Rezensionen: Filme

Filmkritik: „World War Z“ (2013)

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Originaltitel: World War Z
Regie: Marc Forster
MitBrad Pitt, Mireille Enos, Elyes Gabel u.a.
Land: USA
Laufzeit: 116 Minuten
FSK: Ab 16 Jahren freigegeben
Genre: Science Fiction / Horror / Action
Tags: World War Z | Weltkrieg | Apokalypse |Zombies | Untote | Familie

Zombies auf Speed… mindestens.

Kurzinhalt: Der U.N.-Mitarbeiter Gerry Lane (Brad Pitt) genießt wann immer es nur geht Zeit mit seiner Familie. Das Glück scheint perfekt, bis es in ihrer Heimatstadt New York City zu einem plötzlichen Ausnahmezustand eines bis dato ungeahnten Ausmaßes kommt. Die Gründe werden schnell offenbar: unzählige scheinen sich durch den direkten Kontakt mit anderen, von einem Virus infizierten Menschen geradezu zu transformieren – in nicht weniger als blutrünstige Zombies. Doch nicht nur das – die nunmehr ebenfalls infizierten sind offenbar noch stärker und agiler als nicht-infizierte, sodass die Überlebenschancen der Verbleibenden immer schneller schwinden. Gerry jedoch schafft es vorerst, sich und seine Familie in Sicherheit zu bringen – auf einen Flugzeugträger der US-Armee. Dort erfährt er von der bisherigen Entwicklung der Katastrophe, und erhält einen neuen Auftrag von den Vereinten Nationen. Er soll den Ursprung der unerklärlichen Erkrankung erforschen, muss sich dafür aber wohl oder übel einmal rund um den Globus bewegen – mit der ständigen Gefahr, selbst infiziert zu werden. Schweren Herzens lässt er seine Familie zurück – und versucht mit einem rasch zusammengestellten Team, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch wird er es noch rechtzeitig schaffen ?

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Kritik: Die Geschichte des Zombiefilms geht weit, weit zurück. Bezieht man auch jene frühen Werke mit ein, die den Zombie-Begriff noch nicht explizit erwähnten und sich zumeist mit dem Voodoo-Kult befassten; so könnte man schon bald von einem ganzen Leinwand-Jahrhundert voller Untoter und Zombies sprechen. Ein echtes Jubiläum, doch natürlich ist auch dieses Genre – welches zu Beginn noch gar kein eigenständiges war – einem stetigen Wandel unterworfen. Was als filmische Aufarbeitung von Ur-Ängsten in Form von plötzlich Besessenen Lebenden und Toten begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre auch zu einem kommerziellen relevanten Genre. Die Spitze jenes Eisberges markiert nun WORLD WAR Z – ein Film, dem man grob das Attribute eines Zombiefilms verleihen kann, aber mit allen bisher gängigen Konventionen bricht. Zum einen, da es sich um den bisher teuersten Zombiefilm überhaupt handelt – und zum anderen, da er sich sogleich auch den Status des kommerziell erfolgreichsten sichern konnte. Doch kann WORLD WAR Z dem spätestens durch George A. Romero’s DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN fleischgewordenen Zombiefilm-Genre tatsächlich noch etwas hinzufügen ?

Die ersten beiden bereits erwähnten Aspekte, die WORLD WAR Z deutlich von der Konkurrenz abgrenzen, sind gleichzeitig auch jene die ihn diesbezüglich eher disqualifizieren. Das klingt paradox, ist es aber keineswegs: schließlich handelt es sich bei Marc Forsters Genre-Ausflug nicht nur um einen in jeder Hinsicht modernen Zombiefilm; er ist auch noch einer der wenigen groß angelegten Blockbuster aus dem Herzen Hollywoods. Hier handelt es sich um zwei Aspekte oder auch Voraussetzungen, die so gesehen eher gegen den Film und seinen Status als Unikat sprechen sollten; weiß man doch um den exponentiellen Zuwachs der allgemeinen inhaltlichen Konformität bei steigenden Produktionskosten. Etwaige Rechnungen müssen eben aufgehen – speziell dann, wenn es um Machwerke aus Hollywood geht, bei denen man ohnehin eher auf wirtschaftliche denn auf künstlerische Interessen setzt. Sicher ist das ein typischer, auf viele Filme zutreffender Einwand; handelt es sich um grundsätzlich eher sperrige Themen die für ein breiteres Kinopublikum aufbereitet werden.

