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PC-Spieletest / Game-Review: MAX PAYNE (2001)

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Originaltitel: Max Payne
Veröffentlichungsdatum: 25. Juli 2001
Entwickler: Remedy Entertainment
Publisher: Take 2 Interactive
USK: Ab 18
Genre: Action / Third-Person-Shooter
Tags: Max Payne | Bullet-Time | Valkyr | Mona Sax | Alfred Wooden

Ein einzelner Schicksalsschlag kann alles verändern.

Inhalt: Als Cop in den Straßen New York’s müsste jemand wie Max Payne eigentlich auf alles vorbereitet sein. Doch gegenüber dem, was ihm eines Tages widerfährt; kann sich wohl niemand wappnen. Als Max eines Abends etwas länger auf der Dienststelle bleibt um mit einem Kollegen zu reden, wird seine Familie daheim überfallen. Die Täter sind eine handvoll offensichtlich drogenabhängiger, die nicht nur seine Frau umbringen – sondern auch seine neugeborene Tochter. Max ist daraufhin hin- und hergerissen zwischen einer selbstzerstörerischen Verzweiflung und einem unstillbaren Drang nach Rache – aber an wem soll er sich rächen, wenn die ausführenden Täter bereits zur Strecke gebracht wurden ? Doch wie sich herausstellt, scheint hinter dem Ganzen doch mehr zu stecken als eine Zufallstat im Vollrausch. Max kommt einer immer größeren Verschwörung auf die Spur, und steht dabei nicht selten zwischen allen erdenklichen Fronten.

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Es war einmal im Jahre 2001… als ein Spiel für weltweite Furore sorgte. Berechtigterweise, wie es sich in den folgenden Jahren immer wieder zeigte, denn: die in MAX PAYNE erstmals eingeführte, revolutionäre BULLET-TIME sollte noch lange ein Gesprächsthema bleiben. Und selbstverständlich auch weiterhin in der Spielewelt Anwendung finden, wenn auch in leicht abgewandelter Form.

Dass das Spiel der verantwortlichen Entwickler von REMEDY ENTERTAINMENT aber noch weit mehr zu bieten hat als sich gänzlich frisch anfühlende – und nebenbei bemerkt auch außerordentlich effektvolle – Ballereien, macht die Sache erst richtig interessant. Schließlich kann MAX PAYNE auch mit einer vergleichsweise dichten Atmosphäre und einer ebenso emotionalen wie spannungsgeladenen Storyline glänzen. Der Clou: obwohl die Grundpfeiler jener Story verhältnismäßig simpel ausfallen und schnell erzählt sind, entfaltet das Spiel schnell eine ureigene, den Spieler sofort fesselnde Atmosphäre. Eine Atmosphäre, die letztendlich zum Schneiden dicht ist und sich dabei nicht von ungefähr an einer hier erstmals in einem Computerspiel auftretenden Ästhetik bedient: dem einigen sicher bekannten Genre des Film Noir. Insbesondere die zahlreichen Zwischensequenzen in ihrem dunklen Comic-Stil und der tief-bassigen, markanten Erzählstimme des Hauptprotagonisten stellen sich als wahre inszenatorische Glanzleistung heraus – sodass man als Spieler alles andere als geneigt ist, diese zu überspringen.

Das schöne ist jedoch, das sich die Intensität respektive erzählerische Wucht von MAX PAYNE auch im eigentlichen Spielverlauf niederschlägt – und so jeden einzelnen Level-Abschnitt zu einem kleinen Erlebnis werden lässt. Das beste Beispiel dafür sind bestimmte Objekte, mit denen man in der Spielwelt interagieren kann – kann, aber nicht muss. Stößt Max auf etwas interessantes, werden abermals kurze Zwischensequenzen eingestreut – die weitere Informationen enthüllen oder zur Charakterentwicklung beitragen. Und die ist, wie bereits erwähnt; ohnehin beeindruckend: man kommt kaum umher, sich nicht in die Rolle des tragischen Helden hineinzuversetzen und entsprechend mitzufiebern. Die häppchenweise portionierte Story um eine Familientragödie, Mord, Macht und noch viel mehr; respektive das langsame Vorarbeiten des Spielers hin zu einer immer greifbarer erscheinenden ‚Wahrheit‘ unterstützen diesen Eindruck – man will immer mehr wissen um endlich alle Puzzleteile zu einem sinnigen Ganzen zusammenfügen zu können. Für sich, dass heißt als Spieler – aber auch für MAX PAYNE, dem man wohl nichts sehnlicher wünscht als irgendwann doch noch einmal eine Form des Seelenheils für sich zu finden.

