Rezensionen: Power Metal

Metal-CD-Review: THY MAJESTIE – Jeanne D’Arc (2005)

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Album: Jeanne D’Arc | Thy Majestie (weitere Band-Inhalte)

Land: Italien – Stil: Power Metal – Label: Scarlet Records

Alben-Lineup:

Claudio Diprima – Schlagzeug
Maurizio Malta – Gitarre
Dario D’Alessandro – Bass
Giovanni Santini – Gitarre
Giuseppe Bondi – Keyboard
Giulio Di Gregorio – Gesang

01 Revelations 02.07
02 Maiden Of Steel
04.45
03 The Chosen 06.03
04 Ride To Chinon 04.30
05 …For Orleans 08.00
06 Up To The Battle! 05.21
07 March Of The Brave 01.04
08 The Rise Of A King 06.29
09 Siege Of Paris 06.22
10 Time to Die 04.48
11 Inquisition 01.36
12 The Trial 09.08

THY MAJESTIE sind wie Pizza – irgendwie weiss man immer, was man bekommt.

Vorwort: Geht es um melodisch-epischen Power Metal aus Italien, sind die seit 1998 putzmunteren THY MAJESTIE kaum noch aus der Szene wegzudenken. Zwar mussten auch sie sich typische Vorwürfe gefallen lassen, die sich vor allem auf Italien als Kitsch-Hochburg des Power Metals und fehlende Innovationen bezogen – doch blieben sie ihrem Weg glücklicherweise treu. Auf Oliverdsw.Wordpress wurden die ersten beiden Studioalben der Band bereits behandelt – das noch etwas kränkelnde und Startschwierigkeiten offenbarende THE LASTING POWER aus dem Jahre 2000 (Review), sowie das deutlich bessere, 2 Jahre jüngere HASTINGS 1066 (Review). Nach einer EP folgte 2005 dann bereits das dritte, nun vorliegende Album – JEANNE D’ARC. Alles deutet auf ein Konzeptalbum der besonderen Art hin – Albentitel und -Cover (welches leider nicht ganz so hübsch anmutet) rufen bereits zahlreiche Geschichten und Legenden um die bekannte französische Nationalheldin in Erinnerung. Ob es THY MAJESTIE dabei gelingt, sinnig auf ihrem Vorgängeralbum aufzubauen und vielleicht sogar in gänzlich neue qualitative Sphären einzutauchen – wird sich zeigen.

Kritik: Ein Album wie dieses kann nur mit einem atmosphärischen Instrumental-Intro beginnen – und so sorgt REVELATIONS für einen ersten Stimmungsaufbau und eine ungefähre Marschrichtung des Albums. Zu Beginn noch recht zaghaft und verhalten, schöpft man bereits nach der ersten Minute aus dem symphonischen Vollen – und präsentiert einige Soundtrack-taugliche Klänge in epischer Manier. Ebenfalls nett: die mysteriösen Flüsterstimmen und der Chorgesang, die nun auch den Übergang zum Opener MAIDEN OF STEEL markieren. Hier handelt es sich um eine recht typische Power Metal-Nummer mit Hymnen-Potential – auch wenn sich bereits jetzt deutliche Unterschiede zum vorherigen Album zeigen. Es scheint, als würden THY MAJESTIE mit JEANNE D’ARC eine etwas progressivere Richtung einschlagen; was sich unter anderem im reduzierten Tempo, dem deutlicheren Einsatz der Gitarren und dem überraschend gemäßigten Gesang niederschlägt. Tatsächlich zeigt sich, dass nun nicht mehr Dario Grillo für eben jenen verantwortlich ist – sondern ein gewisser Giulio Di Gregorio. All das mag gut und verständlich im Sinne einer Weiterentwicklung sein – leider scheint man dieses Konzept aber nicht auf die klangliche Brillanz und die Produktionsqualität übertragen zu haben. Doch dazu später mehr. Erst einmal folgt THE CHOSEN – welches von einigen Trompetenklängen eingeläutet wird. Inhaltlich ist man bereits mitten in den sagenhaften Erzählungen um die tapfere Kriegerin, die ihren Weg erst noch finden sollte – und auch klanglich wird es schon etwas vielfältiger, druckvoller und schlicht epischer. Lediglich gesangstechnisch bleibt man deutlich hinter den Erwartungen zurück – der neue Sänger kann es schlicht nicht mit seinem Vorgänger aufnehmen, und hinterlässt nicht einmal ansatzweise einen ähnlich markanten Eindruck.