Somit erübrigt sich auch die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Prinzip – aus Zuschauersicht, versteht sich. Jene Mehrwerte, die WORLD WAR Z aus den offensichtlich unbegrenzten Mitteln heraus generiert, können die ebenfalls offensichtlichen inhaltlichen Schwächen kaum kaschieren. Denn, und auch das ist eher typisch denn ein Wunder: ein Großteil der Mittel wurde für optische Aspekte (Großansichten, Animationen, Effekte, Massenszenen, Kamerafahrten) und für bisher noch ungeklärte Investements (Brad Pitt ist zwar einer der gut bezahlten Hollywood-Größen, doch hat er den Film offenbar mitproduziert) ausgegeben. So erhält man zwar einige besonders spektakuläre Ansichten und Einzelszenen; diese wollen jedoch kaum zur etablierten Endzeit-Stimmung passen. Oder anders gesagt: man hievt die durch den Virus ausgehende Gefahr durch optisch aufgemöbelte weltweite Ansichten und aufwendigen Massenszenen zwar optisch auf ein gänzlich neues Niveau, schießt mit der erzielten Wirkung aber dezent am Ziel vorbei. Selbst die vom Film besonders hervorgehobenen Kniffe, die Zombies schneller, agiler und vielleicht auch ein stückweit intelligenter darzustellen; sowie die Möglichkeit eine ‚Heilung‘ in Aussicht zu stellen, sind alles andere als neu. Auch hier gilt: so spektakulär und dramatisch wurden derlei Elemente zwar noch nie gezeigt; doch letztendlich führt auch dies nicht zu einem intensiveren Erlebnis für den Zuschauer.

Doch selbst wenn man WORLD WAR Z einmal etwas unabhängiger betrachtet und sich auf die Wirkung der einzelnen Szenen fokussiert, bleibt er insgesamt enttäuschend. Das von Anfang an aufgenommene Tempo ist viel zu hoch und wird durch die hektischen Schnitte und die wackelige Kameraführung noch leidig unterstützt, man erhält keinen Bezug zu den Charakteren, zur tumben Handlung, zur Glaubwürdigkeit einzelner Szenen oder Elemente. Als ein Beispiel sei hier die gesamte Erkundungsmission des Hauptcharakters und seinen Team-Kollegen angeführt – etwas unglaubwürdigeres, gar lächerlicheres hat man selten in einem Zombie- oder Katastrophenfilm gesehen. Zumindest keinem, der eher seriös und (vermeintlich) ernsthaft angehaucht ist. Tatsächlich beabsichtigten Humor gibt es indes keinen, oftmals regieren theatralisch-mitleidige Blicke und kleinere Priesen US-Patriotismus das Gesamtbild. Ebenfalls schade ist, dass das Survival-Element nicht so explizit ausgeführt wird wie es potentiell möglich gewesen wäre – selbst die Familie des Hauptcharakters ist (zu) schnell in Sicherheit gebracht. Die wenigen Lichtblicke, wie etwa die Szene im Flugzeug (hier kommt erstmals wirklich Spannung auf) oder der außergewöhnliche Zombie-Turmbau zu Babel (der durch merkwürdige Logikfehler geschmälert wird – Stichwort Physik oder Überwachungs-Hubschrauber) sind dabei auch keine große Gegenhilfe mehr.

Fazit: WORLD WAR Z ist nicht nur ein eher schlechter als rechter Zombiefilm mit vielen Schwächen oder gar Fehlern; sondern auch eine weitere von vielen misslungenen Buchverfilmungen. Denn auch wenn man es dem Film kaum anmerkt, basiert er tatsächlich auf einem Buch von Max Brooks. Ein Erbe, welches absolut verpufft; injiziert man dem Ganzen nur eine ausreichende Portion Hollywood-Gleichförmigkeit. In Fällen wie diesen hilft es dann auch nicht, immer mehr und mehr Millionen in das Projekt hineinzubuttern – das macht es nicht besser, im Gegenteil. Es ist schade, dass der Film letztendlich keine eigene Identität an Tag legt und viele Chancen vergeben wurden – mindestens so viele, wie Millionen ausgegeben wurden. Somit reicht es nicht einmal mehr für eine Wertung im oberen Durchschnitt – aber doch für die unabhängige Empfehlung, sich einmal mehr mit den Klassikern des Genres zu beschäftigen. Die kosteten zumeist nur einen Bruchteil der hier veranschlagten Produktionskosten, und haben weitaus bemerkenswertes zur Entwicklung des Genres beigetragen.

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„WORLD WAR Z, oder: wie man 190 Millionen Euro eher nicht anlegen sollte“

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1 reply »

  1. Seh ich ganz genauso. Ein einzige Enttäuschung, wenngleich ich mir eigentlich nicht viel erwartet habe, halte generell nicht viel vom Zombie-Genre.

    Ich fand den Film durchwegs langatmig, unfesselnd, unspektakulär und vorallem b-e-l-a-n-g-l-o-s!
    Es gibt einfach keine einzige Szene im Film die mich wirklich erreicht hat oder wirklich in Erinnerung geblieben ist, noch gabs irgendwelche Thematiken mit dem es sich tiefer zu beschäftigen galt, wie denn auch, ist ja schließlich Hollywood 🙂

    Gefällt mir

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