Rezensionen: Games & Apps

PC-Spieletest / Game-Review: DEUS EX – The Fall (2014)

deus-ex-the-fall_500

Originaltitel: Deux Ex: The Fall
Veröffentlichungsdatum: 18. März 2014
Entwickler: Eidos Montreal
Publisher: Square Enix
USK: Keine Angabe
Genre: Action-Rollenspiel
Tags: Deux Ex | The Fall | Augmentationen | Medikament | Verschwörung

Ein Fall der ganz speziellen Sorte.

Inhalt: Ben Saxon ist ein Söldner, wie er im Buche steht – zumindest in der nahen Zukunft. Schließlich ist der ohnehin schon äußerst fähige und zielstrebige Mann stark augmentiert – eine ganze Reihe von Biomodifikationen schmücken seinen Körper. Mit Hilfe derer kann er etwa ungesehen durch allerlei Gegnerhorden schleichen, sich problemlos in geschützte Terminals hacken oder seine Waffenfertigkeiten verbessern. Derart ausgestattet scheint er der perfekte Ansprechpartner zu sein, besonders wenn es um heikle und nicht immer offizielle Missionen dubioser Auftraggeber geht. Eines Tages jedoch gerät er in eine schier auswegslose Situation, in der er den Rest seines Teams verliert – und schwört daraufhin Rache an den Auftraggebern zu nehmen, die offenbar sogar von den geringen Erfolgsaussichten der Mission wussten. Bald darauf wird er von Jaron Namir angeheuert, der seines Zeichens Anführer einer Elite-Truppe namens The Tyrants ist. Jaron verspricht Ben, nun endlich seine Rache einfordern zu können – und nennt ihm eine entsprechende Zielperson. Doch Ben erkennt schnell, dass Namir etwas zu verbergen hat… und gerät in eine Verschwörung die nicht nur ihn selbst, sondern auch die Tyrants und allerlei Großkonzerne betrifft.

deus-ex-the-fall_00

Manche Titel für den PC stehen bereits ab dem ersten Tag ihrer Produktion unter keinem guten Stern – was mehrere Gründe haben kann. Gerade bei Sequels zu einem speziellen Franchise dürfte hier auch die Tatsache, dass es im besten Fall bereits entsprechend hochkarätige Vorgänger gibt – und man eigentlich keinen weiteren Nachfolger braucht – eine Rolle spielen. Wenn dann auch noch der Fakt hinzukommt, dass ein solches Sequel eigentlich keines ist; sondern eine scheinbar aus der Luft gegriffene, nachträgliche Tablet-Portierung – dann könnte man von einem vermutlichen Totalausfall, oder eben auch DEUS EX – THE FALL sprechen. Und tatsächlich hat es das Spiel weder als alleinstehender Titel leicht, noch als Nachfolger des soliden dritten Teils der DEUS EX-Reihe, HUMAN REVOLUTION (von 2011, Review).

Dabei ist die Tatsache, dass es sich um eine Tablet-Portierung handelt, nicht einmal die gravierendste. Denn hätte man einen entsprechenden Aufwand investiert und das Spiel auch tatsächlich auf den PC zugeschnitten, sähe die Sache vielleicht ganz anders aus. Die Grundvoraussetzungen waren schließlich gegeben, denn auch in THE FALL schickt man sich an, eine möglichst intensive, düster-dystopische Atmosphäre zu etablieren – inklusive einer packenden Story, spannenden Charakteren und zahlreichen Verschwörungstheorien. Dass das Ergebnis im vorliegenden Fall aber nicht wirklich zufriedenstellend wirkt, liegt schlichtweg an der mehr als bescheidenen Mechanik des Spiels – und an dem Gefühl, dass man nach wie vor glaubt ein Tablet zu bedienen. So haben die Verantwortlichen eigentlich nur eines richtig gemacht: sie haben das inhaltlich Beste aus den durch das Franchise gegebenen Möglichkeiten gemacht – auch wenn das Geschehen insgesamt weitaus weniger zusammenhängend, packend und spannend inszeniert wird als die vielschichtigen Inhalte der drei Vorgänger. Mit allem, das man nicht unter dem Oberbegriff dieses thematisch-inhaltlichen Konstruktes zusammenfassen kann, versagt man dagegen völlig.

