Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Der Rasenmähermann“ (1991)

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Originaltitel: The Lawnmower Man
Regie: Brett Leonard
Mit: Jeff Fahey, Pierce Brosnan, Jenny Wright u.a.
Land: USA
Laufzeit: 141 Minuten
FSK: Ab 16 freigegeben
Genre: Science Fiction / Action
Tags: Intelligenz | Potential | Experiment | Computer | Virtuelle Welten

Der kleine, oder doch der große Bruder von TRON ?

Inhalt: Der Wissenschaftler Dr. Lawrence Angelo (Pierce Brosnan) leitet im Auftrag der US-Regierung eine Reihe von Experimenten, die zu einer künstlichen Steigerung der Intelligenz, sowie eine Erhöhung des Aggressions-Potentials bei bestimmten Versuchstieren führen sollen. Zumindest vorerst – denn aller Wahrscheinlichkeit nach setzt die Regierung auf eine neue Generation von Supersoldaten. Eines Tages gelingt es dem vielversprechendsten Versuchstier, einem behandelten Affen; der Anlage zu entfliehen – womit eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen ausgelöst wird. Da der Affe letztendlich sogar getötet wird, sieht sich Dr. Angelo in seinem Bestreben bestätigt, sich vom potentiellen Kampfeinsatz seiner Versuchsobjekte zu distanzieren – und sich stattdessen dem gesellschaftlichen Potential seiner Forschung zu widmen. Seinen direkten Auftraggebern gefällt das verständlicherweise weniger – sodass sie ihm ein Ultimatum stellen. Dr. Angelo nimmt sich daraufhin eine dringend benötigte Auszeit – jedoch nicht, um über die bisherigen Ergebnisse nachzudenken. In seinem Kellerraum setzt er seine Forschungen fort – dieses Mal allerdings an einem menschlichen Testobjekt, dem geistig zurückgebliebenen Jobe (Jeff Fahey). Nach aussen hin verkauft er selbige Experimente als simple Lehrstunden, in denen er versucht Jobe etwas beizubringen – und tatsächlich unterscheidet sich das, was er letztendlich tut, überhaupt nicht von dieser Intention. Jobe wird von Sitzung zu Sitzung intelligenter, nimmt sich selbst stärker wahr – und avanciert im weiteren Verlauf zu einer waschechten Intelligenzbestie, die selbst Dr. Angelo zu übertreffen vermag.

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Kritik: Was muss ein Film besitzen, um sich die Attribuierung als Kultfilm zu verdienen ? Eine Möglichkeit ist nach wie vor die, Vorreiter in einem Genre zu sein – indem man bisher noch nie oder nur zaghaft behandelte Themen mit einer großen Portion Mut und Ideenreichtum unbeeinflusst von allen äusseren Umständen auf die Leinwand bannt. So geschehen ist dies auch im Fall von DER RASENMÄHERMANN, der sich explizit mit dem faszinierenden, in den frühen 90ern noch alles andere als abgenutztem Thema der virtuellen Realitäten auseinandersetzt; es aber nicht allein dabei belässt. Unter der Führung des Regisseurs Brett Leonard wird die virtuelle Ebene direkt mit der realen verknüpft – wobei ein besonderes Augenmerk auf die wechselseitigen Auswirkungen gelegt wird. So gesehen könnte man von einem indirekten Nachfolger von TRON sprechen – einem früheren Kultfilm, der seine Handlung jedoch explizit auf das ‚Innenleben‘ einer fortschrittlichen Technologie beschränkte; und in Bezug auf die eigentliche Realität nur sinnbildliche Parallelen anbot. DER RASENMÄHERMANN schöpft seine Faszination dagegen aus den unmittelbaren Folgen des Experiments – die letztendlich an einer einzelnen, markanten Versuchsperson festgemacht werden.

Jener Jobe, der sich als geistig zurückgebliebener aufgrund der fortschreitenden Experimente plötzlich mit einer enorm gesteigerten Intelligenz konfrontiert sieht; taucht daher nicht von ungefähr als RASENMÄHERMANN im Titel des Films auf. Allerdings braucht der Film etwas, um wirklich in Fahrt zu kommen und sich auf die eigentliche Handlung zu fokussieren – sodass insbesondere der Beginn etwas länglich ausfällt; und den Zuschauer auf spätere Zeitpunkte vertröstet. Der Auftakt mit dem entflohenen Affen samt dessen abenteuerlicher Montur, den stark behelfsmäßig wirkenden Filmaufnahmen und dem ersten Zusammentreffen mit Jobe versprüht so einen explizit trashigen Charme – der jedoch nicht wirklich zum folgenden Science-Fiction-Intermezzo passen will. Das darauf folgende, erste Porträt von Jobe dagegen erfüllt seinen Zweck – es ist gut, dass sich die Macher hier vergleichsweise viel Zeit genommen haben, den frühen RASENMÄHERMANN vorzustellen; und ihn ein stückweit auf seinem Alltag zu begleiten. Schließlich wird man später auf jene Erlebnisse zurückkommen, und den ’neuen‘ Jobe dem ‚alten‘ gegenüberstellen.

