Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: SKYWINGS – Vice Versa (2014)

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Alben-Titel: Vice Versa
Künstler / Band: Skywings (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 30. Juli 2014
Land: Japan
Stil / Genre: Power Metal
Label: Studio Medras

Alben-Lineup:

Senoh – Bass
Yuki – Drums
I-La – Guitars, Vocals
Takashi – Keyboards Piano, Synths

Track-Liste:

1. Vice Versa~光纏いし者達~ (07:48)
2. Unite Forever~Sky Anthem Pt.4~ (07:51)
3. I Fascinate (06:35)
4. Sight of Ruby (06:35)
5. Glass in the Ice (05:45)
6. DDDDDDDDDDDDD (06:40)
7. Lust Fang (05:44)
8. Night When Meteor Rain Fell (06:49)
9. [NEVER]land⇔[EVER]land (05:45)
10. 銀~Argyros~ (07:01)

Offenbarung, Totalausfall oder irgendetwas dazwischen ?

Eigentlich standen die Chancen gut für VICE VERSA, das neue und nunmehr dritte Studioalbum der Japanischen Power Metal-Combo SKYWINGS – zeigten die Bandmitglieder doch bereits auf den beiden Vorgängern THE ADVENT MELODY (Review) und GRACE GRADE (Review) auf, dass sie über ein vielseitiges und in mancherlei Hinsicht sogar abenteuerliches Repertoire verfügen. Vor allem aber scheint es, als hätten die Japaner einfach das Zeug dazu, vergleichsweise einfach gestrickte aber dennoch überaus effektive Power Metal-Nummern zu schreiben. Solche, die auch eine Weile im Gedächtnis bleiben – was sich vor allem auf das Debütalbum und seine eingängigen, von guten Riffs geprägten Hymnen wie IN BLOOM beziehen lässt. Doch bevor das neue, schon länger angekündigte VICE VERSA endlich erscheinen sollte, folgte erst einmal ein schwer verdaulicher Schock: der angestammte (und zweifelsohne beliebte) Leadsänger TAKUYA sollte plötzlich nicht mehr mit von der Partie sein. Stattdessen sollte der eigentliche Gitarrist der Band I-LA einspringen und nun auch den Gesangsposten übernehmen – was ein recht zwiegespaltenes Gefühl auslöste. Und das vor allem nach den ersten Hörproben und der vorab veröffentlichten Videosingle I FASCINATE – nicht wenige beklagten sich darüber, dass der neue Sänger dezent fremdartig klingt und der beflügelten Stimme von TAKUYA einfach nicht das Wasser reichen könnte. Aber was ist wirklich dran an den Befürchtungen ?

Ersteinmal sollte man folgendes festhalten: die Tatsache, dass sich ein einzelnes Bandmitglied wie I-LA derart engagiert zeigt (und damit das Fortbestehen der Band ohne einen großartigen Lineup-Wechsel möglich macht) erscheint bemerkenswert. Dass das natürlich noch kein Freifahrschein sein würde, ist aber auch klar – und so wird sich auch I-LA allerlei Kritiken stellen müssen. Positiv erscheint, dass er gerade im Vergleich zum ausschließlich in den höchsten Lagen singenden TAKUYA einen enorm frischen Wind ins SKYWINGS-Boot bringt – schlicht, da man ihn als etwas andersartigen Sänger bezeichnen könnte. Und als recht variablen noch dazu – sein Wechsel von tiefen in hohe Lagen ist grundsätzlich ansprechend, und trägt enorm dazu bei dass der Leadgesang nicht mehr so eintönig wirkt wie zuvor. Aber: I-LA scheint des öfteren auch an seine Grenzen zu kommen, gerade wenn es in die höheren Lagen, um die allgemeine Betonung und speziell das Halten von Tönen geht. Ebenfalls eher ungünstig ist, dass die Abmischung seinen Gesang noch zusätzlich hervorhebt; weniger Raum für die instrumentalen Kompositionen lässt – sodass die weiteren Stärken von SKYWINGS (alles, was aus den Instrumenten entsteht) ebenfalls und im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund gedrängt werden.

