Rezensionen: Games & Apps

PC-Spieletest / Game-Review: MAX PAYNE 3 (2012)

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Originaltitel: Max Payne 3
Veröffentlichungsdatum: 01. Juni 2012
Entwickler: Rockstar Vancouver
Publisher: Rockstar Games
USK: Ab 18
Genre: Action
Tags: Max Payne | Comeback | Trilogie | Bullet-Time | Shooter | Painkiller

Gealtert und müde – aber immer noch für ein Abenteuer zu haben.

Inhalt: MAX PAYNE ist zurück. Nach den nervenaufreibenden Ereignissen aus der Vergangenheit hat er seinem Dasein als Polizist jedoch endgültig abgeschworen, und sucht sein vermeintliches Heil vielmehr im Alkohol- und Drogenkonsum. Dann scheint ihm ein Wink des Schicksals eine neue Gelegenheit zu bieten: ein alter Freund bietet ihm an, einem Job als Bodyguard im sonnigen São Paulo anzunehmen. Der wäre angeblich gut bezahlt und für jemanden wie Max kein Problem – der noch immer einigermaßen fit ist und gut schießen kann. Max zögert zwar, nimmt aber an – schließlich kann er einen Tapetenwechsel gut gebrauchen. Sein Auftraggeber wird der reiche und einflussreiche Rodrigo Branco, der Max nicht nur für sich selbst, sondern auch für seine restlichen Familienmitglieder anheuert. Alles läuft halbwegs gut, solange Max nur nicht zu tief ins Glas schaut – doch nach einiger Zeit avanciert der Job doch noch zu mehr als einem reinen Urlaubsvergnügen. Die Branco’s werden plötzlich zur Zielscheibe von unbekannten, die es offenbar auf mehr abgesehen haben als nur ihr Geld… eine Hetzjagd auf Leben und Tod beginnt.

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Wenn ein weiterer Teil eines einst überaus beliebten Spiele-Franchise gleich mehrere Jahre auf sich warten lässt, ist das meist kein besonders gutes Zeichen. Auch MAX PAYNE 3 ist ein solcher Kandidat, der erst sage und schreibe 9 Jahre nach dem nunmehr legendären MAX PAYNE 2 von 2003 erschienen ist – und sich damit durchaus einige Vorwürfe gefallen lassen muss. Vor allem aber wird die Frage lauten: wieso kommt gerade, oder erst jetzt ein neues MAX PAYNE ? Und analog dazu: haben sich die Verantwortlichen von Rockstar Games lediglich aus Marketing-Gründen auf einen einst großen Namen gestützt, der noch immer in der Spiele-Szene nachhallt ? Das wäre dann zwar reichlich frech – aber beileibe nichts neues. Der heutige Spiele-Test wird zeigen, was es wirklich mit dem dezent verspäteten dritten Teil von MAX PAYNE auf sich hat.

Hierzu könnte man bereits über jene Dinge philosophieren, die vor dem eigentlichen Spielstart stattfinden – denn MAX PAYNE 3 benötigt zumindest auf dem PC einen Account im sogenannten Rockstar Social Club. Das ist für einige ein Ärgernis, verständlicherweise – denn nicht nur dass somit vermehrt Probleme bei der Aktivierung und Inbetriebnahme des Spiels aufkommen können; es besteht weiterhin ein permanenter Online-Zwang. Aber so aufgezwungen und vielleicht auch unnötig das in manchen Ohren auch klingen mag (bis auf ein paar überflüssige Bestenlisten und Online-Einkaufsmöglichkeiten sind im Singleplayer keine Vorteile ersichtlich) sind derlei Prozedere besonders heutzutage üblich – man denke nur an Plattformen wie STEAM oder den UBISOFT GAME LAUNCHER. Wichtig erscheint nur, dass sich entsprechende Interessenten vor dem Kauf über mögliche Vor- und Nachteile informieren, und dann abwägen ob sie MAX PAYNE 3 nun käuflich erwerben oder nicht. Eines ist klar: der Rockstar Social Club gehört zumindest ansatzweise zum Spielerlebnis von MAX PAYNE 3 hinzu, und fließt hinsichtlich der Handhabung und Kompatibilität auch dezent in die Endbewertung mit ein – wenn auch nur unter dem Unterpunkt der Bedienung.