Es beginnt bereits mit der Tatsache, dass sich das Spiel nur äußerst krampfhaft bedienen lässt – was nicht nur auf die mal äußerst hakelige, mal ärgerlich schwammige Steuerung zurückzuführen ist. Auch die gesamte Menüführung erweist sich als recht unübersichtlich und fummelig – und manchmal sogar fehlerhaft, wenn die Maus auf etwaige Befehle gar nicht erst reagiert. Spätestens aber wenn es zum aus INVISIBLE WAR übernommenem Deckungs-System oder etwaigen Ballereien kommt, ist der Frust buchstäblich vorprogrammiert. Ob man nun aus Versehen aus der Deckung direkt vor den Gegner springt, die Gegner trotz eifriger Bemühungen nur schwerlich anvisieren und treffen kann – oder ob man einfach nur zusieht, wie sie mitten in einem Raum verharren oder sich nur mit der Hälfte ihres Körpers hinter einer Deckung verschanzen; all das trägt nicht unbedingt zur Atmosphäre des Spiels bei. Hinzu kommt, dass man sich ausgerechnet bei den Waffen zusätzliche Fehlentscheidungen erlaubte: schießt man, macht die Kamera einen schnellen Sprung vor und zurück; was wohl eine Art Rückstoß darstellen soll – im Endeffekt aber nur nervt und zu leichten Schwindelgefühlen führen kann. Auch die Tatsache, dass sich so gut wie alle Waffen in etwa gleich anfühlen und keinerlei Treffer-Feedback geben, spricht nicht unbedingt für eine hohen investierten Aufwand.

Aber auch die wenigen neuen Ideen wirken wenig überzeugend und stellen sich vielmehr als echte Atmosphäre-Killer heraus. Während das kleine Hacking-Minispiel noch gut funktioniert (auch, da es fast eins zu eins aus INVISIBLE WAR übernommen wurde) gibt es vor allem ein exklusives Spiel-Feature welches von vornherein zum Scheitern verurteilt war – und das schimpft sich Shopsystem. Dieses erlaubt es dem Spieler, jederzeit in eine Art Einkaufsmenü zu wechseln und sich etwaige Gegenstände direkt in das Inventar teleportieren zu lassen. Das mag zwar praktisch erscheinen, gerade wenn man mal wieder vor einer verschlossenen Tür steht oder einem die Munition ausgeht – doch wirklich geistreich wirkt es nicht, sich mitten in einem Gefecht Munitionsnachschub holen zu können. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass man das dafür benötigte Geld überall in den Levels findet, selbst an den unmöglichsten Orten – und sich selbst direkt bestohlene NPC’s nicht über den Diebstahl aufregen. Wie auch, sind sie im allgemeinen recht leb- und regungslos. Ob man nun in einem Nachtclub einige Gäste zusammenschlägt oder mit ihnen sprechen will, Teilnahmslosigkeit ist alles was sie dem Spieler entgegenbringen. Somit verkommen auch die (spärlichen) Nebenquests zu einer Farce: eigentlich interessiert es kaum, was genau man hier macht und wie das Ganze ausgehen würde. Die nur äußerst sporadischen Dialog-Optionen, die meilenweit hinter den Möglichkeiten der Vorgänger zurückbleiben; unterstützen diesen Eindruck noch.

Letztendlich bleiben dem Spiel nur noch seine inhaltlichen Kompetenzen – sobald man auch nur einen Schritt von diesen weggeht und sich der Präsentation nähert, muss man schon wieder das ein oder andere Auge zudrücken. Und das sogar, wenn es um etwas vergleichsweise banales wie den Akzent oder den Kleidungsstil des Hauptprotagonisten geht. Die Grafik ist indes ein zweischneidiges Schwert: manche Szenenbilder sehen noch recht ansprechend aus, die hauptsächlich durch Licht und Reklame auf belebt getrimmten Stadtabschnitte können sich noch sehen lassen. Ganz im Gegensatz zu den Charakterdesigns, die hoffnungslos altbacken wirken und derart detailarm ausfallen, dass man meint man müsste ein etwa 15 Jahre altes Spiel spielen – und keinen Titel aus dem Jahre 2014. Immerhin ist den Machern der Soundtrack gelungen, der alleinstehend für mehr Atmosphäre sorgt als alle anderen Elemente des Spiels zusammen.

Die letzte große Frechheit des Spiels liegt indes darin begründet dass es; gerade wenn man sich eingelebt und an die vielen Schwächen gewöhnt hat – auch schon wieder vorüber ist. In der Tat ist THE FALL verdammt kurz – grundsätzlich besteht das Spiel aus nur einem Level, das in mehrere Abschnitte unterteilt ist. Problematisch erscheint dass man selbst hier noch das ein ums andere Mal hin- und hergeschickt wird, dieselben Wege mehrmals gehen wird – inklusive der beim Levelübergang anberaumten Ladezeiten. Wenn man dann noch feststellen muss dass der ein oder andere Raum – den man zuvor schon geplündert hat – durch eine neue Nebenquest plötzlich wieder im Ursprungszustand vorzufinden ist; kann man eigentlich nur noch die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Die folgende Übersichtstabelle soll einen weiteren Aufschluss über die positiven und negativen Aspekte von DEUS EX – THE FALL geben:

Handlung und Präsentation
  • Ansprechendes, düster-dystopisches Zukunftssetting
  • Spannende Hintergrundgeschichte mit Hang zu groß angelegten Verschwörungen
  • Optionale Story-Elemente in Form von lesbaren PDA’s, E-Mails et cetera
  • Interessant gestalteter Auftakt
  • Markanter, nahbarer Hauptcharakter
  • Als Franchise-Neuling steht man eher auf dem Schlauch
  • Gruppe der Tyrants bekommt zu wenig Aufmerksamkeit
  • Abruptes, freches Ende

7.0/10

Grafik und Design
  • Futuristisch anmutende, hochtechnisierte Welt
  • Stimmige Licht-Atmosphäre
  • Solide gestaltete Hauptgebäude (Nachtclub, Hotel)
  • Eher altbackende, detailarme Texturen
  • NPC-Design wiederholt sich
  • Peinliche Charakterdesigns (Gesichter)
  • Miese Effekte (Waffen, Feuer)
  • Viel zu kleine, beengt wirkende Levels mit unsichtbaren Grenzen
  • Wenig ansprechendes Leveldesign inklusive aufgesetzter Lüftungsschächte

4.0/10

Sound
  • Guter Soundtrack
  • Gut vertonte Figuren
  • Halbwegs lebendige Umgebungsgeräusche
  • Gewöhnungsbedürftige Sprecher
  • Maue Effekt-Sounds

8.0/10

Spielwelt, Umfang und Atmosphäre
  • Generell verschiedene Lösungswege (Schleichen, Ballern oder Kommunizieren) um ans Ziel zu kommen
  • Markante Deus-Ex-Elemente wie Biomodifikationen
  • Letztendlich nur vorgetäuschte Entscheidungsfreiheit
  • Karge Dialogoptionen ohne deutliche Auswirkungen
  • Kein Moralsystem, wie man vorgeht ist letztendlich egal
  • Biomodifikationen wirken sich nur marginal auf das Spielgefühl aus
  • Durch fehlende Lebendigkeit und Interaktionsmöglichkeiten eher desolates Spielgefühl
  • Erschreckend kurze Kampagne
  • Aufgesetzte Nebenquests
  • Allgemein wenig zu entdecken und zu sammeln
  • Kein ansprechendes Waffengefühl
  • Hakelige Ballereien
  • Mieses Deckungssystem
  • Miese KI von Gegnern, aber auch neutralen NPC’s
  • Größtenteils seelenlose NPC’s

1.5/10

Bedienung, Balance, Bugs
  • Freies Speichern möglich
  • Höherer Schwierigkeitsgrad als Belohnung für einmaliges Durchspielen
  • Gewöhnungsbedürftige, unübersichtliche und umständliche Menüs
  • Zu Beginn nur ein Schwierigkeitsgrad wählbar
  • Kein Springen möglich
  • Ingame-Kaufsystem ist unübersichtlich und ein Atmosphäre-Killer
  • Keine frei belegbaren Tasten
  • Maussteuerung wirkt willkürlich und schwammig
  • Clipping-Fehler möglich

2.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 6

Fazit: DEUS EX – THE FALL ist ein gutes Beispiel dafür, wie tief man mit einem grundsätzlich vielversprechenden Franchise sinken kann. Der größte Fehler des Spiels ist dabei nicht unbedingt die Tatsache, dass es sich um eine Tablet-Portierung handelt – sondern eher, dass man sich kaum Mühe gegeben hat das Ganze auch sinnig an den PC anzupassen. Da hätte man es lieber gleich lassen und an einem wahrhaftigen Nachfolger arbeiten sollen. Da die DEUS EX-Reihe drei entsprechend hochkarätige Vorgänger anzubieten hat, bugsiert sich THE FALL erst Recht ins Abseits – und wird weder Fans der Reihe, noch interessierte Franchise-Neulinge ansprechen können. In Anbetracht der miesen Spielmechanik und des kurzen Umfangs sollte man sich tunlichst überlegen, was einem ein Spiel wie dieses überhaupt wert wäre – alle Preise über einem Limit von vielleicht 5 Euro erscheinen hier mehr als unangebracht. Doch selbst wenn es das Spiel kostenlos gäbe, änderte dies nichts an der angebotenen Qualität und der relativen Dreistigkeit, die mit einer entsprechenden Wertung belohnt wird.


45button

„Was für ein Reinfall – das DEUS EX-Franchise hat hier unnötig zu leiden.“

Über Kommentare Freut Sich Jeder.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.