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PC-Spieletest / Game-Review: JEDI KNIGHT 3 – Jedi Academy (2003)

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Originaltitel: Star Wars Jedi Knight: Jedi Academy
Veröffentlichungsdatum: 18. September 2003
Entwickler: Raven Software
Publisher: Activision
USK: Ab 16
Genre: Action / Ego-Shooter
Tags: Jedi | Jedis | Star Wars | Jedi-Ritter | Lichtschwert | Schüler | Akademie

Auf, auf zur Akademie der Jedi.

Inhalt: Eigentlich sieht es recht gut aus für die handvoll neuer Jedi-Rekruten, die sich auf den Weg zur Akademie der Jedi gemacht haben um das außergewöhnliche Trainingsprogramm der erfahrenen Meister zu durchlaufen. Doch kurz vor dem Ziel wird ihr Shuttle beinahe abgeschossen – sodass es notlanden muss und die Schüler ihre erste vollkommen ungeplante Trainingseinheit durchlaufen. Mit von der Partie ist der junge Jaden Korr, der im weiteren Verlauf das besondere Glück hat von niemand geringerem als Kyle Katarn unter die Fittiche genommen zu werden. Als Neuling an der Akademie muss er sich das Vertrauen der Meister jedoch erst verdienen – und sich neben dem regulären Training auch auf einigen kleineren Missionen beweisen. Damit hat Jaden offenbar kein Problem – doch mindestens zwei Dinge könnten ihm gefährlich werden. Zum einen scheint eine dunkle Jedi-Meisterin namens Tavion erneut erstarkt und bereits einen weiteren perfiden Plan zu verfolgen; und zum anderen lauern überall die Versuchungen der dunklen Seite der Macht. Wie wird Jaden sich entscheiden ?

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Bereits ein gutes Jahr nach dem überraschend-überragenden JEDI KNIGHT 2 (Review) legt man bei Lucas Arts respektive Activision nach – und präsentiert der Gaming-Gemeinde einen weiteren PC-Titel zum beliebten STAR WARS-Franchise. JEDI KNIGHT 3 – JEDI ACADEMY schickt sich dabei nicht nur an, die markanten Vorteile des Vorgängers zu übernehmen – sondern diese noch einmal um ein gehöriges Maß zu übertreffen. Und die Chancen dafür stehen gar nicht mal schlecht, wirkt das bereits mit dem Titel angedeutete, neue Spielprinzip sinnig und durchdacht. Denn anstatt die zwar stimmige, aber doch etwas überraschungsarme Storyline aus JEDI KNIGHT 2 neu aufzuwärmen setzt man dieses Mal auf eine eher bodenständige Erzählart. Der Clou: der Spieler beginnt in JEDI KNIGHT 3 als absoluter Jedi-Neuling und im Gegensatz zur ehemaligen Spielfigur Kyle Katarn ohne eine dementsprechende Vorgeschichte. So setzt auch der neueste JEDI KNIGHT-Ableger auf eine möglichst stimmige Inszenierung des Spielbeginns – jenem Zeitpunkt, zu dem der Spieler noch wenig über eine sich potentiell anbahnende Hintergrundgeschichte und insbesondere die Kräfte der Macht und die Handhabung des Lichtschwertes weiß. Zwar war dies auch in JEDI KNIGHT 2 und im Falle von Kyle Katarn sehr gut und glaubwürdig gelöst, doch dass man dieses Mal noch unvermittelter in die Rolle des Hauptcharakters schlüpfen kann – einfach da er ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt ist – macht die Sache mindestens ebenso spannend.

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Doch nicht nur der neue Spielansatz wirkt erfrischend – auch die zahlreichen Neuerungen und Erweiterungen im Vergleich zum Vorgänger. So werden besonders Freunde des guten alten Lichtsäbels voll auf ihre Kosten kommen. Bereits vor dem eigentlichen Spielbeginn kann man kleine Anpassungen vornehmen, wie etwa die Gestaltung des Griffs oder die Farbe des Lichts – während die wahren Highlights noch etwas auf sich warten lassen. Im späteren Spielverlauf wird man schließlich dazu angehalten, sich nochmals zu entscheiden – entweder für die weitere Nutzung der typischen Einzelklinge, das neue Doppelschwert oder aber gleich die Vollausstattung in Form von zwei Lichtschwertern; auf Wunsch in unterschiedlichen Farben. Das sieht vor allem toll aus – spielt sich aber auch interessant, da einige neue Moves hinzukommen und die Kämpfe so noch ein stückweit spektakulärer ausfallen können. Auch bei den Kräften der Macht hat sich etwas getan, wenn auch nur auf einer eher kosmetischen Ebene: JEDI KNIGHT 3 sieht erstmals eine Unterteilung in helle und dunkle Kräfte der Macht vor. An den Kräften selbst ändert sich zwar nichts – doch trägt es enorm zur Atmosphäre bei, wenn man von seinen Mentoren entweder gelobt (bei der Nutzung der augenscheinlich ‚richtigen‘ Kräfte) oder aber stilecht – dass heißt vor der dunklen Seite der Macht – gewarnt wird. Auf die Spitze getrieben wird das Konzept, wenn man im Spiel einen Punkt erreicht an dem es gilt sich für eine der beiden Seite zu entscheiden – was dazu führt, dass JEDI KNIGHT 3 zwei mögliche Enden (und damit auch zwei unterschiedliche Endkämpfe) bereithält. Glücklicherweise kann man auf dem Weg dorthin aber frei schalten und walten, denn die exzessive Nutzung von dunklen Kräften im frühen Spielverlauf verhindert nicht, dass man sich später nicht dennoch für das gute entscheiden kann.