Dass sich inmitten dieser beeindruckenden Atmosphäre auch noch ein herausragender Third-Person-Shooter inszeniert, macht die Sache schier perfekt. So geschmeidig wie in MAX PAYNE kann man sonst nirgendwo ballern – wobei das der falsche Ausdruck ist. Denn: die Action-Einlagen in MAX PAYNE bewegen sich eigentlich so weit von gewöhnlicher Shooter-Kost wie nur irgend möglich. Dass sie bei allem Abzielen auf die spezielle Ästhetik dennoch einen Heidenspaß machen, liegt schlicht am vielseitigen Können der Macher. Denn die haben auch hier alles richtig gemacht: anstatt auf einen erhöhten Gewaltgrad zu setzen, werden andere Aspekte der Shooter-Einlagen stilistisch hervorgehoben. Das großes Waffenarsenal etwa sorgt schon für einen größtmöglichen Abwechslungsreichtum, und: die Gegner-KI ist bis auf wenige Ausnahmen super-solide. Das man in diesem Fall schnell in einen gewissen Spielfluss kommt und nur allzu gerne von einer Ballerei in die nächste stürmt, liegt aber noch an etwas anderem: dem Leveldesign. Tatsächlich handelt es sich hier um eine der größten, wenn auch nicht immer genannten Stärken des Spiels.

Sei es die große optische und sich auch spielerisch auswirkende Vielfalt, der vermittelte Eindruck einer halbwegs weitläufigen Bewegungsfreiheit oder die mit der Story konform-gehende Entwicklung von regelrechten Hinterhof-Levels in immer größere, mechanische oder hochtechnisierte Abschnitte – MAX PAYNE setzt stets auf eine spielerisch anspruchsvolle, liebevoll gestaltete und nachhaltig wirkende Spielwelt. So werden die einzelnen Levelabschnitte entsprechend ihrer Unterteilung in verschiedene Kapitel definitiv im Gedächtnis bleiben – selbst wenn es nicht immer allerhand zu sehen gibt, die allein durch die verschiedenen Handlungsorte gezeichnete Atmosphäre erledigt alles übrige.

Kurios: bei aller Ernsthaftigkeit haben es sich die Macher nicht nehmen lassen, doch noch das eine ums andere Mal gewisse Witzeleien in das Spiel einzubauen. Diese bekommt man allerdings nur dann zu sehen oder zu hören, wenn man entsprechend behutsam vorgeht: mal entdeckt man sie in den durch verschiedene Objekte ausgelösten kurzen Zwischensequenzen, noch häufiger aber beim Belauschen der Gegner-NPC’s. So könnte es sich durchaus lohnen, erst einmal hinter einer Mauer zu verharren anstatt gleich in bester Bullet-Time-Manier in den nächsten Raum zu stürmen respektive effektvoll zu fliegen.

