Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Ted“ (2012)

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Originaltitel: Ted
Regie: Seth MacFarlane
Mit: Mark Wahlberg, Mila Kunis, Seth MacFarlane u.a.
Land: USA
Laufzeit: ca. 106 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Komödie
Tags: Ted | Teddybär | Wunder | Plüschig | Beste Freunde | Eskapaden

Ein allzu plüschiges Vergnügen…

Kurzinhalt: Als kleiner Junge hat der einsame John (Mark Wahlberg) eigentlich nur einen einzigen Wunsch. Er möchte; dass sein Teddybär, den er gerade erst zu Weihnachten bekommen hat lebendig wird – und die beiden beste Freunde werden. Ein Wunsch, der so sicher von vielen Kindern geäußert wird – doch bei John geht er tatsächlich in Erfüllung. Ted fängt plötzlich an zu laufen und zu sprechen, was nicht nur John und seine Eltern mitbekommen – sondern auch die Medien. Im Laufe der Jahre wird der wunderliche, aber stets freundliche Teddybär in so manche Talkshow eingeladen und wird regelrecht berühmt, doch im Grunde seines Herzens will er nur eines: ein guter Freund für John und damit demjenigen sein, der ihn ins Leben gerufen hat. Später, als die beiden erwachsen sind; führen sie aber ein eher typisches Leben – mit vielen Eskapaden, die oftmals aus ihrem regelmäßigen Drogen- und Alkoholkonsum resultieren. Auch wenn die beiden sich nach wie vor blendend verstehen, gibt es ein Problem: John hat eine Freundin, Lori (Mila Kunis) – und die möchte, dass er endlich erwachsen werden und Ted vor die Tür setzen würde. Vielleicht hätte die Beziehung der beiden so noch eine Chance… doch John bringt es nur schwerlich übers Herz, Ted einfach abzuservieren. Und so beginnt ein wildes hin- und her… der Gefühle, aber auch der kuriosesten Situationen.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! Viele haben ihn bereits gesehen, zumindest aber schon einmal von ihm gehört – die Rede ist von TED, dem ersten Kinofilm des anarchistischen FAMILY GUY-Schöpfers Seth MacFarlane. Der ist allgemein bekannt dafür, sich gerne auch mal etwas weiter aus dem Fenster zu lehnen; und begeistert seine Fans seit jeher mit zahlreichen popkulturellen Anspielungen. Dass es nun aber ausgerechnet ein Realfilm mit einem sprechenden Teddybären sein soll der seinen ganz speziellen Humor auf die große Leinwand bringt; erscheint dabei zunächst gewagt. Doch wo Zweifel sicherlich angebracht wären, bestätigen sie sich in diesem Fall nicht wirklich – der Weg, den Seth MacFarlane letztendlich eingeschlagen hat; wirkt überraschend stimmig. TED ist schließlich nicht nur eine herrlich derbe Komödie, deren Witzeleien des öfteren auf Bereiche unterhalb der Gürtellinie abzielen – sondern erhält dank zahlreicher guter Ideen auch eine nette Umverpackung.

Auch wenn mancherlei Fan seiner überspitzten Cartoon-Serien gerade dahinter eine Öffnung hinsichtlich des Mainstreams vermuten mag, ist es gerade jene Strategie des Machers, die den Film zu dem macht was er ist. Seth MacFarlane lässt TED allgemein zugänglicher und so gesehen neutraler beginnen als es in seinen Vorlagen der Fall ist – und fesselt den zunächst ahnungslosen Zuschauer über eine ansprechend-fantastisch angehauchte Schiene. So könnte der Auftakt des Films tatsächlich aus einem beliebigen modernen Märchen stammen; nur die zu dezenten Scherzen aufgelegte Erzählstimme lässt hier bereits vermuten, dass aus TED mehr werden würde als die fantastische Geschichte einer Freundschaft. In jedem Fall aber steckt in jeder Minute des Films eine unverkennbare Handschrift – eine, die selbst Einzelszenen vergleichsweise bedeutungsvoll erscheinen lässt und dem Film insgesamt einen mehr als erfrischenden Touch verpasst.

Dass sich Seth MacFarlane dabei nicht nur an der Aufmachung etwaiger Fantasy-Blockbuster orientiert, sondern TED überraschenderweise auch den handfesten Anflug eines Dramas verpasst; steht ihm ebenfalls sehr gut zu Gesicht. Schließlich wäre es bezeichnend gewesen, den Film allein durch die zahlreich stattfindenden; mal mehr, mal weniger satirisch angehauchten Witz-Orgien zu stemmen. Wie so oft heisst es: es kommt ganz auf die Dosierung an. Ein zu heftiges Ausschweifen hätte den Film nicht nur seiner vergleichsweise immensen Wirkungskraft beraubt – es hätte ihn auch um ein vielfaches langatmiger gemacht. Denn leichte dahingehende Tendenzen sind auch so schon bemerkbar, gerade wenn der eher plumpe Fäkalhumor und allerlei Sexismus vor allem im Mittelteil überhand nehmen. Glücklicherweise kriegt Seth MacFarlane stets in den richtigen Momenten die Kurve, und überrascht den Zuschauer immer wieder mit stilistischen und auch inhaltlichen Wendungen. TED auf eine plumpe Komödie zu reduzieren, ist also nur äußerst bedingt möglich – da sich der Regisseur durchaus der Mittel bewusst war die ihm zur Verfügung standen; und er aus seinem ersten Kinofilm wesentlich mehr machte als eine weitere FAMILY GUY-Episode. Auch wenn der Film nicht immer stilsicher erscheint, so vermeidet er es doch sich festzufahren – indem er die ihm durch die Attribuierung als Komödie auferlegten Schranken immer wieder durchbricht. Schließlich könnte man TED auch als witzig ausgearbeitete Parabel auf den Prozess des Erwachsenwerdens an sich verstehen.

