Rezensionen: Filme

Filmkritik: „The Unborn“ (2009)

Filmtitel: The Unborn
Regie: David S. Goyer
Mit: Odette Annable, Gary Oldman, Cam Gigandet u.a.
Laufzeit: 88 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Horror

Horror – ja. Anspruchsvoller Horror – mitnichten.

Inhalt: Irgendetwas scheint ganz gehörig schiefzulaufen im Leben der jungen Collegestudentin Casey (Odette Yustman). Scheinbar aus dem Nichts wird sie plötzlich von üblen Alpträumen und Visionen heimgesucht, die ihr schreckliche Dinge zeigen. Dinge, zu denen sie offenbar keine Verbindung herstellen kann – doch die ihr mehr sagen sollten als sie zunächst ahnen kann. Als sich allerhand mysteriöse Zwischenfälle häufen – etwa als Casey von einem der Kinder auf dass sie aufpassen soll angegriffen wird, und sich eines ihrer Augen verfärbt – wird es ihr endgültig zu viel. Sie beschließt, das Gesehene und Erlebte nicht als Zufall abzustempeln, und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit. Die hat offenbar stark mit ihrer eigenen Mutter zu tun, die vor einiger Zeit Selbstmord begangen hat – und sogar mit ihrer Großmutter, die nur knapp den Gräueltaten der Nazis in einem KZ entgehen konnte. Letztendlich kann nur noch Rabbi Sendak (Gary Oldman) helfen – ein Exorzismus muss her.

Kritik: Man nehme… eine gute Prise jedes x-beliebigen Horrorfilms der letzten Jahre, verpacke das Ganze in einem optisch ‚aufgepeppten‘ Rahmen – und fertig ist THE UNBORN, ein äusserst kruder Horrorstreifen aus dem Land der unbegrenzten (Kino-)Möglichkeiten. Auch wenn einstweilen ein klein wenig der beabsichtigen Gruselstimmung aufkommen mag, eines ist definitiv sicher: THE UNBORN hat weder Hand noch Fuß, und kommt niemals über den Zustand eines allzu dreisten Plagiats hinaus. Ein eigenständiger Film mit einer eigenständigen Story sieht ganz, ganz anders aus – wobei dies in den ersten Minuten vielleicht noch gar nicht so drastisch abzusehen war. Hier regiert eher ein typischer Horrorfilm-Grundton mit ausgiebig bedienten Klischees: eine junge, durch und durch ‚unschuldige‘ junge Frau wird von fiesen Visionen heimgesucht, mit denen sie zuerst nichts anfangen kann – dann aber nach und nach realisiert, dass sie mit ihrer Vergangenheit respektive der ihrer Familie zu tun haben. Bereits das klingt nicht besonders aufregend, doch der eigentliche Frevel soll erst noch folgen.

Denn schließlich greift man in THE UNBORN im weiteren Verlauf ganz tief in die Trickkiste – oder eben nicht – und serviert dem erwartungsvollen Zuschauer eine makabere Mischung aus allseits bekannten Horrorfilm-Elementen. Mit dem einzigen Unterschied, dass hier alles in einem einzigen Film zusammenkommt, und das Ergebnis entsprechend verwunderlich wirkt. Ob Nazi-Vergangenheit (die Großmutter war in einem KZ grausamen Experimenten ausgeliefert), kontrollierten Kindern (die Casey das Babysitten fortan reichlich erschweren), Spiegeln als Zugang der Dämonen in unsere Welt, trashigen Fluch-Geschichten die sich über mehrere Generationen ziehen bis hin zu einem waschechten ‚Exorzismus‘, der gleichzeitig als Höhepunkt des Films fungiert – hier ist wahrlich von allem und für jeden etwas dabei. Die einzige Schlussfolgerung, die man hieraus ziehen kann ist indes die; dass weder die Flickenteppich-artige Grundidee, noch die letztendlich arg zusammengeschusterte Realisierung überzeugen kann. Selbst der dämonisch anzusehende ‚Spinnendämon‘, der sich staksig auf einer Treppe bewegt und für den wohl gruseligsten Moment verantwortlich ist, wurde offensichtlich aus anderen Filmen inspiriert.

