Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: BABYMETAL – Babymetal (2014)

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Alben-Titel: Babymetal
Künstler / Band: Babymetal (mehr)
Veröffentlichungsdatum: 26. Februar 2014
Land: Japan
Stil / Genre: Heavy / Power Metal, Death Metal, J-Pop, Electronic
Label: BMD Fox Records

Alben-Lineup:

Su-Metal – Vocals
Moametal – Vocals, Screams
Yuimetal – Vocals, Screams

Track-Liste:

1- BABYMETAL DEATH
2- Megitsune
3- Gimme Choko!!
4- Iine!
5- Benitsuki -Akatsuki-
6- Doki Doki☆Morning
7- Onedari Daisakusen
8- 4 no Uta
9- U.KI.U.KI Midnight
10- Catch me if you can
11- Akumu no Rinbukyoku
12- Headbanger!!
13- Ijime, Dame, Zettai

Kindisch klingt anders.

Es war einmal im Jahre 2011… als einige findige Köpfe eine Idee hatten. Eine Idee, aus der ein weltweites Phänomen werden sollte, welches bis heute unzählige Fans begeistert, zu CD-Käufen anregt und sogar auf Live-Konzerte lockt – die Rede ist vom Erfolgskonzept BABYMETAL. Eigentlich als Sub-Gruppe der SAKURA GAKUIN (eine japanische Sing- und Tanzgruppe mit ausschließlich weiblichen Mitgliedern im jungen Alter – siehe japanische Idol-Musik)  gegründet, entwickelte das Projekt schnell eine gewisse Eigenständigkeit – und einen enormen Erfolg, mit dem so sicher niemand gerechnet hätte. Das besondere: die drei Mitglieder von BABYMETAL sind alle vergleichsweise jung (Geburtsjahre 1997 und 1999) und werden analog zum Konzept der japanischen Idol-Kultur geradezu verniedlicht, sodass sie sich so vor allem durch den berühmt-berüchtigten Schulmädchen-Charme charakterisieren – und auffallen, ganz besonders natürlich im diesbezüglich eher prüden Westen. Ganz im Gegensatz dazu steht indes die von BABYMETAL produzierte Musik, die wesentlich härtere Töne anschlägt und am ehesten unter dem Oberbegriff des Heavy- oder auch Power Metals rangiert – mit teils auflockernden Einflüssen aus dem Pop und der Elektronik, und zusätzlich verdüsterenden Elementen aus dem Death Metal.

Vom Ergebnis dieser munteren Genre-Kombination im Zusammenspiel mit der markanten optischen Präsenz der Band konnte man sich in den letzten Jahren vor allem im Internet überzeugen – zahlreiche Musikvideos erreichten viele internationale Interessenten und spätere Fans, während die offiziellen Singles und ähnlich handfestes Material (wie etwa DVD’s) besonders hierzulande als schwer erhältlich galten. Doch nun schreiben wir das Jahr 2014 – und BABYMETAL haben ihr erstes offizielles Album über BMD Fox Records herausgebracht. Dieses wird sowohl an Fans der Band, als auch Neueinsteiger adressiert – schließlich beinhaltet es alle bisher veröffentlichten Singles und B-Sides, sowie 3 gänzlich neue Titel. Eine nette Sammlung respektive Zusammenstellung also – die den bisherigen Werdegang der Band aufzeigt und erlebbar macht; wenngleich dieser ohne dazugehöriges Bildmaterial und die nicht-chronologische Anordnung der Titel nicht mehr ganz so prägnant und nachvollziehbar wirkt. Und dennoch: die Musik von BABYMETAL geht weit über einen simplen Spaßfaktor hinaus, zweifelsohne wohnt ihr – bei allen Spielereien – eine gewisse Ernsthaftigkeit inne. Das liegt in erster Linie daran, dass die Mädchen von BABYMETAL nur für die Gesangsparts (sowie die sicherlich unterhaltsamen Performances) verantwortlich sind, nicht aber für das Instrumentenspiel und die Gesamtkompositionen.

Diese werden von verschiedenen japanischen Musikern respektive Szene-Größen auf die Beine gestellt, und rauschen entsprechend druckvoll durch die Boxen – zumeist mit einem hohen Tempo und allen typischen Zutaten, auf die man desöfteren in einem Genre wie dem des Power Metals trifft. Als Paradebeispiel fungiert hier ein Titel wie IJIME, DAME, ZETTAI – einer regelrechten Hymne mit eine enorm voranpreschenden Gangart, einem stampfenden Doublebass, knackigen Riffs, grandiosen Soli, einer tollen Gesangsleistung und einer altersgerecht (in Bezug auf die Band-Mitglieder) verpackten Botschaft. Jene Nummer beschreibt dabei auch recht gut, wo die Band heute steht – während man anderen, deutlich älteren (wie II NE oder DOKI DOKI MORNING) anmerkt, dass die Band hier noch in den Startlöchern stand und die Kombination von Metal und Idol-Musik noch nicht ganz so gut aufgegangen ist. Hier wirken gerade die Metal-Parts noch vergleichsweise bemüht und dezent aufgesetzt, während gesanglich ein zusätzlicher Niedlichkeits-Faktor regiert; das Ganze bewegte sich hier noch allzu deutlich in den Gefilden des J-Pop. Immerhin: man kann dem Album so zu keinem Zeitpunkt unterstellen, dass es wenig abwechslungsreich oder gar monoton wäre – an allen Ecken und Enden finden sich Überraschungen; zumindest für jene, die sich bisher noch nicht ausführlich mit der Materie beschäftigt haben.