Etwas wehmütig stimmt da nur, dass man nun noch weniger auf die konventionellen Waffen setzen wird – und das noch teils aufkommende Shooter-Gefühl aus JEDI KNIGHT 2 langsam aber sicher verschwindet. JEDI KNIGHT 3 spielt sich gefühlt deutlich Arcade-lastiger; d.h. der Einstieg fällt leichter und geht schneller von statten, der Spielfluss ist temporeicher, die Atmosphäre nicht mehr ganz so dicht. All das kann indes kaum verhindern, dass auch JEDI KNIGHT 3 einen Heidenspaß macht – und vor allem ein auf die spezielle STAR WARS-Ästhetik abzielendes Spiel ist, das gut aussieht und stets weiß, sich geschickt in Szene zu setzen.

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Bewertet man also die bisherigen Faktoren, müsste man von einem grundsoliden Nachfolger ausgehen – der eine ähnliche hohe Wertung erhalten sollte wie der Vorgänger. Wäre, ja wäre da nicht ein Aspekt der das Spielerleben von JEDI KNIGHT 3 in einem leichten bis mitunter mittelschweren Maße trüben würde. Die Überraschung: während die inhaltliche Gewichtung, die eigentliche Spielmechanik und viele andere handwerkliche Aspekte weiterhin brillieren; zeigt man dieses Mal deutliche Schwächen hinsichtlich des Leveldesigns. Was genau geschehen ist, äußert sich vor allem in Bezug auf die teils erheblich schwächelnde Atmosphäre – doch lässt es sich auch recht gut in Worte fassen. Ein Problem ist, dass sich die Verantwortlichen dieses Mal wegbewegten vom teils schlauchigen, teils klinisch anmutenden aber eben doch für STAR WARS typischen Leveldesign – und stattdessen auf eine möglichst große Vielfalt setzten. Die Folge sind mitunter stark unübersichtliche, stellenweise überhaupt nicht mehr an die STAR WARS-Welt erinnernde Levelpassagen, die schnell Frust aufkommen lassen könnten. Aber auch die Anzahl der Außenpassagen wurde erheblich erhöht – mit einem größtenteils enttäuschenden Ergebnis. Besonders auffällig wird das, wenn versucht wird einzelne Areale besonders weitläufig erscheinen zu lassen – was mit der mittlerweile in die Jahre gekommen Engine aber kaum möglich ist. Die Levelgrenzen bleiben so stets offensichtlich, und was noch schlimmer wiegt: trotz der Bemühungen möglichst große Levels zu inszenieren gibt man weiterhin nur einen einzigen Lösungsweg vor. Das war zwar bereits im Vorgänger so – doch fühlt es sich dieses Mal noch deutlich unsinniger an.

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Selbst die Idee, die nunmehr etwas weiteren Wege mithilfe von schnellen Fortbewegungsmitteln zu überbrücken; stellt sich nicht unbedingt als bemerkenswert heraus. Denn nicht nur, dass es in jenen Gebieten kaum etwas zu sehen gibt – und das nicht einmal auf den Hauptwegen – sobald man sich entweder auf ein tierisches oder mechanischen Gefährt schwingt, ist es vorbei mit der zumindest noch im Fußmarsch übertragenden Jedi-Virtuosität. Die Steuerung fällt extrem hakelig aus, auf die Idee während des Ritts oder der Fahrt auch noch zu kämpfen wird man gar nicht erst kommen – oder es nach den ersten frustigen Versuchen schnell wieder lassen. Peinlich: ausgerechnet jene bereits durch ihre bloße Anwesenheit zum Schmunzeln anregenden Elemente (per Speedracer durch karge Canyons, mit Todes-Zeitlupen der ungeschickt mit der Umgebung kollidierenden Verfolger) werden bei einigen mit zusätzlichen Bugs garniert werden. Wohl auch, da es sich um eine Mechanik handelt die eigentlich nichts in einem Spiel wie diesem verloren hat. Warum man hier nicht rechtzeitig eine Notbremse gezogen hat, bleibt fraglich.

