Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Die Rote Zora“ (2007)

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Originaltitel: Die Rote Zora
Regie: Peter Kahane
MitLinn Sara Reusse, Jakob Knoblauch, David Berton u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: ca. 99 Minuten
FSK: ab 6 freigegeben
Genre: Abenteuer / Drama / Komödie
Tags: Zora | Kinderbande | Gangster | Dorf | Idylle | Zwist | Gerechtigkeit

Nieder mit der Ungerechtigkeit.

Kurzinhalt: Nachdem seine Mutter verstorben ist, macht sich der 12-jährige Branko (Jakob Knoblauch) auf die Suche nach seinem Vater. Sein Weg führt ihn an die kroatische Küste – wo er auch der rothaarigen Zora (Linn Reusse) begegnet, die als Anführerin einer Bande von Waisenkindern so manchen Schabernack mit der Obrigkeit treibt. Während sie von der Gesellschaft geradezu ausgestoßen wurden, hält nur der alte Fischer Gorian (Mario Adorf) zu den Kindern – und möchte bald darauf auch dem Neuankömmling Branko helfen. Doch der Bürgermeister (Dominique Horwitz) und ein reicher Kaufmann (Ben Becker) planen bereits einen neuen Coup, der auf Gorian’s kleines Geschäft abzielt. Da die Kinder keinesfalls mit ansehen möchten wie ihr einziger erwachsener Freund in die Enge getrieben wird, sehen sie sich abermals aufgefordert etwas gegen die drohende Ungerechtigkeit zu unternehmen. Werden sie es auch dieses Mal schaffen, den mächtigen ein Schnippchen zu schlagen ?

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Der Stoff, den sich Regisseur Peter Kahane für sein 2007’er Filmprojekt DIE ROTE ZORA vornimmt ist zwar nicht neu – aber doch irgendwo zeitlos. Die entsprechende Buchvorlage von Kurt Held stammt bereits aus dem Jahre 1941, und hallt bis heute als Dauerbrenner in der Jugendliteratur nach. In cineastischer Hinsicht dürfte einigen dagegen noch die Fernsehserie aus den späten 70er-Jahren im Gedächtnis sein – wobei es geradezu merkwürdig erscheint, dass sich danach und bis heute noch niemand an einer Kinoversion versuchte. Die gibt es jetzt – ob der Versuch, die Erzählung um eine ausnahmsweise mal von einem Mädchen angeführten Kinder-Bande auch auf die große Leinwand zu bringen aber wirklich funktioniert, ist eine andere Sache.

Denn so ambitioniert und sympathisch das Unterfangen auch wirkt – die vorliegende, teils klassisch gehaltene und teils auf modern getrimmte Geschichte offenbart einige Schwächen. Es beginnt bereits damit, dass die moderne Art der handwerklichen Inszenierung – inklusive einer lebhaften Optik, schneller Schnitte, Slapstick-Einlagen und einem pompösen Soundtrack – die nicht so recht mit dem eigentlichen Inhalt; geschweige denn mit der möglichen Intention des Originalswerkes harmonieren will. Der Versuch, DIE ROTE ZORA insbesondere auch für ein deutlich jüngeres Publikum schmackhaft zu machen, wirkt arg verkrampft – und mündet nicht selten in einigen besonders kuriosen Szenenabfolgen, deren Stimmungen sich gegeneinander ausspielen. Entsprechend wirr, plump und wenig nachvollziehbar wirken auch die Übergänge. Wenn die Verantwortlichen zunächst eine kunterbunt-unterhaltsame Szene an einem Fischerdock zeigen; dabei hinsichtlich ihres handwerklichen Repertoires aus dem Vollen schöpfen – um kurz darauf eine Szene mit einer sich anbahnenden Liebesgeschichte voller Klischees zu zeigen, ist klar: der Inszenierung der ‚modernen‘ ROTEN ZORA fehlt es eindeutig an Fingerspitzengefühl.