Nur jenen, dass er eben nicht ganz so typisch im High-Pitched Bereich singt, und weitestgehend auf Screams verzichtet – doch das soll es dann auch schon gewesen sein. RIDE TO CHINON legt nun noch eine Schippe drauf, und serviert einen flotten, absolut eingängigen Power Metal-Instrumentalpart mit massig Keyboardeinsatz. Der Refrain klingt nun plötzlich wieder ganz typisch nach THY MAJESTIE, beziehungsweise dem Vorgängeralbum, wobei auch der Gesang mit ein paar kleinen Hilfsmitteln (dezente Chorelemente) auf ein akzeptables Niveau gesteigert werden kann. Zweifelsohne ist dies der erste Titel, der auf Anhieb funktioniert und schnell eine epische Gesamtwirkung erzielen kann – einer wie dieser wäre als Opener vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen. Aber sei es drum. Es geht weiter mit … FOR ORLEANS. Jene, die am ehesten auf allzu orchestrale und Keyboardunterstützte Arrangements hätten verzichten können, sehen spätestens jetzt schwarz. Doch grundsätzlich gehört dergleichen eben zu THY MAJESTIE wie die Idee, historisch inspirierte Konzeptalbum zu erstellen. So erwartet den Hörer eine dicke Schicht aus pompösen Keyboardsounds, Chorgesang und allem, was das Genre hergibt. Fans werden natürlich aufhorchen – alle anderen einen etwas zu aufgeblasenen Eindruck vermelden. All das, was der Titel sonst noch zu bieten hat, bewegt sich auf einem mittelprächtigen Niveau. Die Melodie geht Ordnung, der Gesang nach wie vor Geschmackssache; in den Instrumentalteilen gerät es einstweilen etwas chaotisch. UP TO THE BATTLE ist nun ein Stück in der Tradition von THE SIGHT OF TELHAM HILL vom Vorgängeralbum, kann dem vermeintlichen Vorbild aber nicht das Wasser reichen. Schade auch, dass sich die Produktionsqualität nicht auf dem höchstmöglichen Niveau bewegt – dann hätten der rassige Doublebass und die hier mal richtig gut gelaunten Gitarren noch besser wirken können.

MARCH OF THE BRAVE ist nun ein recht künstlich wirkendes Interlude aus der Konserve, mit einer Spielzeit von knapp einer Minute ein eher zu vernachlässigendes. THE RISE OF A KING serviert gerade zu Beginn ein noch stark gewöhnungsbedürftiges Gesamtbild aus sich verhaspelnden Gitarren, omnipräsenten Keyboardklängen und einer Portion Kitsch. Erst im weiteren Verlauf wird es deutlich besser, wenn auch längst nicht perfekt. Einen wahrhaft herausragenden Titel haben THY MAJESTIE bisher nicht auf JEANNE D’ARC abgeliefert – schonmal ein schlechtes Zeichen, wenn nur noch 4 Titel verbleiben. Doch was ist das – SIEGE OF PARIS bietet einen verdammt fulminanten Auftakt; der zwar immer noch etwas anorganisch klingt, aber durchaus zu fesseln weiss. Nach diesem erhabenen (dieses Gefühl überträgt sich hier zum ersten Male) Einstieg geraten auch die folgenden Strophen recht abwechslungsreich und stimmig inszeniert. Und endlich: Leadsänger Giulio Di Gregorio kann zeigen, was in ihm steckt. Von den deutlich schrofferen, tiefer und kräftiger gesungenen Strophen hin zu höheren Noten umfasst sein Auftritt diesmal eine größere Bandbreite, was vor allem seiner Präsenz zugute kommt. Der Refrain hätte ruhig noch etwas mehr Pfeffer vertragen können – dies ändert aber nichts daran, dass SIEGE OF PARIS der bisher beste und aussagekräftigste Titel auf diesem Album ist. Aber auch das folgende TIME TO DIE schöpft noch einmal aus dem Vollen, und bietet mit dem schon deutlich besseren Interlude INQUISITION den letzten Auftakt für das große Finale. Das kommt in Form des knapp 9-minütigen Epos THE TRIAL daher – es gilt, sich noch einmal zurückzulehnen und zu genießen (oder eben nicht).

Fazit: JEANNE D’ARC ist zwar deutlich ausgefeilter als das Debütalbum der Band – doch an den 2 Jahre älteren Vorgänger HASTINGS 1066 kommen THY MASTIE mit diesem Konzeptwerk leider nicht heran. Schuld daran ist die schwächere Erzähl- und Faszinationskraft – in das Universum von HASTINGS 1006 wollte und konnte man noch direkt und für Stunden eintauchen, die JEANNE D’ARC-Geschcihten aber lassen einen über große Strecken kalt. Dafür sorgt auch die viel zu lange Durststrecke zu Beginn des Albums – erst im späteren Verlauf steigert sich die Band noch einmal ordentlich, und serviert gerade in den letzten 4-5 Titeln mehr als nur solide Genre-Kost ab. Der Sängerwechsel wird ebenfalls nicht jeden glücklich stimmen, die Produktionsqualität könnte noch einen Tucken besser (sauberer, satter, druckvoller) sein. Doch mit diesem Problem hatte man ja bereits schon auf den beiden vorherigen Alben zu kämpfen. Bleibt eine absolute Empfehlung für Fans der Band, sowie des Italienischen Power Metals im allgemeinen – alle anderen finden mit anderen Werken aus dem Jahre 2005 eine wahrscheinlichere Offenbarung.

Anspieltipps: RIDE TO CHINON, UP TO THE BATTLE, THE RISE OF A KING, SIEGE OF PARIS, TIME TO DIE


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