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Startet man daraufhin zum ersten Mal das Spiel, so macht sich vor allem eines schnell bemerkbar: MAX PAYNE hat sich verändert. Und das nicht nur in Bezug auf die Story und den Inhalt; wie es bereits den Trailern zu entnehmen war – sondern vor allem auch in Bezug auf die Art der Inszenierung des Spiels. Die Folge ist ein interessantes Paradoxon: während der Hauptcharakter tatsächlich ‚erwachsener‘ geworden zu sein scheint, wirkt das Spiel selbst am ehesten so, als sei es auf eine jüngere Zielgruppe zugeschnitten. Immer unter Berücksichtigung der (durchaus gerechtfertigten) Freigabe ab 18, versteht sich. Das führt nicht nur dazu, dass sich MAX PAYNE 3 kaum noch anfühlt wie seine Vorgänger – sondern auch dazu, dass man kaum noch von einem klassischen PC-Spiel respektive Shooter im eigentlichen Sinne sprechen kann. Will man es auf den Punkt bringen, so könnte man sagen: MAX PAYNE 3 hat letztendlich weniger von einem klassischen PC-Titel als von einem filmreif inszenierten Blockbuster.

Ein mitunter gut, wenn auch des öfteren zu gewollt erzählter – der dem Spieler nur noch ein Minimum an Freiraum gewährt. Verantwortlich dafür ist der mehr als auffällige Hang der Macher, ständig und überall Script-Momente einzubauen. Momente, die den Spieler lediglich zwischendurch an die Tastatur und Maus lassen, und sei es nur gefühlt – während die immer wieder eingestreuten, ausführlichen Zwischensequenzen in Ingame-Grafik den eigentlichen Spielrahmen bilden. Sicher tragen diese wesentlich zur Atmosphäre des Spiels bei und lassen dieses inhaltlich dichter erscheinen – möglicherweise wurde der Bogen hier aber schlicht und einfach überspannt. Während die Vorgänger auf einen kontinuierlichen Spielfluss setzten und hauptsächlich die attraktiven Zeichensequenzen im Comic-Stil für Atmosphäre-Schübe sorgten; besteht MAX PAYNE 3 letztendlich aus einer einzigen Filmsequenz – bei der man selten das Gefühl hat, auch spielerisch voranzukommen. Geschweige denn, das Zepter wirklich in der Hand zu halten: die Tatsache, dass man das Geschehen in Form einer Rückblende nachspielt; etwaige Orts- und Zeitsprünge inklusive – unterstützt diesen Eindruck nur noch. Somit erscheint es mehr als fraglich, MAX PAYNE 3 vorschnell als einen Top-Titel bezeichnen zu wollen – auch wenn dies tatsächlich und in nicht wenigen Spielemagazinen genau so geschehen ist.

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Es bleibt, sich auf die Momente zu fokussieren; die die große Hollywood-Studie a’la MAX PAYNE hie und da unterbrechen. Und tatsächlich, hier lässt es sich wieder entdecken, das gute alte MAX PAYNE-Feeling – zumindest teilweise. Die Ballereien, die sich vor allem durch die mittlerweile legendäre Bullet-Time-Funktion charakterisieren; gehen sehr gut von der Hand und sind schicker als jemals zuvor inszeniert. Neu hierbei ist die Deckungsfunktion – die Max Payne auf Knopfdruck Schutz hinter Mauern oder ähnlichem suchen lässt. Eine gute Idee, wie sich herausstellt – denn wen man nur mithilfe der Bullet-Time agiert (die man auch nicht mehr ganz so exzessiv nutzen kann), könnte schnell ein etwas plumper Eindruck entstehen. Schön anzusehen ist, wie sich auch die Gegner immer wieder Deckungen suchen, mal aus ihnen herausstürmen oder eher zurückhaltend in den Raum feuern – MAX PAYNE 3 bekommt somit eine interessante atmosphärische Komponente spendiert. Geradezu makaber, aber sicherlich auch irgendwie passig sind die neuen, man nenne sie Splatter-Effekte in Form von Einschusswunden bei Gegnern oder der Spielfigur selbst. Denn sollte Max Payne doch einmal das zeitliche segnen – was besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden des öfteren, und vor allem völlig unerwartet passieren kann – bekommt man eine Art Kill-Cam zu sehen. Ebenfalls neu ist der sogenannte LAST STAND, bei dem Max Payne selbst eigentlich tödliche Treffer überstehen kann – sofern er den ihn anvisierenden Gegner noch rechtzeitig ausschalten kann.