Die Story und Umsetzung ist mies – gerade im Vergleich mit anderen Genrefilmen, die in der direkten Gegenüberstellung mit THE UNBORN wie intellektuell verschachtelte Meisterwerke wirken. Doch auch in anderen Belangen haben sich die Macher offensichtlich schwer getan. Denn was gehört zu einem zünftigen Horrorfilm wie diesem ? Richtig, eine Reihe von mehr oder weniger gut zeitlich abgestimmten Schockeffekten der Marke besser plump als gar nicht. Wer also glaubte, dass die Story ein echtes Ärgernis ist; der wird an diesen pompös in Szene gesetzten Momenten seine wahre Freude haben. So ist es hauptsächlich ein ‚dämonisiertes Kind‘, welches hie und da auftaucht. Ganz zu Beginn kann sich diesbezüglich noch ein deutliches Gänsehautgefühl einstellen (in einer Traumszene, in der Casey ein Embryo in einem Waldstück entdeckt) – doch schon wenige Momente darauf kann man sich schon nicht mehr so recht entscheiden, ob man sich nun fürchten, lachen oder weinen soll. Da stolziert ein mit blauen Kontaktlinsen ausgestatteter Junge munter durch Casey’s Leben (und Träume), weiss offenbar nicht so recht was er will und wie ihm geschieht – bis er es in einer finalen Konfrontation endlich darauf anlegen kann.

Und auch diese gleich – selbstverständlich – einem geschmacksverirrten Kuddelmuddel der Extraklasse. In einer besonderen Zeremonie soll der Dämon vertrieben werden – was sicherlich gelingt, würden die rezitierten Worte aus irgendeiner alten Schrift nur komplett lautstark vorgelesen werden. Gesagt, getan… jegliche Ansätze, dem Film auch nur einen Hauch von Tiefe zu verleihen, können dabei eigentlich nur fehlschlagen – und das tun sie auch (Gespräch zwischen Casey und dem Rabbi). Charakterbezogene Tiefen gibt es ohnehin keine hervorzuheben – es reicht, dass in der Vergangenheit etwas schreckliches passiert ist, dass einer Frau bis heute nachjagt. Was genau mit wem passiert ist, spielt indes eine untergeordnete Rolle – alle Charaktere sind zu 100 Prozent austauschbar. So wie auch die Darsteller – von denen Odette Yustman als Casey an vorderster Front spielt und versucht, mit verzweifelten Blicken zu retten, was zu retten ist. Das gelingt ihr dann auch nicht mehr wirklich. In ihrem Gebaren und Auftreten erinnert sie eher an eine Megan Fox im Schundwerk JENNIFERS BODY (Link); welche nun auch nicht unbedingt eine besonders… talentierte Darstellerin ist. Die optische Gestaltung fällt aber insgesamt annehmbar aus, von einigen besonders aufdringlichen Schock-Elementen und kläglichen Rückblenden einmal abgesehen – der Soundtrack bewegt sich irgendwo zwischen zweckdienlich und belanglos.

Fazit: Was für ein Kracher – THE UNBORN zündet richtig, nur ist die vorgegebene Richtung die falsche. Es muss sich schlicht um eine Reihe von unglücklichen Zufällen, einem unehrlichen Meinungsaustausch oder eine besonders markante Form der Geldgier gehandelt haben, die zu einer Veröffentlichung dieses schnöden Machwerks führten. Es werden lediglich allerlei altbekannte Elemente neu aufgekocht und wahllos durcheinander gewürfelt; es fehlt an allen Ecken und Enden – jedoch nicht an finanziellen Mitteln, denn für gut aussehende Darsteller und ein engagiertes Make-Up-Team hat es offenbar gereicht. Dafür kann man doch getrost auf cineastische Belanglosigkeiten wie Inspiration, Ideen, Mut und Können verzichten ? Man kann – wie man sieht – aber man sollte es nicht. Doch was soll man erwarten, wenn hinter all dem eine Produktionsfirma wie Platinum Dunes (mitbegründet von Michael Bay, verantwortlich für zahlreiche Horror-Remakes der Neuzeit – wie FREITAG DER 13.) steht ? Genau.

1 reply »

  1. Der Film ist bei mir jetzt schon etwas länger her…man wird ja hin und wieder genötigt jeden Schund (mit)ansehen zu müssen. ^^ Irgendwie fallen mir nur schemenhaft Szenen zu dem Film ein, aber es reicht um vier kleine Worte dazu sagen zu können: der Film ist scheiße. Deine Kritik beschreibt aber denke ich mal ganz gut ausführlich meinen damaligen Eindruck. Also stimme ich deiner finalen Wertung von 2/10 zwar blind, aber guten Gewissens zu.

    Was mich besonders stört ist die Tatsache, dass sich Gary Oldman für so einen Mist hergegeben hat. Das „dämonisierte Kind“, Ethan Cutkosky, ist übrigens auch in der US-Serie „Shameless“ mit William H. Macy zu sehen. ^^ Soll ganz gut sein die Serie, ich wünschte mir ja, dass sie genauso wie „Breaking Bad“ (Staffel 4 ab dem 2. November) auf arte läuft…ich schaue mir ernstzunehmende Serien schon lange nicht mehr im Privatfernsehen an. Da besorge ich mir lieber nach Jahren ganz billig die Serienboxen auf DVD/BD und hole das nach. ^^

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