Doch bleibt es nicht allein dabei – denn entgegen der Originalfassung bietet die neue ROTE ZORA kaum noch nennenswerte inhaltliche Ansätze. Elemente, die als zu kritisch oder problematisch angesehen wurden, wurden komplett gestrichen – oder derart in der Folge von dramaturgischen Fehlgriffen verwurstet, dass sie kaum noch zur Geltung kommen. In jedem Fall kann man von einer stark entschärften Version des eigentlichen Stoffes ausgehen – die somit nur noch hinsichtlich der reinen Unterhaltungs-Funktion eines typischen Kinderfilms punkten kann. Tatsächlich, und vielleicht auch überraschenderweise gelingt das über weite Strecken recht gut. Zwar kommt man nicht über gängige Stereotypen einer guten und einer bösen Seite hinaus, durch die Slapstick-Elemente werden tiefergehende Charakterisierungen ohnehin vermieden – doch immerhin reicht es um jüngeren Zuschauern ein ungefähres Bild davon zu vermitteln, was möglicherweise gerecht ist und was nicht.

Analog dazu weiß der vermittelte Bild der Kinderbande, die für Werte wie Recht und Freiheit einsteht – und in gewisser Weise auch für die Emanzipation – durchaus zu gefallen. Gepaart mit den schönen Landschaftsaufnahmen aus Kroatien, der hübschen Setgestaltung von Handlungsorten wie dem Burgversteck der Bande, dem Platz des Fischers oder auch des Dorfes selbst – entsteht so ein teils recht heimeliger, warmer Eindruck. Dass ist auch bitter nötig, können weder die beteiligten Kinderdarsteller noch deren Gegenspieler viele Sympathiepunkte einheimsen – zu oberflächlich und konstruiert wirken ihre Porträts. Einzig und allein die Präsenz eines Mammut-Darstellers wie Mario Adorf rettet den Film in dieser Hinsicht, und wertet ihn um ein zusätzliches Maß auf.

Eine weitere Schwäche, oder gar Absurdität findet sich dann aber doch noch – und zwar in Bezug auf die Besetzung der Haupt- und vor allem Nebenrollen. Es geht hier indes weniger um das vorhandene Talent oder die erbrachten Leistungen; sondern schlicht und ergreifend um das Alter der Protagonisten. Denn: in jeder Version der ROTEN ZORA sollte es um eine Kinderbande gehen; andernfalls ginge eines der wichtigsten Merkmale der Originalfassung verloren. Im vorliegenden Werk geht man dieses Weg aber recht inkonsequent: während nur ein kleiner Teil der Gruppe aus tatsächlichen Kinderdarstellern besteht, setzt man größtenteils auf ältere Jugendliche – die mithilfe der Arbeit der Kostüm- und Maskenbildner einige Jahre jünger erscheinen sollen. Das ist eine Frechheit, und zeugt ein weiteres mal von der nur vermeintlich gut genutzten Freiheit der Macher, das Werk auf ihre ganz eigene Art und Weise zu interpretieren.

Fazit: Aus der ’neuen‘ ROTEN ZORA hätte ganz locker ein bemerkenswerter Kinderfilm werden können, der Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen gut und getreu dem Franchise reichlich abenteuerlich unterhält – und auch einer, der so manch explizit-kritische Botschaft bereithält. Zwar scheinen die Macher genau dieses Ziel vor Augen gehabt zu haben; doch das es verfehlt wurde wird nur allzu schnell ersichtlich. Viel zu hölzern wirken die Charaktere und Dialoge, viel zu ärgerlich ist die Besetzungsstrategie; viel zu verharmlost und bunt-verkitscht das Gesamtergebnis. Was bleibt, sind eine handvoll kindgerecht verpackter Botschaften, die für das gute im Menschen plädieren und Werte wie Freiheit und Solidarität hoch halten. Das reicht immernhin noch für das Dasein als leicht überdurchschnittlicher Kinderfilm – mehr aber auch nicht.

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„Eine große Chance wurde dezent vertan.“

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