Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Die Tür“ (2009)

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Originaltitel: Die Tür
Regie: Anno Saul
MitMads Mikkelsen, Jessica Schwarz, Valeria Eisenbart u.a.
Land: Deutschland
Laufzeit: 103 Minuten
FSK: ab 16 freigegeben
Genre: Thriller / Drama / Fantasy
Tags: Tür | Pforte | Durchgang | Vergangenheit | Tochter | Schicksal | Tod

Manche Türen sollte man niemals öffnen.

Kurzinhalt: Der ehemals erfolgreiche Maler David beging in seiner Ehe schon mehrere Fehler. Dennoch leben er, seine Frau Maja und seine Tochter noch gemeinsam zusammen – bis es eines Tages zu einem verhängnisvollen Zwischenfall kommt. David soll an jenem Nachmittag auf seine Tochter aufpassen, geht zwischendurch jedoch hinüber zu einer Nachbarin. Mit der betrügt er seine Frau – was schlimm genug ist, doch führt seine Abwesenheit dazu, dass seine Tochter bei einem Unfall ums Leben kommt. David kann nur noch ihre Leiche aus dem Pool bergen – und verfällt daraufhin in ein endloses Selbstmitleid. Seine Frau distanziert sich nach dem Vorfall endgültig von ihm, und findet nach einiger Zeit einen neuen Partner. Fünf Jahre später ist David noch immer ein gebrochener Mann – und versucht, sich in irgendeiner Art und Weise mit seiner Frau zu versöhnen, sie um Verzeihung zu bitten. Doch jegliche Versuche schlagen fehl, sodass er selbst an der Schwelle zum Selbstmord steht. Dann jedoch entdeckt er durch einen Wink des Schicksals einen seltsamen Gang, der ihn in eine vertraute Gegend führt – es ist sein Zuhause, nur dass er offenbar 5 Jahre in der Zeit zurückversetzt wurde. Was nach einer echten Chance klingt, entpuppt sich schon bald als waschechter Alptraum.

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Kritik: Achtung, Spoiler ! DIE TÜR – das ist ein kurzer und prägnanter Titel für einen Film, der sich doch merklich von der Masse an deutschen Dramen abhebt. Woran das liegt, bleibt nicht lange verborgen: Regisseur Anno Saul hat sich für seinen Film die vielversprechende Buchvorlage DIE DAMALSTÜR von Akif Pirinçci zur Hand genommen. Hierbei handelt es sich um einen 2001 erschienen Roman, der seinen Reiz aus den vergleichsweise bodenständig erzählten, kleinen und großen Dramen des Lebens bezieht – aber in einen markanten Fantasy-Kontext eingebunden ist. Zwar hält sich Anno Saul mit seiner Interpretation des Stoffes nur lose an die weitaus komplexere Vorlage – doch reicht das bereits aus um ein etwas anderes, erfrischendes Drama zu kreieren. DIE TÜR beschäftigt sich nicht nur intensiv mit familiären Konflikten und schwerwiegenden Verlusten, sondern offeriert mit der titelgebenden Pforte (die im Film vielmehr als eine Art Durchgang dargestellt wird) ein markantes Mystery-Element, welches den Zuschauer so schnell nicht mehr loslassen wird. Warum ist sie da, woher kommt sie, wer kann sie benutzen ? Und: welche Auswirkungen hat sie auf David und das Schicksal seiner Familie ?

Jedoch, und das ist mitunter der einzig markante Wermutstropfen in und an DIE TÜR – sollte man keine allzu fantastischen, komplexen oder vielschichtigen Inhalte erwarten. Vielmehr ist es so, dass die Buchvorlage entsprechend eines TV-tauglichen Spielfilms inhaltlich enorm heruntergebrochen wurde – und nicht nur das, sie wurde auch explizit hinsichtlich eines direkteren Zugangs vereinfacht. So werden lediglich Charakter-relevante Fragen beantwortet; wenn überhaupt – alles andere, vor allem in Bezug auf die Idee hinter der Tür, bleibt in einem dunklen Schleier verborgen. Das ist schade, da der Film so kaum nachhaltig fesseln und beschäftigen kann – obwohl die diesbezüglichen Angebote quasi auf der Hand liegen. So wird man sich als Zuschauer (s)einen eigenen Reim auf etwaige Hintergründe machen müssen – und sich lediglich an den Charakteren und deren Interaktionen orientieren können. Deren Porträts sind dafür umso prägnanter ausgefallen; den gesamten Film über herrscht eine ansprechend düster-geheimnisvolle Atmosphäre, der man sich nur schwer entziehen kann.

