Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Sherlock Holmes“ (2009)

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Originaltitel: Sherlock Holmes
Regie: Guy Ritchie
Mit: Robert Downey Jr., Jude Law, Mark Strong u.a.
Land: USA, Großbritannien, Australien
Laufzeit: 128 Minuten
FSK: ab 12 freigegeben
Genre: Action / Abenteuer
Tags: Sherlock Holmes | Dr. Watson | Irene Adler | Blackwood | London

Ein Ermittler mit unorthodoxen Methoden.

Inhalt: Ende des 19. Jahrhunderts in London – der bekannte Detektiv Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) ist mal wieder im Begriff, mit seinem Partner Dr. Watson (Jude Law) einen weiteren Fall zu lösen. Gemeinsam platzen sie in eine Art ritueller Zeremonie, und verhindern so einen Mord. Der verantwortliche Übeltäter ist Lord Blackwood (Mark Strong), ein aufstrebender Krimineller mit einem Hang zur schwarzen Magie. Obwohl er auf frischer Tat ertappt wurde und ins Gefängnis gebracht soll, um auf seine öffentliche Hinrichtung zu warten; scheint ihm all das nicht sonderlich viel auszumachen – er wähnt sich in Sicherheit. Nach der Hinrichtung stellt Dr. Watson selbst den Tod von Blackwood fest –  und der Fall gilt als erledigt. Doch schon kurze Zeit darauf beginnt eine neue Mordserie, ganz wie von Blackwood noch vor seinem Tode versprochen. Holmes und Watson, der eigentlich Zeit mit seiner zukünftigen Ehefrau verbringen möchte, sehen sich mit einer neuen Aufgabe konfrontiert. Handelt es sich lediglich um einen Nachahmer, einen Komplizen – oder ist tatsächlich schwarze Magie im Spiel ? Als der Sarg von Blackwood geöffnet wird, scheinen sich die schlimmsten Bedenken zu bewahrheiten: an seiner statt liegt eine andere Leiche im Sarg…

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Kritik: Als einer der wohl berühmtesten Ermittler der Welt ist SHERLOCK HOLMES in aller Munde – und das damals wie heute. Ende des 19. Jahrhunderts vom Englischen Autor Arthur Conan Doyle als potentielle Kultfigur ins Leben gerufen, avancierte die Geschichte um einen zerstreuten Detektiv und seinen bodenständigen Begleiter zu einem echten Dauerbrenner – und erfuhr neben zahlreichen Abwandlungen und Neufassungen auch einige Verfilmungen in Film- und Serienform. Eine der neuesten ist die von Regisseur Guy Ritchie, der sich bisher eigentlich eher für kantige und unkonventionelle Produktionen verantwortlich zeigte. SHERLOCK HOLMES indes ist explizit auf ein möglichst unterhaltsames, abendfüllendes Werk getrimmt – eines für alle Altersgruppen und Zuschauerschichten. Und: es ist trotz der britischen Abstammung des Regisseurs nicht wirklich very british – sondern durch und durch von einer amerikanischen Machart gekennzeichnet.

Dass bedeutet in erster Linie, dass den Zuschauer mit SHERLOCK HOLMES ein pompöses, reichlich buntes und von Action-Einlagen gespickter Film mit Popcorn-Potential erwartet. Glücklicherweise gibt es jedoch einige markante Unterschiede, die den Film von anderen Genrevertretern abgrenzen. Sicher, wirklich anspruchsvoll ist SHERLOCK HOLMES nicht, und eine deutlich düsterere Aufmachung hätte dem Werk ebenfalls gut getan – doch kann man ihm nicht seinen blanken Unterhaltungswert, seine Detailverliebtheit und den wohl dosierten, teils reichlich kauzigen Humor absprechen. Es macht einfach Spaß, den einerseits zerstreuten, andererseits hoch intelligenten und aufmerksamen SHERLOCK HOLMES auf seiner mitunter gefährlichen Reise zu begleiten. Auch wenn die eigentliche Geschichte nicht besonders spektakulär ist, hält sie doch die ein oder andere Überraschung bereit – und vertieft sich voll und ganz in die Arbeit der beiden Ermittler Holmes und Watson. Diese ist sinnigerweise von einigen Höhen und Tiefen gekennzeichnet – und fällt dank der augenzwinkernden Inszenierung gleichsam spannend wie unterhaltsam aus.

Eine SHERLOCK HOLMES-Verfilmung im besten Hollywood-Stil hat eben seine Vor- und Nachteile – entscheidend ist, welche Seite am Ende überwiegt. Als durchaus vorteilhaft können die schicken Kulissen, sowie die Darstellung eines regen Lebens im London des 19. Jahrhunderts gewertet werden – hier macht sich das hohe Budget zweifelsohne bemerkbar; und zumindest scheint es nicht völlig zu verpuffen. Ebenfalls bemerkenswert (und schon beinahe ungewöhnlich) ist der verhältnismäßig schmutzig-düstere Look des Films – der ihn nicht noch harmloser erscheinen lässt, als er im Endeffekt ist. Selbige düstere Aufmachung ist dementsprechend allein dem technisch-optischen Part vorbehalten – inhaltlich herrscht eher ein munter-makaberer Unterton. Der Soundtrack (von Hans Zimmer) erfüllt seinen Zweck, mehr aber auch nicht – doch eigentlich ist es ein ganz anderer Faktor, der SHERLOCK HOLMES zu dem Film macht, der er geworden ist.

