Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Das Schloss Des Cagliostro“ (1979)

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Originaltitel: Rupan Sansei: Kariosutoro No Shiro
Regie: Hayao Miyazaki
Mit: Yasuo Yamada, Kiyoshi Kobayashi, Eiko Masuyama u.a. (Sprecher)
Land: Japan
Laufzeit: 110 Minuten
FSK: Ab 6 freigegeben
Genre: Animationsfilm (Action / Slapstick)
Tags: Lupin | Krieg | Familie | Geschwister | Vater | Liebe | Tod

Eines der ersten Werke des Anime-Großmeisters Miyazaki.

Inhalt: Nachdem Lupin und sein Kumpel Jigen gerade ein Staatscasino ausgeräumt haben, stellt sich die gemachte Beute als Falschgeld heraus. In ihrer Gangster-Ehre gekränkt versuchen die beiden, den Ursprung der Blüten zu ergründen. Ihr Weg führt sie dabei schnell in den kleinsten Staat der Welt, Cagliostro. Der hiesige Graf steht hier kurz vor einer Heirat mit Prinzessin Clarisse, die allerdings gegen ihren Willen festgehalten wird. So will er seine Machtposition festigen und das illegale Geschäft mit den Blüten weitertreiben – ohen dabei großartiges befürchten zu müssen, schließlich sind bereits zahlreiche Staaten eingeweiht. Lupin fasst kurzerhand einen Entschluss: nicht nur dass er den Geldfälschern ein für allemal das Handwerk legen will, auch die Prinzessin soll vor ihrem bösen Häscher gerettet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, greift der Erbe des legendären Meisterdieben zu einer eher ungewöhnlichen Methode: er sorgt dafür dass sein Erzfeind, der Interpolinspektor Zenigata, ebenfalls mit von der Partie ist. In all dem Durcheinander bahnt er sich seinen Weg in das Innere des riesigen Schlosses – und versucht, die Prinzessin aus ihrem gut gesicherten Turmgefängnuis zu befreien. Doch hat er die Rechnung ohne die Schergen des Grafen gemacht…

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Kritik: Der 1941 in Japan geborene Hayao Miyazaki, der im Jahre 1985 zusammen mit Isao Takahata das renommierte Studio Ghibli gründete; ist vielen expliziten Anime-Fans ein Begriff. Doch nicht nur denen – insbesondere die letzten Werke des Studios, wie PONYO (mit Miyazaki als Drehbuchautor und Regisseur, Kritik) und ARIETTY – DIE WUNDERSAME WELT DER BORGER (als Drehbuchautor, Kritik) sorgten dafür, dass seine Fangemeinde wächst und wächst. Am bekanntesten ist er hierzulande für seine Erfolgsfilme MEIN NACHBAR TOTORO (Kritik), PRINZESSIN MONONOKE (Kritik) und CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND (Kritik) – doch gab es auch eine Zeit vor dem Studio Ghibli. Eine dieser filmischen Perlen ist DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO aus dem Jahre 1979; ein Anime, der auf die Manga-Serie LUPIN III zurückgeht. LUPIN ? Das klingt in mancherlei Ohren doch sicher schon bekannter als DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO. Sicher nicht von ungefähr, schließlich sind bereits drei japanische TV-Serien über den Enkel des Meisterdiebes Arsène Lupin aus den Romanen von Maurice Leblanc erschienen. Diese stammen aus den Jahren 1971-1972, 1977-1980 und 1984-1985; und haben somit auch schon einige Jahre auf dem Buckel.

Während eine deutsche Fassung der in Japan allseits bekannten und beliebten TV-Staffeln aber noch aussteht, hat es zumindest der Film geschafft; auch international durchzustarten. Und das erstmals in den späten 80er Jahren, damals noch unter dem Titel HARDYMAN RÄUMT AUF. Das Problem: der Film war stark geschnitten, erst 2006 wagte man sich bei Anime Virtual (Kazé) an eine entsprechend werkgetreue Veröffentlichung. Dabei ist DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO bereits der zweite LUPIN-Film – ein Jahr zuvor erschien LUPIN SANSEI: LUPIN VS FUKUSEI NINGEN, der hierzulande aber weitaus weniger bekannt ist. Hier dürfte auch der Miyazaki-Bonus eine Rolle gespielt haben; schließlich verkauft sich ein Anime mit einem entsprechend großen, dahinter stehenden Namen einfach besser. Im vorliegenden Fall handelt es sich indes um alles andere als bloße Effekthascherei: DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO hat es, wie die gesamte LUPIN-Reihe, schlicht in sich.

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Und das liegt vor allem an der äußerst sympathischen Darstellung der Hauptprotagonisten. Es ist schlicht eine wahre Freude, den durchtriebenen Lupin und seine Kollegen dabei zu beobachten; wie sie sich stets neue Tricks und Kniffe einfallen lassen und diese natürlich auch direkt in die Tat umsetzen. Alles, um dabei ein bestimmtes Ziel zu erreichen – in diesem Falle die Rettung einer Prinzessin und die Aufdeckung eines Geldfälscher-Skandals. Wenn nebenbei auch noch der ein oder andere Schatz herausspringen sollte, umso besser. Sicher wäre das keine Aufgabe für einen gewöhnlichen Dieb – gut also, dass Lupin alles andere als ein solcher ist. Gerade aus besagtem Zusammenspiel, den Hauptcharakter in der Öffentlichkeit als gesuchten (und vielleicht auch gefährlichen) Dieb abzustempeln und den Zuschauer daraufhin seine wahre Natur erkennen zu lassen; lebt auch DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO. Eine entsprechend unterhaltsame Angelegenheit – die sich weit weg von einem plumpen Slapstick bewegt, auch wenn Lupin und Co. sicher auch gerne mal in das ein oder andere Fettnäpfchen treten. Wenn dann auch noch Lupin’s eigentlicher Gegenspieler, der Interpol-Inspektor Zenigata das Schlachtfeld betritt, ist das Chaos perfekt – und die Lachmuskeln entsprechend herausgefordert.

