Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Bully – Diese Kids Schockten Amerika“ (2001)

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Originaltitel: Bully
Regie: Larry Clark
Mit: Brad Renfro, Nick Stahl, Rachel Miner u.a.
Land: Frankreich, USA
Laufzeit: ca. 113 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Drama, Thriller
Tags: Jugend | Jugendliche | Drogen | Sex | Exzesse | Alltag | Mord

Verf***t und zugenäht.

Kurzinhalt: Die Jugendlichen Marty Puccio (Brad Renfro) und Bobby Kent (Nick Stahl) sind auf den ersten Blick zwei ganz normale Teenager von nebenan – doch bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass die beiden eine eher ungewöhnliche Freundschaft pflegen. Eine, die nicht wirklich auf Gegenseitigkeit beruht und zumeist nur eines zum Ergebnis hat: das der mit harter Hand erzogene Bobby seinen alltäglichen Frust an Marty auslässt und ihn wann immer es geht erniedrigt. Das Problem: der schüchterne Marty schafft es einfach nicht, sich von seinem Peiniger loszulösen. Eines Tages lernen die beiden dann zwei Frauen kennen – doch auch hier gehen ihre Meinungen weit auseinander. Während Bobby nur eine weitere kurzweilige Beschäftigung erwartet, scheint sich Marty tatsächlich in eine der beiden zu verlieben. Der alles kontrollierende Bobby aber hat natürlich auch dagegen einiges einzuwenden – sein tagtäglicher Psycho-Terror gegen Marty geht weiter. Aber auch nur solange, bis sich die Gemüter einstweilen weiter erhitzen und ein schockierender Mord verübt wird…

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Kritik: Achtung, Spoiler ! BULLY ist ein Film des US-Amerikanischen Regisseurs Larry Clarke, der sich für seine etwas andersartige Geschichte einer verqueren Jugend auf eine Buchvorlage von Jim Schutze stützt. Das besondere ist, dass die hier geschilderten Ereignisse auf wahren Begebenheiten basieren – welche genau und in welchem Umfang bleibt jedoch schleierhaft. BULLY ist schließlich ein Drama, bei dem es schwer zu eruieren ist welche Elemente der reinen Fiktion des Regisseurs, und welche dem Kopf des eigentlichen Buchautors entsprungen sind. Fakt ist wohl nur, dass das Ergebnis über weite Strecken arg verkrampft und überzeichnet wirkt. Sei es die hier stark überbordernde Jugendsprache oder das bitterböse Porträt derselben Jugendlichen, die einiges auf dem Kerbholz haben und sich alle tagtäglich strafbar machen – Elemente wie diese lassen vieles entstehen; nur keinen wirklich glaubhaften Einblick in ein noch so problembehaftetes Leben einiger Jugendlicher. So bleiben auch jegliche Sympathien auf der Strecke; das Interesse an den Charakteren entsprechend gering. Es scheint, als hätte Larry Clarke nicht unbedingt auf eine möglichst glaubwürdige Art der Inszenierung gesetzt – dafür aber auf eine umso provokantere und regelrecht abstoßende. Zu welchem Sinn und Zweck ist eine andere, vom Zuschauer jeweils selbst zu beantwortende Frage. Doch man sei gewarnt: selbst als auf rebellisch getrimmtes Machwerk einer verlorenen Generation eignet sich BULLY nur äußerst bedingt.

Dafür spricht auch die nicht unbedingt gelungene Dramaturgie des Films; die sich zu großen Teilen auf den baldigen Mord respektive dessen Planung bezieht. Das wichtige Porträt der ungewöhnlichen Freundschaft (oder: Hassliebe) der beiden Hauptprotagonisten dagegen bleibt relativ flach und wird schnell abgehandelt. Das Problem: so schemenhaft und auf bestimmte Charakterzüge zurechtgestutzt die Protagonisten wirken; so vorhersehbar und unspektakulär sind letztendlich auch alle weiteren Entwicklungen. Zumindest diesbezüglich scheint sich Larry Clark wieder explizit an der Vorlage orientiert zu haben – schließlich verpasst er es, BULLY mit unterstützenden handwerklichen Raffinessen auszustatten. Ein Markenzeichen, ein Element im Sinne eines Wiedererkennungswertes gibt es dann aber doch; auch wenn es sich um ein mehr als fragliches handelt: der Regisseur scheint einstweilen völlig in seine abstruse Vision einer vor äußeren Einflüssen gefeiten Parallelgesellschaft einzutauchen, und schenkt dementsprechend auch potentiell anstößigen Elementen seine volle Aufmerksamkeit. Nacktheit, Sex, Gewalt und Drogenexzesse – sicher werden viele Jugendliche irgendwann einmal mit Themen wie diesen konfrontiert; doch scheint es als würde Larry Clarke seine verqueren Ansichten nicht als Element des Films; sondern vielmehr als allgemeingültig darstellen. Entsprechend einfach macht er sich auch, wenn es um das Porträt der Eltern geht – die sich in BULLY entweder gar nicht um ihre Sprösslinge kümmern; oder aber viel zu streng oder gar gewalttätig vorgehen.

Doch auch in technischer Hinsicht macht BULLY keine gute Figur. Ausschlaggebend ist hierbei nicht, dass das Projekt am ehesten wie eine Low-Budget respektive Independent-Produktion wirkt – sondern beispielsweise Elemente wie das einer mehr als schwindelerregenden (im wahrsten Sinne des Wortes) Kamerafahrt in der Mitte des Films, die ihren Zweck völlig verfehlt. Davon absehen wirkt der Film weitestgehend fad und unspektakulär, ein wie auch immer gearteter Aufwand wurde nicht betrieben. Film-eigene Musik gibt es nicht – man setzte vornehmlich auf hie und da eingespielte Rapmusikstücke. Zumindest die Darsteller (von denen zwei ehemalige Kinderstars sind) machen ihre Sache so gut es eben geht und das Drehbuch es zulässt; auch wenn die Grenzen des hier dringend notwendigen Method-Actings schnell erreicht sind beziehungsweise nicht ausreichend ausgeschöpft werden.

Fazit: BULLY macht es sich größtenteils zu einfach. Ob nun als relativ platte Form einer Gesellschaftskritik, als unglaubwürdiger Tatsachenbericht oder als eigenwilliges Porträt einer Institution wie der der Jugend – der Film schafft es kaum, das Interesse des Zuschauers zu wecken geschweige denn ihn nachhaltig zu beeindrucken. Der nicht von ungefähr als umstritten geltende Regisseur Larry Clark lässt sowohl ein Mindestmaß eines filmischen Gespürs als auch ein wie auch immer geartetes Interpretationsangebot vermissen  – stattdessen serviert er ein gleichermaßen festgefahrenes wie verstörendes Porträt einer verrohten Jugend, und geht dabei nicht selten unangenehm voyeuristisch vor. Somit bleibt am Ende nur die Tatsache, dass Clarke (der sich auch für den schon weitaus bekannteren Jugendfilm KIDS verantwortlich zeichnet) ein rebellischer Filmemacher ist – wogegen grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Doch wenn man diese rebellische Haltung immer wieder aufgreift und immer wieder betonen muss; und dabei alle anderen qualitativen Maßstäbe außer Acht lässt – spricht das nicht gerade für das Handwerk eines Meisters.

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„Ob er nun auf wahren Begebenheiten basiert oder nicht – BULLY ist ein provokanter Film, der davon abgesehen keine wirklichen Stärken ins Feld führt.“

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