Grundsätzlich ist die Verwandlung von Jobe das eigentliche Highlight des Films – in etwa (und mit etwas Fantasie) ist es Vergleichbar mit dem tragischen Werdegang eines Alexander DeLarge aus Kubrick’s UHRWERK ORANGE. In beiden Fällen unterziehen sich entsprechend vorbelastete Männer einer Art Experiment hinter verschlossenen Türen; wobei direkt in die Chemie des Gehirns eingegriffen wird – mit teils positiven oder gar rechtfertigenden, teils erschreckend Folgen. Und so verbindet jene beiden Filme ein weiteres, markantes Positivmerkmal: die berühmt-berüchtigte was-wäre-wenn-Frage. Das sich das Stellen derselben überhaupt anbietet, weist einerseits auf die Qualität und den Innovationsfaktor des Materials hin – andererseits aber auch auf das Kult-Potential und die heiss begehrte Attribuierung als möglichst zeitloser Film. Auch DER RASENMÄHERMANN erfüllt diese Bedingungen, zumindest in mancherlei Hinsicht – und offeriert dem Zuschauer eine dystopische, aber doch alles andere als unwahrscheinliche Vision einer technologischen Zukunft, in der Menschen je nach Belieben manipuliert werden können. Zwar hält man es beim RASENMÄHERMANN nicht ganz so dezent wie in Kubrick’s Meisterwerk. Doch selbst in Anbetracht dessen, dass das Schicksal und die Zukunft der gesamten Menschheit auf dem Spiel stehen – direkt (durch die akute Bedrohung) wie indirekt (durch die Technologie an sich) – kauft man dem RASENMÄHERMANN alle dargebotenen Inhalte und Entwicklungen ab.

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Das ist nur gut und richtig – und gerade in Bezug auf das eigentliche Veröffentlichungsjahr in den frühen 90ern sollte der teils ‚erschreckende‘ Aspekt eine noch größere Rolle gespielt haben. Aber auch heute noch funktioniert der Film – wenngleich man gewisse Abstriche machen muss. Denn ausgerechnet eines der vermeintlichen Highlights des Films; nämlich die für damalige Verhältnisse ‚bahnbrechenden Computeranimationen‘ (und damit das Design der virtuellen Welten) verfehlen eher ihren Zweck, als das sie nachhaltig begeistern könnten. Hier kommt man der angestrebten Zeitlosigkeit nicht gerade entgegen – vieles wirkt einfach nur erschreckend plump. Dabei hätten sich die Macher bewusst sein müssen, dass die hier eingesetzten Effekte schnell ihren Reiz verlieren, und so unfreiwillig zum Trash-Charme des Films beitragen würden. In Bezug auf die Technik und Visualisierung wirkt daher selbst der 10 Jahre ältere Sci-Fi-Film TRON futuristischer, aufwendiger und zeitloser dargestellt als die mitunter geradezu hässlichen Technologie-Momente aus DER RASENMÄHERMANN. Es gehört eben schon einiges dazu, ein ‚Utopia‘ in Form einer virtuellen Welt zu inszenieren – doch in diesem Fall helfen selbst die bekräftigenden Aussagen der Protagonisten (hier drin kannst du alles machen / sein was Du willst) nicht viel. Makaber: der Anzug, den Jobe im späteren Verlauf trägt, erinnert explizit an eben jenen Vergleichsfilm, jenes mehr oder weniger offensichtliche Vorbild – eine Tributzollung, oder doch nur ein Zufall ?

Fazit: Man könnte den RASENMÄHERMANN durchaus als Kultfilm bezeichnen – jedoch nicht aufgrund der längst in die Jahre gekommenen (und auch sonst erschreckenden) Visualisierungen, sondern ausschließlich aufgrund des faszinierenden, durchaus innovativen Inhalts. Anspruch hin oder her – hier werden alle Prämissen entsprechend ausgeschöpft; und mithilfe eines gelungenen Spannungsbogens und des intensiven Beleuchtens der Charaktere zu einem stimmigen Gesamtbild verschmolzen. Auch die engagierten, stets glaubwürdig agierenden Darsteller tragen ihren teil zum Funktionieren des Films bei – ein angenehmer, sich auch mal schmutzig machender (in beiderlei Hinsicht) Pierce Brosnan, und insbesondere der wandlungsfähige Jeff Fahey sorgen hier für Aufsehen. Einen zusätzlichen, riesigen Bonuspunkt verdient sich indes das überraschend raffinierte Doppel-Finale des Films, mit dem man nicht unbedingt hätte rechnen können. Das seltene Gefühl, dass die Macher schlicht alles richtig gemacht haben und das Maximum aus einer Idee herausholten, sorgt so für eine wunderbare Schluss-Atmosphäre. Aber: der nicht ganz so stimmige Auftakt, die kläglichen Effekte und die einstweilen doch zu überzeichnet dargestellten Elemente verhindern eine entsprechend zeitlose Wertung. Es bleibt bei einer Empfehlung für alle Sci-Fi-Fans, und solche die es werden wollen.

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1 reply »

  1. Aha, du hast es also geschafft den Film zu schauen, mein Lob…. Und dein Fazit hört sich doch auch sehr gut an. Hab es mir schon gedacht dass deine Wertung in diese Richtung gehen wird, da du die Dinge für Gut empfunden hast, die mir auch positiv ins Auge gefallen sind. Der Rasenmähermann war mal wieder so ein FIlm den man als anders-gut bezeichnen könnte und die Wandlung von Jobe, sehr gut.

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