Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Saw III – Hast Du Das Leben Verdient ?“ (2006)

Originaltitel: SAW III
Regie: Darren Lynn Bousman
Mit: Tobin Bell, Shawnee Smith, Angus Macfadyen u.a.
Laufzeit: 108 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 18
Genre: Horror

SAW vom Fliessband: Teil II und III sind in einem Jahr abgefertigt.

Inhalt: Noch immer ist der berüchtigte Fallensteller Jigsaw (Tobin Bell) auf freiem Fuss. Nachdem ihm jedoch zuletzt schwer zugesetzt wurde und sich seine Krebserkrankung dem Endstadium nähert, ist von ihm nicht viel mehr übrig als ein Schatten seiner selbst. Aktuell befindet er sich in einer weiteren versteckten Lagerhalle, kaum in der Lage aus seinem Bett aufzustehen. Doch es scheint, als hätte sich Jigsaw bereits um einen möglichen Nachfolger gekümmert: sein ehemaliges Opfer Amanda (Shawnee Smith) ist bei ihm in die Lehre gegangen und ist nun selbst in der Lage, ähnlich perfide Fallen vorzubereiten wie Jigsaw. Dabei handelt sie stets aus Dank und Bewunderung für Jigsaw, der sie auf höchst ungewöhnlichem Wege von ihrer Drogensucht und dem Hang zu einem selbstverletzenden Verhalten befreite. Doch es kommt der Tag, an dem sich Jigsaws Zustand weiter verschlechtert und ihm selbst Amanda nicht mehr beistehen und weiterhelfen kann – eine erfahrene Ärztin muss her. Schnell wir die viel beschäftigte Dr. Lynn Denlon (Bahar Soomekh) entführt und in die Lagerhalle gebracht – sie soll den sterbenskranken Jigsaw am Leben erhalten. Würde sie dies nicht schaffen, so würde einen Art Bombenkranz um ihren Hals detonieren, der mit Jigsaws Herzschlag verbunden ist. So kann sie kaum anders, als die entsprechenden Hilfestellungen zu leisten… auch wenn sie eigentlich bessere technische Voraussetzungen für eine Operation benötigte. Indes hat Amanda einen neuen Kandidaten in ein Spiel verwickelt: Jeff (Angus Macfadyen) verlor bei einem Unfall seinen kleinen Sohn, und ist seitdem auf Rache am damals betrunken Fahrer des Unfallautos aus.

Kritik: Das hat nun wirklich nicht allzu lange gedauert – nachdem in diesem Jahr bereits SAW II erschienen ist (Review), folgt nun prompt auch der dritte Teil des makaberen Horror-Franchises um den gemeinen Fallen-Steller Jigsaw. Zweifelsohne sollte man sich langsam die Frage stellen, welche Ausmaße diese Veröffentlichungsstrategie annehmen wird, geht es in einem vergleichbaren Tempo weiter – und tatsächlich, SAW IV und V sind zu diesem Zeitpunkt bereits angekündigt. Jene Zuschauer, die lieber zu in sich abgeschlossenen Filmen tendieren, werden ohnehin schon direkt nach Teil 1 abgesprungen sein – was vielleicht keine so abwegige Entscheidung gewesen ist – doch mit diesen Ankündigungen sollten nun auch Fans der Reihe langsam ins Grübeln kommen. Ja, wie viel Material lässt sich aus einer Grundidee wie der zu SAW herauspressen; bietet sie wirklich Potential für mehr als 5 Filme – die sich letztendlich auch voneinander unterscheiden ? Eine Frage, die man noch nicht endgültig beantworten kann, doch die Zeichen stehen vergleichsweise schlecht.  Schließlich verpflichtete man für den dritten Teil erneut Regisseur Darren Lynn Bousman, der schon Probleme mit der Inszenierung des Sequels zum Überraschungserfolg und Originalfilm SAW (Review) hatte, und das ehemals viel versprechende Szenario aus Horror- und Thriller-Elementen auf ein recht unspektakulär-typisches Mittelmaß bugsierte. Wird er im dritten Teil gar alle Fehler wieder ausbügeln und sich endlich dem Original von James Wan nähern – oder sich nur noch mehr verzetteln ?