Doch eigentlich lassen sich die Probleme von VICE VERSA in einem schlichten Satz zusammenfassen, ob mit oder ohne die Gesangs-Thematik: ein Großteil der auf dem Album dargebotenen Titel sind einfach nicht sehr gut – sondern bestenfalls gut oder durchwachsen. Dies ist vor allem auf die zweite Alben-Hälfte zu beziehen, in der so gut wie kein Titel mehr zünden kann – während der Auftakt mit dem Titeltrack VICE VERSA, dem SKY ANTHEM PART 4 und dem bereits bekannten I FASCINATE noch relativ stark ausfällt. Doch gibt es bereits hier kleinere Elemente, die sich eher störend auswirken und beispielsweise die Fortsetzung der SKY ANTHEM-Reihe nicht mehr ganz so schmackig ausfallen lassen. Gewiss, die typisch hymnische, enorm melodische Komponente ist nach wie vor vorhanden – doch allein dass man den späteren Soli-Part in einer überraschend verwaschenen Soundkulisse untergehen lässt (a’la: läuft hier noch ein anderer, überlagerter Titel ?), spricht hier für sich. Das liegt hauptsächlich an den vielen Ausschmückungen, die auf VICE VERSA immer wieder anzutreffen sind – die Rede ist hier eindeutig vom exzessiv genutzten Keyboard. Zwar wurde diesbezüglich auch auf den beiden Vorgängern nicht gegeizt, doch nun sollte es selbst eingefleischten Power Metal-Fans mit einem Hang zum Kitsch und kunterbunten Melodiebögen etwas zu viel des Guten sein.

Gute Beispiele dafür finden sich schließlich zuhauf – ob nun SIGHT OF RUBY, GLASS IN THE ICE oder ARGYROS mit seinem merkwürdig trancigen Einschlag – jene Nummern scheinen ausschließlich aus dem Gesangspart und einer dicken Keyboardschicht zu bestehen, die metallischen Komponente rücken stark in den Hintergrund und wirken längst nicht mehr so mitreißend wie dereinst. Immerhin: man kann noch immer allerlei Melodien entdecken, zu denen man geneigt ist im Takt mitzuwippen – aber reicht das wirklich aus ? Den Tiefpunkt des Albums markiert dann aber wohl DDDDDDDDDDDDD – ein Titel mit einem neoklassischen Ansatz, der vielleicht bei einer Combo wie VERSAILLES funktioniert hätte; hier aber vor allem aufgrund der heftigen Verzerr-Effekte eher nervt. Mit dem flotten LUST FANG wird es dann wieder etwas besser, doch kann das kaum über die eher triste zweite Albenhälfte hinwegtäuschen. Der Fakt, dass sich alle Titel in einem Rahmen von 6 bis 8 Minuten bewegen, macht es auch nicht unbedingt besser – offenbar streckte man selbst jene Titel, die in einer entsprechenden Kurzform vielleicht etwas besser gewirkt hätten.

Damit erscheint es schwierig, ein finales Urteil zu VICE VERSA abzugeben – und das nicht nur weil es schwerfällt, mit dem neu besetzten Leadgesangsposten umzugehen und die entsprechend abgelieferte Leistung zu bewerten; geschweige denn für sich persönlich einzuordnen. Es scheint gut möglich, dass die Band den Ausstieg von TAKUYA doch nicht so gut verkraftet hat wie gedacht – dem gegenüber stehen aber I-LA’s durchaus ehrenwerte und letztendlich irgendwie doch beeindruckende Ambitionen. Die wiederum werden nicht jedermanns Geschmack treffen, ebenso wie die Tatsache dass sowohl die Abmischung etwas unvorteilhaft ausfällt und man selbst vielversprechende Titel mit einem Übermaß an Keyboard-Klängen und anderen fremdartigen Effekt-Geräuschen ausschmückt. Vielleicht wird der Fall ja mit einem potentiellen vierten Studioalbum endlich etwas klarer. Dass die SKYWINGS auch ohne TAKUYA erfolgreich sein können, steht jedenfalls außer Frage; etwaige Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.

Absolute Anspieltipps: VICE VERSA, SKY ANTHEM PART 4, I FASCINATE, LUST FANG


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„Auch mit neuer Besetzung eine positive Überraschung – aber da geht noch mehr.“

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