Rezensionen: Sonstige Musik

Metal-CD-Review: KREATOR – Phantom Antichrist (2012)

Land: Deutschland – Stil: Trash Metal – Label: Nuclear Blast Records

Lineup:

Christian „Speesy“ Giesler (Bass)
Miland „Mille“ Petrozza (Gesang)
Sami Yli-Sirniö, Miland „Mille“ Petrozza (Gitarre)
Jürgen „Ventor“ Reil (Schlagzeug)

01. Mars Mantra
02. Phantom Antichrist
03. Death to the World
04. From Flood into Fire
05. Civilization Collapse
06. United in Hate
07. The Few the Proud, the Broken
08. Your Heaven my Hell
09. Victory will Come
10. Until our Paths cross again

Trash-Explosion der Extraklasse.

Vorwort: Wer kennt sie nicht, die Trash-Legende KREATOR ? Bereits im Jahre 1982 unter dem einstigen Namen TYRANT gegründet, veröffentlichten die Essener bis heute satte 13 Alben, zahlreiche Singles, EP’s und mehr – und können sich so zu Recht als Trash-Urgesteine bezeichnen; in einer Riege mit den ebenfalls 1982 gegründeten Bands SODOM und DESTRUCTION. Bei einer derart weit zurückreichenden Historie bleibt es natürlich nicht aus, dass die Band einigen Besetzungs- und Stilwechseln ausgesetzt war – doch haben gerade KREATOR eine riesige Fanbase, die ihnen über all die Jahre die Treue hielt und noch halten wird. Und das nicht ohne Grund: die Band belebte, prägte und definierte das Genre; und gilt bis heute als schier unantastbares Vorbild. Der neueste Streich, PHANTOM ANTICHRIST, kommt 3 Jahre nach dem letzten Werk HORDES OF CHAOS wie gerufen: in einer recht unübersichtlichen Zeit, in der zahlreiche neue Bands die Bildfläche betreten, zeigen die alten Hasen von KREATOR den Jungspunden schnell auf, wo es lang geht – und das sie das Szepter des Trash Metal noch immer in den Händen halten. Dafür sind nicht viel mehr als 10 Tracks nötig – die es allesamt reichlich in sich haben. Aber: sind KREATOR wirklich noch KREATOR, oder schlagen sie mit dem vorliegenden Album doch einen gänzlich anderen Weg ein ?

Kritik: Das große Trash-Fest beginnt auf PHANTOM ANTICHRIST noch recht gemütlich – und zwar mit dem Intro MARS MANTRA, einem schier hypnotisierendem Auftakt mit dezentem Gitarreneinsatz und leisen ‚lala‘-Gesängen. Im späteren Verlauf setzen jedoch bereits die schwereren Gitarren, Bass und Drums ein, das Vorspiel beginnt sich vollends zu entfalten. Gegen Ende dann folgt der vielversprechende Übergang zum Titelsong PHANTOM ANTICHRIST, der bereits vermuten lässt, dass KREATOR nun mächtig Dampf ablassen wollen. Und, das ist keine Überraschung: sie tun es. PHANTOM ANTICHRIST ist eine Trash Metal-Hymne allererste Güteklasse. Treibende Riffs, fette Drums und ein mehr als energischer Gesang von Mille Petrozza sorgen von der ersten Sekunde an für einen ungeheuren Drive, dem man sich nur schwerlich entziehen kann. Diese mannigfaltige Kraft und Ausdrucksstärke ist zweifelsohne ein lange etabliertes Markenzeichen von KREATOR – hier stimmt einfach alles, von der ersten bis zur letzten Note. Auffallend sind auch die vermehrten melodischen Einflüsse, die den Zugang auch eher Trash-fremden erleichtern können. Das soll aber gewiss nicht heissen, dass die Trash-Einflüsse der Band abhanden kommen; im Gegenteil. Hier entsteht eine wohlfeile Mixtur, die Fans und Neueinsteiger gleichermaßen zu überzeugen weiss.