Das alles wäre indes nur halb so schön, hätte DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO nicht noch so viel mehr zu bieten. So ist das zweite markante Highlight und Qualitätsmerkmal neben den durch und durch charmanten Charakteren eindeutig die spannende Kulisse – in diesem Fall ein riesiges, prunkvolles Schloss. Hier wurde wahrlich mit einer erstaunlichen Liebe zum Detail gearbeitet, und etwaige Kinderfantasien bestens bedient. Seien es Geheim- und Falltüren, verwinkelte Gänge, Wassergräben, ein Turmgefängnis, ein Rüstungszimmer, düstere Katakomben – alles, was man sich beim Anblick eines solchen Schlosses wie dem hier gezeigten vorstellen könnte, wird auch gezeigt und entsprechend in Szene gesetzt. Das fördert nicht nur die Spannung und den ganz eigenen Flair des Films, sondern sieht schlicht gut aus; den qualitativen und farblich satten Zeichnungen sei Dank. Ebenfalls hervorheben sollte man, dass beinahe nichts was in DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO gezeigt wird, nicht auch genutzt wird. Anders gesagt: die Charaktere interagieren mit ihrer Umgebung, und das nicht zu knapp. Man taucht durch eine lange Bewässerungsanlage, gerät in riesige Zahnradwerke, versucht aus Fallen zu entkommen, begeht das Schloss auch von außen – und vieles mehr.

Wenn man Miyazaki’s Werk DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO überhaupt etwas schlechtes nachsagen kann, dann betrifft das eventuell den etwas gewöhnungsbedürftigen Auftakt. Schließlich werden die Charaktere kaum vorgestellt, und die erste Verfolgungsjagd ist längst nicht so einzigartig und stilsicher inszeniert wie der Rest des Films. Ersteres ist aber nicht wirklich dem Film selbst geschuldet – sondern vielmehr dem Veröffentlichungskontext. Als der Film in Japan aufgeführt wurde, wussten die Zuschauer schließlich schon recht genau Bescheid über Lupin und das dazugehörige Handlungsuniversum; während man hierzulande quasi noch immer auf dem Schlauch steht. Zweiteres ist spätestens dann vergessen, wenn die Charaktere erstmals das Schloss erblicken – ab diesem Zeitpunkt gewinnt der Film mehr und mehr an Fahrt, wird immer aberwitziger, bunter und stilsicherer. Und, das ist ganz wichtig: ohne dabei ins Lächerliche abzudriften. Da sei selbst verzeihen, dass Lupin in einer Szene mit einem Sprung eine stattliche Distanz von etwa 30 Metern überwinden, und desöfteren auch steile Wände hinablaufen kann – solche Elemente gehören (wie auch die übertriebene Verfolgungsjagd) einfach zum Franchise dazu.

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Dass der Film in vielerlei Hinsicht auffällig kindgerecht ausgefallen ist, darüber könnte man sich streiten – sicher hätte eine etwas düsterere Aufmachung, sowie eine nicht ganz so ‚geschönte‘ Form der Gewalt dem Film ebenfalls nicht schlecht getan. Doch hier zeichnet sich der Werdegang Miyazaki’s eben schon recht gut ab – er wollte seit jeher Filme und Serien für die ganze Familie kreieren, alters- und generationsübergreifende Werke erschaffen. Ein solches ist DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO allemal geworden – dass der Anime dabei letztendlich etwas harmloser als so manches Vergleichswerk daherkommt, stört überhaupt nicht. Auch die technische Inszenierungsqualität spricht dabei für sich. Sicherlich ist das hier zur Schau gestellte heute längst nicht mehr als Nonplusultra zu bezeichnen, doch ist ein charmantes original oftmals angenehmer als eine glattpolierte Neuauflage. Und überhaupt: die Farben wirken herrlich kräftig, Details sind ebenso vorhanden wie Lichtspiele und ausufernde Slapstick-Szenen; während die Hintergründe (ganz Miyazaki-typisch) geradezu phänomenal ausfallen. Wie in seinen späteren Filmen ist man geneigt, sich die ein oder andere Szene extrahieren und als Gemälde verewigen zu wollen. Ein guter Soundtrack und ein hervorragender Schnitt, der weder zu hektisch wirkt noch den Filmfluss bremst, runden das Ganze ab.

Fazit: DAS SCHLOSS DES CAGLIOSTRO schafft es mit Leichtigkeit, sowohl die Fantasie als auch die Lachmuskeln anzusprechen und den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute fabelhaft zu unterhalten. Dabei spielen weder das Alter, noch das Geschlecht oder die Herkunft eine Rolle – Myiazaki vermochte es schon früh, seine Botschaften entsprechend universell zu vermitteln und ganze Familien wie gebannt vor dem Bildschirm zu versammeln. Die hier erzählte, herrlich erfrischende Räuber- und Gendarmengeschichte lebt von ihren spritzigen, zutiefst unkonventionellen Charaktären und dem tollen Setting; und lässt gerade in Anbetracht des Veröffentlichungsjahres viele Konkurrenten blass aussehen. Auch, oder gerade heute noch. Schließlich handelt es sich um einen Anime, der sich nicht aufgrund seiner technischen Qualität als zeitloses Meisterwerk qualifiziert – sondern aufgrund des rundum stimmigen Gesamtpaketes.

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