So sollte man die einzelnen Titel auf sich wirken lassen – auch wenn es aufgrund der lyrischen Konzeption manchmal schwierig erscheint. Ein Titel wie GIMME CHOKO beispielsweise verfügt über einen textlichen Gehalt, der nicht über ein Grundschulniveau (wenn überhaupt) hinauskommt – und dennoch lässt man sich gerne mitreißen. Vom Tempo, von den gesanglichen Spielereien; oder vom späteren Soli-Part. Überhaupt gilt diesen ein besonderes Augenmerk – handelt es sich hier um ein Element, welches als durchaus konkurrenzfähig (in Bezug auf das Power Metal-Genre) bezeichnet werden kann. Alle weiteren Titel lassen sich grundsätzlich hinsichtlich zweier Elemente respektive Stilrichtungen unterscheiden: die einen sind offensichtlich verspielt und bewegen sich zumeist irgendwo zwischen drei oder vier gedachten Genres (MEGITSUNE, ONEDARI DAISAKUSEN, 4 NO UTA), die anderen schlagen eine zielstrebigere Richtung ein und fungieren als vergleichsweise gradlinige Metal-Hymnen (BENITSUKI AKATSUKI) oder kräftige Power-Balladen (AKUMU NO RINBUKYOKU). Immer mit von der Partie sind die eingängigen Refrains, die hie und da eingeworfenen Growls, das flotte Instrumentenspiel sowie der experimentelle (aber durchaus aufgehende) Ansatz, stets für musikalische Abwechslung in Form von überraschenden Einschüben oder Stilwechseln zu sorgen. Das Ergebnis mag nicht perfekt sein – vor allem aber spielt die Frage des persönlichen Geschmacks, und so gesehen auch der persönlichen musikalischen Toleranz eine enorme Rolle. Geht man zu verkrampft und voreingenommen an ein Album wie dieses heran, kann es einfach nicht funktionieren. Fakt ist nur, und das ist der wohl objektivste Wertungsansatz; dass die Produktionsqualität über jeden Zweifel erhaben ist und man das Album – rein technisch – nicht besser hätte realisieren können.

Schlussendlich: wenn schon einige andere, weitaus unspektakulärere Heavy Metal-Bands polarisieren; wie sollte es dann erst bei BABYMETAL sein ? Klar ist, dass sich an einem Konzept wie diesem die Geister scheiden werden. Die einen werden das Ganze als spaßige musikalische Abwechslung für Zwischendurch betrachten und erleben, die anderen womöglich eine besonders perfide Art der Kommerzialisierung des Metal wittern – dass beide Seiten damit grundsätzlich Recht hätten, macht es nicht gerade leichter. Doch solange die Band ihren (noch) relativ einzigartigen Status wahren kann und sich keine allzu große, nachahmende Konkurrenz erhebt; sollte dem verniedlichten Metal-Genuss nichts im Wege stehen. Wichtig ist nur, das Ganze nicht allzu ernst zu nehmen – wenn die Mädels Spaß an der Sache (und offenbar einen guten Musikgeschmack) haben, warum sollte man es ihnen vermiesen ? Das Album macht so gesehen vor allem eines: (kurzweiligen) Spaß. Wenngleich die Texte und musikalischen Inhalte im besten Fall als zweckdienlich zu bezeichnen sind, so ist die Basis (das heißt die Musik und die gesanglichen Leistungen selbst) mehr als angenehm. Jedoch führt der Fakt, dass es sich vielmehr um eine Compilation aller bisherigen Hits handelt als um ein eigenständiges Album (oder auch: eine Momentaufnahme der aktuellen Fähigkeiten von BABYMETAL und der dazugehörigen Band) zu einer leichten Abwertung. Spaß ist trotzdem garantiert – sofern man nur eine gewisse Toleranz mitbringt.

Absolute Anspieltipps: MEGITSUNE, BENITSUKI AKATSUKI, IJIME DAME ZETTAI


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„Ob jung oder alt, ob Metaller oder J-Pop-Liebhaber, ob aus Fernost oder nicht – BABYMETAL verbindet.“

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