Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: CAIN’S OFFERING – Gather The Faithful (2009)

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Album: Gather The Faithful | Band: Cain’s Offering (weitere Band-Inhalte)

Land: Finnland – Stil: Melodic Power Metal – Label: Avalon Online

Alben-Lineup:

Timo Kotipelto – Gesang
Jani Liimatainen – Gitarre, Keyboard, Gesang (Backing), Chöre
Jukka Koskinen – Bass
Jani Hurula – Schlagzeug
Mikko Härkin – Keyboard

01 My Queen Of Winter 04.15
02 More Than Friends
05.38
03 Oceans Of Regret 06.21
04 Gather The Faithful 03.50
05 Into The Blue 04.25
06 Dawn Of Solace 04.18
07 Thorn In My Side 04.07
08 Morpheus In A Masquerade 06.51
08 Stolen Waters 04.35
08 Elegantly Broken 02.46

Eines der schmalzig-schönsten Metal-Alben aller Zeiten.

Es wird immer ein Streit-Thema bleiben: Balladen und (Power) Metal. Während die meisten Bands sich seit jeher damit arrangieren, ein oder zwei balladesk angehauchte Titel (in denen es vornehmlich um die große Liebe geht) in ihr Uptempo-Gesamtpaket einzubauen, gibt es auch jene Combos; die sich voll und ganz der Gefühlsduselei hingeben – und dabei auf die sonst übliche Portion Härte verzichten. Das kann entweder gut ausgehen, wie im Falle von SONATA ARCTICA (die die Mischung aus Emotion und Härte perfekt gemeistert haben) – oder diskutabel, wie im Falle von CAIN’S OFFERING. Dabei sind exakt diese beiden Bands eng miteinander vernetzt – Gitarrist Jani Liimatainen verließ SONATA ARCTICA im Jahre 2007, um – richtig, CAIN’S OFFERING zu gründen. Dazu versammelte ein doch recht hochkarätiges Lineup, bei dem besonders zwei Namen hervorstechen: Timo Kotipelto (STRATOVARIUS), eine der bekanntesten Stimmen im Power Metal sorgt für den Leadgesang; und Jukka Koskinen (AMBERIAN DAWN, WINTERSUN) für den Bass. Nun, dass CAIN’S OFFERING wohl eher weniger nach WINTERSUN und Konsorten klingen würden, war klar – doch dass sie nicht einmal den Härtegrad einer Band wie STRATOVARIUS erreichen, ist eine Überraschung.

In der Tat – GATHER THE FAITHFUL ist ein Balladen-Album durch und durch. Aber ist es deshalb auch ein schlechtes, zu vernachlässigendes ? Wenn man sich als eher hartgesottener Metaller bezeichnet, der um balladeske Nummern einen großen Bogen macht, durchaus. Ist man dieser Richtung gegenüber generell aufgeschlossen, so erwartet einen zumindest ein solides Album – aber keine Offenbarung. Der wahrlich überragenden Produktion steht ein recht… flauer Sound gegenüber, in dem die Gitarren eine eher untergeordnete Rolle spielen. Stattdessen gibt es massenhaft kitschige Arrangements und reichlich Keyboardeinsatz auf die Ohren, sowie einen wehleidigen Timo Kotipelto als emotionales Sprachrohr des Albums. Hier ist man auch am Hauptkritikpunkt des Albums angelangt: viele der Textinhalte wirken reichlich unspektakulär, klischeehaft; und kratzen an der Grenze zum Lächerlichen. Davon abgesehen kann Timo Kotipelto zweifelsohne singen – das muss er auch nicht mehr beweisen. Doch weiss er in seiner Hauptband STRATOVARIUS weitaus mehr zu begeistern als in einer Ansammlung von Balladen wie diesen.