Bleibt eigentlich nur ein potentielles Manko: die mittlerweile natürlich einigen Alterserscheinungen ausgesetzte Grafik-Engine. Doch MAX PAYNE schlägt sich auch hier überraschend wacker, wofür nicht zuletzt die relativ zeitlose Inszenierung als Film Noir-Erlebnis verantwortlich ist. Aber selbst wenn man all jene stilistischen Elemente einmal gedanklich abzieht, bleibt noch immer ein verdächtig gut aussehender Shooter zurück. Die Texturen sind scharf, überall finden sich kleine Details, die Waffen- und Feuereffekte sind grandios. Nach wie vor beeindruckend ist die gute Physik des Spiels, die sich vor allem bei explodierenden Fässern oder umgeschubsten Gegenständen bemerkbar macht. Da lässt sich auch so manch ‚aufgeklebt‘ wirkendes Gesicht der Spielfiguren verkraften – hier handelt es sich um das mitunter einzige leicht störende grafische Element.

Einen weiteren Überblick über alle potentiellen Positiv- und Negativaspekte des Spiels soll folgende Aufstellung geben:

Inhalt / Story
  • Emotional geladenes, tiefgreifendes Charakter- bzw. Familienporträt
  • Spektakuläre, weitreichende Hauptstory im Film-Noir-Gewand
  • Überraschende Entwicklungen und gut portionierte Enthüllungen
  • Expliziter Fokus auf den Hauptcharakter
  • Stimmige Selbstreflexionen
  • Markante Nebenfiguren
  • Nachhaltige Wirkung (erzählerisch und emotional)

10/10

Grafik / Design
  • Hübsche, stimmige Texturen
  • Viele kleine Details
  • Tolle Waffen-, Explosions- und Feuereffekte
  • Besondere Ästhetik durch Bullet-Time
  • Abwechslungsreiches, aufwendiges Leveldesign
  • Wettereffekte
  • Schaurig-schön gestaltete Traumsequenzen
  • Sehr karge Aussenareale (z.B. Straßenzüge)
  • Teilweise doch eher leblos wirkende Innenareale (z.B. Hotels)
  • Recht starres Charakterdesign (Gesichter, Mimik)

7.5/10

Sound
  • Kultverdächtiger MAX PAYNE-Sprecher
  • Tolle Waffen- und Effektsounds
  • Atmosphärischer Soundtrack
  • Stimmige Titelmelodie

10/10

Spielwelt, Umfang, Atmosphäre
  • Legendäre Bullet-Time (sieht hübsch aus und spielt sich gut)
  • Abwechslungsreiches Leveldesign
  • Level wirken groß, auch wenn sie es nicht wirklich sind
  • Langsames Vorarbeiten hin zu einer großen Wahrheit
  • Spiel ist schön fordernd
  • Großes Waffenarsenal
  • Fokus auf Seelenwelt des Hauptprotagonisten (surreale Traumabschnitte)
  • Einige Passagen sind nicht so intensiv wie andere

9.0/10

Bedienung, Komfort, Bugs
  • Kurze Eingewöhnungszeit, intuitive Bedienung
  • Freies Speichern jederzeit möglich
  • Frei belegbare Tasten
  • Komfortables, zweigeteiltes Menü (Vorab und Ingame)
  • Größtenteils überspringbare Zwischensequenzen
  • Höhere Schwierigkeitsgrade erst nach einmaligen Durchspielen freischaltbar
  • Einige Zwischensequenzen (in Spielgrafik) lassen sich nicht überspringen
  • Kein Quicksave-Button

9.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 20

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Fazit: Mit MAX PAYNE haben die verantwortlichen Entwickler von REMEDY ENTERTAINMENT ein wahres Meisterstück abgeliefert. Bis auf ein paar minimale Schwächen (wie etwa vereinzelte Aussetzer der KI) gibt es nichts am Spiel zu mäkeln. Selbst die Alterserscheinungen der Engine sind relativ belanglos, betrachtet man das Spiel als was es ist – als zeitloses und äußerst kunstvoll inszeniertes Meisterwerk der Spielgeschichte. MAX PAYNE ist ganz großes – das heißt sowohl inhaltliches als auch spielerisches – Kino für den heimischen Computerbildschirm.


„Ein nicht ohne Grund legendäres Spiel, dass sich problemlos mehrmals – und auch nach Jahren – noch spielen lässt.“

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