Als weiteres, aber nicht mit einem ganz so herben Nachgeschmack präsentiertes Element stellt sich dann noch das neue Konzept der Missionswahl heraus. Zwischen den Hauptmissionen kann man in JEDI KNIGHT 3 aus einer Liste von jeweils 5 möglichen Missionen wählen – was an und für sich eine gute Idee ist; wird so stellenweise das Gefühl einer Open-World suggeriert. Das Problem ist, das man stets wählen muss – und zwar ganze 4 der möglichen 5 Missionen. Die einzige wahre Entscheidungsfreiheit die man dem Spieler somit gewährt, ist die Reihenfolge der abzuhandelnden Missionen; die sich niemals gegenseitig beeinflussen. Frech (oder nett, je nachdem): nach der Erledigung von 4 der 5 Missionen wird man noch vor die Wahl gestellt, ob man die verbleibende Mission nicht auch noch absolvieren möchte. Ein jeder Spieler, der das Spiel in seiner Gänze erleben möchte, wird hier ohnehin mit ja stimmen – sodass sich das Prinzip der Missionswahl letztendlich komplett erübrigt. Schade – immerhin bleibt es bei einer guten Idee. Eine weitere Übersicht über mögliche Plus- und Minuspunkte des Spiels soll folgende Übersichtsliste geben.

Inhalt / Story
  • Stimmige Story im Star Wars-Universum
  • Toller, nachvollziehbarer Spieleinstieg
  • Markante Gastauftritte (Kyle Katarn, Luke Skwalker)
  • Insgesamt etwas zu lebloser Hauptprotagonist
  • Zu wenig Überraschungen, zu wenig inhaltliche Tiefe

7.5/10

Grafik / Design
  • Tolle Macht- und Lichtschwerteffekte
  • Brilliant inszenierte, zeitlos schöne Kämpfe
  • Innen- und Außenareale
  • Abwechslungsreiches Leveldesign
  • Hübsche Gesamtoptik im Star Wars-Stil
  • Gegner-NPC’s bewegen sich nicht immer glaubhaft / geschmeidig / ansehnlich
  • Teilweise etwas karges Leveldesign mit wenigen Details
  • Schlichte Texturen, grobe Kanten und Ecken
  • Unschöne, wenig zweckdienliche Aussenareale

7.5/10

Sound
  • Gute, glaubwürdige und hochkarätige (Original-)Sprecher
  • Gegner und NPC’s reden untereinander, wenn sie etwas verdächtiges bemerken etc.
  • Stimmige Umgebungsgeräusche mit hohem Wiedererkennungswert
  • Markante Lichtschwert-Geräusche
  • Teils bombastischer, teils getragener STAR WARS-Soundtrack mit perfekter Dosierung

9.0/10

Spielwelt, Umfang, Atmosphäre
  • Einzigartig-spektakuläre Lichtschwert-Kämpfe
  • Zusätzliche Getaltungsmöglichkeiten beim Lichtschwert)
  • Anspornendes Machtkräfte-System
  • Hohes Maß an optischer und spielerischer Abwechslung
  • Begleitete Levelabschnitte (mit Kyle Katarn)
  • Recht linearer Levelaufbau, nur ein Weg führt zum Ziel
  • Teils frustrierend-enttäuschendes Leveldesign
  • Konventionelle Waffen rücken in den Hintergrund
  • Teils schwache Gegner-KI (Bossgegner)
  • Hanebüchene Spielabschnitte mit Reittieren / Fahrzeugen
  • Nur vermeintlich weitläufige Aussenareale mit schwachem Design
  • Wegfall des Inventars (Medipacks, stationäre Geschütze etc)

5.0/10

Bedienung, Komfort, Bugs
  • Kurze Eingewöhnungszeit, intuitive Bedienung
  • Anpassbarer Schwierigkeitsgrad
  • Freies Speichern und Quicksaves möglich
  • Misslungene Steuerung bei Reittieren / Fahrzeugen
  • Bugs besonders bei Reittieren / Fahrzeugen möglich

8.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 13

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Fazit: JEDI ACADEMY greift viele der guten Ideen des Vorgängers JEDI KNIGHT 2 erneut auf – welches nicht von ungefähr als eines der besten STAR WARS-Spiele überhaupt gilt. Während die spezielle Ästhetik und das durchaus besondere Spielgefühl auch im Nachfolger erhalten bleiben, fallen die Story und Atmosphäre allerdings nicht mehr ganz so dicht aus. Der größte Knackpunkt aber sind die zwiespältigen Neuerungen, die einerseits hübsche Vorzüge feilbieten – wie etwa die Lichtschwertdesigns, die neuen Moves oder die Wahlmöglichkeit in Bezug auf die Seite der Macht – andererseits aber auch zahlreiche Ärgernisse. Das Leveldesign erreicht bei weitem nicht die Qualität und den Charme des Vorgängers, die Reittiere bzw. Fahrzeuge spielen sich schrecklich; in den auf weitläufig getrimmten Aussenarealen ist so manch grafische Schandtat zu bestaunen. Insgesamt bleibt es bei einem respektablen Nachfolger, den man als Fan des Franchise gespielt haben sollte – wenn man sich aber zwischen JEDI KNIGHT 2 und 3 entscheiden müsste, sollte die Wahl klar auf den Vorgänger fallen.


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„Ein nicht mehr ganz so stilsicherer, aber immer noch spaßiger Nachfolger.“

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