Rezensionen: Games & Apps

PC-Spieletest / Game-Review: DUKE NUKEM FOREVER (2011)

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Originaltitel: Duke Nukem Forever
Entwickler: Gearbox Software LLC
Publisher: 2K Games / Sports
Land: USA
USK: Ab 18
Genre: Ego-Shooter
Tags: Duke Nukem | Duke Nukem Forever | Macho | Aliens | Devastator

Was sind schon 10 oder mehr Jahre Verspätung…

Inhalt: Der Duke ist wieder da ! Und das als regelrechter Superstar, eben so wie es einem echten Welten-Retter gebührt. Doch lange kann sich DUKE NUKEM nicht an den Freuden des Alltags ergötzen – eine neue Alien-Invasion steht an. Und schon melden sich der Präsident und der Verteidigungsminister – beide mit recht unterschiedlichen Ansichten bezüglich des Engagements von DUKE.

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Auch die jungen Fans sind über die Rückkehr des alten Helden begeistert.

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Die Medien stehen Schlange… oder eher nicht ?

Viel mehr kann (und sollte) man wahrlich nicht über den storyrelevanten Hintergrund von DUKE NUKEM FOREVER sagen – doch die entscheidende Frage ist ohnehin eine ganz andere. Kann ein Spiel, dessen Entwicklung sich über eine gar rekordverdächtige Zeit hinausgezögert hat, noch ein gutes werden ? Nimmt man das 2011 endlich erschienene Spiel um den sprücheklopfenden DUKE NUKEM als Maßstab, so kann die Antwort eigentlich nur lauten: nein. Aber das muss es vielleicht auch gar nicht. Schließlich bietet der Ego-Shooter genau das, was man sich in Anbetracht des nunmehr längst kultigen Vorgängers DUKE NUKEM 3D vorgestellt hat. Launige Ballereien, hübsche Babes, fiese Aliens – und einen Weltenretter der eher wortkargen, aber dennoch coolen Art. Das Problem ist lediglich, dass die krude Entwicklungs-Historie zu einem leicht faden Beigeschmack führt.

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Manche Abschnitte erinnern an andere Spiele… hier eine leichte FALLOUT 3-Parallele.

Denn: besieht man eben jene Historie, und vor allem die zwischenzeitlich veröffentlichten Promo-Bilder und Trailer, so muss man zweifelsohne sagen: die Zeit wäre schon deutlich früher reif gewesen für den DUKE. Nicht nur, dass die lange Entwicklungsphase das letztendliche Endergebnis in keinster Weise rechtfertigt, gerade die Promo-Materialien, die rund um das Jahr 2005 stammen; sehen weitaus vielversprechender aus als die nun fleischgewordene Realität. Es stellt sich die Frage, wie viel Nacharbeitung und Aufpolierung ein Spiel (oder auch ein mediales Werk im allgemeinen) vertragen kann, bis die Verhältnismäßigkeiten kippen. Oder anders gesagt: wann ein Punkt erreicht ist, ab dem man nicht mehr verbessert – sondern nur noch ärgerlich verschlimmbessert, und Dinge mitunter wieder vereinfacht. Genau das ist im Falle von DUKE NUKEM FOREVER geschehen – auch wenn man sicher nicht davon ausgehen kann, dass die Entwickler über 10 (und mehr) Jahre Tag und Nacht mit dem Spiel beschäftigt waren. Zahlreiche Probleme und Schwierigkeiten (auch organisatorische) machten dies ohnehin unmöglich.

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Nieder mit der drei-brüstigen Alien-Emanze !

Doch ist dem fertigen Spiel stets anzumerken, dass die eigentlichen Ideen aus einer verdächtig frühen Phase stammen müssen – was man auch besonders gut in den jeweiligen Trailern sieht. Was also ist im Laufe der Jahre noch hinzugekommen ? Richtig, wenig bis nichts – es musste lediglich einige Zeit vergehen, bis das Spiel (aus rechtlichen und organisatorischen Gründen) veröffentlicht werden konnte. Entsprechend retro wirkt es, und ist daher auch alles andere als zeitgemäß. Andererseits ist dieses retro ein Bestandteil des Konzeptes von DUKE NUKEM – die Technik und Grafik muss nicht auf dem neuesten Stand sein; Hauptsache der DUKE kann reihenweise Alien-Invasoren plattmachen. Das reicht für ein mittelmässiges Spiel, das vor allem Genre-Fans ansprechen wird – zu mehr aber auch nicht.

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Willkommen in einer der Traum-Welten von DUKE NUKEM.