Das DIE TÜR trotz einiger inhaltlicher Missstände und dezenter Durststrecken im Mittelteil so gut funktioniert, ist vor allem auch den engagierten Darstellern zu verdanken – allen voran Mad Mikkelsen. Der Däne spielt seine Rolle einmal mehr mit einer Brillanz die ihresgleichen sucht – und das ist nicht nur seiner ohnehin starken Präsenz zu verdanken. Auch wenn er sich insbesondere zu Beginn noch etwas zu sehr auf sein Minenspiel verlässt, kann er gerade im Mittelteil ordentlich punkten und sich darstellerisch austoben – und zwar in einem solchen Maße, dass er den Film als quasi-Galionsfigur beinahe allein trägt. Doch auch seine (vor allem deutschen) Kollegen machen eine gute Figur, selbst wenn dies nicht unbedingt zu erwarten war. Jessica Schwarz als Ehefrau und Mutter wirkt stets glaubwürdig – noch bemerkenswerter aber ist die junge Valeria Eisenbart  in der Rolle der Tochter, der man sofort entsprechende Sympathien entgegenbringen wird. Heike Makatsch dagegen ist zwar nicht unbedingt eine Fehlbesetzung, aber in diesem Falle durchaus gewöhnungsbedürftig. Ihre Rolle hat aber – und so gesehen glücklicherweise – ohnehin kaum Gewicht, sodass sich ein weiterführendes Urteil erübrigt.

Schade ist nur, dass neben Mads Mikkelsen und seinem von ihm verkörperten David vieles auf der Strecke bleibt – und das nicht nur in Bezug auf die fantastisch anmutende Hintergrundgeschichte. Man kann sich einfach nicht des Gefühls erwehren, dass hier und da einfach mehr dringewesen wäre – auch ohne dass man sich explizit an den Story-Rahmen getraut hätte. Ein markantes Beispiel ist hier sicherlich der Charakter des Siggi (Thomas Thieme), der offenbar der heimliche Kopf einer verschworenen Gemeinschaft ist – letztendlich aber kaum zu Wort kommt und es so ebenfalls nicht erlaubt, sich näher mit den mystischen Elementen von DIE TÜR auseinanderzusetzen. Was bleibt ist ein ansprechendes Drama mit einer bezeichnenden Mystery-Atmosphäre – was gut ist, doch hätte die Buchvorlage hier viel, viel mehr angeboten. Immerhin weiß der technische Part ob seiner allgemein dezenten Zurückhaltung zu begeistern – weniger ist eben manchmal mehr. Künstlich-störende Effekte bleiben aus, der Film überzeugt mit seiner ruhigen Kameraführung und den angenehmen Schnitten.

Fazit: DIE TÜR macht vor allem eines – Lust auf das zugrundeliegende Buch. Das ist zwar nur ein indirekter Vorteil für den Film, aber immerhin. Alleinstehend schafft er es einfach nicht, wirklich nachhaltig zu begeistern – zu heruntergebrochen wirkt die vielversprechende Story, zu wenig fantastisch das letztendliche Finale. Es bleibt bei einem soliden Thriller mit einem dezent ausgeführten fantastischen Touch, der über weite Strecken eine enorme Spannung etablieren kann – aber weit hinter seinem eigentlichen Potential zurückbleibt. Ein zusätzlicher Tipp für alle Mads Mikkelsen-Fans: die deutsche DVD beinhaltet eine Bonus-Tonspur, bei der seine Stimme nicht nachsynchronisiert wurde. Zwar spricht der Däne ein etwas gebrochenes Deutsch mit starkem Akzent, doch ist der Film noch immer bestens zu verstehen – und profitiert in dieser Fassung von einem zusätzlichen Atmosphäre-Boost.

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„Durchaus sehenswerter Mystery-Thriller, der aber dezent hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.“

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