Und das ist ohne Zweifel die Darsteller-Riege. Mit Robert Downey Jr. als SHERLOCK HOLMES hat man mal wieder einen echten Glücksgriff gelandet – wie schon in IRON MAN sorgt der sympathische Schauspieler für ein ansprechendes Charakter-Porträt und die Einbringung einer ganz speziellen, persönlichen Note. Allein seine Mimik und Gestik ist beachtlich – und stellt das (etwas wirre) Innenleben des Detektivs wunderbar zur Schau. Während der Schauplatz (London) nicht immer gut zur Geltung kommt, und es im Endeffekt relativ egal ist wo die Handlung von SHERLOCK HOLMES angesiedelt ist, verleiht zumindest Jude Law als Dr. Watson dem Spektakel eine Prise british charm. Die Nebendarsteller wirken gut gewählt, auch wenn sie selten ins Rampenlicht gerückt werden – neben den beiden Ermittlern ist es so nur noch Bösewicht Blackwood, der häufiger auftritt. Auch diese Rolle ist mit Mark Strong recht gut besetzt – doch versagt an dieser Stelle das Drehbuch, welches einen insgesamt eher schwachen, und gar nicht mal so furcheinflössenden Antagonisten vorsieht. Und das, wo es zu Beginn noch ganz anders aussah – kommt man der Auflösung näher, entpuppt sich das Ganze (sinngemäß) als Farce – was einerseits gut und im Sinne des Films überraschend ist, andererseits aber leicht enttäuschend wirkt. An eben jener Stelle erfolgt sogleich ein Vertrösten – auf einen zweiten Teil und einen noch fieseren Bösewicht, der es schon eher mit SHERLOCK HOLMES aufnehmen könnte. Hollywood lässt – schon wieder – grüßen.

Fazit: SHERLOCK HOLMES ist in erster Linie eines – ein überdurchschnittlich gut unterhaltender Film mit Spaß-Garantie. Jener Spaß-Faktor setzt sich vor allem aus den findigen Rätseleien, dem Kauz-Faktor des Haupt-Protagonisten und den teils überdrehten Action-Sequenzen zusammen. Was dabei einstweilen auf der Strecke bleibt, ist der Anspruch. Doch auch hinsichtlich der Genre-Zuordnung gibt es Probleme – SHERLOCK HOLMES ist vielleicht sogar eher als seichte Komödie, denn als Abenteuer oder Krimi zu betrachten. Am ärgerlichsten ist aber die Tatsache, dass man sich mögliches Erzähl-Potential wieder einmal aufspart – für einen zweiten, dritten oder x-ten Teil. Was hilft alles vielversprechende Andeuten, wenn man sich im Endeffekt doch nur verhaspelt und das Ganze (unnötig) in die Länge zieht ? Dieser Hollywood-Geist zieht sich auch sonst noch zu stark durch den Film – sodass selbst Guy Ritchie kaum Gelegenheit hat, sein (durchaus umstrittenes) Talent zu zeigen. Alles in allem: ein akzeptabler SHERLOCK HOLMES im Blockbuster-Gewand, jedoch kein großer Wurf.

65oo10

3 replies »

  1. Beim „…kein großer Wurf“ kann ich zustimmen. ^^ Hatte ihn damals auch eher zufällig im TV gesehen und mir gleichzeitig nicht viel davon versprochen. Leider wars dann auch genauso gekommen, ein ödes Hollywoodwerk mit ein paar guten Szenen, vor allem gegen Schluss. Der Rest ist totlangweilig und Robert Doweny jr. nervt (mich) in seiner Holmes Rolle…zumindest finde ich sein Overacting, das er in fast jedem seiner Filme betreibt um seinen Charakter herauszustellen, nicht witzig. Ich möchte da als Parallele Johnny Depps Schauspiel heranziehen, er spielt es eigentlich fast genauso (siehe z.B. Sleepy Hollow) nur ich weiß nicht was es ist, ob es an ihm liegt oder sonst etwas, er macht es wesentlich besser und sympathischer.

    Irgendwie hat mich der Film so gar nicht begeistern können, nicht dass er besonders schlecht wäre, aber irgendwie…es hat mich nicht in seinen Bann gezogen. Er hat die Chance es in Teil 2 besser zu machen, wenn ich ihn mir wieder mal zufällig ansehen sollte. Definitiv ein überbewerteter Film. Wertung: 5/10

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