Rezensionen: Filme

Filmkritik: „Attack The Block“ (2011)

Originaltitel: Attack The Block
Regie: Joe Cornish
Mit: Nick Frost, Jodie Whittaker, John Boyega u.a.
Laufzeit: 88 Minuten
Land: Großbritannien
FSK: Ab 16
Genre: Actionkomödie (40 %) / Drama (50 %) / Sci-Fi (10 %)

Da haben sich die Weltraum-Monster wohl den falschen Ort ausgesucht…

Inhalt: Die Jugendlichen Moses, Pest, Dennis, Jerome und Biggz hängen nur allzu gerne in ihrem selbsternannten ‚Block‘ in Südengland rum – und versuchen sich mit Überfällen finanziell über Wasser zu halten. Während eines weiteren nächtlichen Raubzuges geschieht allerdings etwas gar unfassbares: eine Art Meteorit schlägt wenige Meter neben der Gang ein. Doch es bleibt nicht bei dem ersten Schock – denn den Überresten des kosmischen Artefakts entsteigt ein fremdes Wesen. Dieses greift den Anführer der Gang an und versucht daraufhin zu entkommen – doch dabei würden Moses und Co. sicher nicht tatenlos zusehen. Sie verfolgen die Bestie und erlegen sie schließlich – um sie Drogenhändler Ron (Nick Frost) zu zeigen und wenn möglich etwas Profit aus dem Kadaver zu schlagen. Geschäft ist eben Geschäft. So oder so ähnlich müssen allerdings auch die Nachfolge-Aliens denken, die kurz darauf ebenfalls in der Gegend niedergehen, und dabei noch ein stückweit furcheinflössender aussehen und sich aggressiver verhalten. Das merkwürdige: während die örtlichen Behörden kaum etwas von einer möglichen Katastrophe mitbekommen, bekommt Moses‘ Gang spätestens jetzt waschechte Probleme – die Aliens sind offenbar nur hinter ihnen her. Doch auch das tagtägliche Gang-Leben geht trotz allem weiter, sodass sich Moses zu allem Überfluss auch noch mit dem selbst betitelten ‚Chef‘ des Blocks, dem Hobbyrapper Hi-Hatz herumschlagen muss…

Willkommen in unserem Viertel.

Kritik: Mit möglichen Erwartungshaltungen – gerade in Bezug auf einen Film – ist das so eine Sache. Während man einen Großteil von Filmen oftmals auch ganz unvoreingenommen sieht und sehen kann, gehört ATTACK THE BLOCK von Joe Cornish (übrigens: sein Regiedebüt) sicher nicht zu dieser Sorte Film. Im Gegenteil, in Anbetracht des Genres, der Namen der Mitwirkenden (besonders Nick Frost) und des Trailers / dem Rückentext der DVD oder Blu-Ray sollte einem jeder Zuschauer relativ klar sein, auf was er sich mit diesem Werk einlassen würde. Aber er wird sicher auch, und das zu Recht – entsprechendes erwarten. Nämlich einen möglichst unterhaltsamen, von Wort- und Situationswitz nur so gespickten Film – im besten Falle noch mit expliziten Horror-Anleihen (oder Seitenhieben) und einer gewissen Doppeldeutigkeit. Schließlich wird das Ganze nicht umsonst garniert mit einem Auftritt von Nick Frost, der gerade in Filmen wie SHAUN OF THE DEAD als träger Zombiekämpfer-Nerd geradezu brillierte – oder ? Schauen wir es uns an – denn trotz allen wie-auch-immer gearteten Erwartungen und Hoffnungen hat ATTACK THE BLOCK zweifelsohne die Chance, als mutiges Erstwerk eines ambitionierten Regisseurs zu punkten.

Hab‘ ich hier eigentlich auch was zu melden… ?

In der Tat war besagte Chance gegeben – doch genutzt hat das (leider) nicht viel. Im Grunde ist ATTACK THE BLOCK irgendwo zwischen Alien-Slasher und Gang-Drama angesiedelt. Diese vermeintliche ‚Einzigartigkeit‘, mit der der Film im übrigen auch beworben wird, entpuppt sich schon bald als deutliches Eigentor. Zwar ist es durchaus ‚mutig‘ und ambitioniert, diese zwei grundsätzlich unterschiedlichen Genres miteinander zu kombinieren, doch in diesem Fall spielen sie sich nur allzu offensichtlich gegeneinander aus. Einerseits sorgen die plumpe Inszenierung der ‚Alien-Invasion‘ (die absolut ideenlos ausfällt und im Finale lächerlich gelöst wird) und die komödiantischen Elemente dafür, dass man die ernstere Seite des Films schlicht nicht ernst nehmen kann, nicht ernst nehmen möchte. Und andererseits bewirken die fast schon moralinsauren, gesellschaftskritischen Anleihen in Sachen Gangs (Aussätzige der Gesellschaft), Hautfarbe (der Großteil der Darsteller ist Schwarz) und Akzeptanz (der ‚Block‘ ist wie eine Familie) dass man die wenigen beschwingt-witzigen Szenen gar nicht so recht genießen kann, genießen möchte. Man sieht: ATTACK THE BLOCK ist einem waschechten filmischen Dilemma unterworfen. Weder das eine, noch das andere kann so recht überzeugen – und zusammen ergibt sich erst recht eine mehr als gewöhnungsbedürftige Mixtur.