Es geht sogleich munter weiter – DEATH TO WORLD ist der nächste Brecher im Bunde, der erneut wahre Hymnen-Qualitäten aufweist und sich schnell in den Gehörgängen festsetzt. In der Tat sind die melodischen Einflüsse ein wahrer Zugewinn – es muss eben nicht immer brachiales Gekloppe sein, man kann das Ganze auch in ein dezent melodiöses Gewand einhüllen ohne dabei an Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit einzubüßen. Wer die Band kennt weiss, dass gerade die satten Soli-Passagen immer wieder als waschechte Highlights herausragen – so auch in diesem Fall. Das kann sich hören lassen – wie auch der insgesamt gelungene Songaufbau, der ausreichend Abwechslung vorsieht und einen mächtigen, vielfältigen Eindruck hinterlässt. FROM FLOOD WITH FIRE kommt als deutlich anders strukturierte Nummer gerade recht, wenn es darum geht sich zwischenzeitlich auch mal ein wenig zurückzulehnen; auch das sollte man im Trash Metal dürfen. Let us be a part of the cure, never part of the plague...  ein stampfendes Midtempo, ein mehrstimmiger Refrain und ein enormes Live-Potential machen auch diese Nummer zu einer, mit der man rechnen muss. Aber auch hier haben KREATOR das ein oder andere Ass im Ärmel: gegen Mitte wird das Tempo plötzlich deutlich angezogen, einige beeindruckende Soli werden abgefackelt, das Schlagzeug wird massiv missbraucht – nur um daraufhin Mille Petrozza in einer geradezu ‚zarten‘ Stimmlage zu hören, bevor es zum letzten Mal auf den mächtigen Refrain zugeht.

Der nächste Titel lautet CIVILIZATION COLLAPSE, und bietet nach dem eher gemäßigten Auftakt eine Aneinanderreihung von Strophen, wie sie schneller und aggressiver nicht hätten inszeniert werden können. Das ist Kraft und Ausdrucksstärke in ihrer Reinform – man darf beeindruckt sein. Ein melodischer, das ganze etwas ‚beruhigender‘ Refrain sorgt für den nötigen Moment zum Durchatmen, bevor es in einem Trommel-lastigen Instrumental-Intermezzo weitergeht und das Ganze in einem stimmigen Finale mündet. UNITED IN HATE klingt nach einem weiteren Übertitel der aggressiven Art – doch bevor es so richtig losgeht, erwartet den Hörer vorerst eine ungewohnt ruhige Soundkulisse, bestehend aus den Klängen einer Akustikgitarre. Was danach veranstaltet wird, ist nur schwer in Worte zu fassen. Ein abwechslungsreicher Drumming-Part, einige melodiöse Arrangements in der Gesamtstruktur, ein mächtiger Mitsing-Refrain und allerlei musikalische Raffinessen machen auch diesen Titel zu einem Genuss. THE FEW, THE PROUD, THE BROKEN sticht sofort aus dem Kontext heraus: hier handelt es sich um eine weitere Midtempo-Nummer mit einem beeindruckenden Aufbau und einer tollen Gitarrenarbeit. Mal gibt man sich gekonnt hart, mal vermehrt melodisch; die Abwechslung ist enorm, die Vielfalt groß. Das eher ruhige, aber zweifelsohne spannende YOUR HEAVEN MY HELL; das super-melodiöse, flotte VICTORY WILL COME und das erhabene UNTIL OUR PATHS CROSS AGAIN schließen das Album derart gelungen ab, dass keine Wünsche offenbleiben.

Fazit: Einige sagen, dass die neue KREATOR-Scheibe zu melodisch geworden ist. Und wenn schon – alteingesessene Fans werden aus diesem Grund wohl kaum abspringen, im Gegenzug sichern sich KREATOR neue Hörerschichten und Interessenten. Verdientermaßen, versteht sich – PHANTOM ANTICHRIST ist ein rundum gelungenes, verdammt aggressiv-antreibendes Werk geworden, welches dem Genre alle Ehre macht und nur allzu gerne als Leitfaden und Inspirationsquelle für zukünftige Nachwuchsbands dienen sollte. Auch Abwechslung wird reichlich geboten: vom verschwörerischen, spannungsfördernden Intro über wahre Uptempo-Brecher bis hin zu leicht experimentellen Midtempo-Nummern und Live-Krachern ist alles vertreten, und das in einem Gesamtpaket aus gerade einmal 10 Titeln. Hier ist kein einziger Ausfall festzustellen. Die Jungs von KREATOR beherrschen nicht nur ihr jeweiliges Metier, sie beherrschen es perfekt – und sind längst so erfahren, dass sie das nötige Gespür für das, was ein echtes Ausnahmealbum ausmacht, zweifelsohne mitbringen. Eine satte, in allen Belangen perfekte Produktion und ein schick-verstörendes Artwork runden das ganze Projekt ab. Vielleicht handelt es sich bei PHANTOM ANTICHRIST nicht um das beste Album von KREATOR, aber doch zumindest um das beste Trash-Album, welches im Jahre 2012 das Licht der Welt erblickte. Kaufen !

Anspieltipps: PHANTOM ANTICHRIST, UNITED IN HATE, THE FEW THE PROUD THE BROKEN, VICTORY WILL COME


90button

„Trash Metal ohne nennenswerte Abstriche.“

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