Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Paranormal Activity 2“ (2010)

Filmtitel: Paranormal Activity 2
Regie: Tod Williams
Mit: Katie Featherston, Brian Boland, Molly Ephraim  u.a.
Laufzeit: 91 Minuten
Land: USA
FSK: Ab 16
Genre: Horror / Thriller

Auf zur zweiten Runde der Dämonen-Mär.

Inhalt: Ali Rey (Molly Ephraim), die Schwester von Katie (Katie Featherston, bekannt aus Teil 1 des Franchises), hat gerade einen Jungen zur Welt gebracht. Die Freude über den Familienzuwachs ist groß – auch auf Seiten des Ehemanns Dan (Brian Boland) und dessen Tochter Kristi (Sprague Grayden). Die mexikanische Haushälterin jedoch warnt die Familie vor einem bedrohlichen übernatürlichem Treiben im Haus – doch niemand schenkt der offenbar zutiefst abergläubischen Frau große Beachtung. Auch nicht, als die Familie das Haus bald darauf in einem völlig verwüsteten Zustand vorfindet – sie führen das Chaos auf potentielle Einbrecher zurück und lassen daraufhin einen ganzen Schwung Überwachungskameras im und am Haus platzieren.  Doch erscheint es ihnen doch etwas ungewöhnlich, dass nichts gestohlen wurde – bis auf eine besondere Halskette von eher immateriellem Wert. Was spielt sich hier wirklich ab, und welches Geheimnis verbirgt Ali ?

Kritik: Es geht also weiter – was für eine Überraschung. Oder eher: eben nicht. Schließlich war PARANORMAL ACTIVITY der Überraschungserfolg schlechthin, und brachte einigen Leuten Gewinne ein, mit denen sie in dieser Form nicht hätten rechnen können. Und wer würde ein solches Franchise schon sofort wieder fallenlassen ? Ein besonderes Merkmal des ersten Teils waren die absichtlich ‚umgekehrten‘ Stilmittel – und so präsentiert sich auch der Nachfolger ganz in der Tradition eines möglichst authentisch erzählten Found Footage-Films mit reichlich Grusel-Potential. Im Falle von PARANORMAL ACTIVITY 2 kann man aber noch nicht zwingend von einer perfiden Ausschlachtungs-Strategie sprechen – schließlich liess der erste Teil einige Fragen offen, beziehungsweise machte es schier unmöglich zu erahnen, ob hinter der zugrunde liegenden Idee nun mehr als Augenwischerei stecken könnte oder nicht. An das Sequel ist daher zumindest eine weiterführende Erwartung geknüpft: die Hoffnung auf das Ausführen der eigentlichen Idee, auf dass der Stil nicht erneut über den Inhalt dominieren würde. Denn das bekam der Zuschauer schon in Teil 1 geboten – durchaus wirkungsvoll zwar, doch geht man im Fall des PARANORMAL ACTIVITY-Franchises mindestens von einer Trilogie aus, kann man die Inhalte nicht einfach weiter hintenan stellen.

Und auf den ersten Blick scheint PARANORMAL ACTIVITY 2 auch die richtige Richtung einzuschlagen. Die hier porträtierten Ereignisse finden chronologisch 2 Monate vor den Ereignissen aus Teil 1 statt – und bieten so reichlich Potential, den ominösen ‚Fluch‘ und dessen Hintergründe genauer zu beleuchten. Als Zuschauer ist man somit wieder schnell mittendrin im Geschehen – und begibt sich auf die Suche nach möglichen Anhaltspunkten. Gut dabei ist, dass es nun die Schwester von Katie (aus Teil 1) ist, die in den Fokus gerückt wird – schließlich konnte man schon erahnen, dass der Fluch irgendetwas mit der Vergangenheit beider Schwestern zu tun haben müsste. Das Porträt der ‚Heimgesuchten‘ fällt dieses Mal auch weitaus komplexer und spannender aus als zuvor – was an der simplen Tatsache liegt, das Ali eine größere Familie hat als Katie. So kommen dieses Mal gleich 4 Hauptcharaktere (sowie 2 Nebencharaktere und ein Haustier) in den fragwürdigen ‚Genuss‘ der übernatürlichen Phänomene – zwischenmenschliche Interaktionen und ein reger Austausch über das Wahrgenommene sind vorprogrammiert. Diese bilden glücklicherweise auch das Herzstück des Films, und sorgen für eine größere Nachvollziehbarkeit der Verhaltensweisen – meistens.