Dabei startet das Album noch vergleichsweise temporeich und kräftig: MY QUEEN OF WINTER ist eine der wenigen Uptempo-Nummern des Albums. Während Songwriting und Inhalt durchschnittlich ausfallen, und in Sachen Keyboardeinsatz wirklich an nichts gespart wurde; so kommt doch Stimmung auf. Danach allerdings folgen gleich mehrere für das Album typische Nummern: MORE THAN FRIENDS ist eine der eher weichgespülten Nummern ohne viel Tiefgang oder Schmackes, OCEANS OF REGRET fällt bei weitem nicht so episch aus wie beabsichtigt – trotz der Tempiwechsel. Doch wie auch immer man dem Inhalt gegenüber eingestellt ist – man spürt auch in diesen Nummern, dass hier talentierte Musiker am Werk sind. Das hört man auch beim folgenden Instrumental und Titelttrack, GATHER THE FAITHFUL – bei dem man nun erstmals ein deutlicheres Augenmerk auf die Gitarren geworfen hat; verständlicherweise. Dennoch, nach dem fulminant-stimmigen Auftakt wirkt der Rest doch etwas handzahm. INTO THE BLUE ist nun die erste 100-Prozent-Ballade, wenn man so will – zuerst noch gänzlich ohne Drums, Gitarren und Konsorten kann Timo Kotipelto hier mit seiner eindringlichen Performance überzeugen. Sicher, auch hier handelt es sich um eine eher weinerliche Nummer mit Schnulzen-Potential, doch im Gegensatz zu den Titeln 2 und 3 wirkt diese hier schon deutlich zielstrebiger, stimmiger und besser organisiert.

Nach diesem kleinen Aufschwung folgt sogleich die absolute Überraschung des Albums: DAWN OF SOLACE. Hier handelt es sich um eine knackige Uptempo Power Metal-Nummer mit reichlich Schwung und einem durchaus genialen Refrain. Hier zahlt sich auch erstmals die Spielerei mit dem Keyboard aus – trotz des etwas überladen wirkenden Klangbildes entsteht ein vielschichtiger Titel mit Zeitlosigkeits-Potential, in dem selbst die Gitarren mal etwas deutlicher herausragen. Am überzeugendsten ist jedoch das Drumming von Jani Hurula, der sich erstmals richtig auslassen kann. Auch das Thema wurde perfekt getroffen: als eine Art Hymne über beziehungstechnische Abhängigkeiten und das manchmal erforderliche Loslassen kann der Titel über so manches Liebes-Tief hinwegtrösten. THORN IN MY SIDE schlägt nun (leider) wieder etwas salonfähigere Töne an, und präsentiert sich als rockig-harmlose Nummer, bei der zumindest die Gitarren etwas mehr Griffigkeit an den Tag legen. MORPHEUS IN A MASQUERADE beginnt noch verdammt vielversprechend (in etwa bis kurz nach dem ersten Refrain), verzettelt sich aber letztendlich in einer recht belanglosen Komposition ohne großartige Höhepunkte – und klingt über die knapp 7 Minuten recht gleichförmig. STOLEN WATERS verschreibt sich wieder einem etwas schnelleren Tempo – ein netter Titel, mehr jedoch nicht. Der Ausklang erfolgt mit dem vom einem Piano getragenen Stück ELEGANTLY BROKEN, welches noch einmal ordentlich in die Gefühlskiste greift. Dennoch, der poetische Anspruch und die ungewöhnlich ruhige Instrumentierung passen zum Album und sorgen so für einen runden Abschluss.

Fazit: Fans von SONATA ARCTICA und STRATOVARIUS können bedenkenlos zugreifen – sofern sie sich damit zufriedengeben, beinahe ausschließlich die balladeskeren Seiten der beiden Bands in einer Interpretation a’la CAIN’S OFFERING auf die Lauscher zu bekommen. Denn genau das ist GATHER THE FAITHFUL geworden: ein balladenlastiges Midtempo-Album irgendwo zwischen einem sanften Melodic und einem pompösen Power Metal; welches inhaltlich alles andere als eine Offenbarung ist – und gerade deshalb schonmal an den Nerven zerren kann. Ein Vorschlag zur Güte: bricht man das Album auf die 4 oder 5 wirklich guten (und somit enorm abwechslungsreichen) Titel herunter, so kann man nichts falsch machen, und tut sich selbst als hartgesottener Metaller nicht wirklich weh. Ein wenig Herzschmerz, warum nicht ? Auch das gehört zum Power Metal. Für eine Dauer-Rotation sollte man sich aber eher andere Scheiben auswählen.

Anspieltipps: INTO THE BLUE, DAWN OF SOLACE, STOLEN WATERS, ELEGANTLY BROKEN


70oo10

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