Besieht man das letztendliche Ergebnis, das heisst das vorliegende Werk SAW III, so wird man diesbezüglich schnell zu einem ernüchternden Schluss kommen. Eindeutig (und leider) ist zweiteres der Fall – SAW III ist in einem vergleichbaren Stil gehalten wie schon der zweite Teil, und lässt damit erneut eine recht abgeflachte, inspirationslose Atmosphäre entstehen. Es gelingt Darren Lynn Bousman einfach nicht mehr, einen wirklich beklemmenden, furchteinflössenden oder schlicht besonders unterhaltsamen Grundton  zu etablieren – stattdessen wird die Fallensteller-Mär immer unglaubwürdiger, abstruser und… teuerer. Ganze 10 Millionen Dollar kostete der vorliegende dritte Teil; knapp 10 mal mehr als das Original – man wird sich verständlicherweise fragen, wohin das Geld geflossen ist. Und, man wird sich entsprechend wundern – schließlich bedeutet der höhere Kosten- und Produktionsaufwand noch längst nicht, dass der Film eine intensivere Zuschauerwirkung entfalten kann. Letztendlich ist das Gegenteil der Fall – auch wenn die Fallen immer aufwendiger und schlicht perverser werden. Das Franchise scheint sich so langsam aber sicher in eine bereits von einigen vermutete Richtung zu bewegen: Inhalt und Atmosphäre werden über Bord geworfen (zumal kaum neue Ideen vorhanden sind); stattdessen dominieren immer heftigere Gewaltdarstellungen und Ekel-Momente. Vielleicht werden Fans der Reihe (oder Fans von expliziteren Horrorfilmen, die den Stil klar über die Inhalte stellen) deswegen noch nicht gleich abspringen, oder nach der etwas dichteren Einführung gerade auf solche Inhalte aus sein – doch klar ist, dass SAW so keinen Innovations-Preis mehr verdient hat und sich in die Reihe der stumpfen Torture-Movies einreiht.

Immerhin ist man auch hier, und damit ganz SAW-typisch, auf einen möglichst schockierenden Twist, eine unvorhersehbare Wende gegen Ende aus – die zwar noch immer recht gut funktioniert, gegen die aus Teil 1 und 2 allerdings völlig verblasst. Alle anderen Aspekte, wie auch die technischen, bewegen sich auf einem vergleichbaren Niveau – eine Erklärung für die deutlich höheren Produktionskosten wird man nicht direkt entdecken können. Immerhin gibt es dieses Mal deutlich angenehmere darstellerische Leistungen zu bewundern: Shawnee Smith als neue ‚Komplizin‘ von Jigsaw und Bahar Soomekh als gefangengenommene Lebensretterin wider Willen überzeugen durch die Bank, wobei diese beiden Figuren im Zusammenspiel mit Jigsaw (gespielt von Tobin Bell, der nicht viel mehr zu tun hat als krank, dabei aber immer noch fies dreinzuschauen) ein nettes Potential hinsichtlich eines psychologischen Zweikampfes anbieten. Schade ist nur, dass die beiden keine Konkurrentinnen in dem Sinne sind – die Rollen sind klar verteilt, sodass auch das Ende nicht mehr wirklich überrascht.

Fazit: SAW III ist die recht unspektakuläre Fortsetzung eines sich langsam abnutzenden Franchises, dass aber sicherlich noch weiter ausgebaut werden wird da der schnelle Dollar winkt. In der Tat – eigentlich konnte nur der erste Teil überdurchschnittlich überzeugen und punkten, da er weitaus mehr tat als den (fraglichen) Blutdurst der Horrorfilmgemeinde zu stillen. Teil 2 enttäuschte eher, auch aufgrund der Arbeit des Regisseurs – von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch der dritte Teil unter der Ägide des selben Mannes keine neuen Höhepunkte mehr offerieren kann. Die neuen Fallen und das Porträt des von Rache getriebenen Vaters gehen zwar in Ordnung, doch könnten sie genauso gut Teil eines ganz anderen, x-beliebigen Horror- oder sogennanten ‚Folterfilms‘ sein. Es bleibt festzustellen, dass Jigsaw offensichtlich ausgespielt hat – doch wer weiss, was er zu Lebzeiten noch alles vorbereitet hat. Wir werden es schon bald erfahren. Schlussendlich: der dritte Teil kann als Empfehlung für Fans der Reihe angesehen werden, da er nicht schlechter ist als Teil 2 (nur eben ein wenig abgenutzter) – diejenigen die einen würdigen Nachfolger zum ersten Teil erwarten sollten indes lieber die Finger von SAW III lassen.

1 reply »

  1. Also Teil 3 hat mir definitiv wieder besser gefallen als sein Vorgänger, allerdings hat hier die Gewaltschraube teilweise unerträglich stark angezogen (Stichwort „Bone Twister“) und ich finde man hätte irgendwo nen Schlussstrich ziehen sollen hinter diesem Teil…aber nein. Irgendwie ist in den darauffolgenden Teilen übrigens untergegangen was aus dem Mädchen am Schluss überhaupt geworden ist…interessiert scheinbar so viele, dass mans erst Mal „vergessen“ hatte und dann irgendwo in Teil 5 (!) auflöst. LOL

    Ich habe kein Problem mit verstrickten Geschichten, aber das grenzt schon teilweise an Hinhaltetaktik und Verarsche und ich finde genau da haben die Macher ein Eigentor geschossen. Ab Teil 4 wird es zuweilen recht unübersichtlich und eigentlich weiß man überhaupt nicht mehr, warum die Leute weiterhin in irgendwelche Fallen geschickt werden. Jiggsaw ist tot, lang lebe Jiggsaw. ^^

    Übrigens sind es nicht nur die Regisseure selbst, die dem Film die Note verleihen, dahinter stecken doch fast immer wieder die gleichen Leute, im übrigen gibt es auch Leute die mit „style over substance“ doch noch ganz ansehnliche Filme fabrizieren, bzw. ist das sogar ihr Markenzeichen. 🙂

    Wertung: 6/10

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