Man sieht, die Entwickler haben sich durchaus Gedanken gemacht um das Spielgeschehen von MAX PAYNE 3 aufzupeppen – vor allem während der Kämpfe, die einen Großteil der Spielzeit ausmachen. Der tatsächlichen versteht sich, und nicht der gesamten – die wie bereits angedeutet aus zahlreichen Script-Momenten besteht. Doch leider leistete man sich auch mitunter grobe Schnitzer – die den ohnehin schon stockenden Spielfluss noch weiter bremsen können. Beispielsweise ist ärgerlich, dass man den LAST STAND manchmal selbst bei besten Willen nicht ausführen kann – da man schlicht so unglücklich steht (oder liegt), dass einem plötzlich eine Mauer oder ähnliches im Weg steht. Noch viel schwerer wiegt allerdings die Tatsache, dass die Ballereien oftmals recht aufgesetzt wirken – und die Spielwelt so gesehen nur auf den Spieler wartet, um die nächsten Auslöser zu triggern. Würde man nicht in das Geschehen eingreifen, würde auch so gut wie nichts passieren – das ist schade, vor allem da erst menschenleere Orte urplötzlich mit Gegnern geflutet werden. Frustrierend: durch die zahlreichen Zwischensequenzen wird man manchmal direkt in einen Kampf gelenkt, ohne sich selbst vorbereiten geschweige denn positionieren zu können – wo man gerade noch entspannt auf den Bildschirm starrte, findet man sich plötzlich inmitten eines Raumes voller Gegner wieder. Noch frustrierender: Rockstar verzichtet auf ein anständiges Speicher-System, und setzt stattdessen ausschließlich auf mal mehr, mal weniger gut platzierte Autosaves. Das kann gerade in Passagen, die eine große Herausforderung darstellen ein Garant für regelrechte Nervenzusammenbrüche sein – etwa, wenn nach einer langen (und erfolgreichen) Schießerei plötzlich doch noch ein Gegner um die Ecke kommt und den Spieler erledigt.

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Ebenfalls eher nachteilig wirkt sich das enorm lineare Spieldesign auf – das dem Spieler auch noch der letzten möglichen Freiheiten beraubt. Viele Lösungswege oder Routen gab es auch in den ersten Teilen nicht – doch hier wird es noch deutlicher, erst Recht wenn man sich in vermeintlich offenen Gegenden (wie etwa einem Hafengebiet oder den verwinkelten Favelas) bewegt. Ein ausweichen nach links und rechts ist selten möglich, es gibt nur einen richtigen Weg. Die einzige Ausnahme: wenn man Glück hat, kann man hier und da mal einen Raum betreten, den man eigentlich nicht betreten muss. Das war es dann aber auch schon wieder gewesen, denn nützliche Gegenstände kann man ohnehin nicht finden – nur die sogenannten Painkiller als Heilungsmittel. Wobei, etwas kann man dann doch sammeln: Hinweise nämlich, sowie goldene Waffen. Erstere bieten zumeist kurze Hintergrundinformationen zur Mission und / oder in den Raum geworfene Interpretationen von Max Payne, und werten die Atmosphäre der Spielwelt immerhin etwas auf – während zweitere genau das Gegenteil bewirken. Denn nicht nur dass die goldenen Waffen in Einzelteilen in der Spielwelt verstreut sind (die man gerne mal übersehen kann), sie leuchten hell. Das hiermit anberaumte Achievement-System will so gar nicht zu MAX PAYNE 3 passen – die anderen, in denen man etwa eine bestimmte Anzahl von Gegner auf eine bestimmte Art und Weise erledigen muss, schon eher.

