Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: WINTERAGE – The Harmonic Passage (2015)

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Alben-Titel: The Harmonic Passage
Künstler / Band: Winterage (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 02. Februar 2015
Land: Italien
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Matteo Raganini – Bass
Davide Bartoli – Drums
Riccardo Gisotti – Guitars
Dario Gisotti – Keyboards, Whistle
Gabriele Boschi – Violin
Daniele Barbarossa – Vocals

Track-Liste:

1. Ouverture in do minore 03:52
2. The Harmonic Passage 05:56
3. The Flame Shall Not Fade 07:02
4. Wirewings 04:10
5. Son of Winter 06:09
6. La caccia di Tùrin 01:10
7. Golden Worm 05:51
8. Victory March 03:47
9. La grotta di cristallo 06:32
10. Crown to the Crowds 06:16
11. Panserbjørne 04:39
12. The Endless Well 05:28
13. Awakening 08:55

Genau das richtige zur kalten Jahreszeit.

Manche Alben will man einfach mögen – schon bevor man sich mit dem eigentlichen musikalischen Inhalt befasst hat. THE HARMONIC PASSAGE von WINTERAGE bezeichnet wohl ebenfalls einen eben solchen Fall. Schließlich verspricht das Debütalbum der seit 2009 bestehenden italienischen Combo großes – oder zumindest etwas andersartiges. Das wird man direkt nach dem Einstieg in das Album bemerken – oder aber schon beim Belesen der Besetzungsliste, die jeweils Extraposten für einen Violinisten und einen Flötenspieler (der auch hinter dem Keyboard steht) vorsieht. Dies gepaart mit einem doch soliden Bandnamen und der Ambition, einen atmosphärischen Symphonic Power Metal zu inszenieren lässt einen schnell aufhorchen – und jegliche Klischees in Bezug auf Power Metal-Acts aus Italien zu vergessen. Tatsächlich ist das in diesem Fall auch gerechtfertigt, denn eines ist WINTERAGE zweifelsohne gelungen: sie haben ein anständiges Debütalbum kreiert, dass sich trotz hie und da auftretender Ähnlichkeiten nicht wirklich mit den Outputs der zahlreichen Konkurrenzbands vergleichen lässt.

Man könnte sogar so weit gehen und behaupten; dass man es gerade mit WINTERAGE noch einmal erleben kann – jenes aufgeregte Gänsehaut-Gefühl beim Durchhören einer Scheibe, welches man eventuell noch von seinen allerersten Begegnungen mit dem Genre kennt. Sicher ist das hier dargebotene nicht wirklich neu, klassische Elemente innerhalb von bombastischen und antreibenden Power Metal-Kompositionen gibt es schließlich schon länger – doch WINTERAGE schaffen es, dem Ganzen durchaus eine neue und relativ unverbraucht klingende Seite abzugewinnen. Am ehesten klingt das Ganze nach einer aufregenden Mixtur aus GALLOGLASS, CELESTY und TIMELESS MIRACLE – wobei es aber nicht nur Fans eben jener Combos sein sollten, die sich schnell in den musikalischen Welten von THE HARMONIC PASSAGE zuhause fühlen werden.

Einige mehr oder weniger dezente Kritikpunkte gibt es dann aber auch. So scheint beispielsweise die Abmischung und Produktion nicht immer zweckdienlich ausgefallen zu sein – sodass das Liedgut von WINTERAGE deutlich weniger erhaben und weniger bombastisch klingt als es theoretisch möglich gewesen wäre. Insbesondere der Drumming-Part schneidet diesbezüglich eher schlecht ab – er klingt relativ dumpf und bei weiten nicht so klar und ausdrucksstark wie beispielsweise die klassischen Instrumente. Zumindest die wurden in diesem Fall sehr gut in Szene gesetzt – was ein wenig an das Dilemma bei HAGGARD erinnert. Einstweilen treten auch kleinere Probleme beim Bass und den Rhythmusgitarren auf – die in so mancher Instrumentalpassage und bei entsprechendem Keyboardeinsatz (wie in THE FLAME SHALL NOT FADE) vollständig unterzugehen drohen. Der Leadgesang von Daniele Barbarossa ist dann auch nur solide – das markante Aha-Erlebnis bleibt hier aus bzw. wird es wenn überhaupt durch die Instrumentalkulissen generiert. Schade – ein noch etwas markanterer Leadgesang hätte THE HARMONIC PASSAGE sicherlich gut getan. Wie auch eine bessere Inszenierung der Chöre – die dann doch arg zurückhaltend klingen. Vielleicht sollten sich WINTERAGE mal mit Philippe Giordana (FAIRYLAND) zusammentun…

Und doch scheinen sie immer wieder durch – mehr als solide Genre-Nummern mit dem gewissen Etwas. Bereits der Opener und Titeltrack THE HARMONIC PASSAGE weiß mit seinen symphonischen Elementen zu begeistern, WIREWINGS ist mit seinen gesanglichen Ausbrüchen und der angenehm rhythmisch agierenden Violine vielleicht sogar noch ein Stück besser. Aber auch eine Ballade wie SON OF WINTER, die mit ihrem weiblichen Leadgesang und der beruhigenden Gesamtwirkung ein wenig an die Kollegen von SALAMANDRA erinnert; schneidet verdächtig gut ab. Deutlich unspektakulärer sieht es dagegen im weiteren Alben-Verlauf aus. Bei GOLDEN WORM wird man unweigerlich an einige (besser vorgetragene) Hymnen von THY MAJESTY denken; der VICTORY MARCH klingt trotz mehr als gelungenem Violinen-Solo reichlich künstlich und besonders in Bezug auf die Chöre regelrecht nervig. LA GROTTA DI CRISTALLO liefert dann auch noch Stoff für all jene, die schon immer eine besondere Vorliebe für RHAPSODY OF FIRE’s italienische Texte mitgebracht haben – oder auch nicht, was wahrscheinlicher ist. Wichtig ist in einem solchen Fall wohl nur, dass man dem Leadsänger eine gewisse Passion, ein gewisses leidenschaftliches Feuer a’la Fabio Lione oder Alessandro Conti anmerkt – was hier eher nicht der Fall ist.

Dass THE HARMONIC PASSAGE ein Independent-Release (und damit eines der besten seiner Art) ist, macht sich aber kaum bemerkbar. Im Gegenteil, es fühlt sich stets so an als wären die Jungs von WINTERAGE schon länger im Geschäft, und hätten einiges in Petto – zumindest in instrumenteller Hinsicht und in Anbetracht der klassischen Elemente, der Leadgesang schneidet vergleichsweise unspektakulär (und einstweilen sogar schwach) ab. Spätestens jetzt sollte sich doch ein entsprechendes Label finden – denn ein wenig mehr Aufmerksamkeit hat die Band sicher verdient. Wenn das Ganze dann auch noch einen etwas druckvolleren und vielleicht auch emotionaleren Anstrich (sowohl in den ruhigen als den nach vorn preschenden Momenten) verpasst bekommt, steht einer goldenen Zukunft der Band nichts mehr im Wege.

Absolute Anspieltipps: THE HARMONIC PASSAGE, WIREWINGS


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„Ein instrumental bemerkenswertes, aber wie so oft noch dezent ausbaufähiges Debütalbum – besonders in Bezug auf den Leadgesang, die Chöre und die Abmischung.“

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