Lachen verboten.

Desweiteren sorgt vor allem der Cast für eine bitterböse Überraschung: während die Leistungen der zahlreichen, eher unbekannten Hauptdarsteller durchaus genießbar sind, verkommt Nick Frost hier zu einem fettleibigen, Haschpflanzen-konsumierenden Kauz im Gangster-Milieu. Das Problem an dieser Rolle: sie ist nicht nur absolut unbedeutend in Bezug auf den Inhalt, ihr fehlt schlicht ein wichtiger Aspekt aus früheren Auftritten Nick Frost’s: eine automatisch aufkommende Sympathie für den (jeweils kultig-ulkigen) Charakter. Die wenigen lausigen Sprüche oder Gesten, die hier präsentiert werden, locken nun wahrlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Doch gerade mit diesem Namen wirbt man für den Film – ein weiteres gravierendes Eigentor der Macher. So wird man sich früher oder später fragen müssen, wo sich der (Wort-)Witz von ATTACK THE BLOCK denn nun versteckt hält – doch in dieser Hinsicht wird dem Zuschauer keine Erleuchtung zuteil werden. Es bleibt so, wie es bereits der (etwas langatmige) Beginn des Films andeutete: einfach gehalten, wenig spannend; und dazu noch weder wirklich witzig noch bedeutend ernst. Einzig und allein der Auftritt zweier jüngerer ‚Nachwuchsgangster‘ (als Sidekick) kann hier so etwas wie einen Funken Charme versprühen, und rettet den Film in Sachen Witz noch gerade so unter den Durchschnitt – während er sich vorher im Keller bewegte. Optik und Sound bewegen sich auf einem anständigen, wenn auch nicht umwerfenden Niveau – gerade das Design der Monster wirkt etwas unbeholfen und ‚fremd‘ in der Szenerie, (zu) schnelle Schnitte kaschieren das ein oder andere optische Manko.

Fazit: Ernste Blicke von grundsätzlich versierten Darstellern mit unterschiedlichen Hautfarben, Situationen in denen es um Angst, Leben und Tod geht; gesellschaftliche-politische Themen – einzelne Szenen aus ATTACK THE BLOCK könnten glatt einem ernst gemeinten Drama entstammen. Warum man das Ganze dann allerdings in einem derart lächerlichen Rahmen verpacken musste, bleibt schleierhaft. Schließlich verliert der eindeutig gelungenere Teil des Films so seinen Reiz, und versinkt in einem schier unerträglichen Kuddelmuddel aus ärgerlich inszenierter Alien-Invasion, Rapmusik und flachen Witzen. So oder so – ATTACK THE BLOCK ist ein knapp unterdurchschnittliches Werk, um welches man besser einen Bogen machen sollte – es sei denn, man ist einigermaßen schmerzresistent und kann sich stimmungstechnisch mit ein oder zwei Lachern pro Stunde über Wasser halten. Wenn es schon eine Komödie mit Nick Frost sein soll, dann doch lieber eine gute alte Portion SHAUN OF THE DEAD oder HOT FUZZ (gemeinsam mit Simon Pegg) – im aktuellen Fall spielt es schlicht keine Rolle ob er anwesend ist oder nicht. Kurzum: wer unbedingt ‚wichtige‘ gesellschaftliche Themen ansprechen möchte, und dazu noch eine (gute) Darstellerin wie Jodie Whittaker als Krankenschwester Sam engagiert, die langsam aber sicher hinter die blosse Gangster-Fassade von Bandenanführer Moses blickt, sollte dies doch bitte nicht in einem derart abstrusen Rahmen versuchen.

2 replies »

  1. Nachdem ich neulich erst den „Anti-Twilight“ Warm Bodies (der ja auch eher deprimierend-komisch ist LOL…passt ja wieder diese Ambivalenz^^) gesehen habe, der mir recht gut gefiel habe ich nun mit Attack the Block den „Anti- Super 8“ gesehen. Kein Meisterwerk, es wäre durchaus mehr drin gewesen…auch sollte man die Darstellerauswahl ein wenig überdenken…aber insgesamt ist mir dieser britische Film im Gegensatz zu seinem amerikanischen „Antipoden“ weitaus sympathischer. Und ich bin mit NULL Erwartung an den Film gegangen. Sicherlich, wenn man wieder so einen typischen Nick Frost Film erwartet wird man enttäuscht sein, denn er liefert hier sozusagen nur einen längeren Cameo-Auftritt ab. Ich hätte gerne etwas mehr von den Nachwuchsgangstern gesehen^^ und die Monster hätte man auch durch Zombies (naja gut die können schlecht Hochhäuser raufklettern 🙂 ), Gorillas oder infizierte Killerhunde ersetzen können, aber ich fühlte mich durchaus kurzweilig unterhalten, im Gegensatz zu den Star Trek Neuverfilmungen mit Simon Pegg (wofür er ja nichts kann). ^^ Einfach schrecklich! Aber die Zuschauerzahlen, Einspielergebnisse und imdb-Wertungen lügen halt nie…*hust*

    Wertung: 6,5/10

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