Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: SALAMANDRA – Faces Of Chimera (2007)

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Alben-Titel: Faces Of Chimera
Künstler / Band: Salamandra (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 9. November 2007
Land: Tschechien
Stil / Genre: Power Metal
Label: Leviathan Records

Alben-Lineup:

Jaroslav „Pišta“ Sedláček – Bass
Dan „Baalberith“ Jureček – Drums
Pavel Slíva – Guitars
Hanka Šlachtová – Keyboards, Vocals
Karel Řepecký – Guitars
Ivan Borovský – Vocals

Track-Liste:

1. The Tears of the Ocean (00:57)
2. Orion (04:56)
3. Dreams of the Fair (05:02)
4. Legacy of the Heroes (05:27)
5. Eternal Injustice (04:51)
6. Heart Full of Snow (05:58)
7. Chimera (05:22)
8. Conquest of Paradise (04:24)
9. Atlantis (06:13)
10. Requiem (04:15)
11. Fading Desires (04:07)
12. War of Evils (04:30)
13. The Last of All (04:38)

Ein Tritt in legendäre Fußstapfen.

Bis in das Jahr 2007 hinein hatte die Geschichte der tschechischen Power Metal-Formation SALAMANDRA durchaus einiges an Form angenommen. Nach dem überraschenden Debütalbum TWILIGHT OF LEGENDS (Review), dem schier überragenden SKARREMAR (Review) und dem noch immer sehr guten GREAT MORAVIAN ELEGIES (Review) folgte mit FACES OF CHIMERA dann auch schon das vierte offizielle Studioalbum der Band. Eines, das bereits in den ersten Hör-Momenten etwas anders klingt als die Vorgänger – was in diesem Fall aber nicht unbedingt daran liegt dass sich die Band weiterentwickelt oder neu ausprobiert hat. Im Gegenteil, der typische SALAMANDRA-Sound kommt auch auf dem vorliegenden Werk recht gut zum Tragen, und führt dazu dass man die Band sofort wiedererkennt – nur eben nicht in Bezug auf ein kleines Detail. Und das schimpft sich in diesem Fall Leadgesangsposten.

In der Tat sollte es nun erstmals nicht mehr Dalibor „Panther“ Halamíček sein, der das Projekt mit seiner markanten Stimme veredeln sollte – sondern Ivan Borovský. Der hatte zuvor schon in einer Band namens MORAVSKY ANDEL mitgewirkt, ist also nicht gänzlich unvorbelastet und bringt eines an Erfahrung mit – doch kann er seinem Vorgänger nicht in allen Belangen das Wasser reichen. Das wird hier besonders gut deutlich, da er auf auffallend ähnliche Stilmittel zurückgreift und seine Stimme ähnlich flexibel darzustellen versucht – dabei aber nicht das zuvor vorgelegte Niveau erreichen kann. Zwar bekommt man nach wie vor eine nette Bandbreite aus eher tiefen, rauen Gesangspassagen und Ausflügen in höhere Bereiche serviert – doch bereits die Tatsache, dass die wahnwitzigen (und stets stilsicheren) Screams von einst der Vergangenheit angehören, zeigt auf dass FACES OF CHIMERA ein wichtiger Faktor abhanden gekommen ist. Vielleicht wäre es ganz anders gekommen, hätte man einen ganz anderen Leadsänger verpflichtet – eben einen, der sich auch explizit vom Vorgänger unterscheidet; und nicht einen der ähnlich klingt aber das nötige Tüpfelchen auf dem Gesangs-i vermissen lässt.

Aber auch in den Instrumentalstrukturen gibt es dezente Änderungen. Das Schlagzeug, der Bass und die Gitarren als Grundzutaten agieren nach wie vor schön schmackig und druckvoll, zumindest einzeln betrachtet – im Mix geht das Konzept schon nicht mehr ganz so gut auf wie zuvor. Zusätzlich zu jenem leicht verwaschenen Soundeindruck gesellen sich zwei weitere potentielles Mankos hinzu: das Ausbleiben von starken Refrains und die Qualität und Abmischung der Chöre. Bereits der Opener ORION stellt diese neuen Schwachpunkte deutlich zur Schau – je weiter der Titel voranschreitet, desto diffuser und wenig effektiver gerät die Gesamtwirkung. Auch die einstweilen etwas zu gewollt klingenden Keyboard-Elemente erinnern nur noch an die früheren Glanzleistungen der Band – hier aber wurden sie etwas zu dick aufgetragen. Andere Titel wie beispielsweise LEGACY OF THE HEROES haben dagegen ganz andere Probleme – sie wollen offenbar epischer klingen als sie sind; und fallen auch durch die eher plump klingenden weiblichen Gesangseinschübe negativ auf. Das konnten SALAMANDRA doch schon viel, viel  besser – und sei es in den einst verwendeten, für reichlich  Atmosphäre sorgenden Interludien der früheren Alben. Diese wurden dieses Mal komplett gestrichen, beziehungsweise deren Inhalt in die eigentlichen Titel übernommen – ein Fehler, wie sich zeigt.

Auch die im weiteren Verlauf eingebrachten neuen Elemente, wie etwa eine deutlich aggressivere Herangehensweise des Leadsängers (beispielsweise in HEART OF SNOW) können nicht mehr viel reißen. Eher lassen sie das Album noch, man nenne es verzweifelter klingen – SALAMANDRA wollten hier definitiv etwas großes auf die Beine stellen, aber irgendwie hat es dieses Mal – und damit erstmals – nicht so ganz geklappt. Nur einige wenige Momente erinnern noch an die alten Glanzzeiten, wie etwa der Titeltrack CHIMERA – der neben einem kultverdächtigen Refrain auch gleich mit ungleich besseren Soli-Parts daherkommt. Warum nicht gleich so ? Doch davon abgesehen bietet FACES OF CHIMERA vor allem eines – leicht gehobene Power Metal-Kost der noch immer dezent erfrischenden, im Endeffekt aber mehr als unspektakulären Sorte. Man sieht, gute Einzelzutaten allein machen noch kein gutes Album.

FACES OF CHIMERA ist damit alles – nur nicht das Meisterstück der tschechischen Power Metaller von SALAMANDRA. Das vierte Studioalbum der Band schafft es kaum noch, an die durchweg glanzvollen Eindrücke der Vorgänger anzuknüpfen – was mehrere Gründe hat. Nicht alle davon werden sofort offenbar, die Tatsache dass der Leadgesangsposten neu (und vielleicht nicht ganz günstig) besetzt wurde bildet hier die wohl auffälligste Ausnahme. Alle weiteren Faktoren setzten sich aus mehren kleinen Einzelstücken zusammen; wie etwa der dieses Mal nicht ganz so günstigen Abmischung, den hier eher störenden als aufwertenden Elementen seitens der Chor- und Keyboardwarte, sowie dem Eindruck dass die Nummern einfach nicht mehr ganz so gut geschrieben wurden. Sicher, sie mögen etwas komplexer und auch abwechslungsreicher geworden sein – aber alles andere als effektiver. Das Stichwort Belanglosigkeit mag es in diesem Fall ganz gut treffen – auch wenn das reichlich schade ist, gerade in Anbetracht der doch sehr guten und teilweise sogar legendären Vorgänger.

Absolute Anspieltipps: DREAMS OF THE FAIR, ETERNAL INJUSTICE, CHIMERA, WAR OF EVILS


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„Kein schlechtes Power Metal-Album – aber eines, das dezent hinter den Eindrücken der Vorgänger zurückbleibt.“

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