Denn es schleichen sich auch einige Ärgernisse ins Spiel, die man hätte vermeiden können. Neben einem recht langwierigen Auftakt sind es hier vor allem kleine Feinheiten, die man versuchen kann zu ignorieren – doch gelingt das nicht immer. Es fängt damit an, dass der DUKE nur 2 Waffen tragen kann – mit einer Option im Hauptmenü bis zu 4. Das passt so gar nicht zum altmodischen Konzept und Gefühl des Spiels, dass eben nicht auf Realismus getrimmt ist. Aber auch die Waffen selbst können nicht wirklich begeistern – man hat in etwa die Waffen aus DUKE NUKEM 3D übernommen (leicht modifiziert, versteht sich), und zusätzlich einige Hightech-Energiewummen implementiert. Diese wissen durch ihre Waffeneffekte und die nicht wirklich effektive Wirkung aber eher zu missfallen. Mit dem Schrumpf-Strahler und der Eiskanone hat man immerhin 2 bekannte Prügel im Paket, die entsprechend makaber ausfallen und zum besonderen DUKE-Flair beitragen. Ebenfalls ärgerlich: die KI der Gegner, die sich selten nachvollziehbar verhalten. Sicher, es handelt sich um (wild gewordene) Aliens – doch ein wenig mehr gefühlte Bedrohung wäre sicher nicht verkehrt gewesen. Diese gibt es dann zumindest im höchsten Schwierigkeitsgrad und insbesondere den gruseligen Boss-Monstern – auch wenn hier ebenfalls nur stupides Geballer angesagt ist.

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Die Lösungswege sind oftmals einfach gestrickt… aber immerhin unterhaltsam.

Das vielleicht größte Problem von DUKE NUKEM FOREVER aber ist seine Spielwelt. Bei aller Liebe zu einem gewissen Retro-Charme – ein wenig mehr Open-World (und sei sie nur gefühlt) hätte es schon sein können. Stattdessen erwarten den Spieler stark begrenzte, schlauchige Levelstrukturen; die immer nur einen Lösungsweg vorgeben. Die hie und da vorkommenden Rätsel wirken enorm aufgesetzt – noch schlimmer sind allerdings die Konsolen-artigen Einlagen. Hier gilt es dann in bester Tastenklopp-Manier, eine bestimmte Taste schnell hintereinander zu drücken – das kann besonders bei der Space-Taste und dem öffnen von Türen (zu Beginn noch recht häufig) eher nerven und den Spielfluss stören. Zur Story selbst braucht man nichts mehr zu sagen – sie ist quasi nicht vorhanden, doch genau das erwartet man vom DUKE. Aus diesem Grund kritisch zu werden, wäre daher absurd.

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Auch für ein harmloses Airhockey-Spiel nimmt sich der Macho-DUKE Zeit.

An anderer Stelle ist dergleichen dagegen wieder absolut angebracht – wie bei den eher nervigen Fahrzeug-Passagen (besonders dem Miniatur-Rennauto zu Beginn), dem schwankenden Gewaltgrad (kaum Effekte in Gefechten, dafür heftiges bei herumliegenden Leichen etc.) oder den stets punktgenau getriggerten Events. Wenn Gegner x noch nicht ausgeschaltet ist, wird die nächste Gegnerwelle noch nicht freigelassen – das erspart zwar einiges an potentiellem Frust, doch wirklich schön fühlt es sich nicht an. Auch eher unschön sind die ärgerlichen, unsichtbaren Levelgrenzen – die es selbst verhindern, dass man auf das ein oder andere (eigentlich niedrige) Objekt springen kann. Man braucht also erst gar nicht versuchen, abseits der Hauptwege auf Entdeckungstour zu gehen – oftmals bleibt bereits nach wenigen Metern ‚hängen‘. Alles, hinter diesen Begrenzungen liegt, wirkt grundsätzlich vielversprechend – wie etwa das Antlitz einer Stadt – doch stellen sich diese Elemente als reines Zierwerk heraus.

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Ein (verschwommener) Ausblick auf die Stadt… die leider nicht zu betreten ist.

