Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Rampage – Rache Ist Unbarmherzig“ (2010)

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Originaltitel: Rampage
Regie: Uwe Boll
MitBrendan Fletcher, Michael Paré, Matt Frewer u.a.
Land: Deutschland, Kanada
Laufzeit: 85 Minuten
FSK: Ab 18
Genre: Drama / Action
Tags: Amoklauf | Verzweiflung | Gesellschaftskritik | Rüstung | Kleinstadt

Falling Down, Version 362a ?

Kurzinhalt: Der 23-jährige Bill Williamson (Brendan Fletcher) wird von seinen Eltern gedrängt, endlich etwas mit seinem Leben anzufangen. Ein Auszug und die damit gewonnene Eigenständigkeit könnte helfen – und tatsächlich scheint er von der Idee angetan, solange ihn seine Eltern nur weiterhin unterstützen. In Wahrheit aber hat er noch alternative Pläne, die in eine ganz andere Richtung gehen… dafür stehen eine Rüstung der Marke Eigenbau, sowie ein ansehnliches Waffenarsenal schon bereit. Zu was ist dieser junge Mann imstande ?

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Kritik: RAMPAGE ist einer der neueren Filme des umstrittenen Filmemachers Uwe Boll – der sich insbesondere mit seinen zahlreichen Videospielverfilmungen bisher nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert hat. Und doch ist er im Gespräch, führt weiterhin Regie und produziert, was das Zeug hält. So gesehen scheint er sein Ziel also erreicht zu haben – er macht was er will, und lässt sich dabei kaum dazwischenreden. Ob seine Filme im Laufe der Jahre und angesichts der gemachten Erfahrungen allerdings besser werden – und zu mehr als kurios-kontroversen Diskussionen taugen – das ist eine ganz andere Frage. RAMPAGE, das 2010’er Filmkind des deutschen, wirkt jedenfalls vielversprechend – vielversprechender als alles andere, was er jemals produziert hat. Klar ist allerdings auch, dass man die Erwartungen in Anbetracht der filmischen Vorgänger nicht allzu hoch ansetzen sollte. Die abgeschmackte, 2008’er Videospielverfilmung von FAR CRY mit Til Schweiger in der Hauptrolle war immerhin ein plumper Totalausfall. Lediglich mit dem ernsteren, experimentellen STOIC von 2009 zeigte Boll auf, dass er durchaus in der Lage ist, halbwegs anständige Genrefilme zu produzieren. Wenn, ja wenn er sich denn einmal etwas anderes in den Kopf gesetzt hat, als ein mehr oder weniger gutes Videospiel eher schlecht als recht zu verfilmen.

Doch ist es auch dem Faktor der Zurückhaltung zuzuschreiben, wie gut ein Film von Uwe Boll tatsächlich ist oder werden könnte. Eine Zurückhaltung; die sich vor allem auf seine ureigenen Visionen und seine draufgängerische Art, alles nach seinem Willen durchzusetzen, bezieht. Es scheint gar, dass seine Filme umso besser sind je weniger er sich kontinuierlich an etwas festbeißt – je mehr Spielraum er sich und seinem Filmteam lässt. Doch leider trifft auch das nicht immer zu. Schließlich ist RAMPAGE ein eben solcher Film, der kein langes Drehbuch braucht und bei dem die Dialoge spontan entstanden sind. Und doch schafft es Boll irgendwie, ihm seinen eigenen Stempel; seinen speziellen Stil aufzudrücken. Einen Stil, der das Gezeigte oftmals trivialisiert, dramaturgisch abschwächt – und somit Unterhaltungsfilme der etwas anderen Art entstehen lässt. Was einen durchaus ernsten Hintergrund, einen ernsthaften und enorm gesellschaftskritischen Ansatz hat (wie sollte es bei einem Amoklauf auch anders sein), entpuppt sich im Falle von RAMPAGE demnach als weitere, relativ inhalts- und seelenlose Filmportierung eines Spiels. Eines Videospiels, welches in der vorliegenden Form zwar nicht genau so existiert – doch das dazugehörige Genre, das gibt es. RAMPAGE fühlt sich tatsächlich nicht anders an als ein beliebiger 3D-Shooter – in der ein größtenteils gesichtsloser Protagonist umherzieht, um allerlei feindliches Gesindel niederzumähen. Sicher, die ‚Feinde‘ sind in diesem Falle nicht als solche zu identifizieren – zumindest nicht vom Zuschauer, was dem Hauptprotagonisten zumindest ansatzweise ein Stück Seele einhaucht. Und doch hält sich Boll kaum damit auf, die Gründe für die erschreckende Tat herauszuarbeiten; geschweige denn die Amok-laufende Person näher zu beschreiben. Vielleicht war das auch so beabsichtigt, und soll so die typisch Boll’sche Philosophie unterstreichen, die in seinen Werken immer wieder durchschimmert: alles ist schlecht, ganz besonders aber der Mensch.