Denn auch in PARANORMAL ACTIVITY 2 begeht man einen Fehler, den man unbedingt hätte vermeiden müssen: es gibt derer Handlungen und Reaktionen nicht wenige, die im Sinne eines möglichst auf authentisch getrimmten Films absolut unglaubwürdig wirken; ob man sich in einer Ausnahmesituation befindet oder nicht. Somit wird man schnell feststellen können, dass viele dieser Momente auf Drehbuchschwächen zurückzuführen sind – oder auf das Ziel, PARANORMAL ACTIVITY möglichst in die Länge zu ziehen. In einem guten Horrorfilm darf es derlei Momente aber einfach nicht geben, die einen gewissen Tatendrang im Zuschauer wecken, die Dinge anders anzupacken – er muss das filmisch ausführen, was auch der Zuschauer getan hätte. Andernfalls läuft man Gefahr, allzu stereotypen Mustern zu verfallen (beispielsweise indem man die Charaktere absichtlich in allerlei Fettnäpfchen treten lässt) – und eine verdächtig gewöhnliche Grusel-Mär zu erzählen. Genau das ist leider nun auch PARANORMAL ACTIVITY geworden – zumindest zu großen Teilen. Während man in Teil 1 noch weitestgehend über das Ausklammern des Inhalts hinwegsehen konnte, bleibt dem Sequel nun keine andere Wahl als auch eine echte Geschichte zu erzählen – die fällt zwar immer noch schön gruselig, aber eben auch reichlich unspektakulär aus.

Die technischen Aspekte bleiben indes auf dem ‚umgekehrten‘ Niveau des Vorgängers – wieder setzt man alles daran, eine möglichst authentische Wirkung zu transportieren. Neben den typisch verwackelten Bildern einer Handkamera gibt es dieses Mal allerdings auch viel mehr Aufnahmen aus gut platzierten Überwachungskameras – die man mit der Befürchtung, etwas schockierendes zu entdecken ebenfalls akribisch absuchen wird. Das besondere Gefühl des Franchises bleibt also auch im zweiten Teil erhalten – wenngleich man hier schon viel eher zu explizit schocklastigen Momenten greift. Die Darsteller spielen größtenteils glaubhaft und mit einer gewissen Natürlichkeit – und auch das Kleinkind und der Haushund werden sinnig in die Szenerie eingebunden. Im Gegensatz zum ersten Teil setzt man nun auch auf einen etwas ‚offeneren‘ Eindruck des Handlungsortes, es handelt sich nun nicht mehr um ein von der Aussenwelt abgeschottetes Häuschen – sondern vielmehr um eine geräumige Villa mit Garten und Poolbereich, in die die Protagonisten ein- und ausgehen. Hieraus ergeben sich mehr Möglichkeiten, mit der Umgebung und verschiedenen Situationen (beispielsweise als die Eltern eines Abends ausgehen) zu spielen und sie so spannungsfördernd einzusetzen.

Fazit: Das, was PARANORMAL ACTIVITY an Inhalten, Hintergründen und Erklärungsansätzen vermissen liess, liefert nun der zweite Teil quasi als Dessert nach – auch wenn sich die Ereignisse noch vor denen des ersten Teils abspielen. Jedoch muss man sich eingestehen, dass gerade diese Inhalte alles andere als spektakulär ausfallen. Nachdem man in Teil eher zu wenig über die große Grundidee hinter PARANORMAL ACTIVITY erfuhr und sich allein aufgrund der ungewöhnlich furchteinflössenden Stimmung gruselte, wird sie nun gleich zu großen Teilen aufgedeckt – letztendlich wird dieses Mal also sogar zu viel verraten. Ein Balanceakt, der sicher nicht leicht zu bewältigen ist – und mit dem die Macher sichtlich Probleme hatten. Da sich die Grusel-Stimmung aber auf einem vergleichbaren Niveau bewegt und man dieses Mal noch deutlicher mit dem Schicksal der Charaktere mitfiebern kann, erhält PARANORMAL ACTIVITY 2 die selbe Wertung wie auch schon der Vorgänger. Kein Pflichtprogramm, aber doch ein launiger und handwerklich interessanter Gruselspaß für einen gemeinsamen Horrorfilm-Abend.

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