Hätte TED auch eine noch höhere Wertung erhalten können ? Vielleicht, beispielsweise indem man noch ein klein wenig mehr aus der Prämisse selbst gemacht hätte. Eventuell hätte dies den Rahmen gesprengt – jedoch wirkt die alles abschmetternde Behauptung, dass sich irgendwann ein jeder an alles gewöhnt (und somit auch an TED als lebendiges Wesen); etwas zu vereinfachend. Eine dezente Ausdehnung der Kindheitsszenen hätte dem Film möglicherweise ebenfalls gut getan – da gerade der Mittelteil einige Längen aufweist und die hier eingebrachten Ideen nicht kontinuierlich begeistern können. Handwerklich jedenfalls ist alles im gründen Bereich. TED selbst weiß durch eine äußerst gelungene Optik und geschmeidig-glaubhafte Bewegungen zu überzeugen, die Kamera-Arbeit ist prägnant, die Schnitte sind angenehm, die Schauplätze abwechslungsreich und detailreich ausgearbeitet – und der Soundtrack wirkt stets passend. Besonders furios wird es natürlich, wenn die beiden Hauptprotagonisten ihrer Liebe zu einem gewissen (Trash-)Film frönen… und die passende Musik dazu ertönt. Als besonderes Schmankerl fungiert analog dazu auch die Tatsache, dass der echte FLASH GORDON-Darsteller Sam J. Jones einen markanten Gastauftritt hat (übrigens der erste nach 13 Jahren Pause) – und so in die wohl witzigsten Szenen des gesamten Films involviert ist.

Fazit: TED ist die wohl am stimmigsten verpackte Komödie des Kino-Jahres 2012, und damit nicht nur aufgrund der kuriosen Prämisse allein sehenswert. Fans der Cartoon-Serien von Seth MacFarlane werden durch den ureigenen Humor und die zahlreichen Seitenhiebe auf ihre Kosten kommen, während die gesamte Aufmachung und die angenehme Dosierung der komödiantischen Elemente den Film auch für ein breiteres Publikum schmackhaft macht. So oder so handelt es sich um ein äußerst erfrischendes, eigenständiges und rebellisches Stück Film mit einem hohen Wiedererkennungswert. Wer keine Probleme damit hat, dass das Niveau auch gerne mal nach unten hin ausgelotet wird; wird TED lieben – oder zumindest begeistert sein ob des hohen Unterhaltungswerts und des keinerlei Wünsche offenlassenden handwerklichen Parts.

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„Wie ein Kindheitstraum, der in Erfüllung geht… zumindest für Zuschauer ab 16.“

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1 reply »

  1. Uffff … 8.0/10 und das von jemandem der mit FG eigentlich nichts anfangen kann so weit ich weiß. ^^ Ich mag Family Guy, hab einen Großteil bereits auf DVD, American Dad hab ich zwar noch keine einzige Staffel auf DVD, aber mag ich genauso…vor allem beim ersteren kann man sein Hirn wunderbar ausschalten.

    Mit Ted allerdings kann ich nicht so viel anfangen. Er war ganz nett, einige witzige Szenen, einige nette Szenen, einige nachdenkliche/traurige Szenen…aber letztendlich ein Film den man sich höchstwahrscheinlich nur einmal ansieht. Eigentlich ein Film der in der Family Guy Parodienwelt (und auch in der von South Park^^) nicht gut wegkommen würde, so kam mir manchmal schon der Gedanke, ob Seth „uns“ mit dem Film verarschen will…aber gut…Seth MacFarlane (sympathischer Kerl, der so weit ich beurteilen kann sogar sehr gut singen kann) ist doch noch ne Stufe entfernt von der satirischen Brillanz von Leuten wie Matt Parker und Trey Stone. ^^

    „Ted“ ist eine Parodie in sich selbst und funktioniert humortechnisch nur stellenweise…ich spreche allerdings für die Deutsche Synchronfassung, falls die englische besser sein sollte, pardon…ich kenne sie nicht. Für einen Kinderfilm zu derb (als Kinderfilm hätte er möglicherweise sogar funktioniert …wenn man nur die Freundschaft in der Kindheit beleuchtet hätte und die Derbheit zurückgefahren hätte) , für einen Erwachsenenfilm über weite Strecken recht albern, für einen Film mit ernstem und dramatischem Element (Erwachsenwerden) zu plump.

    SPOILER….

    Dass der Film gegen Schluss zum heimlichen „Tearjerker“ (zu Deutsch ein „Tränendrüsendrücker“ – gleichzeitig hieß auch eine Episode von American Dad so ^^) mutieren mag….“Oh das arme Bärchen!“ 🙂 …das ist zwar fies und zugegeben auch irgendwie genial zu gleich, aber irgendwie auch sehr gewollt. Bekanntermaßen ist es schwieriger, jemanden zum Lachen als zum Weinen zu bringen. Zum Schluss wirds dann – oh Wunder – doch wieder ein Happy End..nunja. ^^

    SPOILER ENDE.

    Nett, aber umgehauen hat es mich nicht…zumal bei einigen Szenen und Gags auch leichtes Fremdschämpotential entsteht. ^^ Aber das alles (und aufgrund des großen Erfolgs) hat keinen Einfluss auf das Release des bald kommenden zweiten Teils.

    Nichtsdestotrotz…meine Lieblingsszenen.^^

    6.0/10

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