zweifel mehr offenlassen. Das mag allerdings auch so beabsichtigt sein – schließlich haben in MERCY auch die Produzenten von THE CONJURING und anderen aktuelleren Horror-Werken wie INSIDIOUS oder PARANORMAL ACTIVITY ihre Finger mit im Spiel.

Trotz der relativen Ähnlichkeiten vermag es MERCY dann aber vor allem in einer Hinsicht für einen frischen Wind zu sorgen: durch die hauptsächlich kindliche Erzählperspektive, die den Zuschauer das Geschehen aus der Sicht eines Heranwachsenden entdecken lässt; womit wiederum ein Bogen zu eher klassischen (und damit fast schon wieder unkonventionellen) Werken wie THE HOLE (Review) geschlagen wird. Auch hier spielen Kinder die Hauptrolle – aber nicht um als bloße und bessere Opfer zu dienen, sondern vor allem um ein erhöhtes Maß an Empathie auf Seiten der Zuschauer zu wecken. Doch fiebert man bei Filmen wie THE HOLE und nun MERCY nicht nur intensiver mit weil es sich bei den Figuren um Kinder – und möglicherweise potentielle Beschützerinstinkte weckende Charaktere  – dreht; sondern auch da ihre Figuren schlicht wesentlich besser und glaubhafter dargestellt werden als in vielen anderen Horrorfilmen mit Erwachsenen Protagonisten. Dass der entsprechende Hauptcharakter in MERCY von Chandler Riggs gespielt wird, dürfte als zusätzlicher Bonus angesehen werden – vor allem für all jene, die sich nach seinen zwar zahlreichen, zumeist aber eher spartanischen Auftritten in der TV-Serie THE WALKING DEAD etwas mehr von ihm gewünscht hätten. Tatsächlich macht er seine Sache in MERCY gut – wobei es etwas schade ist dass sein Filmbruder Joel Courtney; der heimliche Star aus SUPER 8 (Review), nicht etwas mehr Aufmerksamkeit zugestanden bekommt. Doch ist zusammenfassend festzustellen, dass den Darstellern von MERCY nur wenig vorzuwerfen ist – die Probleme liegen eher in anderen Bereichen begründet.

In Anbetracht der bereits gefallenen Namen sollte man in Bezug auf MERCY mindestens noch einen weiteren, wenn nicht gar den wichtigsten zu Rate ziehen – und der lautet Stephen King. MERCY basiert schließlich auf einer Kurzgeschichte des Horror-Altmeisters, die hier immerhin für einen knapp 80-minütigen Film neu interpretiert wurde. Das Problem: auch wenn die Kurzgeschichte erstmals in Filmform verpackt wurde, bietet sie insgesamt verdächtig wenig neues – und vermag es so kaum, das grundsätzlich frisch erscheinende Konzept von MERCY sinnig zu unterstützen. Sicher ist es einstweilen überaus spannend, die Hauptprotagonisten auf ihrer okkulten Entdeckungsreise zu begleiten – vor allem auch, da ein großes Augenmerk auf die spezielle Familienkonstellation gelegt wird.

Doch letztendlich bietet MERCY alles andere als eine ansprechende Rahmenhandlung, und serviert so gesehen auch keine atemberaubenden Twists. Es reicht eigentlich schon zu wissen, dass es (wieder einmal) um Dämonen geht – die versuchen von verschiedenen Personen Besitz zu ergreifen, um ihre Existenz im Diesseits zu sichern. Setzt man diese Prämisse in einen direkten Zusammenhang mit der grundsätzlichen Plot- und Charakterbeschreibung von MERCY, so wird der gesamten Filmverlauf nur allzu schnell offenbar; das Ende ist dementsprechend wenig überraschend. Hinzu kommen einige weitere Schnitzer – vor allem kleinere, die sich auf das Porträt der Charaktere beziehen. So wird dem Zuschauer kaum glaubwürdig vermittelt, warum sich eine junge Mutter dazu entscheiden würde mit ihren beiden Söhnen zu deren Großmutter zu ziehen – und diese rund um die Uhr zu pflegen; auch noch mit der Voraussetzung dass die Kinder (offenbar) mehr Arbeiten verrichten als ihre Mutter selbst. Sicher, wäre dem nicht so würde die Story von MERCY gar nicht erst zustande kommen – doch ein paar mehr Eckpunkte respektive Gründe oder zumindest kritischere Gespräche bezüglich eines bedeutsamen Themas (der Intensiv-Pflege von Angehörigen) hätte man dem Zuschauer vielleicht doch servieren sollen. Auch wird nicht ganz klar, warum der Hauptprotagonist in allen noch so fürchterlich erscheinenden Situationen stets verdächtig gelassen bleibt – sicher soll vermieden werden dass er eine allzu simple Opferrolle einnimmt (was nur gut und richtig ist), doch auch hier hätte man etwas mehr Fingerspitzengefühl walten lassen sollen.

Trotz der kleineren Schwächen in Bezug auf die Charaktere und die wesentlich massiveren in Bezug auf die Story etabliert MERCY vor allem im Mittelteil eine enorme Spannung. Zum einen, da man der vergleichsweise außergewöhnlichen Erzählperspektive treu bleibt, das Ganze eher langsam und größere (und plumpe) Schockeffekte angehen lässt – und zum anderen, da auch hinsichtlich des technischen Parts vieles stimmt. Die Kameraführung, der Schnitt und der Soundtrack unterstützen die eher klassische Horror-Wirkung – die vor allem dadurch generiert wird, dass man wahrhaftig in das Geschehen eingebunden wird und nicht bloß als außenstehender Beobachter fungiert.

Fazit: Trotz des Bezuges auf eine potentiell hochkarätige Vorlage von Stephen King macht man in MERCY allein inhaltlich keine großen Sprünge – wer Filme wie INSIDIOUS (Review) oder THE CONJURING gesehen hat, bekommt sogar noch weniger neues respektive überraschendes geboten. Dennoch weiß die klassische Herangehensweise durch die kindliche Erzählperspektive und die wenigen expliziten Schockmomente zu gefallen – ebenso wie die Tatsache, dass man sich ausnahmsweise auch mal wieder getraut hat, die Dämonen / Geistwesen explizit zu zeigen. Das mag zwar etwas plump wirken, speziell wenn man sich den nur schemenhaft dargestellten Wolf mit seinen leuchtenden Augen oder den eigentlichen Dämon einmal ansieht – und doch verfehlt es seine Wirkung nicht. Durch seine Kompaktheit und die vergleichsweise dichte Atmosphäre kann MERCY durchaus für einige hochspannende Horrorfilm-Minuten sorgen – wobei nur das Ende viel zu plötzlich und unspektakulär daherkommt.

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„Kein atemberaubender, aber doch durch und durch solider Horrorfilm der alten Schule.“

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