So präsentiert RAMPAGE letztendlich doch keine inhaltlichen Offenbarungen – sondern vereinfachte, austauschbare Kost mit einem Hang zur (Gesellschafts-)Kritik. Einer Kritik, die breit gefächerter nicht hätte ausfallen können; und dem Film somit zusätzlich Identitätsschwierigkeiten bereitet. Im Endeffekt zählt ohnehin nur eins: ein junger Mann begeht einen Amoklauf. Es ist die Tat an sich, mit der der Film quasi ‚wirbt‘ – da können andere Aspekte eben schon einmal in den Hintergrund rücken. Sicher, mit einem Film allein, so kritisch er auch ist, kann man vielleicht nicht viel erreichen – doch sollte man deswegen noch lange nicht den vereinfachten Weg gehen und sich auf das Niveau etwaiger Nachrichtenagenturen begeben. Gerade wenn man die Chance hat, mehr zu sagen als es eine plumpe Schlagzeile jemals könnte. RAMPAGE ist letztenendes aber genau das geworden – eine fleisch- bzw. filmgewordene Schlagzeile, mit der man einfach nicht viel anfangen kann.

Der Film wirbt auch damit, dass er (alle angeschnittenen kritischen Aspekte einmal ausgeklammert) besonders spannend sei; da man als Zuschauer einfach nicht wüsste, was als nächstes passiert. Das stimmt zwar grundsätzlich, doch ist das kein großes Wunder – wenn man einen Großteil der potentiellen Handlung einfach ausblendet oder komplett ignoriert. Dieser Effekt wird besonders deutlich, wenn der Hauptprotagonist plötzlich über ein ansehnliches Waffenarsenal oder Sprengstoff mit professionellen Fernzündern verfügt. Das mag zwar eine Überraschung sein, doch keine besonders gelungene. Schlicht, da man gerade von einem Film wie diesem erwarten sollte, das er auch die Vorbereitungsphase des Amokläufers porträtiert. Ein weiteres Beispiel jener auffällig künstlich erzeugten Spannung findet sich in der Tatsache, dass der Amoklauf größtenteils ungehindert von statten geht – das ist wieder eine Überraschung, sollte man meinen; doch dieses Mal keine besonders glaubwürdige. So bleibt es lediglich an einer (späteren) Handlung, die mit dem sonst vorhersehbaren Ablauf des Films bricht, und zumindest das Ende des Films etwas anders gestaltet als man es erwartet hätte.

Wenn Boll-Filme aber schon nicht mit Inhalten glänzen; im wesentlichen nur oberflächlich entsetzen können – dann sollte dem doch zumindest ein versierter handwerklicher und technischer Part gegenüberstehen. Es sollte – doch erfährt man auch in diesem Bereich nur eine mäßige Befriedigung. Auch hier scheint Boll eine seiner Visionen umzusetzen – die darin besteht den Film möglichst authentisch, aber nicht billig wirken zu lassen. Die Folge: es wurden zwar hochwertige Kameras, dafür aber keine Stative verwendet. Zumindest in den meisten Fällen. So geraten selbst die anfänglichen Alltagsszenen zu einer kleinen Herausforderung für den Zuschauer, der aufgrund der ständigen Wackelei und den hektischen Bewegungen irgendwann nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Dem entgegen steht die allgemeine Hochglanzoptik – der Film wirkt über weite Strecken wie ‚geleckt‘, was ihm zusätzliche Einbußen hinsichtlich der allgemeinen Wirkung beschert. Der Soundtrack, sofern denn überhaupt einmal etwas zu hören ist, ist gleich völlig zu vernachlässigen.

Einen positiven Aspekt kann man RAMPAGE dann aber doch noch abgewinnen. Nämlich den, dass die Gewalt nicht zusätzlich als übertriebenes Stilmittel genutzt wird; oder sich die Szenen des Amoklaufs nicht über alle anderen Aspekten des Films positionieren. Eine Seltenheit in Boll-Filmen, aber doch eine willkommene Abwechslung.

Fazit: Um noch einmal zur Überschrift zurückzukommen – RAMPAGE ist kein neuer FALLING DOWN, und will es auch gar nicht sein. Dennoch fühlt man sich unweigerlich an jenen kritischen Filmklassiker erinnert, in dem ein Protagonist ebenfalls relativ plötzlich durchdreht und einen Amoklauf der etwas anderen Sorte veranstaltet. Das, was FALLING DOWN auszeichnete, sucht man bei einem Film wie RAMPAGE jedoch vergebens. Nicht nur, dass man so gut wie nichts über den Täter und seine Motivation erfährt, auch die Opfer bleiben namens- und gesichtslos. Von der viel zu plumpen Gesellschaftskritik erst gar nicht zu sprechen. Alles ist schlecht – also muss es auch schlechte Menschen geben, die schreckliches tun. Ein geschicktes Spiel mit den gängigen Opfer- und Täterrollen bleibt ebenso aus wie ein nachhaltiger Eindruck – RAMPAGE ist weitestgehend verzichtbar. Und vor allem derart nihilistisch, dass sich er sich normalerweise auch einer Wertung entziehen müsste. Gerade das rettet ihn aber noch halbwegs, da dem Zuschauer somit keine vorgefertigten Meinungen aufgezwungen werden und auch keine Propaganda einer jedweden Art betrieben wird.

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„Ein besserer Boll-Film – aber noch lange kein guter.“

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