Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: KERION – Holy Creatures Quest (2007)

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Alben-Titel: Holy Creatures Quest
Künstler / Band: Kerion (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 2007
Land: Frankreich
Stil / Genre: Symphonic Power Metal
Label: Keins / Independent

Alben-Lineup:

Stéphane Papasergio – Bass
Samuel Montais – Drums
Rémi Carrairou – Lead & Rhythm Guitars
Sylvain Cohen – Rhythm Guitars
Flora Spinelli – Vocals

Track-Liste:

1. Intro-Last Quest (05:28)
2. Queen of the Gorgons (07:08)
3. Warrior’s Call (05:16)
4. Riders of Innocence (05:24)
5. The Alchemist (04:15)
6. March of the Legion (05:49)
7. Battle of the Golems (06:22)
8. Breath of Heaven (06:33)
9. Minotaurus’s Furor (06:01)
10. Final Strike Part1 (00:55)
11. Final Strike Part2 (10:48)
12. Last Quest (acoustic) (03:19)

Ein Kampf, der ewig währt.

KERION ist eine 1997 gegründete Bandcombo aus Frankreich, die bis 2002 noch unter dem Namen KIRLIAN unterwegs war. Im Jahre 2007 kam es dann endlich zu ersten offiziellen Studioalbum – dem vorliegenden und 12 Titel starken HOLY CREATURES QUEST. Auffällig dabei ist, dass sich KERION offenbar relativ nah am Sound von Bands wie FAIRYLAND orientieren – die einen ähnlich pompösen und vielseitigen Symphonic Power Metal inszenieren. Wenn man die Bands einmal näher betrachtet, ist das allerdings auch kein großes Wunder – offenbar stammt man aus derselben französischen Kleinstadt und ließ sich nur allzu gerne gegenseitig inspirieren. Eine derartige Nähe zweier Bands lässt aber auch schnell potentielle Kritikpunkte aufkommen: würden KERION noch eigenständig genug klingen, um nicht als bloße Kopie durchzugehen ? Was sich ebenfalls ergibt ist ein regelrechter und Städte-interner Zweikampf: welche Band würde besser bei den Fans ankommen, wer die besseren Voraussetzungen und dementsprechend auch Qualitäten mitbringen ?

Hierbei handelt es sich um eine Frage, deren Beantwortung schnell einen klaren Sieger offenbart: FAIRYLAND hatten 2007 und nach zwei sehr guten (OF WARS IN OSHYRIA, Review) bis guten (THE FALL OF AN EMPIRE, Review) Studioalben zweifelsohne die Nase vorn. Und das nicht nur aufgrund ihrer Historie, sondern auch bezüglich ihres Lineups. FAIRYLAND-Mastermind Philipp Giordana konnte einfach die besseren Nummern (und vor allem Refrains) schreiben, sein unverkennbarer Keyboardeinsatz hatte sich schnell in den Köpfen der Hörer festgesetzt. Und selbst wenn Leadsängerin Elisa C. Martin nach dem sensationellen OF WARS IN OSHYRIA nicht mehr mit an Bord war, hatte sie entsprechend vorgelegt – und die Messlatte für die KERION-Frontfrau Flora Spinelli recht hoch angesetzt. Interessanterweise scheitert diese aber nicht nur an einem diesbezüglichen Vergleich, sondern liefert auch ganz allgemein eine eher fragwürdige Performance ab. Offenbar hat sie starke Schwierigkeiten sowohl in den höheren als auch tieferen Lagen – was immer dann besonders auffällt, wenn eine gewisse durch den Gesang übertragene Emotionalität dringend angebracht gewesen wäre. Aber auch sonst fehlt es ihrer Stimme schlicht an Kraft – am besten klingt sie noch in den gemäßigt-mittleren Lagen, wie sie besonders bei den zahlreichen Uptempo-Nummern zum Einsatz kommen.

Sobald es dann aber etwas getragener und gefühlvoller wird, sieht es ganz düster aus für den Gesangspart: das mystische QUEEN OF THE GORGONS eignet sich wohl als bestes Beispiel für die noch mehr als ausbaufähige Performance. Deutlich besser sieht es dann schon hhinsichtlich der instrumentalen Leistungen aus – auch wenn man hier beileibe keine großartigen Innovationen oder ähnlich prägnante Alleinstellungsmerkmale wie beispielsweise bei FAIRYLAND erwarten sollte. Vielmehr scheint es, als bewegten sich KERION irgendwo zwischen eben jener Partner-Band und einer Combo wie RHAPSODY OF FIRE – was sich auch besonders gut am Intro und den instrumentalen Interludien festmachen lässt; in denen allerlei klassische Anleihen zu Rate gezogen werden. In jedem Fall sind die Instrumentalkulissen von KERION bombastisch, vielfältig und gar nicht mal so wirkungslos und / oder überhört wie man es vielleicht vermuten würde. Schade ist nur, dass man derlei Eindrücken des öfteren wieder – und sogar Titel-intern – entgegenwirkt. Der Opener LAST QUEST beispielsweise ist eine schon voranpreschende Nummer mit einer starken Instrumentierung, doch der Leadgesang und vor allem der wenig spektakuläre Refrain sorgen für erhebliche atmosphärische Dämpfer.

Und so funktioniert die Musik von KERION noch am besten, wenn man sich vollständig einem gewissen Sog hingibt – keinem besonders atmosphärischen, sondern einen der allein aus einem enormen Tempo und einem dezent kriegerischen Anspruch heraus entsteht. Das ist besonders in einer Nummer wie WARRIOR’S CALL der Fall – die zugleich einen der besten Momente des Albums markiert; und das nicht nur aufgrund der schön schmackigen Chöre (die einmal mehr an FAIRYLAND erinnern). Sobald man aber auch nur ein stückweit von dieser Marschrichtung abweicht und sich wieder explizit dem symphonischen Power Metal hingibt, kippt das Verhältnis wieder. Immer dann machen sie sich wieder bemerkbar, die auffälligen Schwächen der Band – die sich wie bereits erwähnt im Leadgesang und dem etwas zu exzessiven Einsatz des Keyboards niederschlagen. So werden selbst potentiell hochkarätige Titel wie BATTLE OF THE GOLEMS nicht wirklich zu einem Genuss; auch wenn das Spiel der Gitarren durchaus einen gewissen Reiz entfalten kann.

Ob es gerechtfertigt erscheint oder nicht – man wird KERION unweigerlich mit FAIRYLAND vergleichen, die in dieser merkwürdigen Bandfreundschafts-Konstellation klar die Nase vorn haben. KERION werden vor allem eingefleischte Fans des Genres ansprechen, die sich nicht unbedingt von allerlei innovativen Ansätzen unterhalten wissen wollen – sondern schlicht durch eine schön druckvolle Soundkulisse und vielen Genre-typischen Spielereien. Schade nur, dass der Leadgesang von KERION grundsätzlich hinter jedem anderen Aspekt der Band anstehen muss – hier wurde wahrlich keine Glanzleistung abgeliefert. Aber immerhin ist das Ganze schön rund produziert.

Absolute Anspieltipps: WARRIOR’S CALL, RIDERS OF INNOCENCE


65button

„Durchwachsenes Debüt mit schwachem Leadgesang, das automatisch zu besseren Alternativen führt – aber durchaus seine Highlights zu bieten hat.“

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