Im Gegensatz dazu steht – wie sollte es anders sein – die überaus hübsche Grafik, die sich vor allem im markanten Charakter-Design niederschlägt. Aber auch die Explosions- und Partikeleffekte können sich sehen lassen; überall in der Umgebung sind zahlreiche Details versteckt. Aber man weiß: Grafik ist nicht alles – erst Recht nicht in einem Spiel wie MAX PAYNE. Um eine genauere Übersicht über die Stärken und Schwächen des dritten Teils zu erhalten, noch einmal eine ausführliche Übersichtsliste (der Multiplayer-Modus wurde nicht getestet):

Inhalt / Story
  • Nicht spektakuläre, aber doch grundsolide Hauptstory
  • Viele Verschiedene Orte, Situationen, Zeitabschnitte
  • Stimmige Bezugnahme auf allerlei Nebencharaktere
  • Markanter Hauptprotagonist mit Stärken und Schwächen
  • Eher schwach inszeniertes Finale
  • Monologe von Max können irgendwann nerven
  • Eventuell problematische Darstellung der Einheimischen

8.0/10

Grafik / Design
  • Hübsche Gesamtoptik
  • Markantes Charakterdesign
  • Abwechslungsreiches Leveldesign
  • Hübsche Ballereien mit markanter Bullet-Time
  • Detailreiche Umgebungen und Räumlichkeiten
  • Nervige, unnötige Video-Feedback-Effekte
  • Hervorhebung von Textfetzen aus Dialogen überstrapaziert

9.5/10

Sound
  • Gute, ambitionierte und glaubwürdige Sprecher
  • Gegner und NPC’s reden, schreien, fluchen (in ihrer Landessprache)
  • Stimmige Umgebungsgeräusche
  • Zurückhaltender, passiger Soundtrack

9.5/10

Spielwelt, Umfang, Atmosphäre
  • Spaßige Shooter-Passagen
  • Gut umgesetzte Bullet-Time
  • Gutes Deckungssytem
  • Solide KI
  • Makabere Kill-Cams
  • Teilweise zerstörbare Spielumgebung
  • Streng linearer Levelaufbau
  • Gegner erscheinen zu plötzlich und zahlreich
  • Zu viele Zwischensequenzen und Script-Momente
  • Kaum spielerische Freiheiten, keine alternativen Lösungen
  • Kein Spielfluss, kein echtes Spielgefühl
  • wenig abwechslungsreiche Waffen
  • Keine Granaten nutzbar

4.5/10

Bedienung, Komfort, Bugs
  • Kurze Eingewöhnungszeit, intuitive Bedienung
  • Anpassbarer Schwierigkeitsgrad
  • Neue Spielelemente nach Durchspielen freischaltbar
  • Hoher Schwierigkeitsgrad manchmal etwas unfair
  • Tutorial-Momente eher wenig zweckdienlich
  • Spiel läuft nur online und über den Rockstar Social Club
  • Unschönes Hauptmenü mit Werbung für Ingame-Käufe und DLC’s
  • Bugs / Abstürze möglich (bei Charakterbewegung)
  • Kein freies Speichern
  • Völlig unpassende Quicktime-Events
  • Kaum Wiederspielwert u.a. durch nicht überspringbare Cutscenes

4.0/10

Ungefähre Spielzeit in Stunden: 15-20

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Fazit: Es ist verdammt schade, aber: MAX PAYNE 3 wird des Erbes der Vorgänger nur noch äußerst bedingt gerecht. Während man zumindest aus der technischen Warte heraus von einem überaus gelungenen, da hübschen und detailreich gestalteten Titel ausgehen kann; die Story und Charaktere recht stimmig präsentiert werden – sieht es spielerisch auffällig mau aus. Da, wo man den Spieler noch viel tiefer in die Spielwelt von MAX PAYNE 3 hätte eintauchen lassen sollen, stellen sich immer wieder aufdringliche Zwischensequenzen und Script-Momente in den Weg – die den Spielfluss trüben und das Spiel eher wie einen Hollywood-Blockbuster erscheinen lassen. Einen unterhaltsamen, raubeinigen zwar – doch hat MAX PAYNE 3 einfach zu wenig von einem Spiel, um als solches durchzugehen. Auch die zahlreichen kleineren Ärgernisse sowie allerlei unfaire Elemente machen es schwierig, in diesem Fall noch von einem ‚echten‘ MAX PAYNE zu sprechen. Letztendlich machen dieses Mal nur die flotten und actionreich inszenierten Ballereien Spaß – dass das etwas zu wenig ist für einen derart angepriesenen Titel wie MAX PAYNE 3, versteht sich von selbst.


„Inszenatorisch fragwürdiger, noch spaßiger dritter Teil eines altehrwürdigen Franchise.“

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