Glücklicherweise gibt es dann doch noch einige Positiv-Aspekte. So wissen vor allem jene Passagen zu begeistern, in denen man selbst in geschrumpfter Form umherwandelt – eine Passage in einer überfluteten Küche bietet hier das absolute Highlight. Wenn man den DUKE durch die Regale voller Konserven, auf Hamburger-Brötchen hüpfend und Sprüche-klopfend durch die Miniatur-Welt steuert, dann sind viele Bedenken vergessen. Auch die Abwechslung in den Level-Abschnitten ist gelungen – mal bewegt man sich in städtischen Gebieten, mal in der Wüste (und sogar einer Westernstadt), mal in einer alienverseuchten Kulisse, mal unter Wasser… mal zu Fuß; mal in Fahrzeugen, mal geschrumpft, mal in Normalgröße – und sogar eine Art Traumsequenz in einer Bar gibt es. Auch die vielen versteckten Seitenhiebe auf andere Spiele, Filme und Co sind gelungen; sowie die Inszenierung des DUKE-typischen Humors. Auch wenn dieser so manches Mal einige Niveau- und Schmerzgrenzen zu unterwandern droht. Besehen wir nun eine Übersicht der Positiv- und Negativaspekte des Spiels:

Positivaspekte von DUKE NUKEM FOREVER:
  • Typisch-makabere DUKE NUKEM-Atmosphäre
  • Simples, aber kurzweiliges Spielprinzip
  • Tolle Schrumpf-Spielabschnitte
  • Große Level-Abwechslung
  • Furchteinflössende Boss-Gegner
  • Gutes Zusatz- und Bonusmaterial
Negativaspekte von DUKE NUKEM FOREVER:
  • Leblose, stark lineare Spielwelt ohne viele Möglichkeiten
  • Aufgesetzte Rätsel-Einlagen
  • Nervige Fahrzeug-Passagen
  • Unsichtbare Level-Begrenzungen
  • Mini-Spiele wie das Flippern machen kaum Spaß
  • Zu wenig und zu unnütze Schiessprügel
  • Inventar-Begrenzung
  • Recht kurz (10 Stunden)
  • Mäßige Grafik
  • Mäßige Soundkulisse
  • Mäßige Gegner-KI
  • Teilweise hakelige Steuerung, nervige Tastenklopp-Events
  • Kein freies Speichern
  • Steam-Voraussetzung

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Mit dem Monstertruck macht es schon mehr Spaß als mit dem Mini-Flitzer zu Beginn…

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Die rasante Loren-Fahrten sind auch nicht ohne… nur leider viel zu kurz.

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Die Hauptzentrale der fiesen Aliens muss zerstört werden… !

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Aufstieg in die unendlichen Weiten des Himmels… oder der Hölle ?

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Der letzte Bosskampf unterscheidet sich leider nicht vom ersten… der Kreis schließt sich.

Fazit: DUKE NUKEM FOREVER ist ein solides Spiel für Genrefreunde geworden. Das Spiel selbst ist grundsätzlich weniger ärgerlich als vielleicht erwartet ausgefallen – immerhin sorgt es für circa 10 Stunden typische DUKE-Unterhaltung. Doch die Tatsache, dass dieses Spiel vor 5, 6 oder 7 Jahren einen wesentlich markanteren Eindruck hinterlassen hätte (zweifelsohne) – trübt den Gesamteindruck doch merklich. Dies ist jedoch nicht falsch zu verstehen – auch vor 5 Jahren wäre das vorliegende Spiel definitiv kein 100%-Titel geworden. Das ist in jedem Fall schade – so wird das Spiel wohl kaum den Kultstatus des Vorgängers erreichen, und eher schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Vielleicht kommt ja irgendwann ein weiterer Nachfolger raus… doch dann bitte ohne eine derart langwierige Ankündigungs-Prozedur, sondern stattdessen mal ganz spontan.


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„Dieses Spiel kommt etwa ein Jahrzehnt zu spät – die Wertung ist noch großzügig.“

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2 replies »

  1. Guten Tag der Herr. Wie ich lesen musste und es aber auch schon erwartet habe hat dir das Game auch nicht zugesagt. Leider. Schade, doch so kann es gehen wenn Spieleentwickler etwas übertreiben mit der Entwicklungsphase eines heißerwartenden Spiels. Glücklicherweise gibt es das Game zur Zeit für günstig Geld 😉 Was trotzdem schon fast nervt ist die Gewissheit dass der DUKE vor einigen Jahren besser angekommen wäre und dass in jeder Hinsicht.
    Auf wiedersehen.
    CB

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    • Ja, für 10 Euro (gibt es nun schon seit längerem für diesen Preis) macht man nichts falsch. Hätte ich es bei der Neuerscheinung für roundabout 50 Euro gekauft (was ich natürlich nie gemacht hätte)… wäre die Wertung vermutlich (und aus Enttäuschung) noch niedriger ausgefallen. Der Duke ist tot… es bleiben die nostalgischen Erinnerungen.

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